Oberdachstetten

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oberdachstetten
Oberdachstetten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberdachstetten hervorgehoben
49.41583333333310.423611111111442Koordinaten: 49° 25′ N, 10° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Ansbach
Höhe: 442 m ü. NHN
Fläche: 23,66 km²
Einwohner: 1592 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91617
Vorwahlen: 09845, 09829 (Berglein, Dörflein, Mitteldachstetten)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: AN, DKB, FEU, ROT
Gemeindeschlüssel: 09 5 71 183
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 7
91617 Oberdachstetten
Webpräsenz: www.oberdachstetten.de
Bürgermeister: Martin Assum (CSU)
Lage der Gemeinde Oberdachstetten im Landkreis Ansbach
Landkreis Donau-Ries Ansbach Fürth Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Landkreis Fürth Landkreis Roth Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen Unterer Wald Lehrberg Adelshofen (Mittelfranken) Bechhofen (Mittelfranken) Bruckberg (Mittelfranken) Buch am Wald Burk Colmberg Dentlein am Forst Diebach Dietenhofen Dinkelsbühl Dombühl Ehingen (Mittelfranken) Feuchtwangen Flachslanden Gebsattel Gerolfingen Geslau Heilsbronn Insingen Langfurth Leutershausen Lichtenau (Mittelfranken) Merkendorf (Mittelfranken) Mönchsroth Neuendettelsau Neusitz Oberdachstetten Ohrenbach Petersaurach Röckingen Rothenburg ob der Tauber Rügland Sachsen bei Ansbach Schillingsfürst Schnelldorf Schopfloch (Mittelfranken) Steinsfeld Unterschwaningen Wassertrüdingen Weidenbach (Mittelfranken) Weihenzell Weiltingen Wettringen (Mittelfranken) Wieseth Windelsbach Windsbach Wittelshofen Wörnitz (Gemeinde) Wolframs-Eschenbach Wilburgstetten Ornbau Mitteleschenbach Herrieden Dürrwangen Burgoberbach Aurach (Landkreis Ansbach) Arberg Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Oberdachstetten (umgangssprachlich: Dōchschdedn[2]) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und liegt im Bereich der Frankenhöhe.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Oberdachstetten liegt am nördlichen Rand des Landkreises Ansbach im Regierungsbezirk Mittelfranken. Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Illesheim, Obernzenn, Flachslanden, Lehrberg, Colmberg und Marktbergel.

Mit einer Höhenlage zwischen 416 und 534 m über NN liegt Oberdachstetten inmitten des Naturparkes Frankenhöhe (416–534 m über NN) am Oberlauf der Fränkischen Rezat.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Oberdachstetten besteht offiziell aus den zehn Ortsteilen

Klima[Bearbeiten]

In Oberdachstetten beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 643 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Seit dem frühen Mittelalter gab es eine Stätte, an der die Bevölkerung der Umgebung an bestimmten Tagen zu einem sogenannten Tageding (Gerichtsverhandlung) zusammenkam. Im Jahr 1105 wurde aus dem Wort Tageding Tagesteten und schließlich Oberdachstetten. Oberdachstetten war im Mittelalter ein freies Reichsdorf mit eigener Gerichtsbarkeit, darauf weisen im Wappen der Reichsadler und die Schwurhand hin. Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich hier Exulanten aus Oberösterreich an, die ihre Heimat aus Glaubensgründen hatten verlassen müssen.[3] 1860 brachte der Bau der Eisenbahn einen Strukturwandel und neue Arbeitsplätze. Der Einzugsbereich von Oberdachstetten wuchs weit in das Umland hinein. Erstmals war es möglich, auch auswärts einen Arbeitsplatz aufzusuchen. Ein Steinbruch bei Oberdachstetten florierte bis 1930. Bereits im Jahr 1900 hatte Oberdachstetten 725 Einwohner. Ab 1945 galt es über 300 Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufzunehmen. Die Einwohnerzahl hatte sich 1950 auf 1172 erhöht. Eingezwängt zwischen Bahnlinie und Bundesstraße hatte Oberdachstetten über Jahre hinweg wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Nach erheblichen Investitionen in die Infrastruktur war in den letzten 15 Jahren eine weiträumige Erschließung von Baugelände möglich. Innerhalb der letzten Jahre wurden 150 neue Wohnhäuser gebaut und die Einwohnerzahl erhöhte sich fast um die Hälfte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde Mitteldachstetten nach Oberdachstetten eingemeindet. Am 1. Juli 1972 folgte Anfelden.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Gemeinde Oberdachstetten mit eingemeindeten Ortsteilen:

  • 1939: 1348
  • 1950: 1940
  • 1961: 1615
  • 1970: 1628
  • 1979: 1365
  • 2003: 1736
  • 2008: 1687

Gemeinde Oberdachstetten ohne eingemeindete Ortsteile:

  • 1910: 0692 [5]
  • 1933: 0712
  • 1939: 0841 [6]
  • 1961: 1056
  • 1963: 1062
  • 1970: 1158

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat hat 12 Mitglieder, dazu kommt der nebenamtliche Bürgermeister.

SPD CSU WG Eintracht Mitteldachstetten Gesamt
2002 3 7 2 12 Sitze
2008[7] 3 7 2 12 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die Bürgermeister der Gemeinde Oberdachstetten ab 1900, soweit diese bekannt sind:

  • 1906 Johann Siller
  • 1940 Friedrich Eder
  • 1945 Johann Henninger
  • 1961 Georg Assum
  • 1984 Hans Assum, † 13. Januar 2012
  • 2012 Fritz Moßmeyer
  • 2014 Martin Assum

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: Das Wappen ist gespalten; und zeigt links in Gold einen rotbewehrten halben schwarzen Adler; rechts ist es in zwei Felder geteilt, von denen das obere in Rot einen silbernen Handschuh und das untere in Silber ein schwarzes Tatzenkreuz besitzt. Oberdachstetten gehörte mit Mittel- und dem abgegangenen Unterdachstetten zu den sogenannten Reichsdörfern. Diese nachweisliche Bindung an das Deutsche Reich wird mit dem halben Reichsadler angezeigt. Der Handschuh ist ein Symbol der örtlichen Gerichtshoheit, da es 1417 und 1539 sowohl in Oberdachstetten, als auch in Mitteldachstetten nachweislich ein Gericht gegeben hat. Das Tatzenkreuz weist auf den Deutschen Orden hin, der seit 1438 das Patronatsrecht in Oberdachstetten, in Mitteldachstetten ausgedehnten Grund- und Zehntbesitz, in Berglein und Dörflein die Gemeinde und Dorfherrschaft besaß. Die im Wappen häufig vorkommenden Farben weiß und rot wurden auch für die Gemeindefahne ausgewählt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Oberdachstetten liegt an der Bahnstrecke Treuchtlingen–Würzburg. Hier halten täglich jeweils über 20 Züge von und nach Ansbach (12 Minuten) und Würzburg (50 Minuten). Vom Bahnhof fahren auch die Buslinien nach Ansbach und Rothenburg ob der Tauber. Verkehrsgünstig unmittelbar an der Bundesstraße 13 (Würzburg – München) gelegen, sind von Oberdachstetten aus die nächstgrößeren Städte gut zu erreichen (Nürnberg 55 km, Würzburg 59 km, Ansbach 18 km, Rothenburg ob der Tauber 23 km – nächste BAB-Auffahrt (Bad Windsheim, A7) 15 km)

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Nur einige hundert Meter vom Ort entfernt liegt ein Badeweiher mit Jugendzeltplatz, Beachvolleyball-Feld, Liegewiese und Bolzplatz. In einem Blockhaus sind dort außerdem ein Aufenthaltsraum mit einer Küche, Duschen und Toiletten untergebracht.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

1899 wurde dem hiesigen Förster Habermeyer, der tatkräftig zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr und dem Darlehenskassa-Verein beigetragen hatte, das Ehrenbürgerrecht verliehen. Weitere Ehrenbürger sind nicht bekannt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Oberdachstetten zählen die St.-Bartholomäus-Kirche und die Kirchen in Mitteldachstetten und Berglein.

Die St.-Bartholomäus-Kirche wurde in der Zeit 1837 bis 1844 im Stile des Münchener Klassizismus errichtet. Das Geläut besteht aus vier Glocken, wobei die älteste im Jahr 1616 in Nürnberg, die große Glocke 1791 in Ansbach und die kleine Glocke 1926 in Rothenburg gegossen wurde. Im Jahr 1961 wurde die vierte Glocke gestiftet.

Bei den Kirchen in Berglein und Mitteldachstetten handelt es sich um Wehrkirchen.

Die Kirche in Berglein ist den Kirchheiligen Kilian und Kunigunde gewidmet. Der Chorturm (mit anschließender Sakristei) enthält mittelalterliche Mauerreste.

Die Kirche in Mitteldachstetten ist dem Kirchheiligen Jakob gewidmet. Sie wurde erstmals im Jahr 1122 urkundlich erwähnt. Der Chorturm wurde Ende 14. Jahrhunderts errichtet und hat Schießscharten. Der Saalbau stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Kirchweih in Oberdachstetten findet alljährlich am 3. Sonntag im Oktober mit dem traditionellen Kirchweih-Umzug als Höhepunkt statt, dessen Anfänge in die Zeit um 1900 zurückreichen. Angeführt wird der Umzug von den Kerwa-Buam, die von Musikanten unterstützt ihre Kerwa-Liedli singen. Den Abschluss des Zuges bildet das Pariser Eilrad. Dabei setzen sich wagemutige Kerwa-Buam auf ein Wagenrad, das von einem Traktor durch den Ort gezogen wird. In der Mitte des Zuges werden von den Kerwa-Buam auf aufwändig gestalteten Wagen die lustigen, aber auch ernsten Themen aus und um Oberdachstetten schauspielerisch gezeigt. Mittlerweile ist der Dochstetter-Kerwa-Umzug weit über die Ortsgrenze hinaus bekannt und beliebt.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Teufelsgraben und die sogenannte Spinnerin. Diese Örtlichkeiten liegen am Wanderweg von Oberdachstetten nach Westheim. Einer Sage nach soll die Jungfrau Apollonia Hufnagel von Anfelden nach Westheim zur Spinnstube gegangen sein. Dort habe man unter anderem auch von dem verrufenen Teufelsgraben im Walde zwischen Anfelden und Westheim gesprochen, wo es nicht geheuer sei. Das Mädchen habe erklärt, dass es sich auch vor dem Teufel nicht fürchte und auch um Mitternacht am Teufelsgraben spinnen wolle. Das habe die Apollonia auch wirklich getan. Am anderen Tag sei sie mit umgedrehten Hals tot aufgefunden worden. Ein Grabdenkmal in Form eines romanischen Kreuzes erinnert an die Spinnerin.

Auch der Ursprung der Fränkischen Rezat liegt im Gemeindegebiet von Oberdachstetten. Auf dem Wanderweg von Oberdachstetten nach Marktbergel kommt man an der Rezatquelle vorbei.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Oberdachstetten

Freizeit[Bearbeiten]

Durch seine Lage im Naturpark Frankenhöhe lädt das Gemeindegebiet Oberdachstetten zu zahlreichen Wanderungen oder Radwanderungen ein.

So führt zum Beispiel der Biberttalradweg durch Oberdachstetten, der sich mit dem Burgenstraßenradweg und dem Zenntalradweg quer durch das romantische Franken verbinden lässt. Der von Bamberg kommende Aischtalradweg führt ebenfalls durch das Gemeindegebiet. Ausführliche Routenangaben sind der Radwanderkarte der NorA (Kommunale Allianz) zu entnehmen.

Der gemeindeeigene Badeweiher besitzt eine Liegewiese und ein Volleyballfeld. Sanitäre Anlagen sind vorhanden. Der dem Badeweiher angegliederte Jugendzeltplatz mit Betriebsgebäude wird in den Sommermonaten von den Jugendorganisationen angenommen.

Zwei Fußballplätze, drei Tennisplätze und ein Schießhaus stehen ebenfalls für sportliche Aktivitäten zur Verfügung.

In Oberdachstetten und seinen Gemeindeteilen stehen ausreichend Gastronomiebetriebe mit und ohne Übernachtungsangebot zur Verfügung.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Krusche: „Am Ursprung der Rezat“ Oberdachstetter Dorfchronik 1988
  • Robert Krusche: "Dochstetter und andere Kerwaliedli" Kirchweihlieder 1978 (Musikalisch Überarbeitet von Günter Hochreiner)
  • Der Landkreis Ansbach. Vergangenheit und Gegenwart, R. A. Hoeppner, Aßling-Pörsdorf/Obb. 1964, S. 180f.
  • Elisabeth Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, Erlangen 1955, S. 145ff.
  • Günter P. Fehring: Stadt und Landkreis Ansbach, Deutscher Kunstverlag München 1958, S. 131.
  • Josef Maier: Evangelisch-lutherische Kirche St. Bartholomäus in Oberdachstetten. Untersuchung anhand historischer Quellen; In: Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 96 (1992); S. 111-142.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberdachstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. E. Fechter, S. 145.
  3.  Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen. Eine familiengeschichtliche Untersuchung (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 15). Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2006, ISBN 3-929865-10-6, S. 57 u. passim.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 421.
  5. http://www.ulischubert.de/geografie/gem1900/gem1900.htm?mittelfranken/ansbach.htm
  6. http://geschichte-on-demand.de/bay_ansbach.html
  7. Wahlleiter der Gemeinde Oberdachstetten: Bekanntmachung des Ergebnisses der Wahl des Gemeinderats am 2. März 2008