OHB

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OHB AG
OHB-Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005936124
Gründung 2002
Sitz Bremen und München, Deutschland
Leitung Vorsitzender Marco R. Fuchs
Mitarbeiter 2501 (2013)[1]
Umsatz 616,0 Mio. € (2012)[2]
Branche Raumfahrtkonzern
Produkte Telematik, Raumfahrt, Sicherheit und SatellitendiensteVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website ohb.de
OHB Gebäude 1

Die OHB AG (für Orbitale Hochtechnologie Bremen) mit Sitz in Bremen ist eine börsennotierte Technologiegruppe mit Aktivitäten in der Raum- und Luftfahrt. Die Geschäftsfelder des Unternehmens sind Telematik & Satellit, Raumfahrt & Sicherheit, Nutzlasten & Wissenschaft, Internationale Raumfahrt, sowie Raumtransport & Aerospace Strukturen. Die Gründer und Haupteigentümer waren Manfred Fuchs und seine Frau Christa.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang 1982 übernahm Christa Fuchs das kleine Unternehmen Otto Hydraulik Bremen GmbH, kurz OHB. Die 1958 gegründete Firma aus Hemelingen hatte zu dem Zeitpunkt fünf Mitarbeiter und beschäftigte sich mit dem Bau und der Reparatur von elektrischen und hydraulischen Schiffssystemen für die Bundeswehr. Zusammen mit MBB-ERNO als Projektführer und der Werft Sarstedt gewann OHB 1984 den Auftrag für den Bau des Typschiffes MPOSS (Multi-Purpose Oil Skimming System).

Manfred Fuchs, der damals bei der MBB-ERNO Direktor für Raumfahrt war, hatte die Idee, auch mit OHB in das Raumfahrtgeschäft einzusteigen. 1985 startete das erste Raumfahrtprojekt bei OHB. Für das Raumlabor Spacelab entwickelte OHB eine raumfahrttaugliche Zentrifuge für Untersuchungen von Blut- und Urinproben. Im gleichen Jahr stieg Manfred Fuchs in das Unternehmen seiner Frau ein. Der erste Auftrag war das Projekt MIKROBA (Mikrogravitation mit Ballon), ein vom Bundesforschungsministerium und der DFVLR gefördertes Projekt, das Versuche im freien Fall beinhaltete. Ein weiteres Projekt in der Anfangszeit war u.a. COSIMA, eine Anlage zur Herstellung von Proteinkristallen, die 1988 auf der chinesischen Trägerrakete Langer Marsch 2 ins All flog.

Mit dem wachsenden Mitarbeiterstab wurden die Räume am Hemelinger Hafendamm zu klein. In der Nähe der Universität Bremen baute OHB ein neues Hauptquartier in der Universitätsallee 27, das im Oktober 1988 eröffnet wurde. Die Vision von Manfred Fuchs war, kleinere und damit günstigere Satelliten zu entwickeln, dies war auch ein Grund für die Umbenennung der Firma in Orbital- und Hydrotechnologie Bremen-System GmbH im Jahr 1991. Gemeinsam mit dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen entwickelte OHB mit BremSat einen der ersten deutschen Kleinsatelliten. Am 3. Februar 1994 startete er an Bord der Discovery in den Orbit.

Ein weiterer Meilenstein war die Satellitenserie SAFIR (Satellite for Information Relay) zur Positionsbestimmung und Objektverfolgung, die auch den Einstieg von OHB in den Telekommunikationsmarkt bedeutete. Bereits 1993 wurde dafür die OHB Teledata GmbH gegründet, die sich auf Telematiksysteme spezialisierte. 1993 entstand für den Bau und die Integration der Satelliten die COLUMBUS-Integrationshalle auf dem OHB-Gelände. Weitere Großprojekte, an denen OHB in den nächsten Jahren beteiligt war, waren u.a. Envisat, CHAMP und GRACE. Mit dem Gewinn weiterer Großprojekte wie ABRIXAS und der wachsenden Mitarbeiterzahl auf mittlerweile 170 wurde der Firmensitz bald zu klein, direkt in der Nachbarschaft der bestehenden Gebäude wurde 1995 das neue Hauptquartier in der Universitätsallee 29 eingeweiht. 2001 wurden ein weiteres Gebäude in der Karl-Ferdinand-Braun-Straße und eine moderne Reinraumhalle gebaut.

Ehemaliges Logo der OHB Technology AG

Bereits 1995 begann OHB, sich international auszurichten. So beteiligte man sich an der italienischen Raumfahrtfirma Carlo Gavazzi Space aus Mailand (gegründet 1981) und gründete gemeinsam mit der russischen Firma AKO Polyot das Joint Venture COSMOS International, das Startleistungen für Satelliten anbietet (Kosmos-Trägerrakete). 1998 wurde das Unternehmen Orbcomm Deutschland gegründet. Seit 2000 firmiert OHB unter dem Namen Orbitale Hochtechnologie Bremen-System GmbH. 2001 fand der Börsengang der OHB Teledata an den Neuen Markt statt. Daraufhin wurde die OHB-System GmbH in eine AG umgewandelt. 2002 wurden OHB-System und OHB Teledata zur OHB Technology AG zusammengeführt. In den nächsten Jahren folgten weitere Firmenbeteiligungen und Gründungen verschiedenen Tochterunternehmen. Unter anderem erwarb man 2005 die MAN-Tochterfirma MAN Technologie AG (heute MT Aerospace)[3]. 2008 scheiterte der Versuch, die drei deutschen Airbus-Werke in Nordenham, Varel und Augsburg zu übernehmen.[4] Geplant war nach einem Bericht des Manager Magazins die Entstehung eines neuen börsennotierten Luftfahrtkonzerns. Unter Führung der OHB sollte ein Unternehmen mit 6700 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro entstehen.[5]

OHB übernahm in der Folgezeit die Führung in der Entwicklung des Großprojekts SAR-Lupe, einem Satellitenaufklärungssystem im Auftrag der Bundeswehr und entwickelte das modulare Kleinsatellitensystem Small GEO. Außerdem wurde das Unternehmen als Ausrüster für die Internationale Raumstation (ISS) und für das europäische Stationsmodul Columbus. Weitere Großprojekte in den Folgejahren sind der Kommunikationssatellit Hispasat und der Wettersatellit Meteosat.[6][7]

Im Januar 2010 erhielt das Unternehmen einen Auftrag über den Bau von 14 Satelliten für das Galileo-System. Der Auftragswert beträgt 566 Millionen Euro.[8] Ein Jahr später wurde Berry Smutny, der Vorstandsvorsitzende von OHB-System AG entlassen, nachdem WikiLeaks Einzelheiten aus einem Gespräch Smutnys mit amerikanischen Botschaftsangehörigen veröffentlicht hatte. Smutny soll Galileo als „dumme Idee“ bezeichnet haben, mit der das Geld der europäischen Steuerzahler verschwendet werde.[9][10]

Im März 2011 beschließt die Hauptversammlung die Umfirmierung der OHB Technology AG in OHB AG. Die Abteilungen Telematik, Raumfahrt & Sicherheit, Satellitendienste sowie Wissenschaft und Nutzlasten wurden zu den zwei Unternehmensbereichen Space Systems und Aerospace + Industrial Products zusammengefasst.

Am 1. September 2014 fusionierten die Bremer OHB System AG und die Münchener Kayser-Threde GmbH zur OHB System AG mit Standorten in Bremen und München.[11]

Unternehmensstruktur und Produkte[Bearbeiten]

Abteilungen der OHB AG[Bearbeiten]

Unter dem Dach Space Systems werden die Geschäftsbereiche Satelliten (Galileo, SmallGEO, etc.), Bemannte Raumfahrt, Exploration, Sicherheit und Aufklärung (SAR-Lupe, ARDS) und Industrielle Anwendungen zusammengefasst. Dem zweiten Unternehmensbereich Aerospace + Industrial Products sind die Themen Raumfahrtprodukte, Luftfahrtprodukte, Antennen & Produkte und Telematik untergeordnet.

Beteiligungen und Tochterfirmen der Fuchs Gruppe[Bearbeiten]

Space Systems

  • OHB-System AG, Bremen (100%)
  • Kayser-Threde GmbH, München (100%, 2007)
  • CGS Compagnia Generale per lo spazio S.p.A, Mailand (100%; Beteiligung 1995, Kauf 2009)
  • Luxspace Sàrl, Luxemburg (100%)
  • Antwerp Space N.V., Antwerpen (100%)
  • OHB Sweden AB (100%)

Aerospace + Industrial Products

  • MT Aerospace AG, Augsburg (70%, 2005)
  • Aerotech Peissenberg GmbH & Co. KG, Peissenberg (70%, 2011)
  • OHB Teledata GmbH, Bremen (100%, 1993)
  • megatel GmbH, Bremen (74,9%, 2001)
  • Telematic Solutions S.p.A, Mailand (100%, 2001)

Projekte[Bearbeiten]

Zu den größten Projekten gehören SAR-Lupe, die Kommunikationssatelliten Plattform SmallGEO[12][13] sowie 22 Satelliten des europäischen Galileo-Navigationsystems[14]. Weitere Projekte und Beteiligungen sind:

Stiftungsprofessur[Bearbeiten]

Im Juli 2012 richtete die Universität Bremen die Christa und Manfred Fuchs-Stiftungsprofessur für Raumfahrttechnologie / System Enabling Technologies ein, die nach den beiden Gründern der OHB AG benannt ist. Die gestiftete Professorenstelle ist auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt. Die Kosten werden jeweils zur Hälfte von der OHG AG und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft getragen.[16] Die Einrichtung dieser Professur war wegen der Zivilklausel der Universität Bremen umstritten, die die Teilnahme an Militärischen Projekten verbietet. Die OHB AG wies darauf hin, dass ihr Anteil an Militärischen Projekten bei unter 5% liegen würde. Daher verstehe sie sich auch nicht als Rüstungsunternehmen.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OHB – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht Q1 2013 (PDF; 2,0 MB)
  2. Geschäftsbericht 2012 (PDF; 4,3 MB)
  3. OHB – Formale Übernahme der MT Aerospace AG
  4. Epoch Times Europe: Verkauf von drei Airbus-Werken an Bremer OHB gescheitert. 27. März 2008.
  5. Manager Magazin: Börsenpläne für Airbus-Werke. 8. Februar 2008.
  6. OHB und Thales Alenia Space unterzeichnen Verträge für Meteosat Third Generation (MTG) über rund 750 Millionen Euro
  7. DLR - SmallGEO - Hispasat erster Kunde
  8. OHB und SSTL für den Bau von 14 Galileo-Navigationssatelliten ausgewählt. (Zugriff am 10. Januar 2010)
  9. Frankfurter Allgemeine Zeitung am 19. Januar 2011: „Galileo ist eine dumme Idee“ Die Veröffentlichung von Wikileaks bringt einen deutschen Manager zu Fall. Beim Bremer Satellitenbauer OHB ist eilige Schadensbegrenzung angesagt. Abgerufen am 19. Januar 2011.
  10. Aftenposten.no am 13. Januar 2011: Veröffentlichung einer Botschaftsdepesche. Abgerufen am 19. Januar 2011.
  11. Fusion von OHB System AG und Erwin Kayser-Threde GmbH perfekt. OHB System AG, 1. September 2014, abgerufen am 13. November 2014.
  12. OHB - SmallGEO
  13. DLR - Projekt SmallGEO
  14. ESA - Partner des Projekts Galileo
  15. DLR - Europäisches Datenrelaissatelliten-Netz EDRS wird Wirklichkeit
  16. Christa und Manfred Fuchs-Stiftungsprofessur für Raumfahrttechnologie/System Enabling Technologies. Universität Bremen, abgerufen am 13. November 2014.
  17. Umstrittene Stiftungsprofessur in Bremen besetzt. Deutschlandfunk, 14. August 2012, abgerufen am 13. November 2014.

53.1002777777788.8569444444444Koordinaten: 53° 6′ 1″ N, 8° 51′ 25″ O