OMV

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Dieser Artikel behandelt den österreichischen Erdöl- und Erdgaskonzern OMV Aktiengesellschaft. Für weitere Bedeutungen siehe OMV (Begriffsklärung).
OMV Aktiengesellschaft
Omv logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000743059
Gründung 1956
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Gerhard Roiss (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 26.863 Mitarbeiter (2013)[1]
Umsatz 42,415 Mrd. EUR (2013)[2]
Branche Mineralölförderung und -verarbeitung
Website www.omv.com
Die neue OMV Zentrale in Wien im Hochhaus „HOCH ZWEI

Die OMV (früher Österreichische Mineralölverwaltung, ÖMV), mit ihrer Zentrale in Wien, ist ein integriertes, internationales Öl- und Gasunternehmen.

Mit einem Konzernumsatz von 42,41 Mrd. EUR (2013), einem Mitarbeiterstand von weltweit rund 26.800 (2013) und einer Marktkapitalisierung von 11,35 Mrd. EUR (Jahresende 2013) ist die OMV das größte börsennotierte Industrieunternehmen in Österreich.[3] Es ist als integriertes Öl- und Gasunternehmen in den Geschäftsbereichen Exploration & Production (E&P), Gas & Power (G&P) sowie Refining & Marketing (R&M) tätig.

Geschichte[Bearbeiten]

1956 entstand die „Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft“ aus der von der sowjetischen Besatzungsmacht kontrollierten „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV).

Vier Jahre später (1960) wurde die Raffinerie Schwechat bei Wien in Betrieb genommen. Im Rahmen des ersten Börsengangs eines verstaatlichten Unternehmens in Österreich wurden Ende 1987 15 % der ÖMV privatisiert. Die OMV stieg 1989 mit 25 % beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis ein. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 24. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf. Im selben Jahr übernahm die „ÖMV“ die Chemie Linz (Holding) Gruppe.

Ende 1994 steigt die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. 1995 wird der Konzernname von „ÖMV“ in „OMV“ geändert, da der Umlaut „Ö“ in vielen Sprachen unüblich ist. Auch in Osteuropa wächst die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen etwa 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.

Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöht die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz sind. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine International GmbH an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.

Im folgenden Jahr beteiligt sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi. Der Einstieg bei Petrol Ofisi war das bisher größte österreichische Investment in der Türkei. Im Mai 2006 kündigen die Vorstände der OMV und des Verbunds an, dass eine Fusion angestrebt werde. Es wurde spekuliert, dass diese Idee eher politisch als wirtschaftlich motiviert wäre. Zuerst schien eine Fusion politisch möglich, letztlich scheiterte sie aber am Widerstand der Landeshauptleute.

2007 erhöht die OMV die Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL vorerst auf 20,2 %; nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt wurde und die EU-Kommission scharfe Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, verkaufte die OMV ihre gesamten Anteile im März 2009. Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan Holding an der Petrol Ofisi und hält somit 95,75 Prozent des Unternehmens. 2011 wurde dieser Anteil noch einmal auf 97 % erhöht.

Im September 2011 wurde ein Strategieplan veröffentlicht, der „Profitables Wachstum“ heißt. Danach will die OMV den Fokus ihrer Investitionen vom kundennahen aber renditeschwachen Geschäft mit Raffinerien und Tankstellen zugunsten des Upstream-Bereichs (E&P) verschieben. Dorthin sollen zwei Drittel der Investitionen fließen. Ziel ist es, den E&P-Anteil am Gesamtportfolio bis 2021 auf bis zu 60 % zu erhöhen. Regional soll der Investitionsschwerpunkt am Schwarzen Meer, der Nordsee-Region, der Kaspischen Region, dem Mittleren Osten und Sub-Sahara-Afrika liegen.

2012 konnte mit der Domino-1 Bohrung im Neptun Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bedeutendste Fund des Jahres gemacht werden, der sich als bisher wichtigster Gasfund der OMV herausgestellt hat.[4]

Am 31. Oktober 2013 konnte die Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich abgeschlossen werden. Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven werden mit dieser Beteiligung um ca. 320 Mio boe gesteigert werden. Mit 2,65 Mrd. USD stellte dies die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar. [5][6]

Eine Vereinbarung zum Verkauf des 45 %-Anteils am deutschen Raffinerieverbund Bayernoil wurde im Dezember 2013 unterzeichnet.[7]

In einem Ranking des Forbes Magazine der weltweit größten Aktiengesellschaften aus dem Jahre 2013 liegt die OMV auf Platz 304 und nimmt damit den führenden Platz der österreichischen Unternehmen ein.[8]

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

Konzern-Zahlen 2013[Bearbeiten]

Mit einem Konzernumsatz von 42,41 Mrd. EUR, 26.863 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung zum Jahresende von 11,35 Mrd. EUR ist die OMV Aktiengesellschaft das größte börsennotierte Industrieunternehmen in Österreich.[9]

Aktionärsstruktur per Ende 2013[10][Bearbeiten]

31,5 % ÖIAG
24,9 % IPIC
0,3 % Eigene Aktien
43,3 % Streubesitz

Geschäftsbereiche[Bearbeiten]

Refining & Marketing[Bearbeiten]

Die OMV Raffinerie in Schwechat

Der Geschäftsbereich Refining & Marketing inkl. Petrochemie (R&M) betreibt drei Raffinerien: Schwechat (Österreich), Raffinerie Burghausen (Deutschland), die beide über eine integrierte Petrochemie-Produktion verfügen, sowie die Raffinerie Petrobrazi (Rumänien). Eine Vereinbarung zum Verkauf des 45 %-Anteils an Bayernoil wurde im Dezember 2013 unterzeichnet. OMV verfügt (exklusive Bayernoil) über eine Jahresgesamtkapazität von 17,4 Mio t (360.000 bbl/d). Das Tankstellennetz besteht aus rund 4.200 Tankstellen in 11 Ländern mit einem starken Markenportfolio. Zusammen mit einem hochqualitativen Non-Oil-Retail-Geschäft (VIVA) und einem effizienten Commercial-Geschäft ist die OMV eines der führenden Unternehmen in ihren Märkten.[11]

Exploration & Production[Bearbeiten]

Alle Standorte und Aktionen der gesamten OMV weltweit

Der Geschäftsbereich Exploration & Production (E&P) verfügt über eine starke Basis in Rumänien und Österreich und erweitert kontinuierlich sein internationales Portfolio. OMV hatte zum Jahresende rund 1.131 Mio boe sichere Reserven und förderte 2013 täglich 288 kboe. Rund 70 % der Produktion stammten aus Rumänien und Österreich, der Rest aus einem wachsenden internationalen Portfolio. Erdöl und Erdgas trugen jeweils rund 50 % zur Produktion bei.[12]

Gas & Power[Bearbeiten]

Der integrierte Geschäftsbereich Gas & Power (G&P) ist entlang der gesamten Gaswertschöpfungskette tätig. Das Gasbezugsportfolio von G&P besteht aus Erdgas aus eigenen Produktionsstätten, das durch kontrahierte Volumina ergänzt wird. Über ein 2.000 km langes Gasleitungsnetz, sowie eigene Gasspeicher mit einer Kapazität von 2,6 Mrd m³ wird das Gas zu den Märkten geliefert und über eigene Vertriebskanäle verkauft. Der Central European Gas Hub (CEGH) hat sich als wichtige Gashandelsplattform auf den Gaskorridoren von Ost nach West etabliert und betreibt auch eine Gasbörse. Der Erdgasknotenpunkt in Baumgarten ist die größte Drehscheibe für Gas aus Russland in Mitteleuropa. OMV betreibt auch zwei Gaskraftwerke in Rumänien und der Türkei.[13]

Kritik an der OMV[Bearbeiten]

In der Vergangenheit stand die OMV vor allem wegen ihres Engagements im Sudan in der Kritik.[14][15] Im September 2007[16] hatte die OMV mit der National Iranian Oil Company einen Vorvertrag unterzeichnet, der nach iranischen Medienangaben über 25 Jahre ein Geschäftsvolumen von 22 Milliarden Euro umfassen soll. Während die österreichische Regierung die Vertragsverhandlungen mit der Begründung einer stärkeren Unabhängigkeit von russischen Lieferungen begrüßte,[17] stieß das Vorhaben bei der US-Regierung[18] und bei verschiedenen Organisationen wie z. B. dem Jüdischen Weltkongress auf massive Kritik. Die OMV wurde aufgerufen auf das Geschäft zu verzichten. Auf entsprechende Proteste vor der Jahreshauptversammlung 2008 entgegnete OMV-Chef Ruttenstorfer, dass noch kein Abschluss des Geschäfts absehbar sei und es darum gehe, mehr Unabhängigkeit der Energieversorgung von russischen Lieferungen zu gewährleisten. Des Weiteren stieß der kostspielige Übernahmeversuch des ungarischen Mitbewerbers MOL auf Kritik auf der Jahreshauptversammlung.[19]

Beteiligungen[Bearbeiten]

  • OMV Refining & Marketing (100 %)
  • OMV Deutschland (100 %)
  • OMV Exploration & Production (100 %)
  • OMV Gas & Power (100 %)
  • OMV Solutions (100 %)
  • Gas Connect Austria (100 %)
  • Petrol Ofisi (97 %)
  • Petrom (51 %)
  • Borealis (36 %)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. OMV Geschäftsbericht 2013 Fünf-Jahres-Übersicht, Seite 164. Abgerufen am 27. März 2014.
  2. OMV Geschäftsbericht 2013 Fünf-Jahres-Übersicht, Seite 164. Abgerufen am 27. März 2014.
  3. OMV Geschäftsbericht 2013 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  4. OMV Website, Geschichte Abgerufen am 27. März 2014.
  5. OMV Pressemitteilung OMV einigt sich mit Statoil auf bedeutende Akquisition. Abgerufen am 27. März 2014.
  6. OMV Pressemitteilung OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 27. März 2014.
  7. OMV Geschäftsbericht 2013 Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  8. Elf Firmen unter den weltweit größten. In: oesterreich.orf.at. 18. April 2013, abgerufen am 18. April 2013: „Österreich ist mit elf Unternehmen in der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste des US-Magazins „Forbes“ der weltweit größten 2.000 Firmen vertreten. […] Den unter den heimischen Unternehmen höchsten Rang nimmt der Mineralölkonzern OMV (Platz 304) ein. […] Unter den 2.000 Firmen befinden sich ausschließlich Aktiengesellschaften, weshalb beispielsweise Red Bull nicht vorkommt. […] Zur Erstellung der Rangliste wurden folgende Kennzahlen verwendet: Umsatz, Gewinn, Vermögenswert und Marktkapitalisierung.“
  9. OMV Geschäftsbericht 2013 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  10. OMV Geschäftsbericht 2013 OMV Aktie und Anleihen, Seite 35. Abgerufen am 27. März 2014.
  11. OMV Geschäftsbericht 2013 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  12. OMV Geschäftsbericht 2013 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  13. OMV Geschäftsbericht 2013 Ziele und Strategie des OMV Konzerns, Seite 8. Abgerufen am 27. März 2014.
  14. Vgl. Philipp-Stephan Schneider: Engagement Multinationaler Unternehmen in Krisenregionen. Am Beispiel der OMV im Sudan, Diplomarbeit, Universität Wien 2004
  15. taz: Mit blutigen Händen, 10. Juni 2010
  16. Telepolis: Schweizer Energiekonzern unterzeichnet Milliardengeschäft mit Iran, 17. März 2008
  17. Wirtschaftsblatt: Gusenbauer und Schüssel für OMV/Iran-Projekt, 25. April 2007
  18. Reuters: U.S. to discuss OMV's Iran gas deal with Austria, Apr 23 2007
  19. OMV: Erst das Fressen, dann die Moral. In: Die Presse. 14. Mai 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OMV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.21366416.414094Koordinaten: 48° 12′ 49″ N, 16° 24′ 51″ O