Nosologie

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Nosologie ist die Lehre von der Erscheinungsform / Klassifikation einer Krankheit und ursprünglich ein Teilgebiet der Pathologie. Diesen traditionellen medizinischen Anschauungen sind jedoch diejenigen der Psychopathologie gegenüberzustellen, wie sie auch von der Psychosomatik vertreten werden. In diesen Teilgebieten werden unterschiedliche Theorien der Krankheitsentstehung vertreten, die sich praktisch in ihrer Methodik voneinander unterscheiden und auf das von der Philosophie behandelte Leib-Seele-Problem zurückgehen. Sowohl in der Pathologie als auch in der Psychopathologie wird jedoch bei der Entstehung von Krankheiten von mangelnder Anpassung oder Adaptation auf Anforderungen und Belastungen gesprochen (Noxen, Stressoren, Traumata). – Das Adjektiv zu Nosologie lautet nosologisch: die Nosologie betreffend; Krankheiten systematisch beschreibend. Die deutsche Bezeichnung für Nosologie ist Krankheitslehre.

Verschiedene Klassifikationssysteme[Bearbeiten]

Verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten werden parallel angewandt: Nach Symptom (Symptomatologie), Ursache (Ätiologie), Entstehung (Pathogenese) oder betroffenem Organ.

Das verbreitetste Klassifikationssystem ist die ICD der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die von der WHO vertretene Definition von Gesundheit als „Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens“[1] ist für die Definition des Krankheitsbegriffs als Störung von Gesundheit zu beachten. Diese Definition nennt sich auch kurz das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell, wobei die Hierarchie dieser Stufenleiter zu berücksichtigen ist, vgl. → Situationskreis. Das Instrument der WHO ist in seiner ureigenen Intention eher deskriptiv-pragmatisch (symptomatologisch) ausgerichtet und weist daher gewisse notwendige Nachteile bei der Berücksichtigung anderer nosologischer Gesichtspunkte auf.

In der Schweizer Armee wird die sogenannte Nosologia Militaris verwendet.

Zur Kritik an den Diagnostischen Inventaren der WHO[Bearbeiten]

Bei operationalisierten Vorgehensweisen, wie dies die Inventare der WHO zu Recht nahelegen, ist immer auch a) die Wandelbarkeit der Theorie b) der Zeitfaktor der Krankheitsentwicklung zu beachten. Vor allem dieser Zeitfaktor ist es, der ein prinzipielles Problem für sog. Querschnittsdiagnosen darstellt. Nach dem operationalisierten Vorgehen werden zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt erhobene Befunde mehr oder weniger „automatisch“ zu einer Diagnose zusammengefasst. Diese kann - zumindest in Krankenunterlagen – fälschlich einen jeweils „bleibenden Charakter“ vortäuschen. Gerade wenn es um subjektabhängige diagnostische Beurteilungen geht, stellen operationalisierende Vorgehensweisen eine gewisse Gefahr dar, indem sie die Beobachtung sog. Längsschnitte bzw. Entwicklungen nicht genügend berücksichtigen. Dies spielt namentlich in der Psychiatrie eine große Rolle. Siehe dazu insbesondere die Diskussion um die scheinbare Relativierung des Neurosebegriffs zugunsten allzu pragmatischer Vorgehensweisen sowie den psychosomatischen Einwand des Maschinenparadigmas. Die allzu starke Ausrichtung auf eine allein deskriptiv-symptomatologisch orientierte Krankheitsdiagnostik hat zur Entwicklung des multiaxialen Systems geführt. Diese Achsen werden in nachfolgender Aufstellung erläutert. Damit wird auch prinzipiellen erkenntnistheoretischen Vorbehalten zum Thema Objektivität der Wissenschaften Rechnung getragen. Dazu sei auch ein Leitsatz von Karl R. Popper zitiert: “Clinical observations like all other observations are interpretations in the light of theories.” – „Kinische Beobachtungen sind, wie alle andere Beobachtungen, Interpretationen im Licht der Theorien.“[2]

Multiaxiales System nach ICD-10[Bearbeiten]

  • Achse 1a: Psychiatrische Erkrankungen
  • Achse 1b: Somatische Erkrankungen
  • Achse II: Soziale Behinderungen (Beeinträchtigungen der psychosozialen Funktionsfähigkeit)
  • Achse III: Faktoren der sozialen Umgebung und der individuellen Lebensbewältigung gemäß Kapitel XXI (Z) der ICD-10 (Belastungsfaktoren)[3]

Zurzeit wird ein neues Multiaxiales System entwickelt.[4] Zur Kritik sei auf den Abschnitt Weblinks verwiesen.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  1. Böcker, W. und H. Denk, Ph. U. Heitz: Pathologie. Urban & Fischer, 3. Auflage April 2004, ISBN 3-437-42381-9, Seite 5
  2. Bach, Otto: Über die Subjektabhängigkeit des Bildes von der Wirklichkeit im psychiatrischen Diagnostizieren und Therapieren. In: Psychiatrie heute, Aspekte und Perspektiven, Festschrift für Rainer Tölle, Urban & Schwarzenberg, München 1994, ISBN 3-541-17181-2, Seite 1 - Zitat Popper nach Bach
  3. Dilling, H. et al. (Hg.), Weltgesundheitsorganisation: Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F). 2.Auflage. Hans Huber Verlag, Göttingen 1993, ISBN 3-456-82424-6, Seite 7, Punkt d)
  4. Der Nervenarzt, ISSN 0028-2804 (Print); ISSN 1433-0407 (Online)

Siehe auch[Bearbeiten]