O. J. Simpson

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O. J. Simpson (1990)

Orenthal James Simpson (* 9. Juli 1947 in San Francisco, Kalifornien) ist ein ehemaliger US-amerikanischer American-Football-Spieler und Schauspieler. Weltweit bekannt wurde er durch die Anklage, seine Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Bekannten Ronald Goldman ermordet zu haben. Die Hauptrolle im Prozess spielten die DNA-Beweise gegen ihn und die Umstände ihres Zustandekommens.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Familie [Bearbeiten]

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Simpson hat einen Bruder und zwei Schwestern, seine Eltern ließen sich 1952 scheiden. Er selbst war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe hat er drei Kinder, eines starb noch im Kindesalter. Seine zweite Ehefrau Nicole Brown Simpson brachte zwei gemeinsame Kinder zur Welt, Sidney und Justin.

American Football [Bearbeiten]

O. J. Simpson war in den 1970er Jahren einer der besten Runningbacks – sowohl im College, als auch später bei den Profis in der National Football League. Simpsons Spitzname „The Juice“ (dt.: Saft) findet seine Entsprechung in der Abkürzung seines Vornamens O. J. = Orange Juice. Sein Spitzname gilt aber auch als Synonym für seinen flüssigen Laufstil.

College [Bearbeiten]

Seine Collegezeit verbrachte er an der University of Southern California (USC) und gewann dort 1968 die Heisman Trophy – die höchste Auszeichnung im College American Football. Er spielte mit seiner Mannschaft, den USC Trojans, dreimal im Rose Bowl, 1968 konnte seine Mannschaft den Titel mit 14:3 gegen die University of Indiana gewinnen. Simpsons Leistungen beim Laufspiel waren überragend – er erzielte durchschnittlich 171 Yards Raumgewinn pro Spiel.

NFL [Bearbeiten]

1969 war O. J. Simpson der erste Spieler, der in der NFL Draft 1969 – von den Buffalo Bills – gewählt wurde. Von seinem Trainer John Rauch wurde Simpson entgegen seinem Willen immer wieder als Kick-off- und Puntreturner eingesetzt. Das mittelmäßige Team der Bills verbesserte sich dadurch nicht, zumal sich Simpson bei einem Return stark verletzte und das Karriereaus drohte. Sein neuer Trainer Harvey Johnson hatte ein Einsehen und setzte Simpson ab 1971 seinen Fähigkeiten gemäß ein. Nach einem erneuten Trainerwechsel zu Lou Saban entwickelte sich Simpson ab 1972 zu einem Spitzenspieler. 1973 durchbrach er als erster Spieler der National Football League innerhalb einer Saison die 2.000-Yards-Marke. Bei den Bills spielte er beinahe während seiner gesamten Profizeit. 1978 ging er noch für zwei Spielzeiten zu den San Francisco 49ers, bevor er seine Karriere beendete. Während der diversen Regular Seasons erzielte er 11.236 Yards Raumgewinn und 61 Touchdowns.

Ehrungen [Bearbeiten]

Im Jahre 1985 wurde O. J. Simpson der erste Heisman-Trophy-Gewinner (1968), der auch in die Pro Football Hall of Fame gewählt wurde (Wahljahr 1985). O. J. Simpson ist bis heute NFL-Rekordhalter mit sechs Spielen, in denen er über 200 Yards erlief. Simpson wurde 1973 und 1975 zum NFL Player of the Year gewählt und erhielt 1973 den Bert Bell Award. Im gleichen Jahr wurde er außerdem mit der Sportler des Jahres-Auszeichnung von Associated Press geehrt. Er spielte sechsmal im Pro Bowl und ist seit 1983 Mitglied der College Football Hall of Fame.

Prozesse [Bearbeiten]

Mordprozess [Bearbeiten]

1994 wurde er wegen Mordes an seiner Ex-Frau Nicole Brown Simpson, von der er 1992 geschieden worden war, und ihrem Bekannten Ronald Goldman angeklagt.

Als Hauptverdächtiger floh O. J. Simpson in einem weißen Ford Bronco SUV vor der Polizei, die ihn festnehmen wollte. Die Verfolgungsjagd quer durch Beverly Hills wurde live von einem US-amerikanischen Fernsehsender übertragen, obwohl gleichzeitig die Endspielserie der National Basketball Association stattfand sowie erstmals ein Live-Auftritt von David Hasselhoff im US-Fernsehen übertragen werden sollte. Es war die erste „Verbrecherverfolgungsfahrt“, die live per Hubschrauber übertragen wurde.

In einem Prozess, der ebenfalls live vom US-amerikanischen Fernsehen übertragen wurde, sprachen ihn die Geschworenen am 3. Oktober 1995 frei. Der Prozess stand unter öffentlichem und medialem Druck, da er auch als eine Art Auseinandersetzung zwischen Rassen gesehen wurde.[1] Es kam zu Demonstrationen und zu Plünderungen. Vor diesem Hintergrund gelang es Simpsons Anwalt, Johnnie Cochran, verschiedene einseitig ermittelte Fakten als eine Verschwörung gegen seinen Mandanten darzustellen, was er insbesondere anhand rassistischer Äußerungen des Hauptermittlers belegte. Entscheidender Auslöser für den Freispruch dürfte sodann ein blutiger Handschuh gewesen sein, der von den ermittelnden Polizeibehörden als Täterkleidung benannt wurde, Simpson aber bei der Anprobe im Gerichtssaal nicht passte.

Die Würdigung der DNA-Analysen als Beweismittel wurde von einigen Experten als zu gering erachtet.[2] Das Blut an dem in Simpsons Garten gefundenen Handschuh stammte laut Gutachten vom ermordeten Ron Goldman. An Socken, die man in Simpsons Schlafzimmer fand, wurden Blutspuren entdeckt, die von der getöteten Ex-Frau stammten. Umgekehrt fand man auf dem Grundstück der Ermordeten Blutspuren, die O. J. Simpson zuzuordnen sind.

An dem Freispruch für Simpson entzündet sich deshalb Kritik hinsichtlich des damaligen US-amerikanischen Justizsystems: Staatsanwalt und Verteidiger wetteiferten um die Gunst von Geschworenen, die als Laienrichter über die Schuld des Angeklagten entscheiden. Diesen, so die Kritiker, fehlen häufig Kenntnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zuverlässigkeit von Zeugenaussagen und anderen für die Beweisfindung vor Gericht wesentlichen Faktoren. Nicht selten seien daher die Anwälte beider Seiten bemüht, die Geschworenen auf emotionaler, statt auf sachlicher Ebene zu erreichen, und setzten bewusst darauf, dass diese die sachlichen Indizien nicht richtig verstehen.

Im Simpson-Prozess waren die gefundenen DNA-Spuren das entscheidende Beweismittel. Deren Darstellung und Analyse im Prozess war jedoch eine trockene, für die Geschworenen ermüdende Angelegenheit, während die Anprobe des Handschuhs eine höchst anschauliche Angelegenheit war und sich der Großteil der Verhandlung ansonsten um vermeintlichen und wirklichen Rassismus der Ermittler drehte (die meisten Geschworenen waren selbst Afroamerikaner).

Zivilprozess [Bearbeiten]

Trotz des Freispruchs im Strafprozess hat ein Zivilgericht Simpson im Februar 1997 zu einer Schadensersatz-Zahlung in Höhe von insgesamt 33,5 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen verurteilt. Dies ist möglich, da im Unterschied zu einem Strafprozess, bei dem an der Schuld des Angeklagten keine begründeten Zweifel herrschen dürfen, es im Zivilprozess ausreichend ist, wenn die Zweifel an der Schuld nicht überwiegen. Da in Florida Rentenbezüge und Immobilien, die der Beklagte bewohnt, nicht pfändbar sind, konnte der Anspruch jedoch bislang nicht vollstreckt werden.[3]

Verurteilung wegen bewaffneten Raubüberfalls [Bearbeiten]

Mittlerweile sitzt Simpson im Gefängnis von Lovelock, Nevada ein. Er war zu mindestens neun und maximal 33 Jahren[4] Haft verurteilt worden, nachdem er am 13. September 2007 gemeinsam mit Komplizen in Las Vegas zwei Sammler von Fan-Artikeln mit Waffengewalt zur Herausgabe von Erinnerungsstücken gezwungen hatte. Am 16. September 2007 wurde er deswegen verhaftet. Simpson wurde in sechs Tatbeständen schuldig gesprochen: zweifacher Raubüberfall mit einer tödlichen Waffe, zweifacher Angriff mit einer tödlichen Waffe sowie Verschwörung zum Einbruch und Einbruch mit einer Schusswaffe. Simpson behauptete, die Waffe nicht selbst in der Hand gehalten zu haben, dies ist jedoch laut den Gesetzen Nevadas irrelevant. US-Medien strahlten Aufnahmen von einem Tonband unbekannter Herkunft aus, auf dem Simpson die Sammler beschuldigt, diese Sammlerstücke von ihm gestohlen zu haben.[5] Anfang Oktober 2008 wurde Simpson in allen Anklagepunkten für schuldig befunden[6][7] und am 5. Dezember 2008 wegen bewaffneten Raubüberfalls und Geiselnahme verurteilt. Nach frühestens neun Jahren hat er die Chance auf Entlassung wegen guter Führung.[8] 2010 legte Simpson erfolglos Berufung ein; sie wurde vom Obersten Gerichtshof des Staates Nevada am 22. Oktober 2010 als unbegründet abgewiesen.[9] Am 13. Mai 2013 haben die Anhörungen in einem neuen Wiederaufnahmeverfahren vor dem Strafgericht in Las Vegas begonnen. Simpson beruft sich in dem neuerlichen Verfahren vor allem darauf, von seinem vormaligen Verteidiger schlecht vertreten und falsch beraten worden zu sein.[10]

Buch [Bearbeiten]

Für November 2006 war ein kontroverses Interview auf dem US-Sender Fox angekündigt, bei dem Simpson für sein neues Buch „If I Did It“ werben sollte. Auszüge aus dem Buch wurden, obwohl angeblich alle Exemplare vernichtet worden waren, in Zeitungen veröffentlicht; zwischenzeitlich war es auch im Internet aufgetaucht,[11] wurde aber mittlerweile auch dort entfernt. Simpson beschreibt in diesem Buch, wie er als „potenzieller“ Mörder von Nicole Brown Simpson agiert hätte und was er dabei empfunden hätte.

In einem CNN-Interview äußerte sich Ron Goldmans Vater tief enttäuscht über Fox und Verleger HarperCollins, dass sie derart aus den Morden Profit zu erzielen versuchten, und forderte zu einem Boykott von Fox und HarperCollins auf. Daraufhin wurde das geplante Interview abgesagt und der Verlag zog auch die Veröffentlichung des Buches zurück. Aufgrund des Protestes ließ News Corp. alle gedruckten Exemplare vernichten und entließ die verantwortliche Lektorin Judith Regan. Der Medienunternehmer Rupert Murdoch entschuldigte sich persönlich bei den Hinterbliebenen der Familien.[12]

Einige Exemplare des Buches waren schon an den Buchhandel ausgeliefert worden, wurden aber zurückgefordert. Offenbar sind einige Exemplare diesem Rückruf entgangen. Beim Online-Buchhändler Amazon war das Buch auf Grund von Vorbestellungen auf Anhieb in die Top-20 eingestiegen. Ein Buch gelangte in eine eBay-Auktion. Binnen drei Stunden stieg der Preis auf 1600 Dollar. Die Auktionsplattform verbot jedoch die Auktion.[13] Die endgültige Verbreitung des Buches konnte jedoch nicht mehr gestoppt werden und es ist heute auf verschiedenen Seiten und Tauschbörsen zum Download verfügbar.

Da sich Simpson weiterhin weigerte, die 33,5 Millionen US-Dollar an die Hinterbliebenen zu zahlen, sprach ein Richter der Goldman-Familie im März 2007 die Rechte an „If I Did It“ zu. Es wurde am 13. September 2007 unter dem Titel „If I did it – Confessions of the killer“ veröffentlicht. Der Text wurde in unveränderter Form, aber ergänzt durch ausführliche Kommentare gedruckt. 90 Prozent des Verkaufserlöses sollten an die Familie von Ron Goldman gehen und die restlichen zehn Prozent sollten unter den Hinterbliebenen von Nicole Brown Simpson und einem Konkursverwalter aufgeteilt werden. Die Familie von Ron Goldman wollte den Erlös aus dem Buchverkauf allerdings nicht selbst behalten, sondern in eine nach ihrem Sohn benannte Stiftung einbringen.[14]

Filmografie [Bearbeiten]

Nach seiner Karriere als Sportler wurde er insbesondere durch seine Rolle als Detective Nordberg in den drei ‚Die nackte Kanone‘-Filmen an der Seite von Leslie Nielsen auch über die Grenzen Amerikas hinaus bekannt.

Literatur [Bearbeiten]

  • Donald Free and Raymond P.Briggs Ph.D. 1996: KILLING TIME: Who murdered Nicole Brown Simpson and Ronald Goldman? The first full investigation into the unsolved murders of Nicole Brown Simpson and Ronald Goldman.
  • Robert L. Shapiro: The search for justice: a defense attorney's brief on the O.J. Simpson case. New York: Warner Books 1996. ISBN 978-0-446-52081-2
  • Alan M. Dershowitz: Reasonable doubts: the O.J. Simpson case and the criminal justice system. New York: Simon & Schuster 1996. ISBN 978-0-684-83021-6
  • Vincent Bugliosi: Outrage. New York: Norton 1996. ISBN 978-0-393-04050-0
  • Robert Schnabl: Der O. J. Simpson-Prozeß. Duncker & Humblot, 1999, ISBN 3-428-09721-1
  • Jens Plassmann, NFL American Football, Hamburg 1995, ISBN 3-499-19445-7
  • Igor Petri: Anatomie eines Doppelmords: Der Fall O. J. Simpson, Berlin: Das Neue Berlin 2004, ISBN 3-360-01245-3
  • Lawrence Schiller/James Willwerth: American Tragedy The Uncensored Story of the Simpson Defence, New York 1996, ISBN 0-679-45682-1
  •  Michael Moore: Querschüsse – Downsize This!. 8. Auflage. Piper, Januar 2004, ISBN 978-3-492-04564-3, S. 313.

Weblinks [Bearbeiten]

Quellen [Bearbeiten]

  1. Rüdiger Dilloo: Eine Hotline für Tipgeber. In: Die Welt. 29. Juli 1994, abgerufen am 4. Jänner 2013 (deutsch).
  2. Anwendung der Gentechnik in der Kriminalistik, aus: Kriminalistik 50, pp. 481-483, 1996, leicht gekürzt. In: vobs.at. Abgerufen am 4. Jänner 2012 (deutsch).
  3. West's Encyclopedia of American Law auf Answers.com, abgerufen am 31. März 2011
  4. O.J. Simpson muss mindestens neun Jahre in Haft in: Spiegel Online vom 5. Dezember 2008
  5. Marc Pitzke: Spiegel-Bericht, 19. September 2007
  6. ORF: O.J. Simpson in allen Punkten schuldig gesprochen, 4. Oktober 2008
  7. Spiegel-Online: „Das hier ist einfach Rache“
  8. Ashley Powers, Harriet Ryan: Sentencing reveals a contrite Simpson in Los Angeles Times vom 6. Dezember 2008
  9. O. J. Simpson scheitert mit Berufung in: Spiegel Online vom 22. Oktober 2010
  10. Ex-Footballstar: O.J. Simpson zieht wieder vor Gericht. In: Spiegel Online vom 13. Mai 2013. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  11. O. J. Simpson, If I Did It
  12. Andrian Kreye: Süddeutsche Zeitung, 21. November 2006
  13. Frank Patalong: Schwarzmarkt: Simpson-Buch bei eBay, Spiegel Online, 23. November 2006
  14. Süddeutsche Zeitung, 16. August 2007