Nusa Tenggara Timur

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Nusa Tenggara Timur
Wappen der Provinz
Basisdaten
Fläche: 47.876 km²
Einwohner: 4.679.316
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner/km²
Hauptstadt: Kupang
Gouverneur Frans Lebu Raya
Lage in Indonesien
Singapur Brunei Malaysia Malaysia Philippinen Osttimor Australien Papua-Neuguinea Thailand Aceh Sumatra Utara Riau Sumatra Barat Jambi Bengkulu Sumatra Selatan Lampung Kepulauan Riau Banka-Belitung Banten Jakarta Java Barat Yogyakarta Bali Java Tengah Java Timur Nusa Tenggara Barat Nusa Tenggara Timur Maluku Utara Sulawesi Utara Maluku Papua Barat Papua Kalimantan Barat Kalimantan Tengah Kalimantan Selatan Kalimantan Timur Kalimantan Utara Sulawesi Barat Gorontalo Sulawesi Tenggara Sulawesi Selatan Sulawesi TengahEast Nusa Tenggara in Indonesia.svg
Über dieses Bild
Website: www.nttprov.go.id

Nusa Tenggara Timur (deutsch Ost-Nusa Tenggara oder Östliche kleine Sundainseln) ist eine indonesische Provinz in der Region Nusa Tenggara, den Kleinen Sundainseln. Sie grenzt an den Staat Osttimor.

Geographie[Bearbeiten]

Die Provinz besteht aus über 550 Inseln, von denen die größten Flores, Sumba und Timor (von der nur der Westteil zu Indonesien gehört) sind. Weitere Inseln sind Adonara, Alor, Komodo, Pantar, Raijua, Roti, Sawu, Semau und andere. Die Hauptstadt der Provinz ist Kupang auf Westtimor.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Anders als in den meisten anderen Regionen Indonesiens bekennt sich die Bevölkerung zu 91 % zum Christentum. Etwa 56 % sind Katholiken, eine Folge der portugiesischen Missionierung im 17. und 18. Jahrhundert. Niederländische Missionare kamen im 19. und 20. Jahrhundert in das Gebiet, weswegen 35 % der Bevölkerung nun Protestanten sind. Die etwa 8 % Muslime sind zumeist aus anderen Regionen Indonesiens eingewandert. Kleinere Minderheiten folgen dem Hinduismus und Buddhismus. Vor allem bei den erst spät christianisierten Völkern sind auch animistische Praktiken und Traditionen weit verbreitet.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Flagge von Ost-Nusa Tenggara

Hauptartikel: Liste der Verwaltungseinheiten Ost-Nusa Tenggaras

Regierungsbezirk[1] Regierungssitz Lage
Alor Kalabahi Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Alor.svg
Belu Atambua Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Belu.svg
Ende Ende Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Ende.svg
Kupang Oelamasi[2] Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Kupang.svg
Lembata Lewoleba Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Lembata.svg
Malaka[3] Betun Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Malaka.svg
Manggarai Ruteng Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Manggarai.svg
Nagekeo Mbay Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Nagekeo.svg
Ngada Najawa Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Ngada.svg
Nordzentraltimor (Timor Tengah Utara) Kefamenanu Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Timor Tengah Utara.svg
Ostflores (Flores Timur) Larantuka Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Flores Timur.svg
Ostmanggarai (Manggarai Timur) Borong Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Manggarai Timur.svg
Ostsumba (Sumba Timur) Waingapu Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sumba Timur.svg
Rote Ndao Baa Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Rote Ndao.svg
Sabu Raijua Sabu Barat Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sabu Raijua.svg
Sikka Maumere Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sikka.svg
Südwestsumba (Sumba Barat Daya) Tambolaka Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sumba Barat Daya.svg
Südzentraltimor (Timor Tengah Selatan) Soe Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Timor Tengah Selatan.svg
Westsumba (Sumba Barat) Waikabubak Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sumba Barat.svg
Westmanggarai (Manggarai Barat) Labuan Bajo Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Manggarai Barat.svg
Zentralsumba (Sumba Tengah) Waibakul Lokasi Nusa Tenggara Timur Kabupaten Sumba Tengah.svg
Stadt[1] Lage
Kupang Lokasi Nusa Tenggara Timur Kota Kupang.svg

Geschichte[Bearbeiten]

Portugiesische Festung auf Solor

Mehrere Besiedlungswellen durchquerten die Region. Man vermutet, dass vedo-austronesische Völker etwa 40.000 bis 20.000 v. Chr., während der letzten Eiszeit, vom Norden und Westen her Timor erreichten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Großen Sundainseln durch Landbrücken mit dem asiatischen Kontinent verbunden und der Weg über das Meer bis Timor deutlich kürzer. Die Einwanderer waren vergleichbar mit den Veddas im heutigen Sri Lanka und scheinen die gleichen Vorfahren zu haben. Ihre Nachkommen, die Atoin Meto (Atoni), repräsentieren wahrscheinlich die ursprüngliche Bevölkerung Timors und zeichnen sich durch eine sehr dunkle Hautfarbe und glatte, schwarze Haare aus. Sie stellen die Bevölkerungsmehrheit im Westen der Insel. Ihnen folgten Melanesier, die um 3000 v. Chr. bis Timor vordrangen und schließlich verschiedene austronesische Gruppen, die ursprünglich aus Südchina und dem nördlichen Indochina stammen.[4]

Obwohl einige indonesische Publikationen der 1970er-Jahre angeben, dass das Srivijaya-Reich (7. Jahrhundert bis 13. Jahrhundert) bis nach Timor reichte, fehlen jegliche Quellen, um dies nachzuweisen. Selbst Bali und der Osten Javas gehörten nicht zu diesem Reich, obwohl diese westlich der heutigen Provinz Ost-Nusa Tenggara lagen und hinduistisch und buddhistisch geprägt waren. Vermutlich hinderten javanische Königreiche das Srivijaya-Reich an seiner Expansion in Richtung Osten. Möglicherweise erreichten aber Händler Srivijayas die Region. Niederländische Historiker berichten, dass timoresisches Sandelholz bereits im 10. Jahrhundert durch die Straße von Malakka weiter nach China und Indien transportiert wurde.

Der chinesische Beamte für Überseehandel Chau-Ju-Kua nannte Timor im Jahr 1225 einen Ort, der reich an Sandelholz sei. Santalum album findet sich nicht nur auf Timor, sondern auch auf verschiedenen Pazifikinseln, Madagaskar, Australien und in Indien, doch lieferten nur Timor, Sumba und Solor die höchste Qualität von weißem Sandelholz. Den Handel betrieben malaiische, chinesische und später auch arabische Händler. Sie kauften in der Region Sandelholz, Sklaven, Honig und Bienenwachs. Mit dem Aufblühen des örtlichen Handels entstanden lokale Herrscherfamilien. Die Händler siedelten nicht auf dem fern den Handelsrouten zwischen China, Indien und den großen Inseln gelegenen Timor, sondern blieben immer nur so lange, wie sie mussten, um ihre Geschäfte abzuwickeln.

Im Heldenepos Nagarakertagama des Majapahit-Reich, das in der Mitte des 14. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreichte, wird auch eine lange Liste von tributpflichtigen Vasallenstaaten Majapahits aufgeführt. Darunter findet sich auch Timor. Allerdings vermerkte der portugiesische Schreiber Tomé Pires im 16. Jahrhundert, dass alle Inseln östlich von Java Timor genannt wurden, da die Landessprache mit dem Wort „Timor“ den Osten bezeichnet.[4] Bereits nach einem Jahrhundert zerfiel die Macht Majapahits aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Hinduprinzen und der Verbreitung des Islams in Malaya, dem Nordosten Sumatras und dem Norden Javas. Das muslimische Malakka gewann an Macht, sodass auch die javanischen Häfen an Bedeutung verloren. Die chinesischen Händler verschwanden fast zeitgleich zwischen 1368 und 1405. Grund war die selbstgewählte Isolation Chinas von der Außenwelt. Als China von 1550 bis 1567 ein zweites Mal seinen Händlern den Außenhandel verbat, übernahmen zunächst die Portugiesen die Handelswege zwischen dem Reich der Mitte und Timor.

Portugiesische Einflusssphäre auf den Kleinen Sundainseln im 16. und 17. Jahrhundert

Der Portugiese Afonso de Albuquerque eroberte am 15. August 1511 das nördlich gelegene Sultanat von Malakka. Damit stand Portugal ein wichtiger Stützpunkt für den Handel mit den Kleinen Sundainseln und vor allem den Molukken zur Verfügung, dem Hauptziel der portugiesischen Expansion in Südostasien. Um die Gewürzinseln genannten Inseln zu finden, wurde bereits im folgenden November eine Expedition aus drei Schiffen unter António de Abreu entsandte. Nachdem die Schiffe die Molukken erreicht hatten, wandten sie sich nach Südwesten und erreichten 1512 als erste Europäer Timor, Solor und Alor. Auf Solor soll bereits damals eine portugiesische Siedlung gegründet worden sein, die Keimzelle der portugiesischen Kolonien auf den Kleinen Sundainseln.

Anfangs unterhielten die Portugiesen auf Timor weder eine Verwaltung, noch Militärgarnisonen oder Handelsposten. Diese wurden erst schrittweise als Reaktion auf die Bedrohung durch die Niederländer aufgebaut, die ihren Einfluss einige Jahrzehnte später begannen, in der Region immer mehr auszudehnen. In den ersten Jahren wurde einige Soldaten unter einem Capitão für Solor angeheuert. Ab 1575 stationierte man hier ein bewaffnetes Schiff mit 20 Soldaten und ab 1595 vergab Goa offiziell den Posten des Capitão, der die Aufgaben eines Gouverneurs für die Region übernahm – sehr zum Unmut der Dominikaner, die sich in ihren Rechten eingeschränkt sahen. Der erste Capitão Goas war Antonio Viegas. 1586 wurden große Teile Timors zur Kolonie Portugiesisch-Timor erklärt.

Am 20. April 1613 eroberten die Niederländer unter Apollonius Schotte die Festung auf Solor. Die Portugiesen wichen nach Larantuka im Osten von Flores aus. Solor wechselte im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehrfach den Besitzer, während Larantuka zum neuen portugiesischen Zentrum der Region wurde. Von Larantuka aus kontrollierten die Topasse das Handelsnetz in der Region, vor allem den lukrativen Sandelholzhandel. Die Topasse, auch Bidau, Larantuqueiros oder schwarze Portugiesen genannt, waren Nachfahren von portugiesischen Soldaten, Seeleuten und Händlern, die Frauen von Solor und Flores heirateten. Nach niederländischen Berichten beherrschten die Topasse von Larantuka aus bereits 1623 die Häfen an der Nordküste Timors.[5]

Bild aus der kolonialen Zeit: Zwei Mädchen aus Worbain, Alor

1640 entstand in Kupang der erste niederländische Posten auf Timor. 1681 eroberten die Niederländer die Insel Roti, von wo in Folge Sklaven nach Timor gebracht wurden. Außerdem rekrutierten die Niederländer auf Roti Soldaten für ihre Armee und bauten Schulen, nachdem der dortige Herrscher 1729 zum Christentum konvertiert war. Aus den Rotinesen wurde eine gut ausgebildete Elite. Um sich diese als Gegengewicht zu den Timoresen nutzbar zu machen, förderten die Niederländer deren Einwanderung nach Westtimor, so dass sie und ihre Sprache noch heute hier präsent sind.[6] Ab 1756 hatten die Niederlände nach der Schlacht von Penfui zumindest nominell die Oberhoheit über Westtimor erkämpft.

1797 versuchten die Engländer Kupang zu besetzen, da man befürchtete, dass sich hier Frankreich festsetzen könnte. Die Briten wurden aber vom niederländischen Kommandanten mit Hilfe von Einheimischen und Sklaven vertrieben. Während der napoleonischen Kriege gelang den Engländer 1811 die Besetzung Kupangs. 1812 wurde die britische Kontrolle auf das gesamte niederländische Westtimor ausgedehnt. Erst nach der Rückkehr der Oranier auf den niederländischen Thron erhielten die Niederländer am 7. Oktober 1816 offiziell ihre timoresische Besitzungen zurück.[7][8]

1851 verkaufte der portugiesische Gouverneur José Joaquim Lopes de Lima ohne Autorisation aus Lissabon, außer die Kernkolonie Portugiesisch-Timor, die verbliebenen portugiesischen Gebiete und Ansprüche auf den Kleinen Sundainseln, die unter portugiesischer Oberhoheit standen, für 200.000 Florins an die Niederlande. Lissabon erkannte den Verkauf nicht an und ließ Lopes verhaften. Er starb auf der Rückfahrt nach Europa. Ab 1854 wurden die Vereinbarungen neu verhandelt. Im Vertrag von Lissabon wurde der Verkauf schließlich bestätigt. Die Ratifizierung erfolgte 1859. Die endgültige Grenzziehung zwischen Niederländisch-Indien und Portugiesisch-Timor erfolgte erst 1914.[7] Allerdings mussten die Niederländer bis 1915 ständig Aufstände niederschlagen, die auf Timor, Flores und anderen Inseln fast jedes Jahr ausbrachen. Oft bestand nur eine formale niederländische Oberhoheit, während die einheimischen Herrscher (Raja) die wirkliche Regierungsgewalt vor Ort hatten.[9]

Zwischen 1942 und 1945 besetzten die Japaner im Pazifikkrieg die Inseln. Nach der Indonesische Unabhängigkeitserklärung am 17. August 1945 begann der Niederländisch-Indonesische Krieg (1947/48). Ost-Nusa Tenggara stand dabei nie unter Kontrolle der Unabhängigkeitsbewegung. 1949 erkannten die Niederlande die Souveränität Indonesiens an, auch über Ost-Nusa Tenggara.

Die lokale Verwaltung blieb bis 1958 in den Händen der einheimischen Herrscher. Trotz ihrer späteren Entmachtung, haben ihre Familien noch heute großen Einfluss in der Gesellschaft.

Von 1975 bis 1999 besetzte Indonesien das benachbarte Osttimor. In einem Unabhängigkeitsreferendum entschied sich die dortige Bevölkerung für die Unabhängigkeit von Indonesien. Während und nach der Krise in Osttimor 1999 wurden 250.000 Osttimoresen nach Westtimor deportiert oder flohen hierher. Während ein Großteil wieder in ihr Heimatland zurückkehrte, lebten 2005 noch 30.000 Flüchtlinge im indonesischen Westtimor.[10][11] An der Grenze der beiden Länder kommt es immer wieder zu kleineren Zwischenfälle, weil einige, kleine Grenzabschnitte noch nicht genau festgelegt sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ost-Nusa Tenggara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Liste der Verwaltungseinheiten Indonesiens bis runter auf die Desas 2010 (englisch; PDF; 5,9 MB)
  2. PERATURAN PEMERINTAH NOMOR 3 TAHUN 2006 TENTANG PEMINDAHAN IBUKOTA KABUPATEN KUPANG DARI WILAYAH KOTA KUPANG KE WILAYAH OELAMASI KABUPATEN KUPANG
  3. Kompas.com: Malaka Akhirnya Menjadi Daerah Otonom Baru, 15. Dezember 2012, abgerufen am 3. Februar 2013
  4. a b Population Settlements in East Timor and IndonesiaUniversität Coimbra
  5. Hans Hägerdal: Rebellions or factionalism? Timorese forms of resistance in an early colonial context, 1650-1769
  6. Jane's oceania - Timor
  7. a b History of Timor (PDF; 824 kB) – Technische Universität Lissabon
  8. * Monika Schlicher: Portugal in Osttimor. Eine kritische Untersuchung zur portugiesischen Kolonialgeschichte in Osttimor 1850 bis 1912. Abera, Hamburg 1996, ISBN 3-931567-08-7, (Abera Network Asia-Pacific 4), (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss, 1994).
  9. James J. Fox: “The Paradox of Powerlessness: Timor in Historical Perspective”, 9. Dezember 1996, Department of Anthropology, Research School of Pacific and Asian Studies, The Australian National University (PDF; 70 kB)
  10. Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit, missio 2005, ISSN 1618-6222 (PDF; 304 kB)
  11. Bataviase, 22. Dezember 2009, 12 residents arrested after Kupang clash