Oberhessische Eisenbahn-Gesellschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Oberhessische Eisenbahn-Gesellschaft war ein privates Unternehmen mit dem Ziel, in der zum Großherzogtum Hessen gehörenden Provinz Oberhessen Eisenbahnstrecken zu bauen und zu betreiben.

Während die Main-Weser-Bahn die im Westen der Provinz Oberhessen gelegene Wetterau bereits in den Jahren 1850 bis 1852 an den neuzeitlichen Verkehr anschloss, blieb der Hauptteil rund um den Vogelsberg noch jahrelang ohne Bahnanschluss. Erst in den Jahren 1868/69 wurde unter Mitwirkung des Frankfurter Bankhauses Erlanger & Söhne und mit finanzieller Unterstützung durch den Hessischen Staat die Oberhessische Eisenbahn-Gesellschaft gegründet.

Sie ließ durch eine belgische Gesellschaft vom Bahnhof Gießen ausgehend die Strecken nach Gelnhausen (heute Lahn-Kinzig-Bahn) und Fulda (heute Vogelsbergbahn) bauen. Am 29. Dezember 1869 konnte der Verkehr von Gießen bis Hungen, am 29. Juni 1870 bis Nidda und am 30. Oktober 1870 bis Büdingen eröffnet werden. Die Gesamtstrecke der Lahn-Kinzig-Bahn bis Gelnhausen, die eine Querverbindung von 70 km Länge am Westrand des Vogelsbergs zur Kinzigtalbahn herstellte, war am 30. November 1870 vollendet.

Durch die nördlichen Ausläufer des Vogelsbergs führte die 106 km lange Verbindung von Gießen nach Fulda, deren erste Teilstrecke bis Grünberg am 29. Dezember 1869 den Betrieb aufnahm. Auch hier verzögerte sich der Bahnbau durch den deutsch-französischen Krieg, so dass am 29. Juli 1870 bis Alsfeld, am 30. Oktober 1870 bis Lauterbach und zum Jahresende bis Bad Salzschlirf gefahren werden konnte. Der restliche Streckenabschnitt bis Fulda folgte erst am 31. Juli 1871. Von der Gesamtlänge beider Strecken lagen 28 km auf preußischem Gebiet.

Die Nachfrage nach Leistungen blieb sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr hinter den Erwartungen zurück. Daher kam es zu einem Vertrag zwischen der Gesellschaft und dem Großherzogtum Hessen, wonach dieses mit Wirkung vom 1. Januar 1876 Eigentümer der Bahn wurde. Der Staat richtete für die Oberhessischen Eisenbahnen in der Provinzhauptstadt Gießen eine Eisenbahndirektion ein.

Dies bildete den Grundstein für die Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arthur von Mayer: Geschichte und Geographie der Deutschen Eisenbahnen, Berlin 1894