Oberleitungsbus San Francisco

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Ein Oberleitungsbus vom Typ ETI/Vossloh Kiepe 14TrSF auf der Linie 1 California.

Der Oberleitungsbus San Francisco ist der Oberleitungsbus-Betrieb der Stadt San Francisco in den Vereinigten Staaten. Dort betreibt das Verkehrsunternehmen San Francisco Municipal Railway, kurz Muni, das nach dem Oberleitungsbus Athen/Piräus zweitgrößte Oberleitungsbus-Netz der westlichen Welt und eines von sechs in den USA. Der Betrieb wurde – noch von der Muni-Vorgängergesellschaft Market Street Railway – am 6. Oktober 1935 eröffnet,[1] heute verkehren auf 14 Linien insgesamt 300 Fahrzeuge. Der Oberleitungsbus ergänzt die schienengebundenen Systeme Caltrain, Bay Area Rapid Transit, Muni Metro, die San Francisco Cable Cars und außerdem die Straßenbahnlinie F Market & Wharves, mit der er sich abschnittsweise die Oberleitung teilt. Eine Besonderheit des Betriebs sind die starken Steigungen, auf der Linie 24 ist beispielsweise eine 228 Promille steile Passage zu überwinden.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Marmon-Herrington-Museumswagen Nummer 776 im Jahr 2012
Der St. Louis Car Company-Museumswagen Nummer 506 im Jahr 2012

Bereits 1931 gab die Eisenbahnkommission des Staates Kalifornien die Empfehlung ab, in San Francisco den Betrieb von Oberleitungsbussen aufzunehmen.[3] Am 6. Oktober 1935 nahm dann die Market Street Railway die erste Linie, die Linie 33, in Betrieb. Noch heute verkehrt sie auf dem damaligen Linienweg. 1941 eröffnete die Muni mit der Linie R zwischen Army und Howard Street dem Beispiel die erste eigene Oberleitungsbuslinie. Als die Market Street Railway 1944 von der Muni übernommen wurde, gingen deren Fahrzeuge samt Infrastruktur an letztere über. Die Muni hatte zur Eröffnung ihrer Linie 25 O-Busse von der St. Louis Car Company bestellt, von denen 15 kriegsbedingt erst 1947 in Betrieb gingen.[3]

Zur Umstrukturierung der Muni ab 1947 gehörte auch die Umstellung von Straßenbahnlinien auf Oberleitungsbus, insgesamt wurden bis 1952 14 neue Oberleitungsbuslinien in Betrieb genommen.[4][5] Deshalb wurde eine grosse Zahl von Fahrzeugen von Marmon-Herrington und Twin Coach beschafft. Bis 1952 stieg die Zahl der Oberleitungsbusse auf insgesamt 365 Wagen.[3] Die kürzesten der Marmon-Herrington-Wagen schieden bereits 1960 wieder aus dem Bestand der Muni aus, weil nach der Eröffnung des Candlestick Park die Verstärkerfahrten zum Seals Stadium entfielen.[3]

Ein New Flyer E800 im Jahr 1983

In den folgenden Jahren drehte sich in San Francisco alles um den Bau der Bay Area Rapid Transit (BART) und der Market Street Subway. Durch die unebenen Strassenverhältnisse bei den Baustellen erlitten die Federungen der meisten Twin Coach-Wagen Schäden und die Fahrzeuge wurden in andere Betriebshöfe verlegt.[3] Um die in die Jahre gekommenen Oberleitungsbusse aus den 1940er Jahren zu ersetzen, wurden 1974 nach erfolgreichem Test zweier Prototypen 343 neue O-Busse des Typs E800 bei New Flyer bestellt.[3] Anfang der 1980er Jahre waren einige der Dieselbusse der Muni am Ende ihrer Lebenszeit angelangt, weshalb die Verfügbarkeit zunehmend mangelhaft war. Die Muni stellte daraufhin mehrere Linien – teils nach Anpassung der Route – auf Oberleitungsbus um.[6] Zeitweise existierte mit der Linie 82 sogar ein Shuttle in der Innenstadt, der mit O-Bussen als Ersatz für Dieselbusse gefahren wurde.[5] Im Zuge dieser Modernisierungswelle wurden 1981 die Linie 55 (kurz darauf mit der Linie 1 verknüpft) und 1983 die Linie 24 elektrifiziert, welche aufgrund ihrer steilen Linienführung teils zu Problemen im Omnibusbetrieb geführt hatten.[3]

Ab 1991 wurde der erste von insgesamt 60 Gelenkwagen vom Typ New Flyer E60 in Betrieb genommen und auf der Linie 31 eingesetzt. Hintergrund für diesen Einsatz war nicht die Fahrgastkapazität, sondern der verbaute Rollstuhllift, welcher bereits durch die zuvor eingesetzten Dieselbusse angeboten werden konnte.[3] 1995 wurde der Betrieb auf der Oberleitungsbuslinie 8 eingestellt, da ab diesem Zeitpunkt die F Line oberirdisch auf der Market Street zwischen dem Ferry Building und der Castro Station verkehrte. Ab 1999 wurde eine erneute Flottenerneuerung vorangetrieben, in dem zwei Prototypen des Typs ETI/Vossloh 14TrSF in Betrieb genommen wurden. Diese wurden zwischen 2001 und 2003 um 238 weitere Solotrolleybusse ergänzt, welche die New-Flyer E800 ablösten.[6] Die 33 Gelenkwagen des Typs ETI/Vossloh, welche ab 2003 in Betrieb genommen wurden, ersetzten die Gelenkwagen aus den 1990er Jahren hingegen nur zum Teil.[6]

Per 5. Dezember 2009 wurden Sparmassnahmen umgesetzt, welche dazu geführt haben, dass die O-Buslinien 4, 7 und 20 eingestellt sowie andere Linien gekürzt und Takte reduziert wurden.[7] Die Linie 20 war erst 2007 zur Eröffnung der Linie T der Muni Metro eingeführt worden.[7][5]

Anfangs 2014 gab die Muni bekannt, sich einer Bestellung von New Flyer Xcelsior-Trolleybussen mit elektrischer Ausrüstung von Vossloh Kiepe für Seattle angeschlossen und 60 Gelenkwagen des Typs XT60 bestellt zu haben.[8]

Linien[Bearbeiten]

ehemalige[Bearbeiten]

Nr. Name Inbetriebnahme[4][5] Einstellung[4][5] Bemerkungen
04 Sutter 21. Januar 1951 05. Dezember 2009 Ab 2005 nur noch zur Hauptverkehrszeit
07 Haight 03. Juli 1949 05. Dezember 2009 Ab 2005 nur noch zur Hauptverkehrszeit
08 Market 03. Juli 1949 29. Dezember 1995[9] Durch Strassenbahnlinie F ersetzt
09 Richland 18. März 1950 23. August 1983 Grösstenteils durch Linie 14 ersetzt
09 San Bruno 1992 23. September 2005 Fünf Kurse zur Morgenspitze
12 Mission-Ocean 18. Mai 1952 23. August 1983 Teilweise durch Linie 49 ersetzt
20 Columbus 02. Juli 2007 05. Dezember 2009
47 Van Ness 1951 09. Juni 2001 Durch Linie 49 ersetzt
55 Sacramento 1981 1982 kurzzeitig O-Bus-Betrieb vor der Umnummerierung zur Linie 1
82 Shuttle zur Hauptverkehrszeit in der Innenstadt aufgrund von Dieselbus-Knappheit anfangs der 1980er Jahre
0E Union 09. Juni 1947 01. Februar 1949 Ursprüngliche Linienbezeichnung der Linie 41
0R Howard 07. September 1941 28. März 1971 Ab 1947 mit Linie E kombiniert, zur Linie 12 umnummeriert

heutige[Bearbeiten]

Nr. Name Route Inbetriebnahme[4] Bemerkungen
01 California Drumm Street – California Street – 32nd Avenue 21. Januar 1981 Durch Zusammenlegung der Linien 1 und 55 (Omnibus) entstanden
03 Jackson Sutter Street – Jackson Street – Walnut Street 21. Januar 1951
05 Fulton Transbay Terminal – Fulton Street – La Playa 03. Juli 1949 Bis 1983 5 McAllister
06 Parnassus Ferry Plaza – Parnassus Street – Quintara Street 03. Juli 1949 Bis 1983 6 Masonic
14 Mission Ferry Plaza – Mission Street – San Jose Avenue 06. Januar 1952
21 Hayes Ferry Plaza – Hayes Street – Saint Marys Hospital 03. Januar 1949
22 Fillmore 20th Station – Fillmore Street – Marina Boulevard 16. Januar 1949 24-Stunden-Betrieb[4]
24 Divisadero Jackson Street – Divisadero Street – Oakdale Palou Station 24. August 1983
30 Stockton Caltrain Depot – Stockton Street – Jefferson Beach 21. Januar 1951
31 Balboa Ferry Plaza – Balboa Street – La Playa 09. Juli 1993 Bis 1994 Mischbetrieb mit Omnibussen
33 Stayan Maple Street – Stanyan Street – Utah/25th Street 06. Oktober 1935 Ursprünglich von der Market Street Railway betrieben, bis 1988 33 Ashbury
41 Union Main Street – Union Street – Lyon Street 19. Juni 1947 Bis 1949 Linie E, Seit 1. Oktober 1988 nur zur Hauptverkehrszeit
45 Union/Stockton Lyon Street – Union Street – Stockton Street – Caltrain Depot 1970er Bis 1988 45 Greenwich
49 Van Ness/Mission North Point Street – Van Ness Avenue – Mission Street – City College 24. August 1983

Der Endpunkt San Jose Avenue der Linie 14 liegt bereits in der Nachbarstadt Daly City.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Der durchgehend hochflurige Fahrzeugpark setzt sich aus drei verschiedenen Typen zusammen, darunter 240 Solo- und 61 Gelenkwagen. Letztere kommen auf den Linien 14, 41 und 49 zum Einsatz.

Nummern Stück Hersteller Elektrik Typ Art Baujahre
5401–5640 240 Electric Transit Incorporated / Škoda Kiepe 14TrSF Solo 1999–2003
7001–7059, mit Lücken 28 New Flyer General Electric E60 Gelenk 1993–1994
7101–7133 33 Electric Transit Incorporated / Škoda Kiepe 15TrSF Gelenk 2004

Die Zusatzbezeichnung SF steht für San Francisco, diese beiden Typen wurden eigens für den hier behandelten Betrieb von der Standardbaureihe 14Tr abgeleitet. Der Typ E60 umfasste ursprünglich 60 Exemplare, 32 wurden aufgrund von Sparmaßnahmen und Linienreduzierungen seit 2005 ausgemustert.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trolleybuses in San Francisco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. History of Trolley Buses in San Francisco auf www.sfmta.com
  2. General Information about Transit auf www.sfmta.com
  3. a b c d e f g h Grant Ute, Philip Hoffman, Cameron Beach, Robert Townley, Walter Vielbaum: San Francisco's Municipal Railway Muni. Arcadia Publishing, Charleston (SC) 2011, ISBN 978-0-7385-7580-3
  4. a b c d e San Francisco Routes auf www.sfu.ca
  5. a b c d e San Francisco Former, Curtailed, or Revised Trolleybus Routes auf www.sfu.ca
  6. a b c Hügel für Hügel im Trolleybus in ÖV Panorama Nr. 5 (Herbst 2013), S. 22–27, ISSN 2296-4797
  7. a b San Francisco (US) - Netzreform umgesetzt auf www.trolleymotion.eu
  8. Vossloh stattet Trolleybusse in Seattle und San Francisco mit Traktionssystemen aus auf www.vossloh.com
  9. Trolley Bus History Webarchiv von www.sfmta.com