Oberkommando der Wehrmacht

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Oberkommando der Wehrmacht
Balkenkreuz
Aktiv 4. Februar 1938 bis 1945
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Typ Hauptquartier der Wehrmacht
Sitz des OKW Wünsdorf bei Zossen/ Berlin
Kommandeur
Chef OKW (1938-1945) Wilhelm Keitel
Insignien
Kommandoflagge Chef OKW 1938–1941
Chef OKW Version 1.svg
Kommandoflagge Chef OKW im Rang Generalfeldmarschall 1941–1945
Chef des Oberkommandos der Wehrmacht als Generalfeldmarschall.svg

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) zählte mit dem Oberkommando des Heeres (OKH), dem Oberkommando der Marine (OKM) und dem Oberkommando der Luftwaffe (OKL) zu den höchsten Stabsorganisationen der Wehrmacht. Das OKW und die Oberkommandos der drei Teilstreitkräfte übernahmen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich Planungsaufgaben. Sie waren dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, unterstellt. Einen Befehlsweg vom OKW zu den anderen Oberkommandos, die über eigene Generalstäbe verfügten, gab es nicht.

Der Hauptsitz des OKW war in Wünsdorf bei Zossen in der Bunkeranlage „Maybach II“, südlich von Berlin. Am jeweiligen Standort des Führerhauptquartiers gab es eine Feldstaffel.

Am Ende des Krieges verlegte das OKW seinen Sitz nach Krampnitz und anschließend nach Neuroofen am Stechlinsee in Brandenburg.[1]

Gründung[Bearbeiten]

Hitler nutzte die Blomberg-Fritsch-Krise, die mit der Demission des Reichswehrministers Blomberg endete, um die Führungsspitze der Wehrmacht stärker auf seine Person und die NSDAP zu verpflichten. Er übernahm selbst die Funktion des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers und gliederte das Wehrmachtamt um zum „Oberkommando der Wehrmacht“ in der Funktion eines militärischen Stabes. An seine Spitze setzte er die ihm treu ergebenen Generale Wilhelm Keitel und Alfred Jodl. Gleichzeitig erhielt das Heer mit Walther von Brauchitsch einen neuen Oberbefehlshaber, der direkten Zugang zu Hitler erhielt. Weitere sechzehn Generale wurden von ihren Kommandostellen abgelöst. Weil die Oberbefehlshaber aller Teilstreitkräfte Vortragsrecht bei Hitler erhielten, konnte Keitel nicht mehr die Belange der Wehrmacht als Ganzes vertreten. Keitel konnte nur partiell die Funktionen des Stellvertretenden Kriegsministers übernehmen, nur insoweit, wie es die Oberbefehlshaber der Teilstreitkräfte Heer, Marine und Luftwaffe zuließen.

Die rechtliche Grundlage wurde am 4. Februar 1938 mit einem Führererlass geschaffen. Darin heißt es:

Erlaß über die Führung der Wehrmacht
vom 4. Februar 1938.
Die Befehlsgewalt über die gesamte Wehrmacht übe ich von jetzt an unmittelbar persönlich aus.
Das bisherige Wehrmachtamt im Reichskriegsministerium tritt mit seinen Aufgaben als „Oberkommando der Wehrmacht” und als mein militärischer Stab unmittelbar unter meinen Befehl.
An der Spitze des Stabes des Oberkommandos der Wehrmacht steht der bisherige Chef des Wehrmachtamts als „Chef des Oberkommandos der Wehrmacht”. Er ist im Range den Reichsministern gleichgestellt.
Das Oberkommando der Wehrmacht nimmt zugleich die Geschäfte des Reichskriegsministeriums wahr, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht übt in meinem Auftrage die bisher dem Reichskriegsminister zustehenden Befugnisse aus.
Dem Oberkommando der Wehrmacht obliegt im Frieden nach meinen Weisungen die einheitliche Vorbereitung der Reichsverteidigung auf allen Gebieten.
Berlin, den 4. Februar 1938

Verurteilung wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit[Bearbeiten]

Der Generalstab und das Oberkommando der Wehrmacht wurden im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zwar angeklagt, konnte aber aus formalen Gründen nicht, wie etwa die Waffen-SS, als verbrecherische Organisation verurteilt werden, da hier keine Organisation im juristischen Sinne vorlag. Das Gericht empfahl, den Mitgliedern einzeln den Prozess zu machen. Dies geschah im Nürnberger Prozess Oberkommando der Wehrmacht, in dem OKW-Generäle und Oberbefehlshaber von Armee- und Heeresgruppen angeklagt wurden. Zentrale Anklagepunkte waren die Weitergabe verbrecherischer Befehle wie des Kommissarbefehls von 1941, der die Erschießung aller politischen Kommissare der Roten Armee anordnete, die millionenfache Ermordung von Kriegsgefangenen und die Beteiligung am Judenmord. Elf Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und lebenslänglich verurteilt, zwei wurden freigesprochen.[2]

Gliederung[Bearbeiten]

Das OKW gliederte sich in sechs Ämter, die Adjutantur beim Führer und den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht:

  • Amtsgruppe Allgemeines Wehrmachtamt (AWA) (Chef: 1939–1945 General der Infanterie Hermann Reinecke)
    • Abteilung Inland
    • Allgemeine Abteilung
    • Wehrmachtfürsorge- und -versorgungsabteilung
    • Wehrmachtfachschulunterricht
    • Wissenschaft
    • Wehrmachtverwaltungsabteilung
    • General zu besonderen Verfügung für Kriegsgefangenenwesen
    • Abteilung Wehrmachtverlustwesen (WVW)
  • Amtsgruppe Ausland/Abwehr (militärische Spionage) (Chef: 1. September 1939 bis 12. Februar 1944 Admiral Wilhelm Canaris; 13. Februar bis 1. Juni 1944 Oberst i.G. Georg Hansen, 1. Juni 1944 bis 4. Mai 1945 SS-Brigadeführer Walter Schellenberg, ab 5. Mai 1945 SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny)
    • Chef des Stabes
    • Zentralabteilung (Chef: 1. September 1939 bis Januar 1944 Generalmajor Hans Oster, Januar bis Juni 1944 Oberst Jacobsen)
    • Abteilung Ausland (Chef: 1. September 1939 bis 30. Juni 1944 Vizeadmiral Leopold Bürkner)
      • Gruppe I: Außen- und Wehrpolitik
      • Gruppe II: Beziehung zu fremden Wehrmächten
      • Gruppe III: Fremde Wehrmachten, Meldesammelstelle des OKW
      • Gruppe IV: Etappenorganisation der Kriegsmarine
      • Gruppe V: Auslandspresse
      • Gruppe VI: Militärische Untersuchungsstelle für Kriegsvölkerrecht
      • Gruppe VII: Kolonialfragen
      • Gruppe VIII: Wehrauswertung
    • Abteilung Nachrichtenbeschaffung (Chef: 1. September 1939 bis März 1943 Oberst Hans Piekenbrock, März 1943 bis Februar 1944 Oberst Georg Hansen)
      • Gruppe H: Geheimer Meldedienst Heer
      • Gruppe M: Geheimer Meldedienst Marine
      • Gruppe L: Geheimer Meldedienst Luftwaffe
      • Gruppe G: Technische Arbeitsmittel
      • Gruppe wi: Geheimer Meldedienst Wirtschaft
      • Gruppe P: Presseauswertung
      • Gruppe i: Funknetz Abwehr Funkstelle
    • Abteilung Sonderdienst (Chef: 1. September 1939 bis Juli 1943 Oberst Erwin von Lahousen, Juli 1943 bis Juni 1944 Oberst Wessel Freiherr von Freytag-Loringhoven)
      • Gruppe I: Minderheiten
      • Gruppe II: Sondermaßnahmen
    • Abteilung Abwehr (Chef: 1. September 1939 bis August 1943 Oberst Franz Eccard von Bentivegni, August bis 20. September 1943 Oberst Heinrich, 20. September 1943 bis März 1944 Oberst Franz Eccard von Bentivegni)
      • Führungsgruppe W: Abwehr in der Wehrmacht
      • Gruppe Wi: Abwehr Wirtschaft
      • Gruppe C: Abwehr Inland
      • Gruppe F: Abwehr Ausland
      • Gruppe D: Sonderdienst
      • Gruppe S: Sabotageabwehr
      • Gruppe G: Gutachten
      • Gruppe Z: Zentralarchiv
    • Auslands(telegramm)prüfstelle
      • Gruppe I: Sortierung
      • Gruppe II: Chemische Untersuchung
      • Gruppe III: Privatbriefe
      • Gruppe IV: Handelsbriefe
      • Gruppe V: Feldpostbriefe
      • Gruppe VI: Kriegsgefangenenbriefe
      • Gruppe VII: Zentralkartei
      • Gruppe VIII: Auswertung
      • Gruppe IX: Kriegsgefangenen-Brief-Auswertung
  • Wehrmacht-Zentral-Abteilung
    • Gruppe I Mobile Gruppe
    • Gruppe II Personalgruppe
    • Gruppe III Allgemeines
    • Referat IV Personalangelegenheiten
    • Registratur
    • Verwaltungsreferat
    • Bürodirektor der OKW
    • Bücherei der OKW
    • Stabsquartier der OKW
  • Wehrwirtschaftsamt
    • Wehrwirtschaftliche Abteilung
    • Rüstungswirtschaftliche Abteilung
    • Rohstoffabteilung
    • Abteilung Vertrags- und Preisprüfwesen

Außerdem waren das Reichskriegsgericht und das Reichsfürsorge- und Versorgungsgericht dem OKW organisatorisch zugeordnet. Ab 1942 kamen ferner der Stab z.b.V. unter General der Infanterie Walter von Unruh sowie am 17. Mai 1942 der Beauftragte des Führers für die militärische Geschichtsschreibung Walter Scherff hinzu.

Kriegstagebuch[Bearbeiten]

Die Kriegstagebücher des OKW wurden von 1940 bis 1945 von der Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtführungsstab geführt. Darin werden die Strategien, Schlachten, Truppenbewegungen, Frontverläufe, Kriegsziele und -pläne sowie Lageeinschätzungen der obersten Wehrmachtführung beschrieben. Schriftführer des KTB/OKW waren Helmuth Greiner (bis 1943) und Percy Ernst Schramm.

Von 1961 bis 1965 wurden die Kriegstagebücher des Oberkommandos der Wehrmacht nach Bearbeitung durch Historiker und im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung in vier Bänden im Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, Frankfurt am Main, herausgegeben:

Bei der Originalausgabe bestehen die Bände II bis IV jeweils aus zwei Teilbänden; bei der Studienausgabe ist auch der I. Band in zwei Teilbände aufgeteilt, die dann neu durchnummeriert wurden als Band 1 bis 8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Geoffrey P. Megargee: Hitler und die Generäle. Das Ringen um die Führung der Wehrmacht 1933–1945, Paderborn: Ferdinand Schöningh, ISBN 978-3-506-75633-6.
    • orig. Inside Hitler's High Command, Lawrence: Univ. Press of Kansas 2000, ISBN 0-7006-1015-4.
  • Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Bd. 1: 1. August 1940–31. Dezember 1941, Augsburg 2005, DNB.
  • Percy Ernst Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab) 1940–1945. Bde. 1–8, Bernard u. Graefe Verlag München; Lizenzausgabe für den Pawlak Verlag, Herrsching 1982, ISBN 3881990739.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Standarten des OKW – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Weißbecker Wilhelm Keitel " ... man ist so ein Lump geworden" In: Kurt Pätzold / Manfred Weißbecker (Hg.) Stufen zum Galgen. Lebenswege vor den Nürnberger Urteilen, Militzke-Verlag, Leipzig 2004, S. 113.
  2. Annette Weinke: Die Nürnberger Prozesse. C.H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-53604-2, S. 80–84.