Nový Přerov

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Nový Prerov
Wappen von Nový Prerov
Nový Přerov (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Břeclav
Fläche: 610 ha
Geographische Lage: 48° 49′ N, 16° 30′ O48.80944444444416.497222222222180Koordinaten: 48° 48′ 34″ N, 16° 29′ 50″ O
Höhe: 180 m n.m.
Einwohner: 332 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 691 81
Kfz-Kennzeichen: B
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Milada Popelářová (Stand: 2010)
Adresse: Nový Přerov 54
69181 Březí u Mikulova
Gemeindenummer: 584754
Website: www.novyprerov.cz

Nový Přerov (deutsch Neuprerau) ist eine Gemeinde mit 329 Einwohnern im Okres Břeclav in Tschechien. Sie liegt 2 km östlich der Thaya in Südmähren. Unmittelbar südlich des Dorfes verläuft die Landesgrenze, dahinter erstreckt sich die zu Wildendürnbach gehörige österreichische Katastralgemeinde Altprerau. Östlich des Ortes befindet sich der 237 m hohe Přerovský vrch. Der Ort ist als ein Breitstraßendorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Nordwesten Jevišovka (Fröllersdorf), im Norden Novosedly na Moravě (Neusiedl am Sand) und im Nordosten Dobré Pole (Guttenfeld).

Geschichte[Bearbeiten]

Das zur Herrschaft Dürnholz gehörige Dorf wurde um 1350 angelegt und war damit im Besitz des Hauses Liechtenstein. Seine Bewohner leben von Landwirtschaft und Weinbau und stammten ursprünglich aus bayerischen Landen.[2] Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich die Namensform der Ortschaft öfters. Zuerst wurde sie als „Przerow" im Jahre 1351 erwähnt. Nach der Verödung der Ortschaft durch Hussitenüberfälle und dem Krieg zwischen Matthias Corvinus und Georg von Podiebrad kam die Ortschaft mit Dürnholz unter die Herrschaft von Christoph von Teuffenbach. Um 1570 wurde Neuprerau, zusammen mit Guttenfeld und Bischofswarth größtenteils durch kroatische Bauern neu besiedelt.[3] Aufgrund von Streitigkeiten mit der benachbarten Herrschaft Staatz kam es zu einer Trennung in ein mährisches Neuprerau und ein niederösterreichisches Altprerau. Matriken werden seit 1686 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn.[4] Grundbücher werden seit 1784 geführt. Im Jahre 1690 wird ein Friedhof außerhalb des Ortes errichtet und geweiht. Bis zum Jahre 1824 waren die Kinder von Neu Prerau in Fröllersdorf eingeschult worden. Bis zum Bau der ersten eigenen Schule, im Jahre 1854, wurden die Kinder im Gemeindegasthaus unterrichtet.

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Durch den Vertrag von Saint-Germain[5] wurde Neu-Prerau, dessen Bewohner im Jahre 1910 zu 71 % Deutschsüdmährer waren, Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit kam es zu einen vermehrten Zuzug von Tschechen und Kroaten, dadurch sank der Bevölkerungsanteil der deutschen Bürger auf 17 %. Weitere Maßnahmen wie Bodenreform oder Sprachenverordnung verstärkten die Autonomiebestrebungen der deutschen Bevölkerung und führten zeitgleich im ganzen Lande zu Spannungen und im weiteren zum Münchner Abkommen,[6] das die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland regelte. Zwischen 1938 und 1945 gehörte der Ort Neuprerau zum Reichsgau Niederdonau.

Im Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 56 Opfer zu beklagen. Nach dessen Ende (8. Mai 1945) wurde der Forderung der ČSR-Regierung Beneš durch die Siegermächte entsprochen und die im Münchener Abkommen (1938) an Deutschland übertragenen Territorien, im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919), wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Viele deutsche Bürger flüchteten vor den einsetzenden Nachkriegsexzessen durch militante Tschechen, oder wurden über die nahe Grenze nach Österreich 'wild' vertrieben. Dabei kam es zu fünf Toten unter den Neuprerauern.[7] Das Beneš-Dekret 115/46 (Straffreiheitsgesetz) erklärt derlei Handlungen bis 28. Oktober 1945 im Kampfe zur Wiedergewinnung der Freiheit ..., oder die eine gerechte Vergeltung für Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer zum Ziel hatte, ... für nicht widerrechtlich. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Kommuniqués, Artikel XIII [8] konkret zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind. Die letzten 10 deutschen Bürger von Neuprerau wurden am 15. März und 22. Juni 1946 nach Deutschland zwangsausgesiedelt.[9][10] 29 kroatische Familien, die als "zu deutschfreundlich" galten, wurden zwischen 1948 und 1950 nach Nordmähren zwangsumgesiedelt. Der Ort wurde weitgehend neu besiedelt.[10] Bereits am 25. Oktober 1945 war, aufgrund des Beneš-Dekretes 108, das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt worden. Eine Wiedergutmachung ist nicht erfolgt.

Von den nach Österreich vertriebenen Familien aus Neu Prerau konnte der Großteil verbleiben, da viele Landbesitz oder Familienangehörige in Österreich hatten. Die restlichen Neuprerauer wurden nach Deutschland weiter transferiert.[10][11]

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Ein Ortssiegel ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Es zeigt zwei säulenartige Türme mit einem Pflugeisen in der Mitte. Im 18. Jahrhundert änderte sich das Gemeindesiegel. Es war ein von zwei Blütenstengeln beseitetes Pflugeisen abgebildet.[12]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Kroaten
1793 271 -
1836 454
1869 615
1880 673 98 0 575
1890 711 96 41 574
1900 781 123 53 605
1910 829 596 72 161
1921 878 548 91 238
1930 880 153 151 576
1939 801
Quelle: 1793, 1836, 1850 aus: Südmähren von A-Z, Frodl, Blaschka
Sonstige: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche des St. Michael (1690)

Quellen[Bearbeiten]

  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 251, 431, 573 (Neuprerau).
  • Wilhelm Szegeda: Heimatkundliches Lesebuch des Schulbezirks Nikolsburg, 1935, approbierter Lehrbehelf, Lehrerverein Pohrlitz Verlag, Neuprerau S. 73
  • Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Kreis Nikolsburg von A–Z, 2006, Neuprerau, S. 137.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Schwoy: Topographie vom Markgrafthum Mähren. 1793, Neuprerau, S. 309
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Neuprerau S. 18
  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. 1990, Neuprerau, S. 25
  • Anton Kreuzer: Die Kroatensiedlungen in Südmähren. 1968

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Josef Breu:Die Kroatensiedlung im Burgenland und in den anschliessenden Gebieten, 1970, S.138
  4. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 27 März 2011.
  5. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  6. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  7. Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Nikolsburg von A-Z, Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige, 2006, Totenbuch-Auszug S.216
  8. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  9. Archiv Mikulov: Odsun Nĕmců - transport odeslaný dne 20. kvĕtna 1946.
  10. a b c  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 251f (Neuprerau).
  11. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  12. Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden, 1992, Neuprerau, S. 156