Northrop T-38

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Northrop T-38 Talon
T-38 auf der Edwards AFB
T-38 auf der Edwards AFB
Typ: Jet-Trainer
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Northrop Corporation
Erstflug: 10. März 1959
Indienststellung: 17. März 1961
Produktionszeit: 1961 bis 1972
Stückzahl: 1.187[1]

Die Northrop T-38 Talon ist ein vom US-amerikanischen Hersteller Northrop Corporation gebauter Überschall-Jet-Trainer für Militärpiloten. Sie war der erste Überschalltrainer der Welt und ist noch immer im Dienst.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine T-38A Talon im Anflug auf die Andrews AFB

Die T-38 wurde Mitte der 1950er-Jahre als Trainer-Variante des Lightweight Fighter-Projekts (N-156 Projekt) entwickelt, aus dem später der F-5 Freedom Fighter entstand. Obwohl die United States Air Force damals keinen Bedarf für einen kleinen Jäger hatte, war sie doch an der Trainer-Variante als Ersatz für die Lockheed T-33 interessiert, mit der bis dahin die Ausbildung durchgeführt wurde. Die ersten drei Prototypen flogen am 10. März 1959 unter der Bezeichnung YT-38. Diese hatten ihren Rollout bereits im August 1958, jedoch verzögerte sich der Erstflug wegen Lieferschwierigkeiten der Triebwerke. Die ersten Serienmaschinen wurden dann 1961 nach dem schrittweisen Einbau und Test stärkerer Triebwerke ausgeliefert und traten am 17. März des gleichen Jahres ihren aktiven Dienst an. Als die Produktion 1972 eingestellt wurde, waren 1187 Maschinen des Typs T-38 gebaut worden. Seit ihrer Einführung haben geschätzt 55.000 Militärpiloten auf diesen Maschinen trainiert. Die T-38 hatte für damalige Trainingsflugzeuge eine sehr fortschrittliche Konfiguration mit Tragflächen relativ kleiner Spannweite und geringer Pfeilung. Zur Erreichung der Überschallfähigkeit wurde der Rumpf im Tragflächenbereich entsprechend der sogenannten Flächenregel verjüngt. Ein tiefliegendes Höhenleitwerk sorgt für sicheres Fliegen auch im höheren Anstellwinkelbereich (besonders wichtig für Trainingsaufgaben). Triebwerksseitig profitierte die T-38 von Entwicklungen für Marschflugkörper, sodass sie mit zwei sehr zuverlässigen ökonomischen Triebwerken ausgerüstet werden konnte. Die Pitot-Lufteinläufe für die Turbo-Triebwerke befinden sich vor den Tragflächenwurzeln und sind zur Verbesserung ihrer Hochanstellwinkeleigenschaften leicht vorwärts geneigt. Das große, geräumige Cockpit ist für Schulungszwecke bestens geeignet. Auch heute ist die vordere Schülerposition mit ihrer günstigen Rundumsicht als vorbildlich zu bezeichnen. Der hintere Sitz bietet dem Fluglehrer eine gute Übersicht über die Arbeit seines Schülers und gleichzeitig die Möglichkeit, die T-38 ohne große Einschränkungen selbst zu fliegen. Zur Sicherheit wurden zwei Martin-Baker US16T-1-Schleudersitze eingebaut. Da ab den 1990ern auch Frauen an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen, wurde es notwendig die Schleudersitze auf deren durchschnittlich geringeres Gewicht und Größe anzupassen, da auch die Trainer T-6A aus diesem Grund umgerüstet werden mussten.[2][3] Das große Schub-Gewichtsverhältnis brachte der T-38 ihren Spitznamen „Weiße Rakete“. 1962 stellten T-38 vier Steigraten-Rekorde auf.

Die meisten T-38 gehörten zur Variante AT-38, die Air Force hatte jedoch auch eine kleine Anzahl von Flugzeugen zum Waffentraining umgebaut. Diese Flugzeuge mit der Bezeichnung AT-38B konnten ein Geschütz, Raketen oder Bomben an einem Pylon unter der Längsachse tragen. Seit 2004 lief die Entwicklung der T-38C. Der Auftrag der USAF wurde 1996 McDonnell Douglas erteilt; der Erstflug fand am 8. Juli 1998 statt. In dieser Variante wurden die Avionik und das Cockpitlayout stark verbessert. Dazu wurde unter anderem ein GPS/INS, ein Headup-Display, ein zentraler großer Farbbildschirm (15 × 20 cm) und auf der rechten Seite ein Statusbildschirm (10 × 13 cm) eingebaut. So soll den Pilotenschülern der Umstieg auf Flugzeuge der fünften Generation (F-22, Eurofighter) vereinfacht werden. Dieses Upgrade wurde Mitte 2007 abgeschlossen. Die nächste Verbesserungsreihe betrifft die Triebwerke. Die verstellbaren Triebwerksauslässe werden für mehr Schub in niedrigen Höhen verändert. Das führt allerdings zu einer leicht erhöhten Anfälligkeit der Triebwerke. Gegenwärtig sind noch gut 500 Flugzeuge im Dienst. Außer der USAF fliegen auch die Luftwaffen von Deutschland, Italien, Norwegen, der Niederlande, Portugal, Singapur, Taiwan und der Türkei die T-38. Außerdem wird sie von der NASA und von Boeing geflogen, die diesen Typ als Begleitflugzeug benutzen. Space-Shuttle-Piloten nutzen dieses Flugzeug, um ihre fliegerischen Fähigkeiten zu erhalten. Hinzu kommt noch eine kleine Anzahl in zivilem Besitz.

Zwischen 1974 und 1983 flog auch die Thunderbirds-Kunstflugstaffel der US Air Force die T-38, bevor die gestiegenen Treibstoff- und Wartungskosten zu deren Ablösung durch die F-16 Fighting Falcon führten.

Die derzeit 46 (Stand 2008) AT-38 der deutschen Luftwaffe führen USAF-Kennzeichen, da sie in den USA auf der Sheppard Air Force Base (Texas) stationiert sind. Dort erhalten die deutschen Flugschüler seit über 20 Jahren innerhalb von 55 Kalenderwochen im Rahmen des Euro NATO Joint Jet Pilot Training, kurz ENJJPT, ihre fliegerische Ausbildung. Die Verantwortung für die Ausbildung liegt in den Händen der 80th Flying Training Wing der USAF. Auch für die deutschen Flugzeuge ist die Modernisierung auf den Stand der T-38C geplant, um sie an den aktuellen Stand der Technik anzupassen. Sie sollen bis zum Jahr 2020 (60 Jahre nach ihrem Erstflug) im Flugbetrieb bleiben.

Nutzer[Bearbeiten]

T-38 der „NATO Joint Jet Pilot Training School“, Sheppard AFB, Texas
DeutschlandDeutschland Deutschland
PortugalPortugal Portugal
China RepublikRepublik China Republik China
TurkeiTürkei Türkei
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Technische Daten[Bearbeiten]

Eine T-38 Talon der NASA
T-38 Talon, ausgestellt im Kennedy Space Center
Kenngröße Daten
Besatzung 2 (Flugschüler und Ausbilder)
Länge 14,10 m
Spannweite 7,70 m
Höhe 3,92 m
Flügelfläche 15,79 m²
Leergewicht 3266 kg
Startgewicht max. 5670 kg
Höchstgeschwindigkeit 1381 km/h
Dienstgipfelhöhe 15.240 m
Reichweite 1760 km
Triebwerke Zwei General Electric-J85-5A-Turbojets mit Nachbrenner

Verwandte Flugzeuge[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten]

  • FlugRevue 5/2008, S.67-70, Northrop T-38 Talon
  1. http://www.luftwaffe.de/portal/a/luftwaffe/waff/schu/t38a
  2. The History and Developments of Martin Baker America. Martin-Baker Aircraft Company, 4. Juli 2012, S. 8 f, abgerufen am 27. März 2014 (PDF; 54 kB, englisch).
  3.  Stefan Schmitt: Dem Himmel so nah. Wie moderne Schleudersitze technische Meisterleistungen vollbringen. In: Zeit Wissen. Nr. 1, 10. Dezember 2008, S. 68-71 („In dem Moment, in dem das Rohr in der Rückenlehne und das am Cockpitboden getrennt sind, lässt der Schub schlagartig nach. Für die Ingenieure war dies lange ein Problem: Verwendeten sie eine zu schwache Treibladung, kam der Pilot nicht sicher aus dem Flugzeug. War sie zu stark, riskierten sie Verletzungen am Rückgrat. Das Problem verschärfte sich zusätzlich, als die ersten Frauen Kampfjets bestiegen. Schließlich muss ein Schleudersitz seitdem ihre im Durchschnitt zarteren Körper ebenso unbeschadet in Sicherheit bringen können wie den eines viel schwereren und deutlich größeren Mannes.“).