OECD-Skala

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Die OECD-Skala (benannt nach ihrem Urheber, der Organisation for Economic Co-operation and Development) ist ein Wichtungsfaktor zur internationalen Vergleichbarkeit von Einkommensberechnungen.

Verwendung[Bearbeiten]

Für die Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens eines Haushalts, zum Beispiel einer Familie, wird die Summe aller Einkünfte nicht durch die Anzahl der Mitglieder, sondern durch eine gewichtete Summe der Mitglieder der Haushaltsgemeinschaft geteilt. Die Gewichtung wurde von der OECD (willkürlich) wie unten dargelegt festgelegt.

Dies sind auch die Gewichtungsfaktoren, die das Statistische Bundesamt verwendet. Das Nettoäquivalenzeinkommen wird beispielsweise für die Berechnung der Armutsrisikogrenze herangezogen.

Gewichtungsfaktoren[Bearbeiten]

Nach der alten OECD-Skala geht der Hauptbezieher des Einkommens mit dem Faktor 1,0 in die Gewichtung ein, alle anderen Mitglieder des Haushaltes im Alter von 15 und mehr Jahren mit 0,7 und alle anderen mit 0,5.[1]

Nach der neuen bzw. modifizierten OECD-Skala geht der Hauptbezieher des Einkommens mit dem Faktor 1,0 in die Gewichtung ein, alle anderen Mitglieder des Haushaltes im Alter von 15 und mehr Jahren mit 0,5 und alle anderen mit 0,3.[1]

Beispiel[Bearbeiten]

In einer fünfköpfigen Familie erzielen die beiden erwachsenen Partner zusammen 5000 Euro Einkommen, zwei Kinder sind 6 bzw. 8 Jahre alt, ein weiteres 15. Nach neuer OECD-Skala beträgt die Summe der Gewichtungsfaktoren der Haushaltsmitglieder 2,6 und nach alter OECD-Skala 3,4. Das Äquivalenzeinkommen nach neuer Skala beträgt 5000 EUR / 2,6 = 1923 EUR, nach alter 5000 EUR / 3,4 = 1471 EUR.

Kritik[Bearbeiten]

Änderungen der OECD-Skala führen immer auch zu Änderungen der Armutshöhe und der Betroffenheit einzelner Personengruppen. Umstritten ist insbesondere, ob die niedrige Gewichtung von Kindern (Faktor 0,3) realistisch ist. Unterstellt wird dabei, dass Familien mit Kindern nicht nur von den Einspaareffekten von Mehrpersonenhaushalten profitieren (wie auch Paare gegenüber Singles), sondern auch gegenüber einem vergleichbaren Erwachsenen weitere 40 Prozent günstiger sind. Nach der alten OECD-Skala waren nicht nur die Einspareffekte von Mehrpersonenhaushalten geringer kalkuliert, sondern auch die von Kindern gegenüber vergleichbaren Erwachsenen (71,4 Prozent statt 60 Prozent).

Die Annahmen der OECD über die geringeren Kosten für Kinder weichen auch von der sozialstaatlichen Praxis (zum Beispiel in den Jobcentern) ab, wo jedes zustätzliche Kind die kalkullierten Bedarfe ähnlich stark erhöht wie ein zusätzlicher Erwachsener, beim ersten Kind sogar höher[2]. Würde für Kinder wie für Erwachsene der Faktor 0,5 herangezogen, läge die Kinderarmut deutlich höher, die Altersarmut würde dagegen sinken.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lebenslagen in Deutschland – Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2001, S. 9 (abgerufen am 21. Januar 2008)
  2. Tilman Weigel: Achtung, Statistik! Saarbrücken, August 2013 ISBN 978-3841771254