Nymph()maniac

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Filmdaten
Deutscher Titel Nymph()maniac
Originaltitel Nymphomaniac
Nymph()maniac.jpg
Produktionsland Dänemark, Deutschland, Frankreich, Belgien, UK
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 241 (I: 117[1] bzw. ungekürzt 145[2]; II: 124[3])
325 Director's Cut [4] Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1][3]
Stab
Regie Lars von Trier
Drehbuch Lars von Trier
Produktion Louise Vesth
Kamera Manuel Alberto Claro
Schnitt Morten Højbjerg
Molly Malene Stensgaard
Besetzung

Nymph()maniac (Originaltitel: Nymphomaniac) ist ein europäisches Filmdrama von Lars von Trier aus dem Jahr 2013 mit Charlotte Gainsbourg und Stacy Martin in der Hauptrolle der „Joe“.

Handlung[Bearbeiten]

Die 40-jährige Nymphomanin Joe wird nach einer Schlägerei von dem alternden Junggesellen Seligman gerettet. In einem Gästebett in seiner Wohnung liegend, erzählt sie ihm ihre sexuelle Lebensgeschichte.

Die Geschichte ist in acht Kapitel unterteilt. Die Kapitel 1–5 zeigen die junge Joe, dargestellt von Stacy Martin, die ältere Joe wird in den Kapiteln 6–8 von Charlotte Gainsbourg dargestellt, ebenso die Joe in Seligmans Wohnung.

  • Kapitel 1 The Compleat Angler: Im Alter von 15 Jahren bittet Joe den etwas älteren Jerôme, sie zu entjungfern. Er bringt es achtlos und mit minimalem Aufwand hinter sich, um weiter an seinem Mofa basteln zu können. Der Vorsatz der enttäuschten Joe, nie wieder mit einem Mann zu schlafen, hält aber nicht lange – wenig später wetteifern Joe und ihre beste Freundin darin, beim Zugfahren fremde Männer zum Sex in der Toilette zu verführen, und Joe gewinnt.
  • Kapitel 2 Jerôme: Joe hat sich zu einer jungen Frau entwickelt, die über großen sexuellen Appetit bei weitgehender Abwesenheit von Gefühlen verfügt. Als sie bei einer Firma als Sekretärin anfängt, entpuppt sich der Juniorchef als Jerôme. Er ist an ihr interessiert, sie aber nicht an ihm, eingedenk ihres enttäuschenden "ersten Mals". Als sie schließlich doch Gefühle für ihn entwickelt, ist es schon zu spät, da er inzwischen eine Liaison mit seiner Sekretärin angefangen hat und der Seniorchef der Firma Joe wieder entlässt. Dennoch halten Joe und Jerôme freundschaftlichen Kontakt und sehen sich weiterhin.
  • Kapitel 3 Mrs. H: Gerade als Joe mit einem ihrer zahlreichen Liebhaber Schluss machen will, steht dessen Frau mit ihren Kindern vor der Tür und macht ihrem Mann, Joe und einem ihrer Liebhaber eine dramatische Szene.
  • Kapitel 4 Delirium: Ihr Vater, den Joe sehr geliebt hat, liegt im Sterben. Er verfällt ins Delirium, wirft sich aus dem Bett und muss von mehreren Pflegern gehalten werden. Joe ist so geschockt, dass sie nach der Beerdigung in eine Depression verfällt. Als Jerôme sie so vorfindet, schläft sie zum zweiten Mal mit ihm.
  • Kapitel 5 The Little Organ School: Joe nimmt ihr unstetes Liebesleben wieder auf, mit dem Unterschied, dass sie mittlerweile ein Kind von Jerôme hat, Marcel. Eines Tages, als sie gerade leidenschaftlichen Sex mit Jerôme hat, entdeckt sie zu ihrem Entsetzen, dass sie nichts mehr empfinden kann. (Damit endet Teil 1)
  • Kapitel 6 The Eastern and the Western Church (The Silent Duck): Joes Interesse an normalem Sex lässt zusehends nach. In dem Bestreben, auch auf andere Weise als bisher Befriedigung zu erlangen, gelangt sie an die Adresse des Sadomasochisten K., der sein „Studio“ fast im Stil einer Arztpraxis betreibt. In einer Art Wartezimmer warten Joe und andere Frauen, bis K. sie hereinbittet und ihnen in einem strengen, kontrollierten Ritual eine bestimmte Anzahl von Peitschenhieben versetzt. Joe hat nicht immer jemanden, der in dieser Zeit auf Marcel aufpasst. Als Jerôme eines Tages Marcel auf dem Balkon im Schneetreiben vorfindet, droht er Joe damit, sie mit Marcel zu verlassen, sollte sie ihre S/M-Besessenheit nicht aufgeben. Joe entscheidet sich dagegen und er macht seine Drohung schließlich wahr.
  • Kapitel 7 The Mirror: Die nun wieder allein lebende Joe geht zu einer Therapiegruppe und muss lernen, sich und den anderen offen einzugestehen, dass sie sexsüchtig ist. Sie lernt sich zu beherrschen. Auch zeigt ihr Körper mittlerweile Symptome jahrelanger sexueller Überforderung. Als Joe ihren Job verliert, bewirbt sie sich bei einem Inkasso-Unternehmen als Geldeintreiberin. Sie zeigt Talent und kann auch ihre S/M-Erfahrungen gewinnbringend einsetzen.
  • Kapitel 8 The Gun: Joe bekommt von ihrem Chef eine junge Frau zugeteilt, die sie als Assistentin und Nachfolgerin einarbeiten soll. Eines Tages werden die beiden Frauen mit ihrem Team zu einem Haus geschickt, das Jerôme gehört. Joe entzieht sich unter einem Vorwand dem Einsatz, den ihre neue Kollegin P. allein zu Ende führt. Auch weitere Einsätze bei Jerôme führt P. alleine durch, bis Joe dahinterkommt, dass die beiden in Wahrheit Sex miteinander haben. Joe besorgt sich eine Pistole, mit der sie Jerôme und P. in einem Hinterhof – Seligmans Hinterhof – auflauert. Doch weil Joe die Pistole nicht durchgeladen hat, kann sie die beiden nicht erschießen. Jerôme verprügelt Joe und P. uriniert auf sie, dann lassen sie sie liegen.

Seligman, ein schüchterner Gelehrter, der nie Sex hatte, außer mit sich selbst, hat Joes Lebensgeschichte bis zum Ende angehört. Sie bittet ihn darum, bei ihm übernachten zu dürfen, und er lässt sie schlafen. Später geht er in das Zimmer und versucht in die schlafende Frau einzudringen. Joe erwacht und protestiert; als Seligman nicht von ihr ablässt, greift sie nach der Pistole, lädt durch und erschießt ihn.

Hintergrund[Bearbeiten]

An der Realisierung des Films waren die Filmproduktionsgesellschaften Zentropa Entertainments und Heimatfilm beteiligt.[5]

Nymph()maniac wurde in Belgien und Deutschland gedreht.[6]

Der Film läuft seit dem 25. Dezember 2013 in den dänischen und spanischen Kinos. In Deutschland feierte Nymph()maniac am 9. Februar 2014 bei den 64. Internationalen Filmfestspielen Berlin in der ungekürzten Fassung Premiere.[7][2]

Aufgrund seiner Länge wird der Film in den meisten Ländern in zwei Teilen veröffentlicht (Teil I: Kapitel 1–5 ; Teil II: Kapitel 6–8). Der deutsche Kinostart von Teil I war am 20. Februar 2014, Teil II kam am 3. April desselben Jahres in die Kinos.[8] In den USA lief der Film am 21. März 2014 bzw. am 4. April 2014 in ausgewählten Kinos an.[9][10]

Rammstein als Teil des Soundtracks[Bearbeiten]

Der Titel Führe Mich von der Neue-Deutsche-Härte-Band Rammstein stellt einen wesentlichen Bestandteil des Soundtracks dar. So läuft er am Anfang des Films sowie während der Vorschau zu Teil 2 und im Abspann. Im zweiten Teil hört man das Lied jedoch nicht. Das Lied ist auf dem offiziellen Album der Band Liebe ist für alle da auf CD 2 als Bonustitel erschienen. Im Film wird eine leicht veränderte Version des Songs gespielt. An manchen Stellen im Text hört man Rammstein-Frontmann Till Lindemann mit tiefer Stimme sagen: „Nymphomaniac“.

Rezeption[Bearbeiten]

Der erste Teil des Films Nymph()maniac wurde auf der Website Rotten Tomatoes überwiegend positiv bewertet und erreichte ein Rating von bis zu 80 Prozent, basierend auf 71 Rezensionen.[11] Der zweite Teil konnte die Kritiker auf Rotten Tomatoes nicht mehr in gleicher Weise überzeugen, er erreichte nur noch Werte um 60 %. [12]

„Von Trier […] ist nur leider zu sehr in seinem doch ziemlich privaten Kreativenirrsinn verstrickt, als dass aus seiner Versuchsanordnung wirklich tolles Kino werden könnte. Kann sein, dass der Mann ein Depressiver ist; kann sein, dass er sich als Leidensaugust selbstvermarktet; kann sein, dass er sehr doofe oder sehr gescheite Gedanken denkt. Egal. Dem Zuschauer kann das, entgegen vieler biografistischer Herumdeuteleien, völlig wurscht sein. […] Im Kinosaal aber ist ‚Nymphomaniac‘ lärmend unterhaltsam und erschütternd spannungsfrei. In dieser Story, die angeblich von Geilheit und Glücksstreben berichtet, herrscht die Dramaturgie des Leierkastens.“

Wolfgang Höbel: Spiegel Online[13]

„Wer sich in diese triste Seelenschau vorwagt, wird zwar ein krankes Schicksal entdecken, aber durch eine von Genialität, Bildgewalt und Vieldeutigkeit getragene Filmkunst belohnt. Jenseits des ungeschönten Blicks in den Orkus beherrscht es der dänische Grossmeister des Psychokinos wie kaum ein anderer, die Gebirge unserer Sehnsüchte und Hoffnungen aufzuzeigen. Im Angesicht eines leuchtenden Firmaments vernimmt das Publikum zu Beginn und zum Schluss Joes Traum […] – ein Moment voller poetischer Intensität.“

Björn Hayer: Neue Zürcher Zeitung[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Charlotte Gainsbourg gewann 2014 für beide Teile die dänische Bodil als beste Hauptdarstellerin. Im selben Jahr folgten mehrere Nominierungen für den Europäischen Filmpreis (Bester Film, Beste Darstellerin – Charlotte Gainsbourg, Bester Darsteller – Stellan Skarsgård, Publikumspreis).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): Freigabebescheinigung, Prüf-Nr. 142 878 K (Teil I) (PDF; 34 kB)
  2. a b Nymphomaniac Volume I (long version) (Berlinale-Programm)
  3. a b Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK): Freigabebescheinigung, Prüf-Nr. 143 436 K (Teil II) (PDF; 34 kB)
  4. Stockholm Film Festival, NYMPHOMANIAC VOL. 1 + 2 (DIRECTOR'S CUT)
  5. IMDb Company Credits Nymph()maniac. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  6. IMDb Filming Locations Nymph()maniac. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  7. Wettbewerb, außer Konkurrenz, Nymphomaniac Volume I (Long Version) In: Berlinale-Katalog 2014, S. 37
  8. Nymphomaniac kommt im Director's Cut nach Berlin – schnittberichte.com
  9. Nymphomaniac: Volume I in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 20. Januar 2014
  10. Nymphomaniac: Volume II in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 20. Januar 2014
  11. Sammlung von Kritiken zu Nymph()maniac bei Rotten Tomatoes (englisch)Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/Verschiedene Kenner in Wikipedia und Wikidata, abgerufen am 20. März 2014
  12. Sammlung von Kritiken zu Nymph()maniac bei Rotten Tomatoes (englisch)Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/Verschiedene Kenner in Wikipedia und Wikidata
  13. Wolfgang Höbel: Lars von Triers „Nymphomaniac 1“. Sex und Sinnsprüche. In: Spiegel Online, abgerufen am 26. Februar 2014
  14. Björn Hayer: Eine Feier des Tabubruchs. In: Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 8. April 2014