Oberes Mittelrheintal

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Karte des Mittelrheins

Das Obere Mittelrheintal ist eine naturräumliche Haupteinheit innerhalb der Haupteinheitengruppe Mittelrheingebiet am Mittelrhein. Sie erstreckt sich rheinaufwärts im Südosten etwa bis zu einer Linie, die die Rochuskapelle in Bingen mit dem Niederwalddenkmal in Rüdesheim verbindet, und rheinabwärts im Nordwesten bis zur Lahn-Mündung bei Lahnstein, unmittelbar oberhalb von Koblenz.

Das Obere Mittelrheintal liegt in Rheinland-Pfalz, am südlicheren Ostufer auch in Hessen, und trennt den Taunus im Osten vom Hunsrück im Westen.

Am 27. Juni 2002 wurde das Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal mit dem nach Norden leicht erweiterten Verlauf bis zur Moselmündung in Koblenz die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.[1]

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten]

Das Obere Mittelrheintal gliedert sich wie folgt: [2][3][4][5]

Blick von Bingerbrück zum Binger Loch mit Mäuseturm und Ruine Ehrenfels. Das braune Wasser im Vordergrund stammt aus der Einmündung der Nahe

Binger Pforte[Bearbeiten]

Die Binger Pforte umfasst das Rheintal vom Rüdesheim/Bingen bis einschließlich Trechtingshausen. Sie trennt den linksrheinischen, rheinland-pfälzischen Binger Wald vom rechtsseitigen und hessischen Hohen Taunus mit dem Niederwald und dem sich nördlich anschließenden Rheingaugebirge. Der Rhein hat mit einer Breite von durchschnittlich etwa 300 m nur noch die Hälfte seiner Breite vor dem Eintritt in die Pforte bei Rüdesheim.

In Bingen mündet die Nahe von links in den Rhein. Am sich einen Kilometer stromabwärts anschließenden Binger Loch ändert der Rhein seine Richtung von Westen nach Norden, die er gegen Ende der Pforte in Nordwesten ändert. In der Binger Pforte sind die Kammlagen auf beiden Rheinseiten nur etwa 2 km voneinander entfernt und die Steilhänge beginnen oftmals unmittelbar am Flussufer.[6][2][7]

Blick über Kaub rheinaufwärts nach Süden

Bacharacher Tal[Bearbeiten]

Das Bacharacher Tal umfasst das Rheintal von Niederheimbach über Lorch, Bacharach und Kaub bis oberhalb Oberwesels. Es trennt die Südosthälfte des linksrheinischen, rheinland-pfälzischen Südöstlichen Rheinhunsrück vom rechtsseitigen und überwiegend hessischen Wispertaunus und dem sich nördlich auf rheinland-pfälzischem Boden anschließenden Süden des Mittelrheintaunus.

In Lorch mündet von rechts die Wisper, deren Mündungstal sich zunächst entlang der Stadt nach Nordosten, dann nach Osten in die Bergrücken einschneidet. Analog schneidet sich in Bacharach das Tal linksseitig zur Münzbach-Mündung ein. Beim Austritt des Rheines ist der Fluss gut 300 m breit.[2][8]

St. Goarer Tal[Bearbeiten]

Das St. Goarer Tal umfasst das kurvig verlaufende Rheintal von Oberwesel über St. Goar und St. Goarshausen bis unmittelbar oberhalb von Bad Salzig. Es liegt ganz in Rheinland-Pfalz und trennt die Nordwesthälfte des linksrheinischen Südöstlichen Rheinhunsrück vom rechtsseitigen zentralen Teil des Mittelrheintaunus.

In mehreren bis unter 90° starken Kurven verengt sich der Rhein auf unter 200 Meter. Die Ufer sind schmal und bieten so in unmittelbarer Flussnähe nur wenig Siedlungsfläche. Es schließen sich hoch aufragende Steilhänge an, in den Höhenlagen herrscht sanft gewellter Plateaucharakter vor, mit zunehmender Entfernung vom Rhein immer weiter ansteigend. Typisches Beispiel für diese Art von Bodenrelief und weltbekannt ist die Loreley, im Zentrum dieses Naturraums gelegen.

Besiedelt sind mit Ausnahme der genannten Städte fast nur die Hänge und Höhenlagen.[2][9]

Bopparder Schlingen[Bearbeiten]

Die Bopparder Schlingen umfassen das Rheintal von Bad Salzig über Boppard bis zur Talverengung unmittelbar oberhalb von Lahnstein. Die Talsenke liegt ganz in Rheinland-Pfalz und trennt Mittleren und Waldeschen Rheinhunsrück links des Rheines vom rechtsseitigen Norden des Mittelrheintaunus.

Unmittelbar am namensgebenden Ort beschreibt der Fluss von einer leichten Linkskurve ausgehend eine rechtsseitige Wendung um über 180°, um bei Osterspai eine ca. 135° starke Linkskurve zu gehen. An den jeweiligen Kurvenaußenseiten sind die Hänge auffallend steil.[2][10]

Lahnsteiner Pforte[Bearbeiten]

Die Lahnsteiner Pforte umfasst nur die Talenge des Rheintales unmittelbar im Bereich der Lahnmündung in Lahnstein. Sie liegt ganz in Rheinland-Pfalz, an der Nahtstelle vom Nordosten des Waldeschen Rheinhunsrück auf der linken Seite, dem Nordwesten des Mittelrheintaunus rechtsseitig im Süden, dem Unteren Lahntal rechtsseitig zentral und dem äußersten Südwesten der Horchheimer Höhe (Niederwesterwald) rechtsseitig im Norden.

Unmittelbar oberhalb der knapp 5 km langen Pforte schließt sich in der Neuwieder Rheintalweitung bereits der oberste Abschnitt des Mittelrheinischen Beckens an. Jedoch wird landläufig deren oberhalb der Moselmündung gelegener teil oft noch zum Oberen Mittelrhein gezählt.[2][11]

Gebiet zwischen Lahn- und Moselmündung[Bearbeiten]

Der Rhein von oberhalb der Lahnmündung in Lahnstein bis zur Moselmündung am Deutschen Eck in Koblenz gehört nach der streng naturräumlichen Ordnung bereits zur Neuwieder Rheintalweitung (291.0) als Zentrum des Neuwieder Beckens und damit zum Mittelrheinischen Becken (291).[2][12] Er ist indes explizit als Bestandteil des Weltkulturerbes aufgeführt. Dieses ist auch insofern nicht unlogisch, als das Moseltal und das Gießen-Koblenzer Lahntal die links- und rechtsrheinischen Fortsetzungen ein und derselben Talsenke darstellen.

Nebenflüsse[Bearbeiten]

Die folgenden, im Oberen Mittelrheintal mündenden Nebenflüsse sind rheinaufwärts, von Nord nach Süd, geordnet: [13][14]

Name
Zufluss-
seite
Länge
[km]
Einzugs-
gebiet
[km²]
Mündungs-
höhe
[m. ü. NN]
Mündungs-
ort
Abschnitt
Straßen
DGKZ
Mosel links 544,0 28153.3 61 Koblenz Neuwieder Rheintalweitung B 49, B 416 26
Mühlenbach rechts 6,9 10,6 61 KO-Ehrenbreitstein Neuwieder Rheintalweitung K 20 25-98
Rhein-Lache links 4,2 5,7 62 KO-Oberwerth Neuwieder Rheintalweitung B 327 25-92
Königsbach links 0,9 0,8 62 KO-Stolzenfels Neuwieder Rheintalweitung 25-912
Lahn rechts 245,6 5924,5 63 Lahnstein Lahnsteiner Pforte B 260 25-8
Ahrbach links 7,3 9,6 64 Rhens Bopparder Schlingen 25-794
Zollbach rechts 7,0 30,5 67 Braubach Bopparder Schlingen L 335* 25-78
Dinkholderbach rechts 3,9 6,1 67 gegenüber Oberspay Bopparder Schlingen 25-778
Mühltalbach links 6,0 15,6 67 Boppard Bopparder Schlingen L 207 25-776
Bruder-Michels-Talbach links 3,7 8,0 68 Boppard Bopparder Schlingen 25-7752
Salzigerbach links 3,4 6,4 68 Bad Salzig Bopparder Schlingen L 212 25-7738
Wellmicher Bach rechts 9,3 25,6 69 Wellmich St. Goarer Tal L 334 25-772
Gründelbach links 9,2 24,0 69 St. Goar St. Goarer Tal L 206 25-76
Hasenbach rechts 9,4 35,4 69 St. Goarshausen St. Goarer Tal B 274 25-74
Forstbach rechts 12,1 27,0 70 St. Goarshausen St. Goarer Tal L 338 25-738
Urbach rechts 6,1 6,2 71 gegenüber Urbar St. Goarer Tal 25-7374
Niederbach links 10,7 21,5 71 Oberwesel St. Goarer Tal 25-7372
Oberbach links 10,0 26,3 71 Oberwesel St. Goarer Tal L 220 25-736
Holzbach rechts 5,2 7,4 71 Kaub Bacharacher Tal L 339 25-734
Münzbach links 6,2 19,7 72 Bacharach Bacharacher Tal L 224 25-732
Gailsbach links 5,7 10,4 73 Rheindiebach Bacharacher Tal K 27 25-72
Wisper rechts 29,7 209,1 73 Lorch Bacharacher Tal L 3033 25-6
Heimbach links 6,2 14,8 74 Niederheimbach Bacharacher Tal K 28 25-58
Bodentaler Bach rechts 2,2 3,6 75 gegenüber Trechtingshausen Binger Pforte 25-56
Morgenbach links 6,9 14,9 76 Morgenbachthal Binger Pforte 25-54
Aulhausener Bach (Eichbach) rechts 4,0 8,1 77 Assmannshausen Binger Pforte L 3034 25-52
Nahe links 125,1 4067,1 78 Bingen Binger Pforte B 9, B 48 25-4

(*: Die L335 folgt dem linken Nebenfluss Dachshausener Mühlbach)

Neben den deutlich an den Enden mündenden Großflüssen Nahe, Lahn und Mosel ist die Wisper der einzige wirkliche Fluss.

Die Abflüsse (MQ) der genannten Flüsse betragen:

  • Mosel 315 m³/s
  • Lahn 54 m³/s
  • Nahe 30,3 m³/s
  • Wisper 1,271 m³/s

Welterbe[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. PDF (440kB) Dokument zum Unesco-Welterbe von rheingau-taunus.de - PDF, 440 kB
  2. a b c d e f g Heinrich Müller-Miny, Martin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 138 Koblenz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1970. → Online-Karte (PDF, 5,6 MB)
  3. Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  4. Landschaftssteckbrief (Großlandschaft) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  5. Karte und Legende zu den Naturräumen Hessens (Online-Kopie von Die Naturräume Hessens, Otto Klausing 1988) im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie
  6. Harald Uhlig: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 150 Mainz. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1964. → Online-Karte (PDF, 5,6 MB)
  7. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  8. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  9. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  10. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  11. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  12. Landschaftssteckbrief (Landschaftsraum) des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (Hinweise)
  13. Geoexplorer der Wasserwirtschaftsverwaltung Rheinland-Pfalz
  14. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)

Allgemeine Quellen[Bearbeiten]