Notfalltüröffnung

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Unter einer Notfalltüröffnung versteht man das gewaltsame Eindringen in einen verschlossenen Wohnraum auf Grund einer Notfallsituation. Solch eine Notfallsituation kann einerseits durch Personen in Notlagen erforderlich, aber auch durch andere Umstände (z. B. ein Brand) gerechtfertigt sein.

Werden in dem Wohnraum hilflose Personen bzw. Personen in Notlage vermutet, so spricht man in der Regel auch von einer Türöffnung mit Unfallverdacht. Ziel dieser Notfalltüröffnung ist es, den Rettungskräften Zugang zu verschaffen und der hilflosen Person Hilfe zukommen zu lassen. Meistens sind diese Notfalltüröffnungen nach Unfällen, akuten Erkrankungen oder Suizid(versuch)en erforderlich und werden von Polizei, Rettungsdienst oder Angehörigen angefordert.

Eine Notfalltüröffnung liegt auch dann vor, wenn andere Schadenslagen vorliegen: Dies kann ein (entstehender) Brand sein, aber auch ein technisches Gebrechen (z. B. Wasserrohrbruch), der das Eingreifen der Einsatzkräfte erforderlich macht, um größeren Schaden abzuwenden. Unter Notfalltüröffnung fällt meistens auch eine zugefallene Türe, wenn im Wohnraum der Herd eingeschaltet ist oder sich Kleinkinder oder Personen, die einer Aufsicht oder Pflege bedürfen, im Haushalt sind.

Methoden[Bearbeiten]

Unter Umständen kann ein simples "Eintreten" der Tür bereits erfolgreich sein. Da allerdings verunfallte Personen direkt hinter der Tür liegen könnten, sollten die Einsatzkräfte möglichst auf diese Methode verzichten. Wesentlich effektiver ist hier ein hydraulischer Türöffner, mit dem sich viele Türen schnell öffnen lassen. Da dieses Gerät gerade für kleinere Feuerwehren zu teuer ist, greift man dort auf andere Hilfsmittel wie Brecheisen, Spreizer, Feuerwehraxt, Hammer, Ziehfix oder bei Holztüren auch die Motorsäge zurück.

Manchmal ist der Zugang über einen zweiten Rettungsweg (beispielsweise Fenster oder Balkon) einfacher. Außerdem verursacht man damit eventuell weniger Sach- und auch Personenschäden.

In Fällen stark gesicherter Türen, beispielsweise von Lagerhallen, können auch gröbere Methoden wie Schweißbrenner oder Trennschleifgerät zum Einsatz kommen. Das Rammen mit einem Fahrzeug oder gar die Verwendung von Sprengstoff kommt dagegen normalerweise nur in Filmen vor. Immer müssen das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen sowie mögliche Verletzungen zu Rettender berücksichtigt werden. Die Entscheidung wird von dem jeweiligen Einsatzleiter getroffen, dieser trägt auch die Verantwortung.

Anders sieht die Situation bei Schiffen auf See aus. Besteht der Verdacht, dass sich auf einem Schiff Güter befinden die einem Handelsembargo unterliegen oder wurde ein Schiff von Piraten gekapert, schaffen Zugangstechniker der Boardingkompanie der Deutschen Marine mittels mechanischer und ballistischer, aber durchaus auch sprengtechnischer Öffnungsverfahren einen Zugang zum Schiff oder zum zu durchsuchenden Behältnis.

Türöffnung[Bearbeiten]

Von der Notfalltüröffnung ist die "normale" Türöffnung zu unterscheiden. Diese kann in Ausnahmefällen auch von der Feuerwehr durchgeführt werden, jedoch nur dann, wenn die Feuerwehr dabei nicht in Konkurrenz zu einem Schlüsseldienst tritt. Die Werkzeuge zur Türöffnung sind meist Türöffnungseisen und Ziehfix, unter Umständen auch Zylinderfräse oder andere, weniger zerstörerische Methoden. Auch hier ist ein Weg durch andere Eingänge (Fenster etc.) evtl. kostengünstiger, zumal keine Notsituation vorliegt.
Gegenüber der Notfalltüröffnung ist die Türöffnung kostenpflichtig. Handelt es sich bei einer Türöffnung um Amtshilfe, für z.B. den Rettungsdienst zur Betreuung Verletzter, so ist diese unter Umständen von den Kosten befreit. Genauere Hinweise dazu geben die Feuerwehrgesetze, -verordnungen, -satzungen und -gebührensatzungen der Länder, Kreise und Gemeinden.

Gefahren[Bearbeiten]

In jüngster Vergangenheit wurden immer mehr Fälle von Suizid(versuch)en durch Ersticken bekannt, bei denen z.B. Holzkohle verwendet wurde. Diese Praktik stellt eine besondere Gefährdung der Einsatzkräfte dar, da die auftretenden Atemgifte wie z.B. Kohlenstoffmonoxid meist geruchlos und nicht ohne weiteres erkennbar sind. Beim Verdacht auf einen solchen Fall sollte daher, möglichst mit einem Messgerät zur Feststellung der Umgebungsluft und ggf. unter Atemschutz vorgegangen werden, um die Eigensicherung der Einsatzkräfte zu gewährleisten.

Siehe auch[Bearbeiten]