OMV
| OMV Aktiengesellschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | AT0000743059 |
| Gründung | 1956 |
| Sitz | Wien, Österreich |
|
|
| Mitarbeiter | rund 29.000 Mitarbeiter (2012) [1] |
| Umsatz | 42,65 Mrd. EUR (2012) [2] |
| Branche | Mineralölförderung und -verarbeitung |
| Website | www.omv.com |
Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV), mit ihrer Zentrale in Wien, ist ein integriertes, internationales Öl- und Gasunternehmen.
Mit einem Konzernumsatz von über 42 Mrd. EUR (2012) und einem Mitarbeiterstand von weltweit rund 29.000 (2012) ist die OMV das größte börsennotierte Industrieunternehmen Österreichs. [3] Es ist als integriertes Öl- und Gasunternehmen in den Geschäftsbereichen Exploration & Produktion (E&P), Gas & Power (G&P) sowie Raffinerien & Marketing (R&M) tätig.
In Österreich förderte die OMV 2012 rund 800.000 t Erdöl und 1,3 Mrd. m³ Erdgas.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
1956 entstand die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV).
Vier Jahre später (1960) wurde die Raffinerie Schwechat bei Wien in Betrieb genommen. Ende 1987 wurden 15 % der ÖMV privatisiert und somit auch der erste Börsengang eines verstaatlichten Unternehmens in Österreich. Die OMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 24. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.
Ende 1994 steigt die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. 1995 wird der Konzernname von „ÖMV“ in „OMV“ geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen nicht üblich ist. Auch in Osteuropa wächst die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen etwa 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baut das Tankstellennetz weiter aus.
Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöht die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz sind. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.
Im folgenden Jahr beteiligt sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi. Der Einstieg bei Petrol Ofisi war das bisher größte österreichische Investment in der Türkei. Im Mai 2006 kündigen die Vorstände der OMV und des Verbunds an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.
2007 erhöht die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt wurde und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte OMV ihre gesamten Anteile im März 2009. Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan Holding den Anteil an der Petrol Ofisi und hält somit 95,75 Prozent des Unternehmens. 2011 wurde dieser Anteil noch einmal auf 97 % erhöht.
Im September 2011 wurde ein Strategieplan veröffentlicht, der „Profitables Wachstum“ heißt. Danach will die OMV nicht erster Linie in das kundennahe, aber renditeschwache Geschäft mit Raffinerien und Tankstellen investieren, sondern verstärkt in den Upstream-Bereich (E&P). Dorthin sollen zwei Drittel der Investitionen fließen. Ziel ist es, den E&P-Anteil am Gesamtportfolio bis 2021 auf bis zu 60 % zu erhöhen. Regional soll der Investitionsschwerpunkt am Schwarzen Meer, der Norsee-Region, der Kaspischen Region, dem Mittleren Osten und auf Afrika liegen. Der Verkauf des 45 %-Anteils am deutschen Raffinerieverbund Bayernoil wird derzeit evaluiert und soll bis zum Jahr 2014 abgeschlossen sein.[4]
2012 konnte mit der Domino-1 Bohrung im Neptun Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bedeutendste Fund des Jahres 2012 gemacht werden, der sich als bisher größter Gasfund der OMV herausstellen könnte. [5]
In einem Ranking des Forbes Magazine der weltweit größten Aktiengesellschaften aus dem Jahre 2013 liegt die OMV auf Platz 304 und nimmt damit den führenden Platz der österreichischen Unternehmen ein.[6]
Unternehmensdaten [Bearbeiten]
Konzern-Zahlen 2012 [Bearbeiten]
Mit einem Konzernumsatz von 42,64 Mrd. EUR und einem CCS EBIT vor Sondereffekten von 3,407 Mrd. EUR konnte 2012 ein Rekordergebnis erreicht werden.[7] Die Marktkapitalisierung betrug Ende 2012 rund 9 Mrd. EUR. [8]
Unternehmensstrategie [Bearbeiten]
Die OMV plant, sich in den kommenden Jahren zu einem integrierten, Öl und Gasunternehmen mit Fokus auf den Upstream-Bereich zu entwickeln. Das Upstream-Geschäft E&P, die Exploration und Produktion von Öl und Gas, wird einen deutlich größeren Stellenwert einnehmen. Im Gasgeschäft – von der Gasgewinnung, dem Gastransport bis hin zur Gasvermarktung - wird die OMV in Abhängigkeit von neuem Gas aus eigenen Produktionsstätten ebenfalls stark wachsen. Im Fall der Auswahl durch das Shah Deniz II Konsortium als endgültige Pipeline-Route, wird die geplante Nabucco West Gas Pipeline die OMV Märkte, von der Türkei über Rumänien bis hin nach Baumgarten in Österreich verbinden. Von der Erdgasstation in Baumgarten erreicht die OMV somit ganz Europa. Das Portfolio der OMV wird zusätzlich zum Gaskraftwerk in Brazi (Rumänien) mit der Inbetriebnahme eines weiteren Gaskraftwerkes in Samsun (Türkei) ergänzt werden. Der Bereich R&M (Raffinerien und Marketing) wird weiterhin ein wichtiger Geschäftsbereich bleiben, aber in seiner relativen Bedeutung im Portfolio deutlich kleiner sein.
Aktionärsstruktur per Ende 2012 [9] [Bearbeiten]
| 31,5 % | ÖIAG |
| 24,9 % | IPIC |
| 0,3 % | [Eigene Aktien] |
| 43,6 % | Streubesitz |
Beteiligungen [Bearbeiten]
Die wichtigsten Beteiligungen der OMV Aktiengesellschaft sind die folgenden, weitere Beteiligungen werden den entsprechenden Geschäftsbereichen gehalten.[10]
- OMV Refining & Marketing GmbH (100%)
- OMV Deutschland (100%)
- OMV Exploration & Production GmbH (100%)
- OMV Gas & Power GmbH (100%)
- OMV Solutions GmbH (100%)
- Petrol Ofisi (97%)
- Petrom SA (51%)
- Borealis (36%)
Geschäftsbereiche [Bearbeiten]
Refining & Marketing [Bearbeiten]
Der Konzern betreibt vier Raffinerien mit einer jährlichen Raffineriekapazität von insgesamt 22 Mio. t (2012): Schwechat (Österreich), Burghausen (Deutschland), Petrobrazi (Rumänien) und die Bayernoil Raffinerie (Deutschland).
Die OMV verfügte Ende 2012 über rund 4400 Tankstellen der Marken OMV, Avanti, Petrom und Petrol Ofisi in 13 Ländern. Der Marktanteil des Konzerns im Retail-Bereich im Donauraum beträgt damit rund 20 %, in Österreich rund 16 %.
Etwa 950 der OMV Tankstellen verfügen über Tankstellenshops der Marke VIVA (Shop, Gastronomie), der erste VIVA-Shop wurde 1994 in Oberwart eröffnet. Laufend werden innovative Kooperationen mit anderen Unternehmungen abgeschlossen, um Zusatzdienste im Tankstellennetzwerk bieten zu können. Darunter z.B die Österreichische Post AG, die Wiener Städtische oder die Erste Bank.
Die OMV betreibt zudem ein Großhandelsgeschäft mit Treibstoffen, Heizölen, Schmiermitteln, Bitumen, Kerosin und Flüssiggas (LPG).
Exploration & Production [Bearbeiten]
Das E&P Portfolio der OMV ist umfangreich und ausgewogen. Das Unternehmen ist hauptsächlich in EU- und OECD-Ländern vertreten. Rund zwei Drittel der Produktion stammen aus Rumänien und Österreich. Von der Gesamtproduktion entfallen rund 50 % auf Öl und 50 % auf Gas. In den Kernländern Rumänien und Österreich konzentriert sich die OMV durch Anwendung neuer Verfahren auf die Erhöhung der Ausbeuteraten reifer Felder. Zusätzlich sollen neue Wachstumsgebiete innerhalb der Kaspischen Region, des Mittleren Ostens und in Afrika erschlossen werden. Auch international ist die OMV seit Längerem tätig. Die tägliche Fördermenge betrug 2012 303.000boe.
Gas & Power [Bearbeiten]
Die OMV betreibt in Österreich ein rund 2.000 km langes Gaspipelinenetz mit einer verkauften Transportkapazität von rund 103 Mrd. m³ im Jahr 2012. Die Kompressorstation Baumgarten, ein wichtiger Verteilerknoten für Europa, leitet ca. ein Drittel der russischen Erdgasexporte nach Westeuropa weiter. 2012 verkaufte die OMV rund 437 TWh Gas. Seit 2007 engagiert sich die OMV auch im Bau von Gaskraftwerken in denen in erster Linie Gas aus Eigenproduktion genutzt werden soll. 2012 hat das Gaskraftwerk Brazi (Rumänien) den kommerziellen Betrieb gestartet. Ein weiteres Projekt der OMV, die Nabucco West Gas Pipeline, soll Erdgas aus der Kaspischen Region von der türkisch-bulgarischen Grenze über Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis zur Erdgasstation Baumgarten (Österreich) transportieren.
Kritik an der OMV [Bearbeiten]
In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[11][12] Im September 2007[13] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[14] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[15] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[16]
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Fünf-Jahres-Überblick, Seite 160. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Fünf-Jahres-Überblick, Seite 160. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ / OMV Investoren Präsentation Seite 58. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Geschäftsbereich Exploration und Produktion, Seite 39. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ Elf Firmen unter den weltweit größten. In: oesterreich.orf.at. 18. April 2013, abgerufen am 18. April 2013: „Österreich ist mit elf Unternehmen in der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste des US-Magazins „Forbes“ der weltweit größten 2.000 Firmen vertreten. […] Den unter den heimischen Unternehmen höchsten Rang nimmt der Mineralölkonzern OMV (Platz 304) ein. […] Unter den 2.000 Firmen befinden sich ausschließlich Aktiengesellschaften, weshalb beispielsweise Red Bull nicht vorkommt. […] Zur Erstellung der Rangliste wurden folgende Kennzahlen verwendet: Umsatz, Gewinn, Vermögenswert und Marktkapitalisierung.“
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 Auf einen Blick, Seite 35. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Geschäftsbericht 2012 OMV Aktie und Anleihen, Seite 34. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ OMV Konzernpräsentation Wichtige Tochtergesellschaften und Beteiligungen, Seite 6. Abgerufen am 25. März 2013
- ↑ Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
- ↑ taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
- ↑ Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
- ↑ Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt, 25. April 2007
- ↑ Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, Apr 23 2007
- ↑ OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.
Weblinks [Bearbeiten]
- OMV-Homepage
- Bayernoil
- ÖIAG, „Österreichische Industrieholding AG“
- AMI-Homepage
- Petrom SA
- Erdöl- und Erdgasdaten Österreich und weltweit 2011 der Geologischen Bundesanstalt Wien (PDF-Datei; 3,59 MB)
- Foto-Galerie: OMV-Raffinerie Schwechat
- Foto-Galerie: OMV-Raffinerie Burghausen (BRD)
- Foto-Galerie: Tanklager Lobau
- Foto-Galerie: Tanklager St. Valentin
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48.21366416.414094Koordinaten: 48° 12′ 49″ N, 16° 24′ 51″ O