Novigrad (Istrien)

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Novigrad
Cittanova
Wappen von NovigradCittanova
Novigrad (Istrien) (Kroatien)
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45.31733055555613.5598750Koordinaten: 45° 19′ 2″ N, 13° 33′ 36″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Flagge der Gespanschaft Istrien Istrien
Höhe: m. i. J.
Fläche: 27 km²
Einwohner: 4.345 (2011)
Bevölkerungsdichte: 161 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 052
Postleitzahl: 52466
Kfz-Kennzeichen: PU
Bootskennzeichen: ND
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Anteo Milos (IDS/DDI)
Postanschrift: Veliki trg 1
52466 Novigrad
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Hl. Pelagius
Ansicht der Strandpromenade von Cittanova/Novigrad

Novigrad [ˈnɔʋiɡraːd] (kroat.) oder Cittanova (ital.), (bis 1945 Cittanova d'Istria, deutsch veraltet Neuenburg) ist eine Stadt in der Gespanschaft Istrien, Kroatien.
Sie ruht auf den Resten einer aus antiker Zeit stammenden Siedlung Civitas Nova bzw. Emonia und war von 381 bis 1831 Sitz eines Bistums.

Sie liegt an der Küste etwa 15 km nördlich von Poreč auf einer kleinen Insel, die erst im 18. Jahrhundert mit dem Festland verbunden wurde.

Ortsteile[Bearbeiten]

Die Gemeinde Novigrad besteht aus den folgenden Ortsteilen (Einwohnerzahl gemäß Volkszählung 2011):[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus von Novigrad

Antike[Bearbeiten]

Die Geschichte der Stadt reicht bis in die Antike zurück. Schon griechische Seefahrer hatten hier einen Stützpunkt, verbliebene Ruinen der damaligen Siedlung sind heute vom Meer überflutet.

Wahrscheinlich befand sich in der Spätantike auf der Halbinsel eine römischen Villa, um welche herum die römische Siedlung Civitas Novum (woraus sich das heutige Cittanova ableitete, das unter Jugoslawien mit Novigrad ubersetzt wurde) entstand.

381 wird auf der Synode von Aquileia erstmals ein Bischof Maximus aus Civitas Nova erwähnt.

Nach dem Untergang des weströmischen Reichs im Jahr 476 wurde die Stadt dem Byzantinischen Reich zugeteilt.

Gegen Ende des 5. Jahrhunderts gerät die Stadt unter ostgotische Herrschaft. Die Unterwerfung durch die Ostgoten endete im Jahr 538 nach dem byzantinischen Sieg im Byzantnisch-ostgotischen Krieg.

Im 6. Jahrhundert suchten auch Flüchtlinge aus dem römischen Emona (dem heutigen Ljubljana) Zuflucht und gaben dem Ort den Namen Emonia. Ab Mitte des 6. Jahrhunderts bis ca. 600 sind Bischöfe von Emonia belegt.
Urkundlich wird die Stadt erstmals 599 in einem Schreiben von Papst Gregor der Große erwähnt.

In den Jahren 751 bis 774 stand Novigrad unter der Herrschaft der Langobarden.

Fränkisches Reich und Heiliges Römisches Reich[Bearbeiten]

Im Jahr 788 gerät die Stadt unter fränkische Herrschaft.
Von 800 bis 1831 sind Bischöfe von Emonia bzw. Civitas Nova überliefert.

Ab dem Jahr 976 wird Cittanova ein Teil des Herzogtum Kärntens.

Während des 11. und 12. Jahrhunderts wird die Stadt von verschiedenen Patriarchen regiert.

Venezianische Oberherrschaft[Bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert wurde der Einfluss und die Vormachtstellung Venedigs in der Adriaregion um Istrien immer stärker. Im Jahr 1270 gerät auch Novigrad endgültig unter die venezianische Schutzmacht, welche bis zum Niedergang der Löwenrepublik 1779 andauerte.

Dazu hinterlässt ein Erdbeben am 26. März 1511 größere Schäden.

Als Teil des venezianischen Reichs geriet folgend Novigrad immer wieder in kriegerische Konflikte, so bei der Auseinandersetzung Venedigs mit der Republik Genua oder beim Uskokenkrieg von 1615 bis 1617.

Im Jahr 1687 litt Novigrad unter Plünderungen und Entführungen durch Krieger des Osmanischen Reichs.

Neben den kriegerischen Auseinandersetzungen setzten auch die Pest und die Malaria den Bewohner zu.

Im 16. und 17. Jahrhundert zählte die Stadt, welche nun Neapolis genannt wurde, meist nur noch wenige hundert Einwohner, welche verarmt in baufälligen Gebäuden lebten.

Immerhin setzte dank venezianischen Investoren zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein erneuter Aufschwung ein, dessen neu erstellten Bauten noch heute das Stadtbild der historischen Altstadt prägen.

Napoleonische Zeit[Bearbeiten]

Nach dem Zerfall der Republik Venedig (1797) und der Gründung des Königreich Italiens im Jahr 1805 geriet Novigrad, wie die gesamte Küste Istriens, unter den Machteinfluss Napoleons.

Kaiserreich Österreich[Bearbeiten]

Am Wiener Kongress wurde 1815 mit der Zuschlagung der Region Illyrien an die Habsburger auch Cittanova unter österreichische Herrschaft gestellt.

1828 wurde durch ein päpstliches Dekret das Bistum Cittanova aufgehoben und dem Bistum Triest und Capodistria angeschlossen.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie kam Cittanova wie ganz Istrien und Triest zu Königreich Italien.

Italien[Bearbeiten]

Im Grenzvertrag von Rapallo von 1920 wurde die Region um Novigrad an Italien zugeschlagen.

Deutsche Besetzung[Bearbeiten]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs fiel nach der Kapitulation Italiens die Stadt 1943 bis 1945 an Nazi-Deutschland.

Jugoslawien[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Cittanova/Novigrad 1947 anfänglich der Zone B des Freies Territorium Triest zugeteilt. Am 26. Oktober 1954 wurde das Gebiet der Zone B (mit Cittanova/Novigrad) definitiv an die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien übergeben, Der Name wurde von Cittanova in Novigrad umbenannt. Die Stadt gehörte zur Teilrepublik Kroatien Jugoslawiens.

Republik Kroatien[Bearbeiten]

Am 25. Juni 1991 erklärt die Republik Kroatien seine staatliche Unabhängigkeit.

Die Region Istrien ist von den Wirren der Jugoslawienkriege nicht direkt betroffen, Novigrad beherbergt jedoch wie andere touristische Küstenorte viele Flüchtlinge in Hotels und Touristenunterkünften..

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2011 hat die Gemeinde Novigrad 4345 Einwohner, von denen 2050 männlich und 2295 weiblich sind.[1]

Nach Ethnie waren 66,4 % der Einwohner der Gemeinde Kroaten, 10,2 % Italiener, 3,4 % Albaner, 2,8 % Serben, 2,1 % Slowenen, 0,9 % Bosnier, 0,3 % Deutsche und Österreicher sowie 1,2 % andere. 10,7 % der Einwohner nannten sich Istrier oder gaben eine andere regionale Zugehörigkeit an. Bei den übrigen 2,0 % wurde die Ethnie nicht angegeben oder war unbekannt. Nach Staatsbürgerschaft waren 97,7 % Kroaten (unter denen 10,2 % eine doppelte Staatsbürgerschaft hatten) und 2,2 % Ausländer. Bei den übrigen 0,1 % der Einwohner war die Staatsangehörigkeit unbekannt.[1]

Als Muttersprache verwendeten 81,1 % Serbokroatisch, wobei unter anderem 79,3 % die Sprache als Kroatisch, 1,0 % als Serbisch und 0,5 % als Bosnisch bezeichneten. 12,5 % nannten Italienisch als ihre Muttersprache, 3,2 % Albanisch, 2,3 % Slowenisch, 0,3 % Deutsch und 0,5 % gaben eine andere Sprache an. Bei den übrigen 0,1 % der Einwohner war die Muttersprache unbekannt.[1] Amtssprachen der Gemeinde sind Kroatisch und Italienisch.

Nach Religionen waren 80,9 % der Einwohner Katholiken, 2,8 % Orthodoxe, 1,9 % Muslime, 0,2 % Protestanten und 0,3 % gaben eine andere religiöse Zugehörigkeit an. 8,9 % waren konfessionslos bzw. konfessionsfrei, bei den übrigen 5,0 % wurde die Religion nicht angegeben oder war unbekannt.[1]

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche des Hl. Pelagius mit Kirchturm

Pfarrkirche des Hl. Pelagius mit Kirchturm[Bearbeiten]

Die Pfarrkirche des Hl. Pelagius ist auch dem Hl. Maxim und der heiligen Maria geweiht. Die dreischiffige Basilika war bis 1828 Kathedrale der Diözese Novigrad.

Den Beginn des Baus des Gotteshauses lässt sich heute nicht mehr festlegen, je nach Quellen lag dieser ab Mitte des 5. bis Mitte des 8. Jahrhunderts. Auch über die folgenden Erweiterungen und Umbauten liegen unterschiedliche Angaben vor. Wahrscheinlich wurde die Kirche Ende des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil erweitert, zwischen dem 15. bis 18. Jahrhundert mehrmals neu gestaltet und teilweise barockisiert. Die Kathedrale umfasste ursprünglich eine Taufkapelle und ein Bischofspalais, die im 19. Jh. abgerissen wurden. Die heutige, neoklassizistische Fassade wurde 1935 fertiggestellt.

Im Inneren dominieren der barocke Altar und der erhöhte, tiefe Chor. In der Kirche befindet sich eine Portraitreihe von 30 ehemals in Novigrad amtierenden Bischöfen, wie auch je ein größeres Gemälde mit einem Portrait der Muttergottes mit den beiden Kirchenheiligen Maxiuus und Pelagius (Künstler unbekannt) und den Heiligen Karl, Lucia und Anton (von Carlo Alvise Fabris aus dem Jahr 1776).

Unter dem Chor befindet sich eine ebenfalls dreischiffige Krypta mit Kreuzgewölbe – die einzige ihrer Art in Istrien und eine der wenigen in ganz Kroatien.

Der freistehende Glockenturm beim Kirchplatz Veliki trg wurde 1883 nach dem Vorbild des Markusturms in Venedig erbaut, dies als Ersatz eines bis 1874 an die Kathedralenfront erbauten Turms. Auf der Pyramidenspitze des 45 Meter hohen Turmes steht eine 1913 aufgestellte, aus Holz und mit Bronzeblech verkleidete Statue des Heiligen Pelagius.

Im kleinen Föhrenwald zwischen der Pelagius-Kirche und der nordwestlichen Küste befindet sich ein schlichter Steinsarkophag, wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert. Der Sargdeckel weist die Form eines Giebeldaches auf und hat an dessen Ecken schöne Verzierungen.

Stadtmauer/Loggia[Bearbeiten]

südliche Stadtmauer, mit Loggia

Die größtenteils zinnenbewehrte Altstadtmauer wurde etwa im 13.Jahrhundert erbaut, möglicherweise auf den Ruinen einer spätantiken Befestigungsanlage. Die Mauer war ursprünglich niedriger; erst im Verlaufe der Zeit wurde diese erhöht und mit den Zinnen ergänzt. Die Mauer umgab einst die gesamte Insel der Stadt. Sie ist heute noch gut erhalten und umfasst immer noch fast die gesamte Halbinsel. Ergänzt wird das Mauerwerk durch zwei runde Renaissance-Türme, etwas älter ist der viereckige Turm beim einstigen Stadttor.

Aufgebaut auf einer älteren Struktur der Verteidigungsmauern oder sogar auf den Trümmern eines Turms entstand etwa im 16. Jahrhundert mit direktem Blick auf Meer die Loggia, genannt Belveder. Westlich gegenüber der Loggia befindet sich die Porta a marina, ein gewölbter Durchgang der zum Meer führt. Diese Konstruktion, im Stein ist das Jahr 1649 gemeißelt, wurde vor mehr als hundert Jahren, als der neue Stadtparkt erbaut wurde, aus dem nordwestlichen Teil der Stadt an den heutigen Standort verschoben.

Museen[Bearbeiten]

Das Lapidarium ist ein Museum mit einer Sammlung von rund 100 Steindenkmälern. Das moderne Glashaus befindet sich westlich gegenüber der Pelagius-Kirche.

Das 2005 eröffnete private Kriegsmuseum Gallerion des Fotografen Sergio Gobbo widmet sich der österreichisch-ungarischen Flotte der k.u.k. Kriegsmarine während des Ersten Weltkriegs.

Der Rigo Stadtpalais wurde 1770 von der novigrader Adelsfamilie Rigo erbaut. Der harmonisch mit Schmuckelemente verzierte Palast zählt als Beispiel des mitteleuropäischen Barocks. Die Gebäudefront wurde 1994 saniert. Heute befindet sich im Erdgeschoss die nach der Familie benannte (die Galerija Rigo) für moderne und zeitgenössische Kunst.

Kirchen[Bearbeiten]

Kirche der Hl. Muttergottes von Karmel / Chiesa della Vergine Maria del Carmelo

Die Kirche der Hl. Muttergottes von Karmel (Chiesa della Vergine Maria del Carmelo oder Crkva Gospe od Karmela) wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts im damals für Istrien typischen einschiffigen Baustil erstellt und in der zweiten Hälfte des 18. sowie in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts letztmals erneuert. Ehemals befand sich neben der Kirche auch ein kleines Kloster, welches ab dem 15. bis17. Jahrhundert von den Dominikaner, ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von den Augustinern und folgend bis Mitte des 18. Jahrhunderts von den Franziskanern geführt wurde.

Richtung Stadtausgang am alten Stadtfriedhof steht die dreischiffige St. Agatha-Kirche. Erbaut wurde die Kirche mit auffallendem Gibeldach im 10. oder 11. Jahrhundert im romanischen Stil. Im Inneren der zwischen 1993 bis 1995 renovierten Kirche befinden sich zwei spätbarocke Skulpturen (Licht bringende Engel darstellend) und das Altarbild der Agatha von Heiligen Agathe.

Nordöstlich der Altstadt gegenüber dem Jachthafen befindet sich die mittelalterliche, in der Gotikzeit erbaute St. Anton-Kirche. Das Gotteshaus wurde sowohl im 17. Jahrhundert, wie auch Mitte des19. Jahrhunderts durch die Vergrößerung des Altarraums und den Ausbruch zweier Seitenfenster umgestaltet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Novigrad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Croatian Bureau of Statistics: Census of Population, Households and Dwellings 2011, abgerufen am 19. Dezember 2012