O. E. Hasse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
O. E. Hasse als Mephisto in Faust I, 1945

O. E. Hasse (* 11. Juli 1903 in Obersitzko; † 12. September 1978 in Berlin; eigentlich Otto Eduard Hasse) war ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Hörspiel- und Synchronsprecher.

Leben[Bearbeiten]

Schon als Kind sammelte der Sohn eines Schmieds erste Theatererfahrungen an seiner Schule in Kolmar / Posen, zusammen mit seiner Mitschülerin Berta Drews. Nach dem Abitur begann Hasse in Berlin ein Jurastudium, das er allerdings nach drei Semestern abbrach. Er wechselte zur Max-Reinhardt-Schule am Deutschen Theater zur weiteren Ausbildung als Schauspieler. Nachdem er diese erfolgreich abgeschlossen hatte, trat er an der Berliner „Jungen Bühne“, am Harzer Sommertheater in Thale, in Breslau und an den Münchner Kammerspielen auf. Hier arbeitete er auch als Regisseur.

Im Frühjahr 1939 wurde Hasse in München wegen Homosexualität gemäß § 175 zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, was nach der damaligen Strafpraxis als ein relativ mildes Urteil galt. Als strafmildernd wurden seine „Unbescholtenheit“, sein Geständnis und seine künstlerischen Leistungen gewertet. So sei Hitler von Hasses Auftritt in Cäsar und Cleopatra „stark beeindruckt“ gewesen. Nach Hasses Haftentlassung gab ihm der Münchner Inspekteur der Sicherheitspolizei (IdS), SS-Oberführer Beutel, die Zusicherung, dass er „keine beruflichen Schwierigkeiten“ zu erwarten hätte.[1] Dies war einer sogenannten „Sondergenehmigung” durch Goebbels geschuldet.[2] 1939 erhielt er einen Vertrag in Prag für das dort gegründete Deutsche Theater und verwendete von da an den Namen O. E. Hasse. Nachdem Hasse in Prag im Oktober 1940 auf Betreiben eines konkurrierenden Schauspielers erneut als „untragbar“ suspendiert worden war, setzte sich Goebbels gegen den deutschen Statthalter in Prag Karl Hermann Frank, durch und ließ die Suspendierung aufheben.[1]

Seine Filmkarriere begann Hasse bereits 1931 mit kleineren Nebenrollen, z. B. in „Stukas“ (1941), „Rembrandt“ (1942) oder „Dr. Crippen an Bord“ (1942). Einen großen internationalen Erfolg hatte Hasse in dem Hitchcock-Film „Ich beichte“ („I Confess“, 1953) an der Seite von Montgomery Clift und in Deutschland mit der Titelrolle in dem Film „Canaris“ (1954).

Hasse spielte mit in zwei Teilen der „08/15“-Trilogie (neben Joachim Fuchsberger) (1955), in der Filmkomödie „Kitty und die große Welt“ (1956) (neben Romy Schneider), in „Arsène Lupin, der Millionendieb“ (1957) als Kaiser Wilhelm II. (neben Liselotte Pulver) sowie als Staatsanwalt von Treskow in der Spoerl-Verfilmung „Der Maulkorb“ von Wolfgang Staudte (1958). Auch an den Romanverfilmungen von „Frau Warrens Gewerbe“ (1960) nach George Bernard Shaw und „Die Ehe des Herrn Mississippi“ (1961) nach Friedrich Dürrenmatt war er erfolgreich beteiligt. Krimi-Fans kennen O. E. Hasse auch aus „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ (1964).

Bekannt war seine Darstellung des Stabsarztes in dem auf dem Roman von Heinz G. Konsalik basierenden Film „Der Arzt von Stalingrad“ über die Gefangenschaftserlebnisse des Arztes Dr. Ottmar Kohler − neben Eva Bartok als russischer Ärztin und dem jungen Mario Adorf als Sanitäter. Hasse war mit Auftritten auf der Bühne gleichermaßen wie auf der Filmleinwand präsent. 1961 unternahm er zusammen mit Elisabeth Bergner eine Gastspielreise durch die USA mit dem Bühnenstück „Geliebter Lügner“ (einem für die Bühne bearbeiteten Briefwechsel zwischen G. B. Shaw und Stella Patrick Campbell) von Jerome Kilty. 1967 trat er als Winston Churchill in Rolf Hochhuths umstrittenen Stück „Soldaten“ an der Freien Volksbühne in Berlin auf. 1971 spielte er am Burgtheater in Wien die Titelrolle von William ShakespearesJulius Caesar“ unter der Regie Gerhard Klingenberg (von der Premiere am 27. Februar bis 9. November 1971 in insgesamt 38 Vorstellungen).

War Hasses Darstellungsstil zunächst geprägt durch eine expressive und oft theatralisch wirkende Spielweise der zwanziger Jahre, die sich auch in einer häufig exaltierten Sprechweise mit teilweise übertriebenen Betonungen einzelner Satzpassagen äußerte, so entwickelte er mit zunehmendem Alter eine sehr konzentrierte, zurückgenommene Spielweise. Dabei gelang es ihm, mit einer sehr zurückhaltend und gezielt eingesetzten Körpersprache und seiner immer markanter werdenden rauen, dunklen Stimme seinen Figuren eine einzigartige Wirkung zu verleihen.

Ehrengrab, Hüttenweg 47, in Berlin-Dahlem

Erst spät kam Hasse mit dem Fernsehen in Berührung. 1975 verfilmte Peter Zadek das Theaterstück „Eiszeit“ von Tankred Dorst mit Hasse in der Rolle des 90-jährigen Literatur-Nobelpreisträgers Knut Hamsun – nach Meinung vieler Kritiker eine der eindrucksvollsten Rollen des Schauspielers. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Zadek wiederholte Hasse 1977 in der Fernsehadaption von Brendan Behans Theaterstück „Die Geisel“. Seine letzte künstlerische Arbeit war die Theaterrolle des Dieners Shunderson in Curt Goetz' „Dr. med. Hiob Prätorius“ in der Berliner „Komödie am Kurfürstendamm“.

Hasse fungierte 1959 als Jury-Mitglied bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Er war unter anderem die markante deutsche Synchronstimme von Charles Laughton, Humphrey Bogart, Spencer Tracy und Clark Gable.

Zu seinen Hörspielrollen gehört zum Beispiel die Figur des Kapitäns Queeg in der Funkfassung von Die Caine war ihr Schicksal nach Herman Wouk (1954). Im selben Jahr synchronisierte er Humphrey Bogart, der diese Rolle in der US-amerikanischen Filmversion spielte.

Als Privatmann gehörte O. E. Hasse noch einer Generation an, die ihr Privatleben streng von ihrem Berufsleben zu trennen wusste. Auch wenn er seine Homosexualität nie leugnete, so war es doch für ihn als Künstler in den prüden 1950er Jahren schwierig, eine solche Identität zu leben. Er sah sich wie andere seiner Zeitgenossen gezwungen, seine Neigung als „Privatsache“ zu behandeln. Sein Lebensgefährte der letzten drei Lebensjahrzehnte war Max Wiener, der für eine gewisse Zeit Mitglied der Konzernleitung von Ringier war.

Seit 1981 wird jährlich der O.E. Hasse-Preis von der O.E. Hasse-Stiftung vergeben, die von der Akademie der Künste (Berlin) betreut wird. Damit wird das Vermächtnis des Schauspielers erfüllt, der zur Förderung des Schauspielernachwuchses eine Auszeichnung mit Geld bestimmt hatte. Die Preise werden von der Stiftung jungen Darstellern des Sprech- und Musiktheaters zuerkannt.

Hasse wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem beerdigt. Die Grabstätte gehört zu den Berliner Ehrengräbern.

Filmografie[Bearbeiten]

Kinofilme[Bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten]

  • 1969: Cäsar und Cleopatra
  • 1977: Die Geisel
  • 1977: Der Alte: Konkurs
  • 1977: Sanfter Schrecken

Hörspiele[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

  • Theodor Fontane: Ja, das möcht ich noch erleben. Hörbuch, vorgelesen von O. E. Hasse. CD, Universal Music, ISBN 3-8291-1205-X.
  • Thomas Mann und O.E. Hasse lesen THOMAS MANN. „Schwere Stunde“ und „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-7857-3013-3.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Eduard Hasse: O. E.: Unvollendete Memoiren. Goldmann Verlag, München 1981, ISBN 3-442-06344-2.
  • Hans Knudsen: O. E. Hasse. Rembrandt-Verlag, 1960.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otto Eduard Hasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Helmut Heiber (Herausgeber): Akten der Parteikanzlei der NSDAP. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1992, S. 630–631. ISBN 3-486-50181-X.
  2. Bärbel Schrader: „Jederzeit widerruflich“ - die Reichskulturkammer und die Sondergenehmigungen in Theater und Film des NS-Staates. Metropol, Berlin 2008. ISBN 978-3-938690-70-3.