OKB-2 346

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OKB-2 346
Typ: experimentelles Hochgeschwindigkeitsflugzeug
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich/Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: DFS/OKB-2
Erstflug: 1948

Die DFS 346 war ein deutsches und späteres sowjetisches experimentelles raketengetriebenes Hochgeschwindigkeitsflugzeug, welches von Felix Kracht bei DFS im Zweiten Weltkrieg entworfen wurde.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die halbfertige Maschine von der Sowjetunion erbeutet und dort fertiggestellt und geflogen. Die Sowjets behaupteten, dass die Maschine die Schallmauer durchbrochen hätte. Spätere Nachforschungen stellen diese Behauptungen jedoch in Frage.

Geschichte[Bearbeiten]

Die DFS 346 war ein Parallelprojekt zur DFS 228, einem Segelflugzeug für extreme Flughöhen. Die DFS 346 war extrem aerodynamisch und windschnittig geformt. Die Designer hofften, so die Schallmauer zu durchbrechen. Sie glich beinahe einer Rakete. Die Maschine enthielt eine Rettungskapsel für den Piloten, die von der Vorkriegsmaschine DFS 54 abgeleitet war. Der Pilot lag auf dem Bauch im Cockpit, wie bereits in der DFS 228.

Die Planungen sahen einen Start von einem Trägerflugzeug vor. Die Deutschen hatten hierfür die Dornier Do 217 geplant. Nach dem Start sollten zwei Walter-509B-Triebwerke das Flugzeug auf Mach 2,6 beschleunigen und Höhen von 30.500 m erreicht werden. Nach dem Verbrauch des Treibstoffes sollte es als Gleiter langsam zu seiner Basis in Deutschland oder Frankreich zurückkehren.

Rettungssystem der DFS 346

Das Flugzeug war ein Ganzmetall-Mitteldecker und wurde bei Siebel gefertigt, wo es die Sowjets erbeuteten. Am 22. Oktober 1946 wurde das Experimental-Konstruktionsbüro OKB-2 unter Leitung von Heinz Rössing und Alexander Beresnjak beauftragt, die Entwicklung fortzusetzen. Das Flugzeug wurde komplettiert und im Windkanal getestet, dabei fand man einige aerodynamische Schwächen. Das Rettungssystem wurde mit einer North American B-25 getestet und für gut befunden.

Im Jahre 1947 wurde ein neuer 346-Prototyp mit den neuen Erkenntnissen gebaut. Dieser Prototyp 346-P (nach anderen Quellen auch als DFS 301 bezeichnet[1]) war ein reiner Gleiter ohne Antrieb. Allerdings wurde Ballast eingesetzt, um das Gewicht des Motors und Treibstoffs zu simulieren. Die Maschine wurde unter eine B-29 Superfortress, die nach einem Bombenangriff auf Japan in der UdSSR notgelandet und nicht wieder an die USA zurückgegeben worden war, montiert und von Wolfgang Ziese in einer Serie von Tests geflogen. Dies führte zu drei weiteren Prototypen.

Die 346-1 mit kleinen aerodynamischen Verbesserungen und Dummymotoren flog Ziese 1948. Am 30. September 1949 verunglückte Ziese bei der Landung und wurde schwer verletzt. Das Flugzeug wurde repariert und der russische Testpilot P. I. Kasmin flog weitere Flüge mit der 346-1. Am 10. Mai 1951 kehrte Ziese zum Programm zurück und flog die Prototypen 346-2 und 346-3 ohne Antrieb.

Die 346-3 war ein voll funktionsfähiges Flugzeug und der erste Flug mit Raketenantrieb erfolgte am 13. August 1951, allerdings wurde nur ein Motor gezündet. Das Flugzeug erreichte Mach 0,9 in den Testflügen. Ziese flog am 2. September und 14. September 1951 erneut. Der letzte Flug führte allerdings zum Absturz. Nach dem Ausklinken und Starten der Motoren wurden 900 km/h erreicht. Die Maschine geriet in den transsonischen Bereich. Ziese hielt durch das ungewöhnliche Verhalten die Maschine für nicht mehr steuerbar und aktivierte schließlich in 6.500 m Höhe das Rettungssystem, welches problemlos funktionierte. Die Maschine wurde komplett zerstört, das Programm daraufhin eingestellt.

Technische Daten[Bearbeiten]

DFS-346-1
Längsschnitt durch die 346-3
Kenngröße Daten (OKB-2 346-3)
Länge 13,75 m
Flügelspannweite 9,0 m
Tragflügelfläche 19,9 m²
Höhe 3,54 m
Antrieb Walter HWK 109-509 33,4 kN
Höchstgeschwindigkeit 2.765 km/h (geplant), 900 km/h erreicht
Reichweite 1.223 km
Besatzung ein Pilot
Dienstgipfelhöhe 30.500 m geplant
Leergewicht k.A.
Fluggewicht 5.230 kg

Literatur[Bearbeiten]

  • Dimitri Alexejewitsch Sobolew: Deutsche Spuren in der sowjetischen Luftfahrtgeschichte. Die Teilnahme deutscher Firmen und Fachleute an der Luftfahrtentwicklung in der UdSSR. Mittler-Verlag, Hamburg u. a. 2000, ISBN 3-8132-0675-0.
  • Joachim Dressel, Manfred Griehl: Die deutschen Raketenflugzeuge 1935–1945. Die Entwicklung einer umwälzenden Technik. Genehmigte Lizenzausgabe. Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-692-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dressel/Griehl, Raketenflugzeuge, S. 90

Weblinks[Bearbeiten]