Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft

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Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft (NDW) ist die Vorgängerorganisation der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft wurde am 30. Oktober 1920 auf Anregung der fünf deutschen Wissenschaftsakademien und namentlich unter Beteiligung von Fritz Haber und dem preußischen Kultusminister Friedrich Schmidt-Ott gegründet, der ihr erster Präsident wurde. In der Gründungszeit ging es wegen der Steigerung der Kosten des Wissenschaftsbetriebes und der Inflation um die „Abhilfe [..] äußersten Notstandes der Wissenschaft“. Weitere namhafte sich für die Notgemeinschaft engagierende Wissenschaftler aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften waren Adolf von Harnack, Max Planck und Hermann Diels.[1] Die Notgemeinschaft war gedacht als Gesamtvertretung der deutschen Wissenschaft, um „die bereitzustellenden Mittel in diejenigen Kanäle und nach den Stellen zu leiten, wo sie im Interesse der Gesamtheit den größten Nutzeffekt erzielen könnten“.[2]

Gegenüber dieser sich bildenden Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft, die auch die in den Akademien nicht vertretenen technischen Wissenschaften umfasste und anders als diese nicht hauptsächlich regional organisiert war, gerieten die Akademien als Organisatoren von Forschung in die Defensive. Die Notgemeinschaft entwickelte sich aus einem Provisorium zu einer festen Institution. Im Jahr 1929 wurde der Name in Deutsche Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung, kurz Forschungsgemeinschaft, geändert. Sie war politisch stets linientreu zur Staatsführung. 1934 wurde sie unter der Nationalsozialistischen Regierung gleichgeschaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft wiedergegründet.

Organisation[Bearbeiten]

Die Notgemeinschaft wurde von einem vier- bis fünfköpfigen Präsidium geleitet. Das daneben wichtigste Gremium war der Hauptausschuß mit elf Mitgliedern. Fachausschüsse waren Gruppen von spezialisierten Fachgutachtern eines größeren Fachgebietes. Mitglieder der Fachausschüsse, z.B. des Fachausschusses Alte und orientalische Philologien, wurden vom Präsidium im Einvernehmen mit dem Hauptausschuß ernannt.[3]:101

Organisationen mit ähnlichem Namen[Bearbeiten]

Sie ist nicht zu verwechseln mit der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Kunst und Literatur im Ausland, Sitz Paris, einer Gründung von Magnus Hirschfeld, Mynona und Anselm Ruest aus dem Jahre 1934. Sie ist ebenfalls zu unterscheiden von der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland, die im April 1933 in Zürich von dem exilierten Neuropathologen Philipp Schwartz (1894–1977) gegründet wurde und ca. 2.000 den Nationalsozialisten missliebigen Wissenschaftlern neue Arbeitsplätze im Ausland vermittelte, darunter allein 300 Akademikern in der Türkei.[4] Die letztgenannte Organisation zog 1935 nach London um und arbeitete dort eng mit dem Academic Assistance Council zusammen.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Marsch: Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Gründung und frühe Geschichte 1920 - 1925, Reihe: Münchner Studien zur neueren und neuesten Geschichte, Bd. 10, Verlag Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-47477-6
  • Peter Nözoldt: Strategien der deutschen Wissenschaftsakademien. In: Wolfram Fischer u. a. (Hrsg.): Die Preußische Akademie der Wissenschaften 1914–1945 (= Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Forschungsberichte. Bd. 8). Akademie-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-05-003327-4, S. 237–277.
  • Sören Flachowsky: Von der Notgemeinschaft zum Reichsforschungsrat. Wissenschaftspolitik im Kontext von Autarkie, Aufrüstung und Krieg (= Studien zur Geschichte der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bd. 3). Steiner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-515-09025-4 (Zugleich: Berlin, Humboldt-Univ., Diss., 2005).
  • Kurt Zierold: Forschungsförderung in drei Epochen. Geschichte, Arbeitsweise, Kommentar. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Nözoldt: Strategien der deutschen Wissenschaftsakademien. 2000, S. 238ff.
  2. Peter Nözoldt: Strategien der deutschen Wissenschaftsakademien. 2000, S. 244.
  3. Eckart Mensching: Nugae zur Philologie-Geschichte IV. Über U. von Wilamowitz-Moellendorff, W. Kranz, W. Jaeger und andere. Univ.-Bibliothek der Techn. Univ., Abt. Publ. 1991, ISBN 3-7983-1393-8
  4. Otto Winkelmann: „Schon aus Gründen des Alters ablehnen“. Der Pathologe Philipp Schwartz (1894–1977) und die Frankfurter Medizinische Fakultät (PDF; 133 kB). In: Hessisches Ärzteblatt. 12, 2005, ISSN 0171-9661, S. 862–863.
  5. Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. = International biographical dictionary of Central European emigrés 1933–1945. Band 2: Hannah Caplan (Hrsg.): The arts, sciences, and literature. Teil 2: L – Z. Saur, München u. a. 1983, ISBN 3-598-10089-2, S. 1304.