Nortorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der holsteinischen Stadt Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Die gleichnamige Gemeinde im Nachbarkreis Steinburg siehe unter Nortorf (Wilstermarsch).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Nortorf
Nortorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nortorf hervorgehoben
54.16879.854832Koordinaten: 54° 10′ N, 9° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Nortorfer Land
Höhe: 32 m ü. NHN
Fläche: 12,77 km²
Einwohner: 6660 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 522 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24589
Vorwahl: 04392
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 117
Adresse der Amtsverwaltung: Niedernstraße 6
24589 Nortorf
Webpräsenz: www.nortorf.de
Bürgermeister: Horst Krebs (CDU)
Lage der Stadt Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte
Die Kirche St. Martin

Nortorf (plattdeutsch: Noorddörp) ist eine Stadt nördlich von Neumünster in Schleswig-Holstein.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt auf der holsteinischen Geest zwischen den Naturparks Westensee und Aukrug zentral in der Region Mittelholstein, im Städtedreieck von Neumünster, Rendsburg und Kiel, an der Bahnstrecke Neumünster–Flensburg unweit der Bundesautobahn 7 (Hamburg–Flensburg). Der Geografische Mittelpunkt Schleswig-Holsteins liegt auf Nortorfer Stadtgebiet (Ortsteil Thienbüttel) auf einer Höhe von 20,12 m ü. NN. Die Landesstraße 121 verbindet Nortorf mit der Ortschaft Hohenlockstedt.

Geschichte[Bearbeiten]

Nortorf wurde bereits im 10. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Eine erste Kapelle soll bereits unter Bischof Ansgar gegründet worden sein, vermutlich jedoch erst unter Heinrich dem Löwen. Angeblich besaß die Kirche Reliquien des namensgebenden Heiligen Martin von Tours, deren Diebstahl und Wiederauffindung in der Visio Godeschalci geschildert wird. Das Kirchengebäude wurde mehrmals durch Kriegseinwirkungen und Brände zerstört. Die heutige Kirche stammt von 1872.

Am 19. Juli 1909 wurde Nortorf durch ein neues Ortsstatut zur Stadt. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es zwei Lederfabriken, ein Sägewerk, eine Bierbrauerei (Holsatia Brauerei AG) und eine Fleischwarenfabrik. Durch Bahnanschluss, Dampfkraft und expandierendes Gewerbe wurde Nortorf zu einem Industriestandort. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam Nortorf mit einer großen Schallplattenfabrik Teldec (Telefunken-Decca Schallplatten GmbH), die mehrere 100 Arbeitnehmer beschäftigte, seinen wichtigsten Gewerbebetrieb. Heute hat das Unterzentrum Nortorf besonders als Verwaltungs-, Schul-, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum auch eine Bedeutung für 20 Gemeinden der näheren Umgebung.[2]

Am 1. Januar 2007 trat die bis dahin amtsfreie Stadt dem Amt Nortorf-Land bei, dessen Name daraufhin in Amt Nortorfer Land geändert wurde. Letzter hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Nortorf war Hans-Helmut Köppe.

Postgeschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Postgeschichte von Nortorf

Am 1. Juli 1764 wurde in Nortorf eine Post eingerichtet. Johan Jacob Ritzius wurde zum Posthalter ernannt und eine Posthalterei eingerichtet. Am Freitag jeder Woche fuhr die Postkutsche nachmittags nach Neumünster und mußte nach 3 Stunden am Ziel sein.

Religionen[Bearbeiten]

In Nortorf gibt es zwei Kirchen: die evangelische St.-Martin-Kirche, deren neugotischer Bau das Stadtzentrum optisch dominiert, und die katholische St.-Konrad-Kirche, die am Stadtpark liegt. Auch die neuapostolische Kirche besitzt in Nortorf ein Gotteshaus, das mittlerweile allerdings nicht mehr genutzt wird und zum Verkauf steht.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1945–1948: Wilhelm Techam (SPD)
  • 1964–1970: Helmut Greve (parteilos)
  • 1970–1974: Herbert Schütt (SPD)
  • 1974–1989: Karl-Arthur Jäger-Volk (CDU)
  • 1989–1992: Jürgen Kanehl (SPD)
  • 1992–2006: Hans-Helmut Köppe (parteilos)
  • 2007–2008: Uwe Bestehorn (CDU)
  • 2008–2009: Dirk Kühl (CDU)
  • seit 2009: Horst Krebs (CDU)

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Seit der der Kommunalwahl im Mai 2013 hat die CDU acht Sitze, die SPD sechs, die Grünen drei und die FDP zwei Sitze in der 19-köpfigen Stadtverordnetenversammlung[3].

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt und oben gespalten. Vorn in Silber ein blaues Zahnrad, hinten in Blau auf goldener Scholle ein Bündel von fünf goldenen Ähren und goldenen Blättern; unten in Rot auf golden gezäumtem silbernen Ross der silbern gekleidete heilige Martin mit Mitra und Schwert, darunter auf silbernem Boden sitzend ein silberner Bettler mit goldener Krücke.“[4]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • Seit 1955 Patenschaft zur Wollin, einer Stadt in Hinterpommern, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde.
  • Seit 1989 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Perstorp in Schweden.
  • Seit 1988 besteht eine Schulpatenschaft zwischen der Städtischen Realschule und dem Gymnasium der polnischen Stadt Brzesko.
  • Seit 1988 besteht eine Schulpatenschaft zwischen der Städtischen Realschule und dem St. Mary’s College in Hull/GB Kingston upon Hull.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Nortorf stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

St.-Martin-Kirche[Bearbeiten]

Im Stadtzentrum befindet sich die 1872 gebaute neugotische St.-Martin-Kirche.

„Die Mitte Schleswig-Holsteins“
Markierung der „Mitte Schleswig-Holsteins“

Geografischer Mittelpunkt Schleswig-Holsteins[Bearbeiten]

Am westlichen Stadtrand von Nortorf, in Thienbüttel, befindet sich der geografische Mittelpunkt Schleswig-Holsteins.

Stadtpark und Skulpturenpark[Bearbeiten]

Nortorf besitzt seit 1953 in seinem östlichen Ortsteil einen Stadtpark, in dem sich seit 1987 der Skulpturenpark Nortorf mit bisher 22 Arbeiten schleswig-holsteinischer Bildhauer befindet.[5]

Skulpturenpark Nortorf

Nortorfer Museum[Bearbeiten]

Das Nortorfer Museum besitzt eine Sammlung zur Geschichte der Schallplattenherstellung. Zu sehen sind dort Teile von Schallplattenpressen, Filme zur Schallplatten- und Musikkassettenherstellung sowie einige tausend Tonträger von der Schellackplatte bis zur CD. Weiterhin gibt es im Museum eine alte Apotheke von etwa 1910 sowie zahlreiche andere Exponate zur Stadtgeschichte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Nortorf als Unterzentrum versorgt im Wesentlichen den Bereich des Amtes mit ca. 12.000 Einwohnern mit den Gütern des täglichen und tlw. mittelfristigen Bedarfes. Um diese Funktion zu sichern wurden seit 1996 umfangreiche Stadterneuerungsmaßnahmen zur Verbesserung des Ortsbildes durchgeführt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Stadt ist Verwaltungssitz des Amtes Nortorfer Land.

Bildung[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es eine Grund-, eine Gemeinschaftsschule sowie eine Förderschule für geistig behinderte Jugendliche (Schule an den Eichen), eine Förderschule für lernschwache Kinder (Hugo-Syring-Schule) und eine Volkshochschule. Im Rathaus befindet sich die Stadtbücherei.

Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 wurden die Real- und Hauptschule zu einer Gemeinschaftsschule zusammengeschlossen. Die bisherigen Schulformen der Real- und Hauptschule laufen über die nächsten Jahre hinweg aus.

Unternehmen[Bearbeiten]

Die Discounter-Kette Aldi-Nord ist mit einer ihrer Regionalniederlassungen ansässig, zuzüglich eines großflächigen Zentrallagers. Ferner ist Nortorf Sitz der Markus-Stiftung von Theo Albrecht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Wulf Rüdiger Brocke (* 1946) ist ein ehemaliger Hamburger und Lübecker Politiker (CDU). Er ist Autor von zwei Büchern über Nortorf.
  • Martin Ehlers (1732–1800), Reformpädagoge und Professor für Philosophie an der Universität in Kiel
  • Hartwig Franzen (1878-1923) war ein deutscher Chemiker.
  • Kurt Hamer (1926–1991), gestorben in Nortorf, Politiker (SPD) und erster Vizepräsident des Landtages von Schleswig-Holstein
  • Richard Hansen (1912-2001) war ein deutscher Gärtner und Gartenbauwissenschaftler. Er war ein Pionier der Sichtung von Zierpflanzen in Deutschland, insbesondere von Stauden.
  • Sabine Kaack (* 1959), deutsche Schauspielerin
  • Harboe Kardel (1893–1982), Dr. phil., deutscher Autor
  • Ferdinand Schröder (1892-1978), lutherischer Pfarrer und Oberkirchenrat
  • Hans Sommer (* 1914), Leiter der Bezirksvertretung Hamburg der Organisation Gehlen
  • Oliver Stern (* 1953), deutscher Schlager-Countryinterpret, Komponist, Texter, Musikproduzent und Buchautor
  • Heike Trinker, auch Heike Brentano; (*1961) ist eine deutsche Schauspielerin.
  • Manfred Wedemeyer (1931-2009) war ein deutscher Schriftsteller und Volkswirt.
  • Hermann Hans Rudolph Christian Maximilian von Zülow (1806-1879) war ein großherzoglich mecklenburgischer Offizier, zuletzt General der Infanterie.

Mit Nortorf verbunden[Bearbeiten]

  • Joshua Bluhm ist ein deutscher Bobsportler und lebt in Nortorf[6].
  • Franz Bockel (1798-1879), begraben in Nortorf, war ein deutscher Autor.
  • Günter Bongert (* 1953) war von 1980 bis 2014 Kirchenmusiker an der Nortorfer St. Martin-Kirche[7].
  • Bernd Heinemann (*1952) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er ist Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtages und war als Stadtjugendpfleger in Nortorf tätig.
  • Thusnelda Kühl (1872-1935), (bürgerlich nach ihrer Heirat Thusnelda Petersen) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie lebte von 1905 bis zu ihrem Tod in Nortorf und wurde auf dem Friedhof am Lohkamp beigesetzt.
  • Samuel Meiger, auch Samuel Meigerius, Samuel Meier oder Samuel Meyer genannt (* 1532 in Rendsburg; † 1610 in Nortorf), war ein deutscher Pastor, Autor, Herausgeber und Gelehrter.
  • Maria Merta (*1950) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie war bürgerliches Mitglied, Stadtverordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Nortorf.
  • Peter Voß (*1891 in Fiefhusen, † 1979 in Nortorf) war ein deutscher Schauspieler.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Rudolf Beyer, erster Bürgermeister der Stadt (1908–1931)

Ehemalige Ehrenbürger[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nortorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Nortorf Stadtgeschichte
  3. Ergebnisse der Kommunalwahlen 2013. amt-nortorfer-land.de. Abgerufen am 27. Mai 2013.
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  5. Skulpturenpark Stadt Nortorf
  6. Schleswig-Holsteins Mann für Sotschi
  7. Kirchenmusikdirektor Günter Bongert. Abgerufen am 18. Januar 2014.
  8. Hitler soll nicht länger Ehrenbürger sein, Kieler Nachrichten, 28. Februar 2013
  9. Nortorf und der Ehrenbürger Adolf Hitler, Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 2. März 2013
  10. Nortorf entzieht Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft, Hamburger Abendblatt, 24. April 2013
  11. Hitler und Lohse bald keine Ehrenbürger mehr?, Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, 30. März 2013