Novi Pazar

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Novi Pazar in Serbien. Zur gleichnamigen bulgarischen Stadt siehe Nowi Passar.
Нови Пазар
Novi Pazar
Wappen von Novi Pazar
Novi Pazar (Serbien)
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Basisdaten
Staat: Serbien
Okrug: Raška
Koordinaten: 43° 9′ N, 20° 32′ O43.15444444444420.530555555556496Koordinaten: 43° 9′ 16″ N, 20° 31′ 50″ O
Höhe: 496 m. i. J.
Fläche: 742 km²
Einwohner: 66.527 (2012)
Agglomeration: 100.140 (2012)
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 020
Postleitzahl: 36300
Kfz-Kennzeichen: NP
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Meho Mahmutović (SDP)
Postanschrift: Ulica Stevana Nemanje 2
36300 Novi Pazar
Webpräsenz:

Novi Pazar (serbisch-kyrillisch Нови Пазар) ist eine Gemeinde und Universitätsstadt im südwestlichen Serbien im Bezirk Raška.

Geographie[Bearbeiten]

Novi Pazar in der Abenddämmerung
Novi Pazar

Novi Pazar liegt im Südwesten von Serbien, 290 Kilometer südlich von Belgrad und nur wenige Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt. Die Stadt selbst ist von Bergen umgeben und liegt in einem Talkessel auf knapp 500 Meter Höhe. Durch die Stadt fließt der kleine Fluss Raška.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Novi Pazar mit der Stadt zählte laut der 2002 durchgeführten Volkszählung 85.996 Einwohner. Davon waren 76,28 Prozent Bosniaken und 20,47 Prozent Serben. Zu den Minderheiten zählten Slawische Muslime mit 1,86 Prozent, Jugoslawen mit 0,16 Prozent, Albaner mit 0,15 Prozent und Montenegriner mit 0,13 Prozent.[1] Nach inoffiziellen Angaben der Stadtverwaltung hat Novi Pazar heute mehr als 120.000 Einwohner.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Novi Pazar leitet sich von Basar ab und bedeutet Neuer Basar. Während der osmanischen Zeit hieß die Stadt Yeni Pazar (türk. Yeni: Neu). Novi Pazar liegt unweit der Ruinen von Stari Ras. Die Region um die Burg Ras bildete gemeinsam mit dem Kosovo das mittelalterliche serbische Staatsgebilde Raszien (serbisch-kyrillisch Raška), worauf auch die Überreste zahlreicher Kirchen, Klöster und Bäder aus dieser Zeit hindeuten.

1460 gründete Ghazi Isa Beg, ein osmanischer Verwalter Sarajevos, in der Nähe des alten Trgovište (slawisch für Marktplatz) - welches von den Türken Eski Pazar (türk. Eski: Alt), genannt wurde - einen neuen Marktplatz (Yeni Pazar), aus welchem sich der Ort fortentwickelte. Wegen seiner günstigen Verkehrslage und ergiebiger Erzvorkommen war Novi Pazar vom 15. bis Ende des 17. Jahrhunderts eine blühende Handelsstadt mit einer großen ragusanischen Kolonie. Der osmanische Reisende Evliya Çelebi zählte anlässlich seines Besuchs der Stadt im Jahr 1660 40-50 Mahallen, 23 Moscheen, 11 Masdschid, 5 Medresen, 2 Tekken und viele weitere Gebäude. Im Zuge der österreichisch-türkischen Kriege verwüsteten österreichischen Truppen und serbische Aufständische die Stadt zwei Mal, in den Jahren 1689 und 1737. Infolge der kriegerischen Ereignisse, aber auch aufgrund von Pestepidemien, verlor der Ort im 18. und 19. Jahrhundert an Bedeutung. Lokale Beys etablierten eine von der osmanischen Zentralverwaltung unabhängige Willkürherrschaft, lediglich einige muslimische Muhadschirs aus Serbien und Montenegro wurden angesiedelt.

Infolge der Bestimmungen des Berliner Kongresses okkupierten österreichisch-ungarische Truppen 1878 den westlichen Teil des Sandschaks von Novi Pazar (die sogenannte „Region um den Lim“), welcher jedoch aus osmanischer Sicht nach den Tanzimat-Reformen einen Teil des Vilâyet Kosovo bildete. Nach der Bosnischen Annexionskrise im Jahr 1908 gab Österreich-Ungarn seinen Anspruch auf den Sandschak auf, und das Gebiet kehrte auch de facto unter die osmanische Souveränität zurück. Im Ersten Balkankrieg wurde die Region 1912 von Serbien erobert und 1918 in den Staat Jugoslawien eingebracht. Nach 1912 wanderten viele Muslime aus der Region in die Türkei aus, unter den Gründen war oft auch Diskriminierung durch die neue Obrigkeit. 1836 hatte der Ort 7.000 Einwohner, im Jahr 1913 13.433, 1968 rund 23.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde der vormalige Sandschak von Novi Pazar von italienischen Truppen okkupiert und dem faschistischen Protektorat Großalbanien angeschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet dem Territorium der Sozialistischen Republik Serbien zugeschlagen.

Heute ist Novi Pazar das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Region und der in Serbien lebenden Muslime, von denen sich manche „muslimische Serben“, andere als „Sandžaklis“ und wieder andere als „Bosniaken“ verstehen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick von der Brücke über die Raška im Zentrum der Stadt auf die Altstadt und die Festung

Die Stadtansicht ist geprägt von zahlreichen Minaretten, darunter denen der Moscheen Arap Džamija, Altun-Alem und Bor. In der Umgebung von Novi Pazar befinden sich einige serbische Klöster und Kirchen aus dem Mittelalter wie das Kloster Sopoćani oder die Petrova crkva (Peterskirche) aus dem 9. Jahrhundert. Die Peterskirche ist mit etwa 1.200 Jahren die älteste erhaltene Kirche Serbiens. Das Kloster Sopoćani und die Petrova crkva wurden 1979 in die die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2002 Serbien (PDF; 379 kB)
  2. Webpräsenz von Noiv Pazar

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Novi Pazar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien