Notfallsanitäter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Notfallsanitäter ist eine Qualifikationsbezeichnung für Personen im Rettungsdienst. Während die Berufsbezeichnung in Österreich bereits seit 2002 existiert, wurde sie in Deutschland mit Wirkung zum 1. Januar 2014 eingeführt und löste dort den Rettungsassistenten als Berufsbild im Rettungsdienst ab.[1]

Notfallsanitäter in Deutschland[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Ausbildung und Berufsbild gemäß NotSanG einfügen.
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.

Der Beruf des Notfallsanitäters (in Deutschland in der Regel NotSan abgekürzt) hat den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter unterscheidet sich wesentlich von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten und wurde von zwei auf drei Jahre verlängert. Das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) und die aufgrund dieses Gesetzes erlassene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung[2] sind am 1. Januar 2014 in Kraft getreten.[3] Das bisherige Rettungsassistentengesetz trat am 31. Dezember 2014 außer Kraft, um eine einjährige Übergangsphase bei der Ausbildung zu ermöglichen.

Als Zugangsvoraussetzung muss mindestens ein mittlerer schulischer Bildungsabschluss vorgewiesen werden. Hauptschüler müssen zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben (§ 8 Nr. 2 NotSanG).

Als neues Ausbildungziel gilt, dass entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermittelt werden sollen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 NotSanG).

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung in Vollzeitform drei Jahre, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Der theoretische und praktische Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt. In den Ländern, in denen die Ausbildung nach diesem Gesetz dem Schulrecht unterliegt, wird die Genehmigung zur Durchführung der Ausbildung den Schulen nach dem Schulrecht der Länder und nach Maßgabe von § 6 NotSanG erteilt. Die praktische Ausbildung wird an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern durchgeführt. Die Gesamtverantwortung für die Organisation und Koordination des theoretischen und praktischen Unterrichts und der praktischen Ausbildung entsprechend dem Ausbildungsziel trägt die Schule. Die Schule unterstützt die praktische Ausbildung durch Praxisbegleitung.

Die Ausbildung soll insbesondere dazu befähigen, 1. die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen: a) Feststellen und Erfassen der Lage am Einsatzort und unverzügliche Einleitung notwendiger allgemeiner Maßnahmen zur Gefahrenabwehr, b) Beurteilen des Gesundheitszustandes von erkrankten und verletzten Personen, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, Entscheiden über die Notwendigkeit, eine Notärztin oder einen Notarzt, weiteres Personal, weitere Rettungsmittel oder sonstige ärztliche Hilfe nachzufordern, sowie Umsetzen der erforderlichen Maßnahmen, c) Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind, d) angemessenes Umgehen mit Menschen in Notfall- und Krisensituationen, e) Herstellen und Sichern der Transportfähigkeit der Patienten im Notfalleinsatz, f) Auswählen des geeigneten Transportzielortes sowie Überwachen des medizinischen Zustandes der Patienten und seiner Entwicklung während des Transports, g) sachgerechtes Übergeben der Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustandes und seiner Entwicklung, h) Kommunizieren mit am Einsatz beteiligten oder zu beteiligenden Personen, Institutionen oder Behörden, i) Durchführen von qualitätssichernden und organisatorischen Maßnahmen im Rettungsdienst sowie Dokumentieren der angewendeten notfallmedizinischen und einsatztaktischen Maßnahmen und j) Sicherstellen der Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Rettungsmittel einschließlich Beachten sowie Einhalten der Hygienevorschriften und rechtlichen Arbeits- und Unfallschutzvorschriften,

2. die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen: a) Assistieren bei der ärztlichen Notfall- und Akutversorgung von Patienten im Notfalleinsatz, b) eigenständiges Durchführen ärztlich veranlasster Maßnahmen bei Patienten im Notfalleinsatz und c) eigenständiges Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen, die vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder entsprechend verantwortlichen Ärzten bei bestimmten notfallmedizinischen Zustandsbildern und -situationen standardmäßig vorgegeben, überprüft und verantwortet werden,

3. mit anderen Berufsgruppen und Menschen am Einsatzort, beim Transport und bei der Übergabe unter angemessener Berücksichtigung der Gesamtlage vom individual-medizinischen Einzelfall bis zum Großschadens- und Katastrophenfall patientenorientiert zusammenzuarbeiten.

Die praktische Ausbildung findet zum einen in einer staalich anerkannten Lehrrettungswache im Umfang von 1960 Stunden und zum andern in einem geeigneten Krankenhaus im Umfang von 720 Stunden statt. Sie umfasst im Einzelnen:

  • Rettungswache
    • Dienst an einer Rettungswache
    • Durchführung und Organisation von Krankentransporten
    • Durchführung und Organisation von Einsätzen in der Notfallrettung
  • Krankenhaus
    • Pflegeabteilung
    • Interdisziplinäre Notfallaufnahme
    • Anästhesie- und OP-Abteilung
    • Intensivmedizinische Abteilung
    • Geburtshilfliche, pädiatrische oder kinderchirurgische Fachabteilung/Intensivstation oder Station mit entsprechenden Patienten
    • Psychiatrische, gerontopsychiatrische oder gerontologische Fachabteilung

Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil umfasst. Die Prüfung ist an der Schule abzulegen, bei der die Ausbildung abgeschlossen wird.

Rettungsassistenten, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes eine mindestens fünfjährige Tätigkeit als Rettungsassistentin oder Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ oder „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Rettungsassistenten, die eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ bzw. „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von 480 Stunden teilgenommen haben und die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Rettungsassistenten, die eine geringere als eine dreijährige Tätigkeit bzw. keine Tätigkeit als Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ bzw. „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von 960 Stunden teilgenommen haben und die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Notfallsanitäter in Österreich[Bearbeiten]

Notfallsanitäter (NFS) sind in Österreich für den Rettungs- und Notarztdienst ausgebildete Personen. In der Ausbildung werden die Grundlagen der Notfallmedizin und Techniken der Versorgung verletzter oder erkrankter Personen erlernt.

Ihre Aufgabe ist neben den allgemeinen Aufgaben eines Sanitäters (Betreuung des Patienten während des Transportes, Hilfestellung bei auftretenden Akutsituationen und Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen) unter Anderem die Unterstützung des Notarztes. So werden auf allen Notarztmitteln (NAW, NEF, NAH, ITW) Notfallsanitäter eingesetzt.

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter baut auf der zum Rettungssanitäter auf und erlaubt dem Notfallsanitäter erweiterte Maßnahmen, wie etwa die Gabe bestimmter Medikamente („Arzneimittelliste 1“) und die Anwendung von Notfallkompetenzen (siehe unten).

Die Bezeichnungen Rettungssanitäter und Notfallsanitäter bzw. die jeweiligen Ausbildungen sind erst seit 2002 durch das Sanitätergesetz (SanG) gesetzlich geregelt und staatlich anerkannt.

Das am häufigsten verbreitete „Arbeitsmittel“ der Notfallsanitäter in Österreich, das Notarzteinsatzfahrzeug

Ausbildung in Österreich[Bearbeiten]

Die Ausbildung baut auf der zum Rettungssanitäter auf und stellt die höchste Qualifikation im österreichischen Rettungsdienst dar. Sie umfasst weitere 480 Stunden und gliedert sich in drei Teile:

  • die theoretische Ausbildung im Ausmaß von 160 Stunden,
  • ein Krankenhauspraktikum im Ausmaß von 40 - 120 Stunden sowie
  • ein 280-stündiges Praktikum in Notarztsystemen, von dem bis zu 120 Stunden als Krankenhauspraktikum absolviert werden können.

Personen, die sich für die Aufnahme zur Ausbildung zum Notfallsanitäter bewerben, müssen folgende Voraussetzungen erfüllen[4]:

  • eine aktive Berechtigung als Rettungssanitäter
  • eine Bestätigung, dass der Bewerber mindestens 160 Einsatzstunden im Rettungs- und Krankentransportdienst absolviert hat, welche die Eignung für die Ausbildung zum Notfallsanitäter bestätigen
  • den positiven Abschluss eines Eingangstests

Der Lehrstoff der Rettungssanitäter-Ausbildung wird vertieft, zusätzliche Inhalte betreffen Einsatztaktik und Arzneimittellehre. Die Ausbildung endet mit einer mündlichen und praktischen Prüfung vor einer Prüfungskommission.

Nach Abschluss der Ausbildung sind NFS berechtigt Medikamente der „Arzneimittelliste 1“ zu verabreichen. Diese umfasst meist nur Paracetamol (ausgenommen Wien: Acetylsalicylsäure, Glyceroltrinitrat, verschiedene Beta 2 Sympathomimetika).

Notfallsanitäter werden üblicherweise von den Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz, Samariterbund, Johanniter), der Wiener Berufsrettung sowie dem Österreichischen Bundesheer ausgebildet. Private Rettungsdienstschulen wie in Deutschland gibt es nicht.

Notfallkompetenzen[Bearbeiten]

Rechtliche Einordnung[Bearbeiten]

Notfallsanitäter können durch zusätzliche Ausbildungen sogenannte Notfallkompetenzen erwerben. Dadurch dürfen sie unter bestimmten Umständen Maßnahmen durchführen, die normalerweise Ärzten vorbehalten sind. Im Vergleich zu Deutschland sind die Notfallkompetenzen in Österreich durch ein Bundesgesetz geregelt (SanG)[5], was bedeutet, dass der anwendende Notfallsanitäter einen eindeutig vorgegebenen rechtlichen Rahmen für die Anwendung hat. Wenn die Voraussetzungen für die Anwendung zutreffen, muss die Notfallkompetenz angewendet werden. Laut herrschender juristischer Meinung ist ein rechtfertigender Notstand (vgl. Notkompetenz in Deutschland) im österreichischen Rettungsdienst nicht denkbar, weshalb eine Überschreitung der vorgegebenen Algorithmen (siehe unten) nicht zu rechtfertigen ist.

Anwendung[Bearbeiten]

Notfallkompetenzen dürfen angewendet werden, wenn

  • das Leben oder die Gesundheit des Patienten unmittelbar gefährdet ist,
  • das gleiche Ziel nicht durch weniger eingreifende Maßnahmen erreicht werden kann, und
  • ein Arzt verständigt, oder die Verständigung veranlasst ist.

Man unterscheidet die allgemeinen Notfallkompetenzen NKA und NKV sowie die besondere Notfallkompetenz NKI. Die Notfallkompetenzen bauen aufeinander auf, das heißt ein Notfallsanitäter mit der NKI muss bereits NKA und NKV besitzen.

Allgemeine Notfallkompetenz[Bearbeiten]

  • Notfallkompetenz Arzneimittellehre (NKA): Verabreichung von Medikamenten laut „Arzneimittelliste 2“
  • Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion (NKV): Punktion peripherer Venen und Verabreichung kristalloider Infusionslösungen

Die Arzneimittelliste 2 umfasst (hier beispielsweise beim Roten Kreuz) folgende Medikamente[6]:

Besondere Notfallkompetenz[Bearbeiten]

  • Notfallkompetenz endotracheale Intubation (NKI): Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre ohne Muskelrelaxans

Weitere Notfallkompetenzen können durch Verordnung des Bundesministers für Gesundheit (Bundesministerium für Gesundheit) definiert werden.

Häufig wird die Anwendung der Notfallkompetenzen von den jeweiligen Trägerorganisationen des Rettungsdienstes genauer definiert und durch organisationsinterne Algorithmen reglementiert: So war beispielsweise beim österreichischen Roten Kreuz lange Zeit die Armbeuge als Punktionstelle dem ärztlichen Personal vorbehalten, der NKV durfte nur Handrücken und Unterarm punktieren.

Die Landesverbände Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol und Steiermark (Ausnahme NKI-Rettungsmediziner in Graz/Steiermark) bieten die Ausbildung zur NKI zur Zeit nicht an. Wegen der niedrigen Anwendungsfrequenz ist die endotracheale Intubation durch Sanitäter unter Österreichischen Rettungsdiensten sehr umstritten, als Alternative wird häufig vor der endotrachealen Intubation der Larynxtubus von den NFS/NKI angewendet. Zudem laufen seit November 2010 in einigen Bundesländern Studien die allen Sanitätern (RS und NFS ohne Notkompetenzen) den Einsatz von Larynxtuben bei der Herz- Lungen Wiederbelebung erlauben.[7] Seit dem Jahr 2011 in der Steiermark, Jänner 2012 in Salzburg und Jänner 2014 in Oberösterreich und Niederösterreich ist der Einsatz des Larynxtubus bei der Reanimation für alle Sanitäter (RS und NFS ohne Notkompetenzen) zugelassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348 ff
  2. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (NotSan-APrV) vom 16. Dezember 2013, BGBl. I Seite 4280
  3. Artikel 5 des Gesetzes über den Beruf der Notfallsanitäterin und des Notfallsanitäters sowie zur Änderung weiterer Vorschriften vom 22. Mai 2013, BGBl. I Seite 1348, 1357
  4. Rechtsinformationssystem: Bundesrecht: Gesamte Rechtsvorschrift für Sanitätergesetz, Fassung vom 10. Dezember 2009
  5. [1]
  6. http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/PDF/Ausbildung/Arzneimittelliste_Algorithmen%20090223.pdf
  7. http://www.roteskreuz.at/stmk/dienststellen/leibnitz/aktuelles/newsbeitrag/datum/2011/05/28/einfuehrung-larynxstubus-im-rettungsdienst/

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Redelsteiner u.a. (Hrsg.): Das Handbuch für Notfall- und Rettungssanitäter. 1., akt. Auflage inkl. Aktualisierung zu den neuen Reanimations-Leitlinien des ERC. Braumüller, Wien 2005+2007, ISBN 978-3-7003-1655-8

Weblinks[Bearbeiten]