O.k. (Film)

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Filmdaten
Originaltitel o.k.
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1970
Länge 80 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Michael Verhoeven
Drehbuch Michael Verhoeven
Produktion Rob Houwer
Musik Axel Linstädt
Kamera Igor Luther
Claus Neumann
Schnitt Monika Pfefferle
Michael Verhoeven
Besetzung

o.k. ist ein deutscher Spielfilm von Michael Verhoeven aus dem Jahr 1970. Er beruht auf einer wahren Begebenheit, die sich im November 1966 im Vietnamkrieg zugetragen hat. Der Film wurde in Schwarzweiß gedreht, um sich so näher an die Ästhetik der damaligen Fernseh-Kriegsberichterstattung anzulehnen.

Inhalt[Bearbeiten]

Junge, 1970 noch unbekannte Schauspieler stellen sich kurz vor, während sie nebenbei in amerikanische Uniformen schlüpfen. Sie befinden sich vermutlich in einem Wald in Bayern, denn die Akteure sprechen bayrische Mundart.

Der Soldat Rafe erstattet dem Captain Vorst Meldung über die Geschehnisse eines Herbsttages. Er berichtet ihm über einen Patrouillengang: Seine Kameraden und er haben ein Mädchen angehalten, das mit seinem Fahrrad an ihnen vorbeikam.

Aus Langeweile beginnen die Soldaten, das junge hübsche Mädchen Phan Ti Mao eifrig zu kontrollieren und rasch auch zu drangsalieren. Es muss sich ausziehen und eine intensive Leibesvisitation über sich ergehen lassen, wobei jeder der Soldaten genau nachschauen darf, ob sein Vorgänger bei der Durchsuchung auch nichts übersehen hat. Einer der Soldaten geht noch weiter und vergewaltigt unter dem Beifall seiner Begleiter das Mädchen. Die anderen Soldaten wollen ihm nicht nachstehen und fallen ebenfalls über das Mädchen her. Als der berichtende Soldat an der Reihe ist, weigert er sich, mitzumachen, besitzt aber auch nicht den Mut, dem Opfer beizustehen. Er bricht stattdessen zusammen und wird zum klagenden und weinenden Augenzeugen. Er kriecht zu dem Mädchen und flüstert ihm, während einer seiner Kameraden gerade noch einmal über es herfällt, ins Ohr, dass es sich nicht grämen solle, da er alles was geschehen sei, dem Captain erzählen werde.

Als die Männer genug von dem Mädchen haben, lassen sie von ihm ab und verlangen von ihm, dass es nackt und ohne sein Fahrrad verschwinde. Aber einen der Soldaten überkommt seine Gier ein weiteres Mal, er hält das Mädchen fest und drückt es erneut zu Boden. In seiner Verzweiflung und Angst droht das Mädchen dem letzten Täter mit seinem Vater. Daraufhin greift dieser zu seinem Bajonett und ersticht es mit den Worten „I schlacht' di, du Sau“.

Der Captain hört sich die Geschichte an, empfindet jedoch den berichterstattenden Soldaten als Verräter und kommt nach dem Genuss zweier Gläser Enzian zu dem Schluss: „Der Mord ist außerhalb der Zivilisation geschehen, nämlich auf dem Schlachtfeld. Eine Strafanzeige würde der Sache des Friedens schaden“. Eriksson wird zurück zu seinen Kameraden geschickt. Im Dschungel herrscht wieder Ruhe und Frieden. Es ist alles „O.k.“.

Kritiken[Bearbeiten]

„Der Münchener Filmemacher Michael Verhoeven ließ diese wahre Begebenheit in den bayerischen Wäldern nachspielen – mit authentischen Namen, in US-Uniformen und z. T. mit Brecht´schen Verfremdungseffekten. Seine Botschaft: Auch wenn ein Krieg der ‚Freiheitssicherung‘ dient, macht er Greueltaten möglich.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

Der Berlinale-Skandal[Bearbeiten]

Verhoevens o.k. wurde vom Auswahlkomitee der Berlinale 1970 als offizieller deutscher Beitrag zum Wettbewerb eingeladen. Aufgrund des als kontrovers empfundenen Inhalts beschloss die Festivaljury unter ihrem Präsidenten George Stevens nach der Vorführung, den Film an die Auswahlkommission zurückzugeben und eine erneute Prüfung zu verlangen, ob der Film für die Teilnahme geeignet wäre. Es sei fraglich, so wurde argumentiert, ob der Film die Verständigung zwischen den Völkern fördere, wie es die Statuten der Berlinale vorschrieben. Dušan Makavejev, Jurymitglied aus Jugoslawien, war mit diesem Vorgehen und Stevens' Druck auf andere Mitglieder nicht einverstanden und opponierte gegen diesen Kurs, den er als Zensur empfand, und andere Juroren taten es ihm gleich. Eine öffentliche Debatte entbrannte, die von Verhoeven und seinem Produzenten Houwer weiter angefacht wurde, das Premierenkino Zoo-Palast wurde besetzt. Andere Filmemacher protestierten und zogen teilweise ihre Filme zurück, und schließlich resignierte die Jury. Die Berlinale musste – zum bisher einzigen Mal – abgebrochen werden, die Filmvorführungen wurden bis auf wenige noch verbliebene Ausnahmen eingestellt und keine Preise vergeben. Festivalleiter Alfred Bauer trat vorübergehend zurück und die Zukunft der Berlinale schien gänzlich in Frage gestellt. Verhoevens Skandalfilm war jedoch nur der Anlass, nicht die Ursache für diese Krise, die im aufgeheizten Berliner Klima jener Zeit sowie in der Unzufriedenheit mit einem das weniger etablierte Kino ausschließenden Programm begründet war. Die Berlinale von 1971 wurde nach neuen Gesichtspunkten organisiert.

Weitere Version[Bearbeiten]

Derselbe Stoff wurde 1989 von Brian De Palma in Die Verdammten des Krieges verarbeitet.

Zitate[Bearbeiten]

„Filme wie ‚o.k.‘ haben damals viele zur Weißglut getrieben. Die Weltbilder wurden wesentlich rigider vertreten als heute, und diejenigen, die sich beispielsweise klar für den Vietnamkrieg aussprachen, konnten meinen Film einfach nicht ertragen. Heute ist man wesentlich gleichmütiger, man lässt die Ereignisse an sich vorbeiziehen. Der Irak-Krieg hat vielleicht im Wahlkampf einer Partei einige Sympathien gekostet, aber man prügelt sich deswegen nicht mehr auf der Straße. Zudem wurde dieser Krieg sehr medienwirksam aufbereitet – die Medien sind ja nicht nur Aufklärer, sondern Vertuscher. Deshalb sind die Konsumenten viel korrumpierbarer als früher, als solche Filme noch einen regelrechten Schock auslösten.“

Michael Verhoeven[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Bei der Verleihung des Bundesfilmpreises gewann o.k. die Auszeichnungen für die beste Nachwuchsdarstellerin (Eva Mattes) und das beste Drehbuch.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. O.k. (Film) im Lexikon des Internationalen Films
  2. / Interview im „amnesty international-Journal“, Februar 2006)

Weblinks[Bearbeiten]