Nyckelharpa

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Nyckelharpa, gebaut von Eric Sahlström
Details der Mechanik
Spielweise: Marco Ambrosini mit einer Nyckelharpa von Annette Osann
Didier François mit seiner speziellen Haltung bei den Internationalen Nyckelharpatagen auf Burg Fürsteneck in Deutschland, 2005
Putte mit Schlüsselfidel am Knochenhaueramtshaus in Hildesheim
Kirche von Tolfta, Uppland, Schweden. Zwei Engel mit Nyckelharpa in den Deckengemälden, 2. Hälfte 15. Jahrhundert
Engel mit „Viola a chiavi“, Cappellina di Palazzo Pubblico, Siena, Italien. Fresko von Taddeo di Bartolo, 1408

Die Nyckelharpa (schwedisch, Plural Nyckelharpor), im Deutschen auch Schlüsselfiedel, seltener Schlüsselfidel, Schlüsselgeige, Tastenfidel, ist ein Streichinstrument, dessen Saiten mechanisch über Tasten verkürzt werden.

Bauform[Bearbeiten]

Die Nyckelharpa ist ein Streichinstrument, dessen Saiten mit einem kurzen Bogen in Schwingung versetzt werden. Die Tonhöhe der Saiten wird dabei durch das Betätigen von Tasten bestimmt – ähnlich wie bei der Drehleier. Die Fähnchen auf den Tasten, welche die Saiten abgreifen, werden "Tangenten" genannt.

Es gibt eine Vielzahl an Formen der Nyckelharpa. Eine moderne, chromatische Nyckelharpa hat vier Melodiesaiten. Je nach Bauart der Tastatur können verschieden viele (meist drei oder alle vier) Melodiesaiten mit Tangenten verkürzt und damit in der Tonhöhe verändert werden. Saiten ohne Tastatur-Reihe werden oft als Bordun genutzt.

Dazu kommen meist zwölf Resonanzsaiten oder Sympathiesaiten (engl. sympathetic strings). Diese Resonanzsaiten liegen unter den Melodiesaiten und werden nicht mit dem Bogen berührt, sondern durch die gespielten Töne und deren Obertöne zum Mitschwingen angeregt. Durch die Resonanzsaiten entsteht der Eindruck eines Hall-Effektes. Wann die ersten Nyckelharpor mit Resonanzsaiten ausgestattet wurden, konnte bisher nicht geklärt werden.

Nach dem Vorhandensein von Resonanzsaiten erfolgt auch eine erste Einteilung unterschiedlicher Typen der Nyckelharpa:

  • Nyckelharpor ohne Resonanzsaiten sind die Mora-Harpa, die Esse-Harpa (West-Finnland) oder die Nyckelharpa von Vefsen (Norwegen).
  • Nyckelharpor mit Resonanzsaiten sind die Enkelharpa, Silver- und Kontrabasharpa und die chromatische (schwedisch kromatisk) Nyckelharpa, die modernste und am weitesten verbreitete Form.

Die Anzahl der Resonanzsaiten und deren Stimmung variiert; die chromatische Nyckelharpa hat zwölf davon, eine Saite für jeden Halbton.

Weitere Unterteilungen erfolgen nach Art, Anzahl und Position von Bordun- und Melodie-Saiten. Eine Unterteilung nach Anzahl von Tastaturreihen, wie sie oft vorkommt, ist ungenau. Vor allem im oberen Register werden die Tangenten für das Abgreifen der Töne aus Platzgründen oft über zwei Tastaturreihen verteilt. Der Tonumfang ist bei den älteren Formen meist diatonisch, die modernen sind chromatisch spielbar.

Zwei grundlegende Bauformen der Nyckelharpa sind heute zu beobachten: die vorwiegend in Schweden produzierte in der Tradition der Folklore stehende dreireihige Nyckelharpa mit gebogener Decke und gesägter Zarge und das "kontinentale" vom Geigenbau inspirierte Modell (J.C. Condi, A. Osann) mit seinen vier Reihen, einer gebogenen Zarge und einer mitunter gehobelten Decke (J.C. Condi, A. Pilz), das verstärkt bei der Interpretation von Alter Musik zum Einsatz gelangt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Musikinstrument Nyckelharpa gibt es seit dem Mittelalter. Belege über ihre Existenz finden sich hauptsächlich in Schweden, aber auch in Dänemark, Deutschland, Österreich und Italien.

Eine der wahrscheinlich ältesten Abbildungen einer Nyckelharpa findet sich auf einem Steinrelief am Portal der Kirche von Källunge auf Gotland, Schweden, datiert auf ca. 1350. Das dargestellte Instrument ähnelt stark einer Frühform der Nyckelharpa, die heute als „Mora-Harpa“ bekannt ist. Diese bis heute überlieferte Form der Nyckelharpa wurde nicht nach ihrem Fundort Älvdalen in Dalarna (Mittelschweden) benannt, sondern nach ihrer neuen Heimat in Mora, wo sie im Zornmuseum ausgestellt ist. Auf der Halsrückseite der Mora-Harpa steht die Jahreszahl 1526. Es kann sich dabei aber nicht um das Baujahr handeln, weil dieses nachweislich das Jahr 1680 ist.

Im Deutschland des 16. und 17. Jahrhunderts war die „Schlüsselfidel“ offenbar bekannt, denn sowohl bei Sebastian Virdung „Musica getutscht und ausgezogen“ als auch bei Michael Praetorius „Syntagmatis musici tomus secundus“ von 1619 mit „Theatrum instrumentorum“ wird sie erwähnt und detailliert dargestellt. 1989 fand der schwedische Instrumentenforscher Per-Ulf Allmo an der Fassade des Hauses der Schlachterinnung (dem Knochenhaueramtshaus von 1529) in Hildesheim eine Verzierung mit fünf Putten, von denen eine ganz offensichtlich auf einer Nyckelharpa spielt. Eine Abbildung eines Engels in Siena, Italien, zeigt ebenfalls ein Instrument, welches vom selben Typus wie die Schlüsselfidel von Praetorius ist (Fresko von Taddeo di Bartolo, 1408). In seinem 2004 erschienenen Buch „Den gäckande nyckelharpan“ veröffentlichte Per-Ulf Allmo neue Erkenntnisse über die Herkunft der Nyckelharpa. Er fand anhand älterer Darstellungen Belege dafür, dass die Idee der Nyckelharpa ursprünglich von Kontinentaleuropa nach Schweden gewandert ist.

Im Salzburger Museum Carolino Augusteum werden zwei Schlüsselfideln aus dem süddeutsch-österreichischen Raum aufbewahrt, die aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Die chromatische Nyckelharpa wurde 1929 von August Bohlin (1886-1949) entwickelt und später zu einem modernen, vielseitig einsetzbaren Instrument weiterentwickelt. Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Nyckelharpa nicht mehr verbreitet und wurde nur noch von wenigen Spielmännern in Uppland gespielt. Vor allem Eric Sahlström (1912-1986) hat durch seine Kompositionen zu einer Erweiterung des Repertoires beigetragen

Heutiger Gebrauch[Bearbeiten]

Jedes Jahr findet in Österbybruk im schwedischen Uppland ein Treffen der besten Spielleute statt, die so genannte nyckelharpstämman. Dabei werden einerseits Wettbewerbe durchgeführt (eine WM), außerdem können auch die Instrumente selbst zur Begutachtung eingereicht werden. Andererseits spielt das gemeinschaftliche Musizieren und Instrumentenbauen – auch mit spontanen Treffen unterschiedlicher Spielgruppen – eine zentrale Rolle.

Während bekannte Spielleute die Nyckelharpa vor allem solo oder mit anderen Nyckelharpor spielen, wird das Instrument volkstümlich vor allem in Gruppen zusammen mit Akkordeon, Kontrabass und natürlich Violine gespielt.

Nyckelharpa-Spieler, Instrumentenbauer und Komponisten[Bearbeiten]

Bedeutende Nyckelharpa-Spieler[Bearbeiten]

Stilprägende, bekannte Nyckelharpaspieler sind unter anderem: Eric Sahlström, der die chromatische Nyckelharpa in ihrer heutigen Form entwickelte, gilt ebenfalls bezüglich seines Spiels als stilbildendes Vorbild, dem immer noch nachgeeifert wird. Seine Kinder, insbesondere Sigurd Sahlström, sind ebenfalls bedeutende Spieler. Einige weitere bekannte Nyckelharpa-Spieler aus Schweden sind: Olov Johansen von der Band "Väsen", Peter "Puma" Hedlund, Torbjörn Näsbom, Magnus Holmström, Emilia Amper, Josefina Paulsson, Johan Hedin, Daniel Pettersson und Anders Norudde (Mora-Harpa). Außerhalb Schwedens spielen Nyckelharpa: Triskilian, In Extremo, Poeta Magica, Marco Ambrosini, Oni Wytars, Thomas Roth, Didier François, Ana Alcaide und Jule Bauer.

Komponisten[Bearbeiten]

Viele zeitgenössische Komponisten haben Werke für Nyckelharpa geschrieben, unter ihnen Michael Riessler, Marco Ambrosini, Jean-Louis Matinier und Helena Tulve.

Unterricht[Bearbeiten]

In Schweden gibt es Ausbildungsmöglichkeiten auf der Nyckelharpa am Eric-Sahlström-Institutet in Tobo. Dort werden einjährige Vollzeitkurse, aber auch kürzere externe Kurse angeboten. Eine auf zwei bis drei Jahre angelegte berufsbegleitende „Europäische Nyckelharpa Fortbildung“ für Musiker wurde auf Initiative von Marco Ambrosini (im Zusammenarbeit mit den Dozenten Didier François, Annette Osann, Ditte Andersson und Jule Bauer) in einer Kooperation der Scuola di Musica Popolare di Forlimpopoli in Italien, dem Eric-Sahlström-Institutet in Schweden und der Akademie Burg Fürsteneck in Deutschland entwickelt. Größte Nyckelharpa-Veranstaltung in Deutschland sind die „Internationalen Nyckelharpa-Tage“ auf Burg Fürsteneck mit über achtzig Nyckelharpaspielern aus 13 Nationen (Stand 2009). Als eine der wenigen privaten Musikschulen bietet die FGS Musikschule aus Jena Thüringen Nyckelharpa im Einzel- oder Gruppenunterricht und regionale/ überregionale Workshops an.

Internationale Kooperation[Bearbeiten]

Mit Unterstützung durch die europäische Kommission wurde im Rahmen des Grundtvig-Programms eine Lernpartnerschaft mit dem Titel „CADENCE - Cultural ADult Education and Nyckelharpa Cooperation in Europe - Teaching music to adults with special emphasis on the nyckelharpa (keyed fiddle)“ begründet, die die musikpädagogischen Zugänge in den beteiligten Ländern untersucht mit dem Schwerpunkt auf dem Unterricht für die Nyckelharpa. Als Musikbildungsstätten beteiligt sind derzeit die Akademie Burg Fürsteneck in Deutschland, das Eric Sahlström Institutet in Schweden und die Scuola di Musica Popolare di Forlimpopoli in Italien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Ling: Nyckelharpan. Studier i ett f olkligt musikinstrument. With an abbreviated version in English. (Musikhistoriska museets skrifter. 2) P. A. Norstedt & Söners förlag, Stockholm 1967 (mit einer Schallplatte)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nyckelharpa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien