Oberpullendorf

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Oberpullendorf
Wappen von Oberpullendorf
Oberpullendorf (Österreich)
Oberpullendorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Oberpullendorf
Kfz-Kennzeichen: OP
Fläche: 12,64 km²
Koordinaten: 47° 30′ N, 16° 31′ O47.516.516666666667243Koordinaten: 47° 30′ 0″ N, 16° 31′ 0″ O
Höhe: 243 m ü. A.
Einwohner: 3.062 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 7350
Vorwahl: 02612
Gemeindekennziffer: 1 08 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 9
7350 Oberpullendorf
Website: www.oberpullendorf.at
Politik
Bürgermeister: Rudolf Geißler (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(23 Mitglieder)
13
9
1
13 
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Oberpullendorf im Bezirk Oberpullendorf
Deutschkreutz Draßmarkt Frankenau-Unterpullendorf Großwarasdorf Horitschon Kaisersdorf Kobersdorf Lackenbach Lackendorf Lockenhaus Lutzmannsburg Mannersdorf an der Rabnitz Markt Sankt Martin Neckenmarkt Neutal Nikitsch Oberloisdorf Oberpullendorf Pilgersdorf Piringsdorf Raiding Ritzing (Burgenland) Steinberg-Dörfl Stoob Unterfrauenhaid Unterrabnitz-Schwendgraben Weingraben Weppersdorf BurgenlandLage der Gemeinde Oberpullendorf im Bezirk Oberpullendorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Oberpullendorf (ungarisch: Felsőpulya, kroatisch: Gornja Pulja, Romani: Uprutni Pulja) ist eine Stadt im Burgenland und Bezirksvorort (Burgenländische Bezeichnung für Bezirkshauptstadt) des Bezirks Oberpullendorf in Österreich mit 3062 Einwohnern.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Oberpullendorf liegt im Mittelburgenland, im Zentrum des gleichnamigen Verwaltungsbezirks. Der Stooberbach durchfließt das Gemeindegebiet von Nordwesten nach Südosten.

Die Kuppe (Fenyös erdö) westlich des Ortskerns von Oberpullendorf gehört zum Vulkan von Oberpullendorf. Dieser Vulkan besteht aus zwei übereinander liegenden Lavaströmen. Er wird in die Zeit vor dem bzw. um das Sarmat datiert, ist somit rund zwölf Millionen Jahre alt.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Mitterpullendorf (1102)
  • Oberpullendorf (1902)

Die Stadtgemeinde Oberpullendorf besteht aus den Katastralgemeinden Oberpullendorf und Mitterpullendorf (ungarisch: Középpulya, kroatisch: Sridnja Pulja). Die Katasterfläche von rund 1265 Hektar gliedert sich in landwirtschaftlich genutzte Flächen mit ca. 850 ha und forstwirtschaftlich genutzten Flächen mit ca. 320 ha, während die verbleibende Fläche von ca. 95 ha weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt wird (z. B. Bauland und Verkehrsflächen).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind: Stoob im Norden, Frankenau-Unterpullendorf im Süden, Steinberg-Dörfl im Westen und Großwarasdorf im Osten.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bezirk Oberpullendorf ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Während der jüngeren Eisenzeit (Kelten) befand sich im Bezirk ein blühendes Eisenindustriegebiet. Die systematische Kartierung der urgeschichtlichen Fundplätze nahm der Oberpullendorfer Gärtnermeister und Heimatforscher Josef Polatschek vor.

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Nach der Eingliederung des Königreiches in das Römische Reich, wurde das Gebiet des heutigen Oberpullendorfs der römischen Provinz Pannonia zugeordnet.

Die erste urkundliche Erwähnung der ungarischen Grenzwächtersiedlung des Gyepűsystems aus dem Ende des 10. Jahrhunderts stammt aus dem Jahr 1225. Die wichtigsten adeligen Grundherren waren die Grafen Cseszneky und die Freiherrn Rohonczy.

1853 wurde Oberpullendorf Standort eines ungarischen Steueramtes. Im Jahre 1893 waren anlässlich der Günser Kaisermanöver Kaiser Franz Joseph und der Monarch des deutschen Reiches, Wilhelm II., sowie im Generalstab auch Georg von Rohonczy als Generalmajor in Oberpullendorf anwesend. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Der Ort war noch vor wenigen Jahrzehnten landwirtschaftlich geprägt. 1958 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Oberpullendorf und Mitterpullendorf. Stadtgemeinde ist Oberpullendorf seit 1975.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Blasonierung:
„Auf rotem Schild eine goldene Stadtmauer mit goldenem Tor und aufgezogenem Fallgitter, darüber vorne ein nach rechts gerichteter, mit goldenem Schwert bewaffneter, goldener Löwe, hinten eine von zwei goldenen Ähren begleitete goldene Pflugschar.“

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2001 bekennen sich 67 % zur deutschsprachigen Volksgruppe, 22 % sind Burgenland-Ungarn, 6 % Burgenland-Kroaten, sowie 3 % Kroaten.[1]

Religion[Bearbeiten]

Zur katholischen Kirche bekennen sich 88 % der Bevölkerung, zur evangelischen 5 %. Dem Islam gehören 2 % der Bevölkerung an, ohne Bekenntnis sind 3 %.

Kultur[Bearbeiten]

Zu den jährlichen Fixpunkten zählen u. a.:

  • Neujahrskonzert mit dem Ambassade Orchester Wien (Ensemble der Wiener Symphoniker)
  • Kapplsitzungen der Faschingsgilde Oberpullendorf
  • Kunst.Kontakt.Textil (Ausstellung textiler Kunst)
  • Keramik im Steinbruch (Internationale Keramikkünstler zeigen im einzigartigen Ambiente des Steinbruchs ihre Werke)
  • Pullenale (Oberpullendorfer Kulturtage)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Oberpullendorf
  • Franziskuskirche (erbaut 1707 und damit das älteste Gebäude Oberpullendorfs)
  • ehemaliges Kastell der Familie Rohonczy, heute ein Bildungs- und Tagungszentrum der Diözese Eisenstadt, siehe Schloss Oberpullendorf
  • Schauraum „Ur- und frühgeschichtliche Eisenindustrie“ im Rathaus

Freizeitgestaltung[Bearbeiten]

Hauptplatz mit Event-Bühne

Am Hauptplatz im Stadtzentrum mit Kinderspielplatz und Event-Bühne finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Oberpullendorf verfügt über:

  • ein Sportzentrum mit 7 Sand- und 4 Hallentennisplätzen, 4 Kegelbahnen, 3 Squashcourts, 1 Sport- und Mehrzweckhalle für Fußball, Basketball usw.
  • ein neu errichtetes Stadion mit über 550 Sitzplätzen
  • ein Freibad mit Sportbecken (33,3 Meter), Kinderplanschbecken, Nichtschwimmerbereich, 1 Meter-Sprungbrett, Wasserrutsche, Beachvolleyballplatz, Tischtennistisch, Kinderspielgeräten und 2 Sandkästen
  • einen Veranstaltungsplatz mit „Skaterpark“ und „Streetsoccer“-Möglichkeit sowie einen Modellflugplatz und einen Hundeabrichteplatz.

Unter den Wanderwegen durch die nahen Wälder gibt es einen „Barfuß-Erlebnisweg“, hinzu kommen Radwege und zwei Fischteiche mit Angelmöglichkeit.

Unterhaltung bieten auch die Stadtbibliothek und ein Kino mit drei Vorführsälen.

Der Oberpullendorfer Bahnhof der Burgenlandbahn ist unter anderem auch Ausgangspunkt einer Draisinentour.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen 2012
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,11 %
(+0,64 %p)
38,17 %
(-0,88 %p)
6,33 %
(+1,39 %p)
1,57 %
(-1,26 %p)
2,82 %
(+0,10 %p)
2007

2012

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Die LBL trat 2007 als FBL an

Bürgermeister der Stadt ist Rudolf Geißler (ÖVP).
Die Mandatsverteilung in der Gemeindevertretung ist (seit 7. Oktober 2012): ÖVP 13, SPÖ 9, Grüne 1 Mandate.

Liste der Bürgermeister:

Oberpullendorf
Bürgermeister Amtszeit
Michael Kálmán bis 1904
Johann Kulman jr. 1905–1918
Stefan Tóth-Nagy 1918–1919
Stefan Bösze 1919
Stefan Tóth-Nagy 1919–1923
Josef Silinger 1923–1927
Stefan Maurer 1927–1929
Josef Silinger 1929–1931
Richard Moser 1931–1938
Wilhelm Ubl 1938–1941
Michael Domschitz 1941–1945
Franz Lex 1945–1946
Franz Koó 1946–1947
Emmerich Ribarits 1947–1954
Michael Domschitz 1954–1967
Josef Seifried 1967–1972
August Wutschek 1972–1977
Josef Rathmanner 1977
Paul Kiss 1977–1990
Ernst Kulmann 1990–2002
Anneliese Schmucker 2002–2007
Rudolf Geißler seit 2007
Mitterpullendorf
Bürgermeister Amtszeit
Josef Behofsits bis 1911
Johann Bibarits 1911–1913
Josef Behofsits 1913–1919
Josef Károly 1919–1920
Johann Károly 1920–1921
Josef Behofsits 1921–1923
Franz Lex 1923–1927
Franz Kustor 1927–1938
Paul Csitkovits 1938
Während der Zusammenlegung
Bürgermeister Amtszeit
Josef Ribarits 1946–1946
Franz Farkas 1946–1950
Franz Kustor 1950–1958

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Oberpullendorf präsentiert sich heute als das Verwaltungs-, Schul- und Wirtschaftszentrum der mittelburgenländischen Region. Im Technologiebereich wurde ein Kompetenzzentrum für Umwelttechnik, Recycling und erneuerbare Energien errichtet. Auf dem Gesundheitssektor decken ein Krankenhaus ebenso wie ein Physikalisches Institut, ein Röntgenzentrum und ein Allergieambulatorium sowie diverse Fachärzte den regionalen Bedarf.

Die Stadt ist Standort von über 200 Gewerbebetrieben, ein Großteil davon sind Klein- und Mittelbetriebe. Auch zahlreiche Großunternehmen haben ihren Sitz oder Niederlassungen in Oberpullendorf. Das Arbeitsplatzangebot ist im Vergleich zur Einwohnerzahl hoch: Einer Wohnbevölkerung von 2793 Bürgern standen bei der Volkszählung im Jahr 2001 3267 Beschäftigte gegenüber.

Die größten Arbeitgeber in Oberpullendorf sind unter anderem:

  • Abfallwirtschaft: Zentrale der Umweltdienst Burgenland GmbH; eine 100 %-Tochter des Burgenländischen Müllverbandes mit 195 Beschäftigten und einem Umsatz von 28,1 Millionen Euro (2006)
  • Bauwesen: Zentrale des Bauunternehmens Pfnier & Co GmbH, mit rund 500 Beschäftigten
  • Telekommunikation: Kundenbetreuungszentrum der Telekom Austria
  • Automobilzulieferer: Kromberg und Schubert Austria GmbH & Co KG („Kroschu“), Tochter des deutschen Konzerns, mit etwa 170 Mitarbeitern
  • Tourismus: Gründungsstandort der Blaguss Reisen GmbH, Busunternehmen mit zahlreichen Reisebüros in ganz Österreich
  • Gesundheit: A.Ö. Krankenhaus Oberpullendorf mit rund 400 Beschäftigten

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Oberpullendorf der Burgenlandbahn
Barrierefreie Hauptstraße

Die Stadtgemeinde Oberpullendorf ist über die Burgenland Schnellstraße S 31, Knoten Oberpullendorf oder Oberpullendorf Süd, direkt erreichbar.

Oberpullendorf ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt des Burgenlandes. Die Burgenland Straße B 50, welche das Burgenland von Norden nach Süden durchzieht, die Günser Straße B 61, welche in den Grenzübergang Rattersdorf/ Kőszeg (H) mündet und in weiterer Folge nach Szombathely (H) führt und die Großwarasdorferstraße L 229, welche über Deutschkreutz mit Sopron (H) verbindet, verlaufen durch das Stadtgebiet.

Ein Bahnanschluss (Burgenlandbahn) ist vorhanden, aber seit 1988 auf den Güterverkehr beschränkt. Damit gehört Oberpullendorf neben Oberwart, Güssing, Zwettl und Waidhofen an der Thaya zu den fünf Bezirkshauptstädten Österreichs ohne Anbindung an den öffentlichen Schienenpersonenverkehr.

Im öffentlichen Linienverkehr ist das Burgenland sehr gut mit der Landeshauptstadt Eisenstadt und der Bundeshauptstadt Wien angebunden. Beinahe stündlich verkehren Busse des Verkehrsverbundes Niederösterreich-Burgenland in diese beiden Städte.

Im Jahre 2005 wurde die barrierefreie Hauptstraße im Zentrum der Stadt neu gestaltet und mit über 800 Parkmöglichkeiten ausgestattet.

Bildung[Bearbeiten]

Oberpullendorf ist Standort verschiedener Bildungseinrichtungen:

  • Allgemein-öffentliche Volks- und Sonderschule
  • Allgemein-öffentliche Hauptschule / Neue Mittelschule
  • Zentralmusikschule
  • Polytechnische Schule
  • Öffentliche allgemeinbildende höhere Schule: Bundesgymnasium, Bundesrealgymnasium und Bundesoberstufenrealgymnasium
  • Öffentliche berufsbildende mittlere und höhere Schulen: Bundeshandelsschule und Bundeshandelsakademie
  • Sonderpädagogisches Zentrum
  • Volkshochschule
  • Bildungs- und Tagungszentrum: „Haus St. Stefan“
  • Stadtbibliothek

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Stadt Oberpullendorf. Buch der Stadtgemeinde Oberpullendorf, herausgegeben anlässlich der 750-Jahr- und Stadterhebungsfeierlichkeiten im Jahr 1975.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberpullendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stand 1. Jänner 2014
  2. Friedrich Kümel: Vulkanismus und Tektonik der Landseer Bucht im Burgenland. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. 86. Band Wien 1936. Seiten 203-235 (zum Vulkan siehe Seite 233). (PDF)
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011