Nußdorf (Landau)

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49.2236118.108889195Koordinaten: 49° 13′ 25″ N, 8° 6′ 32″ O

Nußdorf
Früheres Wappen von Nußdorf
Höhe: 195 m ü. NN
Einwohner: 1469 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 22. April 1972
Postleitzahl: 76829
Vorwahl: 06341
Karte

Lage von Nußdorf innerhalb der Stadt Landau in der Pfalz

Pferdekopfpumpen zur Erdölförderung in Nußdorf
Viergötterstein und Nußdorfer Bauernkriegshaus
Nußdorfer Denkmal für die geschlagenen Bauern

Nußdorf ist ein Stadtteil von Landau in der Pfalz in Rheinland-Pfalz.

Der Ort liegt nördlich der Kernstadt und hat rund 1500 Einwohner. Nußdorf liegt vor dem Gebirgszug der Haardt am Westrand der Rheinebene.

Haupterwerbszweig ist der Weinbau mit etwa 500 ha Rebfläche. Daneben finden sich auf der Gemarkung etwa 30 Ölförderstellen des Landauer Ölfeldes.

Geographie[Bearbeiten]

Unter der Nußdorfer Scholle lagert Erdöl in 500 bis 1800 Meter Tiefe, das seit 1957 mit Pferdekopfpumpen gefördert wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf die Existenz einer römischen villa rustica weist der Fund eines Viergöttersteins hin, der als Basis einer Jupitersäule diente.

Nußdorf wurde erstmals 802 im „Codex Diplomaticus Fuldensis“, dem Rechtsbuch des Klosters Fulda, erwähnt. Während des Mittelalters gehörte das Dorf zu verschiedenen Herrschaften, bis es Johann von Heydeck, der Besitzer der Herrschaft Madenburg, 1508 an die Reichsstadt Landau verkaufte.

Am 23. April 1525, dem Kirchweihsonntag, brach in Nußdorf ein Bauernaufstand aus, der sich zum Pfälzischen Bauernkrieg entwickelte.[1] Von Nußdorfer Bauern wurde am selben Tag ein Gut des Klosters Eußerthal geplündert. Bis zur Niederschlagung des Bauernaufstandes in der Schlacht bei Pfeddersheim am 24. Juni 1525, wo etwa 8000 Bauern den Tod fanden, plünderte der kurzlebige „Nußdorfer Haufen“ zahlreiche Burgen und Klöster und die zugehörigen Güter in der Südpfalz.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam das fast völlig entvölkerte Nußdorf gemeinsam mit Landau unter französische Oberhoheit. Während der vier Belagerungen Landaus im 18. Jahrhundert wurde Nußdorf wiederholt geplündert.

Nachdem die Pfalz 1816 an Bayern fiel, wurde Nußdorf aus dem Landauer Besitz entlassen und eine selbstständige Gemeinde. Am 22. April 1972 wurde das Dorf wieder nach Landau eingemeindet.[2]

Name[Bearbeiten]

Nußdorf trägt seinen Namen durch die Siedler, die sich einst unter den Walnussbäumen niederließen, die in Nußdorf und Umgebung in großer Zahl vorkommen.[3]

Wappen[Bearbeiten]

Das ehemalige Gemeindewappen von Nußdorf zeigt einen goldenen Walnusszweig auf grünem Grund. Es wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet, wurde aber erst am 14. Juni 1844 genehmigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswert sind das Bauenkriegshaus von 1671, das ein Heimatmuseum beinhaltet, und die protestantische Pfarrkirche von 1280 mit einem gotischen Chor, einem barocken Schiff und einem klassizistischen Turm, in den ein römischer Viergötterstein eingemauert ist. Er zeigt die Gottheiten Minerva, Juno, Jupiter und Herkules.

In Nußdorf gibt es verschiedene regelmäßige Veranstaltungen: Das überregional bekannte Nußdorfer Weinfest findet alljährlich am ersten Augustwochenende statt. Am letzten Augustwochenende gibt es das traditionelle Bauernhausfest im Bauernkriegshaus. Im sogenannten Weinerlebnispfad wird man jeden Sonntag im Sommer (nur bei gutem Wetter) von ortsansässigen Weingütern an der Pergola bewirtet. Die Weinprobe der anderen Art findet immer am 2. Oktober statt und nennt sich „Nacht der offenen Keller“. Und ab dem 1. Dezember gibt es den sogenannten lebenden Adventskalender.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Personen, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Johann Georg Lehmann (1797–1876) war von 1846 bis 1876 Pfarrer in Nußdorf. Er gilt als der bedeutendste Geschichtsschreiber der Pfalz des 19. Jahrhunderts
  • Gerhard Postel (1941–2012), betreute von 1976 bis 1991 die hiesige Kirchengemeinde
  • Peter Brauchle (* 1970), schuf 2004 ein Bauernkriegsdenkmal in Nußdorf

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Bauernkriegsmuseum
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 184 (PDF; 2,6 MB)
  3. Siehe Dorfgeschichte