Notfallsanitäter

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Notfallsanitäter (NotSan) ist eine Qualifikationsbezeichnung für Personen im Rettungsdienst. Während die Berufsbezeichnung in Österreich bereits seit 2002 existiert, wurde sie in Deutschland mit Wirkung zum 1. Januar 2014 eingeführt und löste dort den Rettungsassistenten als Berufsbild im Rettungsdienst ab.[1]

Notfallsanitäter in Deutschland[Bearbeiten]

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Der Beruf des Notfallsanitäters hat den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter unterscheidet sich wesentlich von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten und wurde von zwei auf drei Jahre verlängert. Das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) und die aufgrund dieses Gesetzes erlassene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung[2] sind am 1. Januar 2014 in Kraft getreten.[3] Das bisherige Rettungsassistentengesetz tritt am 31. Dezember 2014 außer Kraft, um eine einjährige Übergangsphase bei der Ausbildung zu ermöglichen.

Als Zugangsvoraussetzung muss mindestens ein mittlerer schulischer Bildungsabschluss vorgewiesen werden. Hauptschüler müssen zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben (§ 8 Nr. 2 NotSanG).

Als neues Ausbildungziel gilt, dass entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermittelt werden sollen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 NotSanG).

Die Ausbildung besteht aus einem theoretischem und praktischem Unterricht im Umfang von 1920 Stunden in einer staatlich anerkannten Schule. An Stelle des früher traditionellen Fächerkatalogs ist die Ausbildung in zehn verschiedene Themenbereiche gegliedert, die einen übergreifenden Charakter haben und auf eine stärker handlungsorientierte Ausbildung ausgerichtet sind:

  1. Notfallsituationen bei Menschen aller Altersgruppen sowie Gefahrensituationen erkennen, erfassen und bewerten
  2. Rettungsdienstliche Maßnahmen und Maßnahmen der Gefahrenabwehr auswählen, durchführen und auswerten
  3. Kommunikation und Interaktion mit sowie Beratung von hilfesuchenden und hilfebedürftigen Menschen unter Berücksichtigung des jeweiligen Alters sowie soziologischer und psychologischer Aspekte
  4. Abläufe im Rettungsdienst strukturieren und Maßnahmen in Algorithmen und Einsatzkonzepte integrieren und anwenden
  5. Das Arbeiten im Rettungsdienst intern und interdisziplinär innerhalb vorhandener Strukturen organisieren
  6. Handeln im Rettungsdienst an Qualitätskriterien ausrichten, die an rechtlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Rahmenbedingungen orientiert sind
  7. Bei der medizinischen Diagnostik und Therapie mitwirken, lebenserhaltende Maßnahmen und Maßnahmen zur Abwendung schwerer Schäden durchführen. Es können dabei in gewissem Rahmen bis zur Übergabe an einen weiterbehandelnden Arzt auch invasive Maßnahmen durchgeführt werden.
  8. Berufliches Selbstverständnis entwickeln und lernen, berufliche Anforderungen zu bewältigen
  9. Auf die Entwicklung des Notfallsanitäterberufs im gesellschaftlichen Kontext Einfluss nehmen
  10. In Gruppen und Teams zusammenarbeiten

Die praktische Ausbildung findet zum einen in einer genehmigten Lehrrettungswache im Umfang von 1960 Stunden und zum andern in einem geeigneten Krankenhaus im Umfang von 720 Stunden statt. Sie umfasst im Einzelnen:

  • Rettungswache
    • Dienst an einer Rettungswache
    • Durchführung und Organisation von Krankentransporten
    • Durchführung und Organisation von Einsätzen in der Notfallrettung
  • Krankenhaus
    • Pflegeabteilung
    • Interdisziplinäre Notfallaufnahme
    • Anästhesie-und OP-Abteilung
    • Intensivmedizinische Abteilung
    • Geburtshilfliche, pädiatrische oder kinderchirurgische Fachabteilung/Intensivstation oder Station mit entsprechenden Patientinnen und Patienten
    • Psychiatrische, gerontopsychiatrische oder gerontologische Fachabteilung

Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil umfasst. Die Prüfung ist an der Schule abzulegen, bei der die Ausbildung abgeschlossen wird.

Rettungsassistenten können die neue Berufsbezeichnung führen, wenn sie bis Ende 2020 eine Ergänzungsprüfung bestehen. Abhängig von der Dauer ihrer beruflichen Tätigkeit sind hierfür bis zu 960 Stunden Weiterbildung notwendig (§ 32 NotSanG).

Notfallsanitäter in Österreich[Bearbeiten]

Notfallsanitäter (NFS) sind in Österreich für den Rettungs- und Notarztdienst ausgebildete Personen. In der Ausbildung werden die Grundlagen der Notfallmedizin und Techniken der Versorgung verletzter oder erkrankter Personen erlernt.

Ihre Aufgabe ist neben den allgemeinen Aufgaben eines Sanitäters (Betreuung des Patienten während des Transportes, Hilfestellung bei auftretenden Akutsituationen und Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen) unter Anderem die Unterstützung des Notarztes. So werden auf allen Notarztmitteln (NAW, NEF, NAH, ITW) Notfallsanitäter eingesetzt.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter baut auf der zum Rettungssanitäter auf und erlaubt dem Notfallsanitäter erweiterte Maßnahmen, wie etwa die Gabe bestimmter Medikamente („Arzneimittelliste 1“) und die Anwendung von Notfallkompetenzen (siehe unten).

Die Bezeichnungen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter bzw. die jeweiligen Ausbildungen sind erst seit 2002 durch das Sanitätergesetz (SanG) gesetzlich geregelt und staatlich anerkannt.

Das am häufigsten verbreitete „Arbeitsmittel“ der Notfallsanitäter in Österreich, das Notarzteinsatzfahrzeug

Ausbildung in Österreich[Bearbeiten]

Die Ausbildung baut auf der zum Rettungssanitäter auf und stellt die höchste Qualifikation im österreichischen Rettungsdienst dar. Sie umfasst weitere 480 Stunden und gliedert sich in drei Teile:

  • die theoretische Ausbildung im Ausmaß von 160 Stunden,
  • ein Krankenhauspraktikum im Ausmaß von 40 - 120 Stunden sowie
  • ein 280-stündiges Praktikum in Notarztsystemen, von dem bis zu 120 Stunden als Krankenhauspraktikum absolviert werden können.

Personen, die sich für die Aufnahme zur Ausbildung zum Notfallsanitäter bewerben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllen[4]:

  • eine aktive Berechtigung als Rettungssanitäter
  • eine Bestätigung, dass der Bewerber mindestens 160 Einsatzstunden im Rettungs- und Krankentransportdienst absolviert hat, welche die Eignung für die Ausbildung zum Notfallsanitäter bestätigen
  • den positiven Abschluss eines Eingangstests

Der Lehrstoff der Rettungssanitäter-Ausbildung wird vertieft, zusätzliche Inhalte betreffen Einsatztaktik und Arzneimittellehre. Die Ausbildung endet mit einer mündlichen und praktischen Prüfung vor einer Prüfungskommission.

Nach Abschluss der Ausbildung sind NFS berechtigt Medikamente der „Arzneimittelliste 1“ zu verabreichen. Diese umfasst meist nur Paracetamol (ausgenommen Wien: Acetylsalicylsäure, Glyceroltrinitrat, verschiedene Beta 2 Sympathomimetika).

Notfallsanitäter werden üblicherweise von den Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter), der Wiener Berufsrettung sowie dem Österreichischen Bundesheer ausgebildet. Private Rettungsdienstschulen wie in Deutschland gibt es nicht.

Notfallkompetenzen[Bearbeiten]

Rechtliche Einordnung[Bearbeiten]

Notfallsanitäter können durch zusätzliche Ausbildungen sogenannte Notfallkompetenzen erwerben. Dadurch dürfen sie unter bestimmten Umständen Maßnahmen durchführen, die normalerweise Ärzten vorbehalten sind. Im Vergleich zu Deutschland sind die Notfallkompetenzen in Österreich durch ein Bundesgesetz geregelt (SanG)[5], was bedeutet dass der anwendende Notfallsanitäter einen eindeutig vorgegebenen rechtlichen Rahmen für die Anwendung hat. Wenn die Voraussetzungen für die Anwendung zutreffen, muss die Notfallkompetenz angewendet werden. Laut herrschender juristischer Meinung ist ein rechtfertigender Notstand (vgl. Notkompetenz in Deutschland) im österreichischen Rettungsdienst nicht denkbar, weshalb eine Überschreitung der vorgegebenen Algorithmen (siehe unten) nicht zu rechtfertigen ist.

Anwendung[Bearbeiten]

Notfallkompetenzen dürfen angewendet werden, wenn

  • das Leben oder die Gesundheit des Patienten unmittelbar gefährdet ist,
  • das gleiche Ziel nicht durch weniger eingreifende Maßnahmen erreicht werden kann, und
  • ein Arzt verständigt, oder die Verständigung veranlasst ist.

Man unterscheidet die allgemeinen Notfallkompetenzen NKA und NKV sowie die besondere Notfallkompetenz NKI. Die Notfallkompetenzen bauen aufeinander auf, das heißt ein Notfallsanitäter mit der NKI muss bereits NKA und NKV besitzen.

Allgemeine Notfallkompetenz[Bearbeiten]

  • Notfallkompetenz Arzneimittellehre (NKA): Verabreichung von Medikamenten laut „Arzneimittelliste 2“
  • Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion (NKV): Punktion peripherer Venen und Verabreichung kristalloider Infusionslösungen

Die Arzneimittelliste 2 umfasst (hier beispielsweise beim Roten Kreuz) folgende Medikamente[6]:

Besondere Notfallkompetenz[Bearbeiten]

  • Notfallkompetenz endotracheale Intubation (NKI): Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre ohne Muskelrelaxans

Weitere Notfallkompetenzen können durch Verordnung des Bundesministers für Gesundheit (Bundesministerium für Gesundheit) definiert werden.

Häufig wird die Anwendung der Notfallkompetenzen von den jeweiligen Trägerorganisationen des Rettungsdienstes genauer definiert und durch organisationsinterne Algorithmen reglementiert: So war beispielsweise beim österreichischen Roten Kreuz lange Zeit die Armbeuge als Punktionstelle dem ärztlichen Personal vorbehalten, der NKV durfte nur Handrücken und Unterarm punktieren.

Die Landesverbände Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Steiermark (Ausnahme NKI-Rettungsmediziner in Graz/Steiermark) bieten die Ausbildung zur NKI zur Zeit nicht an. Wegen der niedrigen Anwendungsfrequenz ist die endotracheale Intubation durch Sanitäter unter Österreichischen Rettungsdiensten sehr umstritten, als Alternative wird häufig vor der endotrachealen Intubation der Larynxtubus von den NFS/NKI angewendet. Zudem laufen seit November 2010 in einigen Bundesländern Studien die allen Sanitätern (RS und NFS ohne Notkompetenzen) den Einsatz von Larynxtuben bei der Herz- Lungen Wiederbelebung erlauben.[7] Seit dem Jahr 2011 in der Steiermark, Jänner 2012 in Salzburg und Jänner 2014 in Oberösterreich und Niederösterreich ist der Einsatz des Larynxtubus bei der Reanimation für alle Sanitäter (RS und NFS ohne Notkompetenzen) zugelassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348 ff
  2. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV) vom 16. Dezember 2013, BGBl. I Seite 4280
  3. Artikel 5 des Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348, 1357
  4. Rechtsinformationssystem: Bundesrecht: Gesamte Rechtsvorschrift für Sanitätergesetz, Fassung vom 10. Dezember 2009
  5. [1]
  6. http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/PDF/Ausbildung/Arzneimittelliste_Algorithmen%20090223.pdf
  7. http://www.roteskreuz.at/stmk/dienststellen/leibnitz/aktuelles/newsbeitrag/datum/2011/05/28/einfuehrung-larynxstubus-im-rettungsdienst/

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Redelsteiner u.a. (Hrsg.): Das Handbuch für Notfall- und Rettungssanitäter. 1., akt. Auflage inkl. Aktualisierung zu den neuen Reanimations-Leitlinien des ERC. Braumüller, Wien 2005+2007, ISBN 978-3-7003-1655-8

Weblinks[Bearbeiten]