Notburga von Rattenberg

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Notburga von Rattenberg in Scheffau am Wilden Kaiser

Notburga von Rattenberg (* um 1265 in Rattenberg; † 13. September 1313 im Schloss Rottenburg, Buch in Tirol) ist eine Tiroler Volksheilige. Sie wird als Patronin der Dienstmägde und der Landwirtschaft verehrt. Damit verbunden wird sie in zahlreichen Bundesländern auch als Patronin von Trachtenträger und -förderer verehrt. So wird in Niederösterreich jeweils am zweiten Sonntag im September (nahe ihrem Namenstag) der Dirndlgwandsonntag gefeiert.[1]

Leben[Bearbeiten]

Der Legende nach wurde Notburga um das Jahr 1265 als Tochter eines Hutmachers in Rattenberg geboren. Zu dieser Zeit gehört Rattenberg zu Bayern. Sie verdingte sich als Dienstmagd bei Heinrich I. von Rottenburg auf Schloss Rottenburg. Die Herren von Rottenburg waren zu dieser Zeit die Hofmeister der Grafen von Tirol. Sie kümmerte sich bereits zu jener Zeit um die Armen, Behinderten und Kranken. So verteilte sie, mit Duldung ihres Dienstherren, die Reste der Speisen von der Burg an die Bedürftigen.

Kirchenfenster gestaltet von Martin Häusle in der Pfarrkirche Liesing

Als Heinrich I. verstarb und sein Sohn Heinrich II. von Rottenburg der neue Herr des Burg wurde, verbot dessen Frau Ottilia Notburga, weiterhin die Speisereste an das Volk zu verteilen. Notburga gehorchte und legte von da an für sich selbst regelmäßig Fastentage ein. Das Essen, das sie selbst an diesen Tagen nicht aß, verteilte sie weiterhin an die Bedürftigen. Auch dieses Verhalten missfiel Ottilia, so dass sie ihren Mann gegen Notburga aufbrachte.

„Holzspan-Wunder“[Bearbeiten]

Eines Tages, Notburga trug in ihrer Schürze Essen für die Armen und in der Hand einen Krug mit Wein, hielt sie ihr Dienstherr auf dem Burghof an. Er wollte von ihr wissen, was sie bei sich trage. Der Legende nach soll Notburga geantwortet haben: „Holzspäne und Lauge.“ Als Heinrich II., der ihr keinen Glauben schenkte, nachsah, trug sie in ihrer Schürze nur noch Holzspäne, und im Krug war Lauge.

Ihr Dienstherr beendete das Dienstverhältnis jedoch bald, und Notburga musste die Rottenburg verlassen. Notburga fand in der nahen Gemeinde Eben am Achensee eine Anstellung als Bauernmagd. Sie versorgte das Vieh und half bei der Feldarbeit. Notburga hatte sich beim Bauern das Recht erbeten, beim ersten Glockengeläut am Abend die Arbeit niederzulegen, um zu beten.

„Sichel-Wunder“[Bearbeiten]

Eines Nachmittags, das Wetter drohte umzuschlagen, verlangte der Bauer, dass niemand die Arbeit niederlege, bevor nicht alles Getreide eingeholt sei. Beim ersten Glockengeläut legte Notburga wie immer die Arbeit nieder. Der Bauer jedoch wollte sie nicht gehen lassen. Der Legende nach warf Notburga ihre Sichel in den Himmel, wo diese an einem Sonnenstrahl hängen blieb. Der Bauer erschrak und ließ Notburga ziehen.

Notburga auf einem Glasfenster in einer Kapelle in Görau (Oberfranken)

Zurück auf der Rottenburg[Bearbeiten]

Nach dem Tod von Heinrichs Frau Ottilia fand diese, so berichtet die Legende, keine Ruhe im Grab. Außerdem war auf der Rottenburg ein blutiger Bruderkrieg zwischen Heinrich II. von Rottenburg und seinem Bruder Siegfried ausgebrochen. Im Verlauf der Auseinandersetzung brannte es auf der Rottenburg. In dieser Situation erinnerte sich Heinrich II. an seine Magd Notburga. Er bat sie, auf die Burg zurückzukehren. Für seine Frau stiftete Heinrich eine jährliche Speisung von 500 Armen. Notburga gelang es schnell, zwischen den Brüdern Heinrich und Siegfried Frieden zu stiften.

Bis an ihr Lebensende blieb Notburga auf der Rottenburg. Heinrich II. und seine zweite Frau erlaubten ihr das Versorgen und Pflegen der Armen und Kranken auf der Burg.

„Ochsen-Wunder“[Bearbeiten]

Vor ihrem Tod äußerte Notburga den Wunsch, dass man ihren Leichnam auf einen Karren mit zwei Ochsen legen solle und dort begraben solle, wo der Karren stehen blieb. Der Legende nach sollen die Ochsen den Karren von der Rottenburg hinauf bis nach Eben am Achensee gezogen haben. Die Ochsen, so die Legende, haben erst vor der Kirche in Eben angehalten.

Nachwirken[Bearbeiten]

Notburga zählt zu den meistverehrten Heiligen in der Oststeiermark, in Tirol und in Slowenien. Nach ihrem Tod wurde sie vor dem Altar der Rupertikirche in Eben am Achensee beigesetzt. Auf Grund einer sehr bald einsetzenden Wallfahrt zu ihrem Grab wurde die Kirche in Eben um 1434 und um 1508 erweitert. Am 22. August 1718 wurden ihre sterblichen Überreste mit Erlaubnis des Bischofs von Brixen Kaspar Ignaz von Künigl exhumiert. 1735 erlaubte der Bischof von Brixen, aus ihrem Skelett eine Ganzkörperreliquie für die Kirche von Eben zu machen. Dieses Skelett befindet sich nicht, wie üblich, liegend in einer Seitenkapelle, sondern stehend in der Retabel des Hochaltars der Kirche, wofür ein besonderes Privileg erforderlich war.

Die Verehrung der Volksheiligen Notburga wurde 1862 von Papst Pius IX. bestätigt. In Eben am Achensee findet an jedem 13. September die feierliche Notburgaprozession statt. Sie wird als Patronin der Dienstmägde, der Arbeitsruhe und des Feierabends verehrt.

2004 wurde in Eben am Achensee das Notburga-Museum eröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Notburga. Mythos einer modernen Frau. Gemeinsame Ausstellung von Augustinermuseum Rattenberg, Museum Tiroler Bauernhöfe Kramsach, Schloss Matzen Reith im Alpbachtal, 1. Mai - 26. Oktober 2001. Edition Tirol, Reith i. A. 2001, ISBN 3-85361-063-3
  • Beatrix Pinzer, Egon Pinzer: Urlaubsregion Achensee. Löwenzahn Verlag, Innsbruck 2003, ISBN 3-7066-2317-X, S. 74 ff.
  • Pfeffer: St. Notburga in der schwäbischen Kunst, in: Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins. 33. Jg. 1915, S. 99–104 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Notburga von Rattenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Notburga von Rattenberg. In: Johann E. Stadler, Franz Joseph Heim, Johann N. Ginal (Hrsg.): Vollständiges Heiligen-Lexikon ..., 4. Band (M–P), B. Schmid’sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg 1875, S. 586–592.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dirndlgwandsonntag bei Bildungs- und Heimatwerk NÖ abgerufen am 9. November 2013