ORGAN²/ASLSP
ORGAN²/ASLSP (häufig auch Organ2/ASLSP geschrieben) ist ein Musikstück für Orgel von John Cage aus dem Jahr 1987. Die Abkürzung ASLSP steht für as slow as possible und ist die Anweisung, die achtseitige Partitur so langsam wie möglich zu spielen. Bei der Uraufführung 1989 in Metz spielte der Organist Gerd Zacher das Orgelstück in einer Länge von 29 Minuten.
Seit dem Jahr 2001 kommt es in der Sankt-Burchardi-Kirche in Halberstadt als langsamstes und längstandauerndes Musikstück der Welt in einer Gesamtlänge von 639 Jahren zur Aufführung.
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Entstehung [Bearbeiten]
John Cage komponierte das Stück im Jahr 1985 mit Hilfe eines Zufallsprogramms mit dem Computer. Ursprünglich für Piano komponiert, schrieb er es 1987 für den Organisten Gerd Zacher für Orgel um. Im Original verwendete der Komponist auch die Bezeichnung As Slow(ly) and Soft(ly) as Possible, womit er sich auf das Zitat „Soft morning city. Lsp!“ aus dem Roman Finnegans Wake von James Joyce bezog.
Die Aufführung in Halberstadt [Bearbeiten]
Vorgeschichte [Bearbeiten]
Bei einem Orgelsymposium im Jahr 1997 in Trossingen entstand die Idee, die Angabe as slow as possible noch wörtlicher als bei der Uraufführung zu nehmen. Die Wahl für den Aufführungsort fiel auf Halberstadt, da im Halberstädter Dom 1361 eine der ältesten dokumentierten Orgeln der Neuzeit gebaut wurde. Die gotische Orgel des Domes zu Halberstadt wird von den Organisatoren als „erste Großorgel der Welt“ bezeichnet. Da der Dom jedoch als Gotteshaus genutzt wird, wich man auf die seinerzeit ungenutzte Sankt-Burchardi-Kirche im ehemaligen Kloster Sankt Burchardi aus.
Die achtseitige Partitur wurde für die Aufführung auf die angestrebte Spieldauer von 639 Jahren hochgerechnet. Dieser Zeitraum ergab sich aus der Differenz des Einbaus der alten (nicht erhaltenen) Domorgel von 1361 in den Halberstädter Dom und dem zunächst geplanten Aufführungsbeginn im Jahre 2000. Der Bogen spannt sich also von 1361 über 2000 in das Jahr 2639. Die tatsächliche Aufführung des Werkes konnte jedoch aufgrund von Verzögerungen erst am 5. September 2001 beginnen und wird demgemäß auch erst im Jahr 2640 enden.
Die Orgel [Bearbeiten]
Die derzeitige Orgel der Sankt-Burchardi-Kirche wurde eigens für die Aufführung des Stückes gebaut. Sie steht im rechten Querhaus der Kirche, während sich die Balganlage im linken Querhaus befindet. Außerdem ist auch ein altes Chorgestühl vorhanden. Da die Orgel ununterbrochen erklingt, ist sie mittels eines Acrylglaskastens abgedeckt, um die Eigengeräusche zu vermindern. Um ein Verklingen des Orgeltons bei einem Stromausfall zu verhindern, ist ein Notstromaggregat angeschlossen. In der Orgel können mehrere Orgelpfeifen eingebracht werden. Bei den sogenannten Tonwechseln werden diese entsprechend dem Verlauf der Partitur ausgetauscht.
Aufführung [Bearbeiten]
Die Aufführung des Stücks begann am 5. September 2001. Da es mit einer Pause von eineinhalb Jahren einsetzte, war der erste Orgelton am 5. Februar 2003 zu hören.
Die Tonwechsel finden allgemein regen öffentlichen Zuspruch, so dass sich zu diesen Zeitpunkten viele Besucher einfinden. Beispielsweise wechselte am 5. Juli 2010 nach 17 Monaten das e“ auf einen d‘/gis“-Akkord. Das am 5. Oktober 2013 einsetzende gis und e' wird 7 Jahre lang bis zum 5. September 2020 erklingen.
Der Tonwechsel vom 5. Januar 2006 a‘/c“/fis“ → e/e‘ ist als
Audiodatei i verfügbar.
Termine der Tonwechsel [Bearbeiten]
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- K = Klanganfang
- P = Klangende (Pause)
Gedenktafeln [Bearbeiten]
In der Kirche können an einem Edelstahlband für jedes Aufführungsjahr Gedenktafeln angebracht werden. Jeder Spender und jede Spendergruppe, die mehr als 1000 EUR spenden, kann sich eine Tafel zuteilen lassen und einen Text vorgeben. Auf der Webseite des Projektes kann man einsehen, welche Jahre noch zur Verfügung stehen.
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Projektwebsite
- Website des Fördervereins John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt e.V. Halberstadt
- Artikel in der taz vom 2. Juli 2005 zum Verklingen des eingestrichenen h am 5. Juli 2005
- Die eingefrorene Zeit, Die Zeit, 8. Januar 2006
- Ulrich Stock: Das Summen Gottes. ZEIT online vom 5. August 2011 zum bevorstehenden 10jährigen Jahrestag, abgerufen am 17. September 2011
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Quelle: John-Cage-Orgelprojekt Halberstadt Ausschnitt aus der Partitur/Klangwechsel