Nuovo Trasporto Viaggiatori

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NTV - Nuovo Trasporto Viaggiatori
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Rechtsform S.p.A
Gründung 2006
Sitz Rom, Italien
Leitung Luca Cordero di Montezemolo, Chairman und Präsident

Giuseppe Sciarrone, CEO

Mitarbeiter 300
Website ntvspa.it
Nuovo Trasporto Viaggiatori
Strecke der Nuovo Trasporto Viaggiatori
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Torino Porta Susa
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Milano Porta Garibaldi
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Milano Rogoredo
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Venezia Santa Lucia
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Venezia Mestre
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Padova Centrale
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Bologna Centrale
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Firenze SMN
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Roma Tiburtina
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Roma Ostiense
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Napoli Centrale
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Salerno Centrale
   
   
Strecke – geradeaus
Turin–Salerno
   
   
Venedig–Rom

Der Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) ist eine private italienische Eisenbahngesellschaft. Sie bietet seit dem 28. April 2012 in Konkurrenz zur staatlichen Trenitalia SpA (Frecciarossa) Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen italienischen Großstädten an.[1][2][3]

Geschichte[Bearbeiten]

NTV wurde von vier italienischen Industriellen gegründet, darunter Luca Cordero di Montezemolo, Verwaltungsratsvorsitzender von Ferrari und bis 2010 auch von Fiat SpA sowie Diego Della Valle, Inhaber der Tod's Group. Präsident („Chairman“) der Gesellschaft ist Luca Cordero di Montezemolo,[4] Geschäftsführender Direktor („Managing Director“) ist Giuseppe Sciarrone,[4] zugleich geschäftsführendes Mitglied im Verwaltungsrat der privaten Güterverkehrsgesellschaft Rail Traction Company. Mit im Boot ist die Bank Sanpaolo IMI.

Bei der französischen Alstom wurden 25 Exemplare des neuen Hochgeschwindigkeitszuges AGV bestellt.[5] Die Züge sind für jeweils 500 Passagiere ausgelegt und fahren unter dem Namen .Italo.[6] 17 der 25 als Baureihe 575 bezeichneten Züge wurden in La Rochelle gebaut, acht weitere im italienischen Savigliano. Sie bieten auf einer Länge von 200 m in 11 Wagen 450 Sitzplätze und erreichen (unter 25 kV Wechselstrom) eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Die Antriebsleistung von 7,5 MW verteilt sich auf zehn permanenterregte Elektromotoren.[7]

Die Inneneinrichtung der roten Züge wurde von Giorgio Giugiaro entworfen.[8] Bedient werden die Strecken von Turin via Mailand und Neapel nach Salerno sowie von Rom nach Venedig.[9] [10]

Nach der ursprünglichen Planung wollte das Unternehmen bis 2015 einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen, entsprechend 30.000 Fahrgästen pro Tag bzw. 3,3 Milliarden Personenkilometern jährlich. Die Gewinnschwelle sollte 2013 (bei einem Umsatz von 396 Millionen Euro) erreicht werden.[11]

Zielgruppe sind in erster Linie Geschäftskunden, die Züge sollen entsprechend eine Business-Class-Ausstattung erhalten.[12] Das Unternehmen wird seine Fahrkarten nicht über die Konkurrenz Trenitalia, sondern über eigene Fahrkartenautomaten und das Internet sowie Reisebüros verkaufen. Ein noch nicht näher bekanntes Premiumangebot soll tariflich dabei über dem Niveau von Trenitalia liegen, während andere Fahrkarten zu niedrigen Preisen verkauft werden sollen. Auf den Zügen soll ein Internetzugang per WLAN, Videodienste und Fernsehen angeboten werden.[11]

Seit Ende März 2013 sind alle 25 bestellten AGV-Hochgeschwindigkeitszüge in Betrieb. Damit werden täglich 50 Züge angeboten, die zwölf Bahnhöfe in 9 Städten erschließen.[13]

Ab Mitte Dezember 2013 sind drei Zugpaare auf der Achse Mailand–Bologna–Rimini–Ancona vorgesehen, davon ein Zugpaar ab/bis Turin.[14]

Eigentümer und Finanzierung[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Grundkapital betrug eine Million Euro.[15] Anfang 2008 trat die Banca Intesa Sanpaolo mit seinerzeit 20 Prozent in das Kapital der Gesellschaft ein, wofür sie zwischen 49 und 62 Millionen Euro aufwendete. Zudem räumte sie NTV eine Kreditlinie über 750 Millionen Euro ein.[9] Der Präsident Giuseppe Sciarrone hielt dabei noch einen Kapitalanteil von 4 %, jeweils 24 % entfielen auf Montezemolo, Della Valle und den Unternehmer Gianni Punzo.[16] Im Oktober 2008 erwarb die französische Staatsbahn SNCF für 80 Millionen Euro einen 20%igen Anteil an dem Unternehmen.[17]

Inzwischen (Stand: Mai 2012) hält ein Konsortium von Ferrari-Chef di Montezemolo, Tod-Chef Diego della Valle und dem Handelsunternehmer Gianni Punzo ein Drittel der Anteile. Die Bank Intesa Sanpaolo hält weiter 20 Prozent, der Versicherer Generali 15 Prozent und die SNCF 20 Prozent. Kleinere Investoren halten den Rest. Das Unternehmen will bis Ende 2014 die Gewinnschwelle erreichen. Die Zahl der Reisenden soll von erwarteten 1,5 Millionen Fahrgästen im Jahr 2012 auf acht Millionen im Jahr 2014 steigen.[18]

Ein .Italo AGV von NTV im Bahnhof Napoli Centrale

Zwischen 2009 und 2012 investiert das Unternehmen 618,6 Millionen Euro in Züge. Für ein neues Betriebswerk sind 90 Millionen Euro vorgesehen, für weitere Ausgaben 81,3 Millionen Euro. Im ersten Betriebsjahr (2013) sollen 137,1 Mio. Euro (43,9 Prozent der Gesamtausgaben) für Trassenentgelte aufgewendet werden, 44,6 Mio. Euro für den Vertrieb (14,3 %), 38,8 Mio. Euro für Betriebspersonal (12,3 %), 21,7 Mio. Euro für Wartung (6,9 %) sowie 69,5 Mio. Euro für sonstige Ausgaben.[19] (Alle Preisangaben in Preisen von 2009[20])

Die Gewinnschwelle soll bereits 2013 erreicht werden. Erlösen von 395,8 Millionen Euro sollen dabei unter anderem Kosten von 137,1 Millionen Euro für Trassenentgelte und Energie, 44,6 Millionen Euro für den Fahrkartenvertrieb, 38,3 Millionen für Personal, 21,7 Millionen für Wartung sowie 20 Millionen für Werbung ausgegeben werden. An Anschreibungen sind 32,6 Millionen Euro vorgesehen, an Zinsen 50,6 Millionen Euro.[20] Das jährliche Trassenentgelt wurde für zehn Jahre festgeschrieben.[11]

Betriebskonzept[Bearbeiten]

Im Juli 2008 hat sich das Unternehmen zum geplanten Betriebskonzept geäußert. Demnach will NTV mit folgendem Angebot starten[21]:

Strecke Zukünftige
Fahrzeit
Anzahl
täglicher
Zugpaare
Turin–Mailand 1:00 h 8
Mailand–Rom nonstop 3:00 h 3
Mailand–Bologna–Florenz–Rom 3:10 h 13
Mailand–Bologna 1:00 h 14
Bologna–Florenz 0:35 h 18
Florenz–Rom 1:30 h 18
Rom–Neapel 1:10 h 16
Rom–Florenz–Bologna–Venedig 4:05 h 4
Neapel–Salerno 0:30 h 5

Die Wartung der Züge soll in einer Werkstätte bei Nola in der Nähe von Neapel erfolgen. Die Anlage wird auf einer Fläche von 150.000 m2 für 90 Mio. Euro durch den Betreiber des lokalen Containerterminals errichtet und umfasst elf Gleise, sowie eine 55.000 m2 große Wartungshalle. Sie soll 300 Mitarbeiter beschäftigen.[22]

In Mailand und Rom werden nicht die Hauptbahnhöfe Centrale bzw. Termini angefahren, sondern Porta Garibaldi und Rogoredo bzw. Tiburtina und Roma Ostiense.[23]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Bernhard Studer: Die Privatgesellschaft NTV macht Tempo. Rasen um die Wette. In: eisenbahn magazin. Nr. 3/2013, Alba Publikation, Düsseldorf März 2013, ISSN 0342-1902, S. 28–30.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachricht auf kurier.at vom 29. April 2012, abgerufen am 29. April 2012
  2. Hochgeschwindigkeitszug: Ein „Ferrari auf Schienen“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. April 2012
  3. Hans-Jürgen Schlamp: Highspeed-Bahn „Italo“: Die Zeit vergeht wie im Zug. In: Spiegel Online. 23. April 2012
  4. a b Statement 2010 (PDF-Format, englisch), Seite 7
  5. Pressemitteilung von Alstom vom 17. Januar 2008.
  6. NTV, Pressemitteilung 18. November 2008: NTV’s train will be called .Italo
  7. Keith Fender: AGV. In: Modern Railways. Bd. 69, Nr. 764, 2012, ISSN 0026-8356, S. 78–79.
  8. Salzburger Nachrichten, Italien hat neuen Hochgeschwindigkeitszug
  9. a b NTV cerca treni e finanziatori (NTV sucht Züge und Geldgeber, italienisch)
  10. Ecco il treno di Montezemolo (Hier kommt Montezemolos Zug, italienisch)
  11. a b c David Briginshaw: North-south high-speed line opens for business. In: International Railway Journal, ISSN 0744-5326, Dezember 2009, S. 20–24.
  12. Anna Rousseau: Les padroni ont leur TGV de luxe. In: Challenges Nr. 110 vom 7. Februar 2008.
  13.  Vollbetrieb bei NTV. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 5, 2013, ISSN 1421-2811, S. 240.
  14.  Berichte international. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 12, 2013, ISSN 1421-2811, S. 634.
  15. Meldung des Corriere della Sera vom 12. Januar 2007 (italienisch).
  16. Artikel in La Repubblica vom 12. Januar 2008 (italienisch)
  17. SNCF steigt in den italienischen Schienenverkehr ein. In: Börsen-Zeitung Nr. 196 vom 10. Oktober 2008, S. 13.
  18. Zugfahrt mit einem Ferrari. In: Handelsblatt. Nr. 86, 2012, ISSN 0017-7296, S. 27.
  19. John Glover: Global insights into high speed rail. In: Modern Railways. Bd. 66, Nr. 734, 2009, ISSN 0026-8356, S. 64–69.
  20. a b Keith Fender: NTV opens for service. In: Modern Railways. Bd. 69, Nr. 764, 2012, ISSN 0026-8356, S. 74–77.
  21. NTV targets 20% market share by 2015 . In: Railway gazette international, 1. September 2008
  22. International Railway Journal, 2. Juli 2009: NTV signs contract to build AGV depot
  23. Nuovo Trasporto Viaggiatori: Konkurrenz für Trenitalia ab Ostern aus Cabo Ruivo, abgerufen am 6. April 2012