OS/2

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OS/2 Warp
Bildschirmfoto
Bootscreen OS/2 Warp 4 auf einem Notebook
Basisdaten
Entwickler IBM / Microsoft
Aktuelle Version Warp 4.52
(Januar 2002)
Abstammung \ Multitasking DOS
  \ OS/2
Architekturen x86
Lizenz Proprietär
Sonstiges Preis: kostenpflichtig
Entwicklung: 2005 beendet; wird mit eComStation aber weitergeführt
Website www.ibm.com/os2/
Alternatives Logo

OS/2 (Operating System/2 – anfangs bei IBM Deutschland auch BS/2 für Betriebssystem/2) ist ein multitaskingfähiges Betriebssystem für den PC. Es wurde ursprünglich als Nachfolger für DOS von IBM und Microsoft gemeinsam entwickelt. Nachdem Microsoft 1991 die Kooperation beendete, um sich stattdessen der Windows-Weiterentwicklung zu widmen, entwickelte IBM OS/2 allein weiter. 2005 wurden der Vertrieb und die Basisentwicklung von IBM eingestellt, unter der Markenbezeichnung eComStation wird das Betriebssystem seitdem von Dritten weiterentwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Januar 1983 begann Microsoft die Entwicklung an einer Version von MS-DOS, die nicht nur ein Programm, sondern mehrere Programme gleichzeitig laufen lassen konnte. Dieses wurde später unter der Bezeichnung MS-DOS 4.0 veröffentlicht.[1] Allerdings hatte diese Version von MS-DOS einige Einschränkungen. Die Multitaskingfähigkeiten beschränkten sich auf Anwendungen, die speziell für diese Version von MS-DOS entwickelt wurden; ansonsten konnte nur eine herkömmliche MS-DOS-Anwendung ausgeführt werden. Zudem mussten, da das Betriebssystem komplett im Real Mode lief, alle Anwendungen sich den konventionellen Speicher von 640 KB teilen. Aufgrund dieser Einschränkungen erschien diese Version von MS-DOS nicht im Handel, sondern wurde ausschließlich an bestimmte OEMs lizenziert.[2]

Microsoft entwickelte das Betriebssystem anschließend weiter. Um die Einschränkungen der vorherigen Version zu beheben, sollte der Schutzmodus des 80286-Prozessors ausgenutzt werden. Microsoft unterzeichnete dazu einen Vertrag mit IBM, in dem beide Unternehmen sich einigten, das Betriebssystem, nun unter dem Namen CP/DOS bekannt, gemeinsam weiterzuentwickeln. Zum Ende der Entwicklung hin erfuhr das Betriebssystem eine erneute Namensänderung und hieß fortan OS/2.[2]

Der 80286 hatte ein großes Problem: zwar konnte der Prozessor vom Real Mode in den Schutzmodus wechseln, der umgekehrte Weg, also vom Schutzmodus wieder zurück in den Real Mode zu wechseln, war jedoch nicht vorgesehen. Dies war allerdings notwendig, um weiterhin die Kompatibilität zu DOS-Anwendungen aufrechterhalten zu können, die nur im Real Mode lauffähig sind. Dieses Problem konnte erst gelöst werden, als ein Weg gefunden wurde, den Prozessor so zurückzusetzen, dass er sich wieder im Real Mode befand.[3]

Am 2. April 1987 kündigten Microsoft und IBM das neue Betriebssystem offiziell an. Die erste Version sollte wie DOS textbasiert sein, eine spätere Version sollte dann eine von Microsoft Windows abgeleitete grafische Benutzeroberfläche namens Presentation Manager beinhalten.[4] Gleichzeitig kündigte Microsoft ein Entwicklungskit für das neue Betriebssystem an, welches für 3.000 USD erhältlich sein sollte.[5] Dieses Entwicklungskit erschien zwei Monate später.[6]

OS/2 1.x[Bearbeiten]

Früher als zunächst angekündigt, veröffentlichte IBM die erste Version von OS/2 am 4. Dezember 1987 zum Preis von 325 USD.[7] Knapp zwei Wochen später erschien auch Microsofts Version von OS/2.[8] Während IBM OS/2 direkt vertrieb, lizenzierte Microsoft das Betriebssystem an OEMs weiter, die es mit ihren Computern auslieferten und entsprechend anpassten. Die Systemanforderungen des auf vier Disketten erschienen Betriebssystems waren ein 80286-Prozessor mit mindestens 2 MB Arbeitsspeicher und 5 MB Festplattenspeicher. Die erste Version sah aufgrund der fehlenden grafischen Benutzeroberfläche DOS sehr ähnlich, darunter verbarg sich jedoch ein multitaskingfähiges Betriebssystem, das bis zu 12 OS/2-Sitzungen zur selben Zeit verwalten kann und bis zu 16 MB Arbeitsspeicher unterstützt. Daneben bot OS/2 eine weitere Sitzung, in der die meisten DOS-Anwendungen ausgeführt werden konnten.[3] Im Juli 1988 brachte IBM die OS/2 Extended Edition zum Preis von 795 USD heraus, die zusätzliche Datenbank- und Kommunikationsprogramme enthielt.[9]

Allerdings gab es auch Kritik. So sei es zwar angesichts der großen Zahl an Computern mit 80286-Prozessoren verständlich, dass OS/2 für diesen Prozessor entwickelt wurde, allerdings war seitdem bereits der 80386 erschienen, der zahlreiche Vorteile gegenüber dem 80286 bot. Außerdem fehle dem Betriebssystem ein leistungsfähiges Dateisystem - OS/2 benutzte weiterhin das aus DOS übernommene FAT16-Dateisystem, das keine langen Dateinamen unterstützte und in der damaligen Version auf eine maximale Partitionsgröße von 32 MB beschränkt war. Generell hieß es, dass OS/2 gegenüber DOS keine Vorteile böte, solange es keine Software für das neue Betriebssystem gäbe.[3]

Am 31. Oktober 1988 erschien die Version 1.1 von OS/2, die erstmals die langersehnte grafische Benutzeroberfläche enthielt.[10] Diese war jedoch nicht die einzige Neuheit: OS/2 unterstützte nun Partitionen, die größer als 32 MB sind.[11] Zu den ersten Anwendungen für die neue Benutzeroberfläche zählte Borlands Softwarepaket SideKick,[12] die von November an dem Betriebssystem beilag.[13] Das nunmehr auf fünf Disketten angewachsene OS/2 1.1 hatte ähnliche Systemvoraussetzungen wie die vorherige Version, benötigte aber 8 MB an Festplattenspeicher. Einer flächendeckenden Verbreitung des Betriebssystems standen zu dieser Zeit hauptsächlich fehlende Treiber im Weg, vor allem Druckertreiber lagen dem Betriebssystem nur sehr spärlich bei.[14]

OS/2 1.2 folgte im September 1989. Diese Version bot erstmals die Möglichkeit der sogenannten installierbaren Dateisysteme; die ähnlich wie Gerätetreiber beim Systemstart geladen werden und im Prinzip den Zugriff auf beliebige Dateisysteme ermöglichen können. Eine dieser installierbaren Dateisysteme, HPFS, ist im Lieferumfang von OS/2 1.2 enthalten: HPFS ist effizienter als das bisherige FAT-Dateisystem, zudem unterstützt es lange Dateinamen und Partitionen, die größer als 2 Gigabyte sind. Außerdem können beliebige Daten, sogenannte erweiterte Attribute, an Dateien angehängt werden. Allerdings gibt es keinerlei Abwärtskompatibilität; DOS kann auf HPFS-Partitionen nicht zugreifen und für DOS- und ältere OS/2-Anwendungen sind Dateien, die lange Dateinamen benutzen, nicht sichtbar. Außerdem enthält OS/2 1.2 eine überarbeitete Benutzeroberfläche sowie einige zusätzliche Anwendungen.[15]

Die Version 1.3 von OS/2 kam im November 1990 heraus. Diese enthielt kaum Neuerungen, sondern war lediglich eine verbesserte Version von OS/2 1.2, die geringere Systemvoraussetzungen hatte und mehr Treiber beinhaltete. Die Resonanz dieser Version war jedoch gering.[16]

Trennung der beiden Entwicklungspartner[Bearbeiten]

Schon von Anfang an war die Beziehung zwischen den beiden Unternehmen angespannt. IBM und Microsoft waren zwei verschiedene Firmen, die unterschiedliche Ziele verfolgten. Microsoft wollte OS/2, ähnlich wie DOS und auch Windows, als Softwareplattform für viele verschiedene PCs verfügbar machen, IBM hingegen wollte mit OS/2 den Verkauf der eigenen Rechner, allen voran die PS/2-Produktreihe, ankurbeln.[17] Auch die Entwickler beider Firmen waren häufig in gegenseitigen Konflikten verwickelt. IBM nutzte Lines of Code als Maßeinheit für die Produktivität von Entwicklern; Microsofts Entwickler schrieben hingegen kurzen und effizienten Code und galten dadurch aus IBMs Sicht als unproduktiv. Microsofts Entwickler wiederum beschwerten sich über die Bürokratie von Seiten IBMs.[18] Microsoft wollte zügig OS/2 an den 80386-Prozessor anpassen, aber IBM hielt aufgrund von Kundenversprechen dagegen und propagierte weiterhin die 80286-Version.[19]

Die Spannungen entluden sich schließlich, als Windows 3.0 erschien und ein großer Erfolg wurde. Innerhalb von vier Jahren verkaufte sich OS/2 nur 300.000 Mal, Windows 3.0 hingegen erreichte nach einem Jahr bereits 3 Millionen Kopien.[20] Zunächst hieß es, dass IBM die alleinige Federführung an der nächsten Version von OS/2, die Version 2.0, erhalten sollte, während Microsoft die übernächste Version 3.0 entwickelte.[21] Schließlich gab Microsoft die Entwicklung an OS/2 völlig auf und nutzte die Ressourcen zur Entwicklung eines neuen Betriebssystems mit der Bezeichnung Windows NT.[22]

OS/2 2.x[Bearbeiten]

Begleitet von einer großen Werbekampagne veröffentlichte das nun auf sich alleine gestellte IBM OS/2 2.0 am 1. April 1992.[23] Das Unternehmen bezeichnete OS/2 als a better DOS than DOS and a better Windows than Windows (deutsch: „ein besseres DOS als DOS und ein besseres Windows als Windows“). OS/2 war nun ein 32-Bit-Betriebssystem, das die Fähigkeiten des 80386 ausnutzte,[24] wenngleich das Betriebssystem weiterhin große Teile an 16-Bit-Code enthielt.[25] Das Betriebssystem konnte erstmals mehrere DOS-Anwendungen parallel ausführen[26] und bot zudem die Möglichkeit, Windows-Anwendungen in einer speziellen Win-OS/2-Umgebung zu starten, die entweder direkt als Fenster in die OS/2-Umgebung eingebettet oder im Vollbild-Modus ausgeführt werden konnte. Der Vollbild-Modus war zwar schneller, aber wegen der fehlenden Unterstützung für Grafikkartentreiber auf 640×480 und 16 Farben beschränkt. Zudem unterstützte die Win-OS/2-Umgebung nur den Standard-Modus, was Anwendungen, die den 386-erweiterten Modus benötigten, ausschloss.[27]

OS/2 2.0 ersetzte den Präsentations-Manager durch die neue Workplace Shell. Das Konzept der Workplace Shell folgt dem Paradigma, dass alles ein Objekt ist, wie etwa Icons, Fenster oder auch der Desktophintergrund, und durch Verfahren wie Drag and Drop angepasst werden kann. Die Benutzeroberfläche galt als äußerst flexibel, gleichzeitig aber als schwierig zu erlernen. Die Workplace Shell merkte sich zudem die offenen Anwendungen beim Herunterfahren und startete diese wieder, sobald das Betriebssystem wieder hochfuhr.[27]

Am 18. Mai 1993 folgte die Version 2.1 von OS/2.[28] Diese Version bot erstmals eine Multimedia-Unterstützung sowie zahlreiche Treiber vor allem für SCSI-Geräte, Grafikkarten, CD-ROM-Laufwerke und PCMCIA-Geräte. Außerdem wurde die Win-OS/2-Umgebung auf den Stand von Windows 3.1 gebracht und unterstützt im Gegensatz zu OS/2 2.0 den 386-erweiterten Modus. Durch verschiedene Optimierungen, allen voran die Portierung der Grafikfunktionen auf 32 Bit, konnte die Leistung im Vergleich zur Version 2.0 deutlich gesteigert werden.[29] Im Januar 1994 folgte OS/2 for Windows, eine Version von OS/2, der die Win-OS/2-Umgebung fehlte und die stattdessen ein bereits auf dem Rechner installiertes Windows 3.1 benutzte, um Windowsprogramme innerhalb von OS/2 auszuführen.[30] Diese Version war mit 149 USD günstiger als das reguläre OS/2, das 249 USD kostete,[31] und prinzipiell auch ohne Windows verwendbar, dann jedoch ohne Unterstützung für Windowsprogramme.[30] Im Juli 1994 kam OS/2 2.11 SMP heraus,[32] die erste Version von OS/2 mit Unterstützung für Mehrprozessorsysteme mit bis zu 16 Prozessoren.[33]

Die Veröffentlichung von OS/2 2.1 stand ganz im Zeichen der wachsenden Konkurrenz vor allem durch das sich in Entwicklung befindliche Windows NT des Konkurrenten Microsoft, aber auch durch grafische Unix-Systeme. OS/2 2.x hatte den Zeitvorteil, da es bereits ein Jahr lang auf dem Markt war und dadurch bereits mit 32-Bit-Anwendungen aufwarten konnte. Allerdings lief das Betriebssystem nur auf dem x86-Prozessor und zeigte erhebliche Defizite sowohl im Sicherheits- als auch im Netzwerkbereich.[29]

OS/2 3.x[Bearbeiten]

IBM kündigte an, an einer neuen Version von OS/2 unter dem Namen Personal OS/2 zu arbeiten. Diese sollte einen geringeren Speicherverbrauch aufweisen und so direkt mit Windows 3.1 konkurrieren.[31] Aus Personal OS/2 wurde zunächst OS/2 3.0[34] und im Oktober 1994 erschien das Betriebssystem unter der Bezeichnung OS/2 Warp.[35] OS/2 Warp erschien zunächst, ähnlich wie OS/2 2.1 zuvor, in zwei Versionen, die aufgrund ihrer Verpackung auch Blue Spine und Red Spine genannt wurden: Blue Spine enthielt wie in vorherigen Versionen die Win-OS/2-Umgebung, während Red Spine ein bereits installiertes Windows verwendete.[36]

OS/2 Warp enthielt hauptsächlich einige Verbesserungen der grafischen Benutzeroberfläche, unter anderem das LaunchPad zum schnelleren Start von Programmen. Die größte Neuerung war jedoch das beiliegende BonusPak, mit dem IBM dem Mangel an Anwendungen für OS/2 begegnete. Darunter befanden sich etwa IBM Works, eine Sammlung von Büroanwendungen ähnlich dem Konkurrenzprodukt Microsoft Works sowie eine Sammlung an Internetprogrammen, das eine einfache Möglichkeit bot, sich über ein Modem ins Internet einzuwählen und mittels den beiliegenden Programmen wie einem Webbrowser zu benutzen.[37] Im Mai 1995 folgte OS/2 Warp Connect, welches ähnlich wie die normale Version von OS/2 Warp jeweils als Blue Spine und Red Spine erschien. Diese Version von OS/2 bot gegenüber der normalen Version von OS/2 zusätzliche Netzwerkfunktionen, wie TCP/IP-Unterstützung, einen NetWare-Client, eine Datei- und Druckerfreigabe sowie einen Remoteclient ähnlich dem Remote Access Service unter Windows.[38]

Am 26. Februar 1996[39] erschien OS/2 Warp Server 4.0 – trotz des Namens eine Version von OS/2 Warp 3.0 – und trat die Nachfolge des vormals separaten Produkts LAN Server an. Dieser bietet unter anderem einen DHCP-Server und dynamisches DNS. Zudem integrierte IBM zahlreiche Produkte, die zuvor separat bezogen mussten, in das Betriebssystem. Dazu zählt etwa das Systemverwaltungsprogramm SystemView, mit dem sowohl der Server als auch die angeschlossenen Clients verwaltet werden kann, eine Backuplösung namens Personally Safe and Sound, sowie einen Replikationsdienst für Laptops.[40] OS/2 Warp Server 4.0 erschien sowohl in einer normalen Version zum Preis von 629 USD als auch in der Advanced-Version für 1299 USD; letztere unterstützte mehr Clients, das Dateisystem HPFS386,[41] softwareseitiges RAID sowie Disk Quotas.[42] Im September 1996 folgte eine Version von OS/2 Warp Server 4.0 Advanced mit SMP-Unterstützung.[43]

Im Jahr 1995 verkaufte IBM 5,4 Millionen Kopien von OS/2, davon 2,1 Millionen zusammen mit IBM-Computern, 2,2 Millionen im Handel und 1,1 Millionen über OEMs.[44]

OS/2 4.x[Bearbeiten]

Im September 1995 kündigte IBM eine neue Version von OS/2 mit dem Codenamen Merlin an, die im März 1996 erscheinen sollte.[45] Dieser Termin verzögerte sich jedoch und so startete IBM erst am 13. Juni den Betatest von Merlin, bei dem eine Vorversion des Betriebssystems an 10.000 Tester herausgegeben wurde.[46] Zeitweise plante IBM, Unterstützung für 32-Bit-Windowsanwendungen in Merlin zu implementieren, sah aber von diesem Vorhaben ab.[47] Nach einem weiteren Betatest im August[48] stellte IBM OS/2 Warp 4.0 am 25. September 1996 vor.[49] OS/2 Warp 4.0 enthielt eine komplett überarbeitete Benutzeroberfläche. Über das WarpCenter, das das LaunchPad ersetzt, können Programme über ein Drop-Down-Menü gestartet werden, ähnlich wie beim Startmenü unter Windows 95.[50] Mit der Funktion VoiceType kann das Betriebssystem über eine Spracheingabe gesteuert werden. Außerdem enthielt das Betriebssystem eine Java-Runtime sowie das zugehörige Java Development Kit. OS/2 Warp 4.0 implementierte erstmals OpenGL und enthielt zudem Open32, das die Portierung von 32-Bit-Windowsanwendungen auf OS/2 vereinfachen sollte. Im Gegensatz zur vorherigen Version gab es keine unterschiedlichen Varianten von OS/2 Warp 4.0; das Betriebssystem enthielt sowohl die Netzwerkfunktionen als auch die Win-OS/2-Umgebung.[51]

Vor allem Firmen kritisierten diese Version von OS/2. Die neuen Funktionen dieser Version von OS/2 seien hauptsächlich für Heimanwender interessant, für Unternehmen bedeuteten sie lediglich zusätzliche Schulungskosten. Als OS/2 Warp 4 erschien, benutzten die meisten Unternehmen noch die Version 2.11, einige hatten erst die Migration auf den Vorgänger OS/2 Warp abgeschlossen. Gleichzeitig mehrten sich die Anzeichen, dass IBM sein Engagement an OS/2 aufgeben würde, auch wenn das Unternehmen zusicherte, das Betriebssystem noch mindestens zehn Jahre zu unterstützen.[52] Im November 1997 erschien mit WorkSpace on-demand eine OS/2-basierte Thin Client-Lösung.[53]

Im Mai 1999 veröffentlichte IBM OS/2 Warp Server for e-business.[54] Diese Version von OS/2, die wie die vorherige Version symmetrisches Multiprocessing mit bis zu vier Prozessoren unterstützt, enthält ein neues, stabileres Dateisystem namens Journaled File System, Unterstützung für das Jahr 2000 und das Eurozeichen. Netzwerkmäßig bietet das Betriebssystem eine Portierung des Apache Web Servers unter dem Namen Domino Go sowie WebSphere, ein Anwendungsserver mit Unterstützung für Java Server Pages. Mit einem Preis von USD 1699 galt diese Version von OS/2 als stark überteuert und allerhöchstens für bestehende OS/2-Nutzer interessant.[55]

Im Jahr 2000 gab IBM bekannt, ein Convenience Pack jeweils für Warp 4 und Warp Server zu veröffentlichen. Dieses Convenience Pack enthielt eine bootfähige Installations-CD mit allen bisher erschienen Aktualisierungen. Dies sollte die Installation von OS/2 vor allem auf neueren Systemen vereinfachen, für das bisher eine zeitraubende Installation von Fixpacks, Gerätetreibern und aktueller Software notwendig war. Das Convenience Pack war lediglich über ein Abonnement bei IBM erhältlich.[56] Gleichzeitig arbeitete das Unternehmen Serenity Systems an einer Weiterentwicklung von OS/2 Warp 4 unter dem Namen eComStation, dessen erste Version 2001 erhältlich war.[57]

Schließlich kündigte IBM im Jahr 2005 an, die Unterstützung von OS/2 zum Ende des Jahres 2006 einzustellen. Den Kunden empfahl das Unternehmen ein Umstieg auf Linux.[58] Das unter der Federführung von Serenity Systems entwickelte eComStation hingegen wird bis heute unterstützt.[59]

Beschreibung[Bearbeiten]

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Im Heimbereich war OS/2 wegen seiner Stabilität und des schon auf Rechnern mit i286-Prozessor effizienten Multitaskings als Basis für Mailboxen sehr beliebt. Die Version OS/2 Warp 3 war Mitte der 1990er Jahre auf den Rechnern einiger Computerketten (unter anderem Vobis, Escom) vorinstalliert. Dies war allerdings eine größtenteils auf Deutschland beschränkte Erscheinung. Dort konnte OS/2 Mitte der 1990er Jahre einen gewissen Marktanteil gewinnen. Weltweit konnte sich OS/2 jedoch nie gegen Windows durchsetzen, unter anderem, weil es höhere Anforderungen an die Hardware stellte. Insbesondere waren mindestens 8 MiB Arbeitsspeicher notwendig, um die Leistungsfähigkeit wirklich nutzen zu können. Dies war zu dieser Zeit noch recht teuer. Viele Vorinstallationen hatten das Problem, dass die Rechner nur 4 MiB Arbeitsspeicher hatten und deshalb sehr langsam waren, da das System permanent mit Auslagern auf die Festplatte beschäftigt war.

Durch das schlechte und widersprüchliche Marketing von IBM war ein Scheitern am Markt vorbestimmt; IBM bewarb OS/2 auf der einen Seite als Lösung für jugendliche Computerfreaks, hatte aber andererseits einen Großteil Firmenkunden, die ganz andere Anforderungen stellten. Spiele gab es vergleichsweise wenige, brauchbare Büroanwendungen nur von wenigen Herstellern, unter anderem Lotus 1-2-3 und StarOffice. Die Büroanwendungen von Microsoft waren zwar verfügbar, diese waren jedoch 16-Bit basiert, deutlich langsamer und instabiler als ihre Windows-Pendants.

OS/2 sollte ferner für den PowerPC-Prozessor weiterentwickelt werden. Dabei war auch eine Version im Gespräch, die auf Macintosh-Rechnern von Apple laufen sollte. Eine Variante sollte das betagte Mac OS ablösen, das nicht zu präemptivem Multitasking fähig war. Apple ist aber sehr schnell aus dieser Entwicklung ausgestiegen, so dass eine breitere Basis für das Betriebssystem nicht vorhanden war. In der Computerwoche hieß es z. B.: „Laut Infoworld soll ein Wechsel zwischen Mac OS und OS/2 für Power-PCs möglich sein. Dabei werde der Kernel des Apple-Betriebssystems ausgetauscht und jener Speicherbaustein abgeschaltet, der in allen Macs Teile des Betriebssystems enthält.“[60] Dieses wurde dann präzisiert: „Auf Power-PCs laufen zur Zeit die Betriebssysteme Mac-OS 7.1.2 und Windows NT, demnächst wohl auch IBMs OS/2.“[61] Dass es dann aber nicht so weit kam, war ein weiterer Grund für das Scheitern von OS/2.

OS/2 hatte von Anfang an Eigenschaften, die erst später in anderen PC-Betriebssystemen umgesetzt wurden. Ein Beispiel ist der Speicherschutz, welcher verhindert, dass eine fehlerhafte Anwendung ein anderes Programm oder das gesamte System in Mitleidenschaft zieht. Dazu kommt präemptives Multitasking. Ein weiteres Beispiel ist die Möglichkeit, für verschiedene Programme (aus Kompatibilitätsgründen) mehrere Versionen einer Programmbibliothek gleichzeitig halten zu können. Diese Möglichkeit bot Microsoft erst mit Windows NT 3.1.

Verwendung des Betriebssystems heute[Bearbeiten]

Mittlerweile wird OS/2 im Heim-Bereich wegen des geringeren Angebots aktueller Software kaum noch eingesetzt, und auch bei Banken, Versicherungen und Fluggesellschaften ist die Nutzung rückläufig. Neue Installationen werden meistens mit der eComStation-Distribution realisiert. Daneben findet es noch im Bereich der Haustechnik und der Sicherheitstechnik Verwendung. Außerdem füllt es eine Nische in der Fertigungsindustrie aus.

Bisher blieben OS/2 und die eComStation (eCS) praktisch von Gefahren wie Viren, Trojanern und Würmern verschont. Dies ist allerdings weniger auf die Systemarchitektur als mehr auf den geringen Marktanteil[62] zurückzuführen.

Präsentations-Manager[Bearbeiten]

Die mit Version 1.1 eingeführte grafische Benutzeroberfläche wird als Präsentations-Manager (engl. Presentation Manager, PM) bezeichnet und entspricht den IBM-Richtlinien SAA und CUA. Ab Version 2.0 wurde die Arbeitsoberfläche (engl. Workplace Shell, WPS) als objektorientierte Benutzerschnittstelle verwendet, welche auf der Objekttechnik SOM basiert. Das Design der WPS hatte ein Problem: Es gab für die Benutzereingabe nur eine Message-Queue. Blockiert eine fehlerhafte Anwendung diese, gibt es keine Möglichkeit mehr mit dem Betriebssystem zu kommunizieren.

Ein Projekt, die WPS auf einen neuen Betriebssystemunterbau zu bringen, heißt Voyager.[63]

Windows und OS/2[Bearbeiten]

OS/2 konnte neben speziell für OS/2 entwickelten Programmen auch in mehreren virtuellen Maschinen MS-DOS-Programme und mittels WinOS/2 Windows-3.1-Programme ausführen. Mit Win32s und vor allem dem Projekt Odin[64] ist es möglich, einige Win32-Programme innerhalb der OS/2-Umgebung zu nutzen. Über Virtual PC, das vor der Übernahme von Connectix durch Microsoft auch für OS/2 verfügbar war, oder Bochs lassen sich auch komplette Win32-Umgebungen starten.

Für die einfache Überführung von Windows in OS/2-Anwendungen existiert die Schnittstelle Open32. Zudem gibt es Bibliotheken und Entwicklungswerkzeuge, welche die Portierung von Unix-Anwendungen unterstützen.

Versionsgeschichte[Bearbeiten]

16-Bit-Versionen[Bearbeiten]

  • IBM
    • IBM BS/2 1.0
    • IBM BS/2 1.1
      • Standardversion – Oktober 1988, erstmals mit Präsentations-Manager
      • Erweiterte Version – Anfang 1989, zusätzlich mit LAN-Requester
    • IBM OS/2 1.2
      • Standardversion – November 1989, Installierbare Dateisysteme, HPFS
      • Erweiterte Version – Januar 1990
    • IBM OS/2 1.3
      • Standardversion – November 1990
      • Erweiterte Version – Februar 1991
  • Microsoft (OEM)
    • Microsoft OS/2 1.0 – November 1987
    • Microsoft OS/2 1.1 – Oktober 1988, mit Presentation Manager
    • Microsoft OS/2 1.2 – November 1989, Unterstützung für HPFS
    • Microsoft OS/2 1.3 – November 1990, Grundlage für den MS LAN Manager 2.1, bereits mit HPFS386

32-Bit-Versionen[Bearbeiten]

  • IBM
    • IBM OS/2 2.0 Limited Edition - 1991 Vorabversion
    • IBM OS/2 2.0 – 31. März 1992, 32 Bit, i386-basiert.
    • IBM OS/2 2.1 – Mai 1993
    • IBM OS/2 2.1 für Windows – Dezember 1993, ein OS/2 2.1, 3.0 Warp ohne Windows-3.1-Emulation. Die Original-Windows-3.1/3.11-Installation wurde dabei integriert. Selbiges gilt auch für OS/2 Warp 3.0 für Windows.
    • IBM OS/2 2.11 – Februar 1994
    • IBM OS/2 Warp 3.0 – September 1994
    • IBM OS/2 Warp 3.0 für Windows – Oktober 1994
    • IBM OS/2 2.11 SMP – Dezember 1994, Unterstützt SMP bis 16 Prozessoren
    • IBM OS/2 Warp Connect 3.0 – 1995
    • IBM OS/2 Warp Server 4.0 Aurora – 1996, Grundsystem war OS/2 Warp 3.0 Connect mit den neuesten Bugfixes und der neuesten Version des TCP/IP-Stacks. Es gab eine Standard- und eine Advanced-Version. Letztere enthielt mehr Netzwerkzeuge und das Dateisystem HPFS386.
    • IBM OS/2 Warp 4 Merlin – September 1996, OpenGL-Unterstützung
    • IBM WorkSpace on-Demand 1.0 – 1997
    • IBM WorkSpace on-Demand 2.0 – 1999
    • IBM OS/2 Warp Server for e-Business (4.50) – 1999
    • IBM OS/2 Warp 4.51 Convenience Package 1 – Dezember 2000
    • IBM OS/2 Warp 4.52 Convenience Package 2 – Januar 2002
  • in Lizenz von Serenity Systems
    • eComStation 1.0 – 2001
    • eComStation 1.1 – 2003
    • eComStation 1.2 – 2004 (Überarbeitung: eComStation 1.2R – 2006)
    • eComStation 2.0 – 2010
    • eComStation 2.1 – 2011

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: OS/2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Letwin, S. 7
  2. a b Letwin, S. 8
  3. a b c Charles Petzold: OS/2: A new beginning for PC applications. In: PC Magazine. 7, Nr. 7, 12. April 1988, S. 273–296.
  4. Microsoft OS/2(TM) Offers Significant New Functionality for Personal Computers and Integrated Graphical User Interface. 2. April 1987. Abgerufen am 7. Oktober 2013.
  5. Microsoft Operating System/2™ Software Development Kit Provides Tools to Allow Application Development for New Operating System. 2. April 1987. Abgerufen am 7. Oktober 2013.
  6. Edward Warner: Microsoft's Presentation Manager Due Out This Fall. In: InfoWorld. 9, Nr. 22, 1. Juni 1987, S. 1, 121.
  7. Alice LaPlante: IBM Ships OS/2 Four Months Early. In: InfoWorld. 9, Nr. 49, 7. Dezember 1987, S. 1, 3.
  8. Scott Mace: Zenith First to Ship Microsoft OS/2. In: InfoWorld. 9, Nr. 51, 21. Dezember 1987, S. 1, 3.
  9. Mary Petrosky: IBM primps OS/2 EE on eve of debut. In: Network World. 5, Nr. 29, 18. Juli 1988, S. 1, 52.
  10. Rachel Parker, Ed Scannell: OS/2 1.1 Meets Shipping Deadline: Publishers to Demonstrate Products Using Presentation Manager. In: InfoWorld. 10, Nr. 44, 31. Oktober 1988, S. 1, 85.
  11. Michael J. Miller: Presentation Manager Offers Surprises. In: InfoWorld. 10, Nr. 44, 31. Oktober 1988, S. 1, 85.
  12. Peggy Watt: Users Still Wait for Solid OS/2 Products. In: InfoWorld. 11, Nr. 17, 24. April 1989, S. 17, 24.
  13. Rachel Parket: IBM, Borland to Bundle OS/2 With SideKick for PM. In: InfoWorld. 10, Nr. 46, 14. November 1988, S. 5.
  14. Charles Petzold: The Truth About Presentation Manager. In: PC Magazine. 8, Nr. 7, 11. April 1988, S. 187–203.
  15. Charles Petzold: OS/2 1.2 Offers New File System, Enhanced Shell. In: PC Magazine. 8, Nr. 21, 12. Dezember 1988, S. 43.
  16. Patricia Keefe: OS/2 trimmed down in hopes of a better fit. In: Computerworld. 24, Nr. 44, 5. November 1990, S. 1, 153.
  17. William F. Zachmann: Microsoft Vs. IBM: A look inside the power struggles between Microsoft and IBM over OS/2. In: PC Magazine. 10, Nr. 2, 29. Januar 1991, S. 95–96.
  18. Michael L. Vasu, Debra W. Stewart, G. David Garson: Organizational behavior and public management, 3. Ausgabe, Marcel Dekker, New York 1998, ISBN 0824701356.
  19. Transcript of a Video History Interview with Mr. William "Bill" Gates. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
  20. Brett Glass: Windows, OS/2 debate is still a hot topic: Software vendors with limited resources are still forced to choose between Windows and OS/2 development. In: InfoWorld. 13, Nr. 21, 27. Mai 1991, S. 66.
  21. Rachel Parker: Two giants with own views: IBM needs OS/2; Microsoft does Windows. In: InfoWorld. 12, Nr. 52, 24. Dezember 1990, S. 8.
  22. Stuart J. Johnston: Microsoft drops OS/2 2.0 API, revamps 32-bit Windows plan: Users face choice between OS/2 and Windows NT. In: InfoWorld. 13, Nr. 27, 8. Juli 1991, S. 1, 103.
  23. Ed Scannell, Lisa Picarille: IBM goes on offensive in OS/2 2.0 market war. In: InfoWorld. 14, Nr. 14, 6. April 1992, S. 8.
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