Oberriet

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Oberriet
Wappen von Oberriet
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Rheintalw
BFS-Nr.: 3254i1f3f4
Postleitzahl: 9463 (Oberriet)
9462 (Montlingen)
9451 (Kriessern)
UN/LOCODE: CH ORT (Oberriet)
CH KSN (Kriessern)
CH MNG (Montlingen)
Koordinaten: 760876 / 24282547.3166669.566664420Koordinaten: 47° 19′ 0″ N, 9° 34′ 0″ O; CH1903: 760876 / 242825
Höhe: 420 m ü. M.
Fläche: 34.51 km²
Einwohner: 8439 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 245 Einw. pro km²
Website: www.oberriet.ch
Ansicht von Oberriet

Ansicht von Oberriet

Karte
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Oberriet ist eine politische Gemeinde im Wahlkreis Rheintal des Kantons St. Gallen.

Geographie[Bearbeiten]

Begrenzt durch den Alpenrhein und den Ausläufer des Alpsteingebirges liegt die Gemeinde Oberriet im Herzen des St. Galler Rheintals an der Grenze zu Österreich (Vorarlberg). Sie ist mit ihren 34.5 Quadratkilometern eine der grösseren Gemeinden des Kantons St. Gallen. Zur politischen Gemeinde gehören neben dem gleichnamigen Dorf noch die Dörfer Montlingen, Kriessern, Eichenwies und Kobelwald sowie die Weiler Moos, Rehag, Stieg, Freienbach, Stein, Kobelwies, Watt und Hard. Der höchste Punkt Oberriets ist beim Gebiet Zapfen mit 1'302 m ü. M., während der tiefste Punkt mit 407 m ü. M. bei den Brücken über den Rheintaler Binnenkanal (Dreibruggen) an der Verbindungsstrasse zwischen Balgach und Diepoldsau ist.

Oberriet besitzt auch ein besonderes Stück Land: Die Alp Sämtis im Kanton Appenzell Innerrhoden, in der Nähe von Brülisau. Sie ist im Besitz der Ortsgemeinde Allgemeiner Hof Oberriet, liegt aber nicht auf dem Gemeindegebiet. Diese Alp wird als Schönste im Alpstein bezeichnet und es gab schon etliche Streitereien, da die Appenzeller diese Alp zurückbekommen wollten. Die Alp gehört schon sicher seit dem Mittelalter zur Gemeinde Oberriet bzw. zum Reichshof Kriessern.[2][3]

Zwischen den Dörfern befinden sich verschiedene Naturschutzgebiete mit einem grossen Reichtum an Pflanzen- und Tierarten.

Das Gemeindegebiet beträgt 3456 ha, wovon 292.2 ha Bauzone ist. 234.7 ha davon wurde weitgehend überbaut.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Mit dem Stand vom 31. Dezember 2010 hatte die Gemeinde Oberriet total 8254 Einwohner. Nach Geschlechtern getrennt sind es 4239 männliche und 4015 weibliche Einwohner. 6146 Einwohner sind katholisch, 921 reformiert und 1183 gehören einer anderen oder keiner Konfession an.

In der Gemeinde Oberriet wohnten 4087 Ortsbürger, 1812 Kantonsbürger sowie 1289 Bürger der übrigen Schweiz. Oberriet beherbergte 1066 ausländische Staatsangehörige.

Am 31. Dezember 2010 zählte das Dorf Oberriet 2'711 Einwohner. Das entspricht 33 % der Bevölkerung der politischen Gemeinde Oberriet.[4]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1798 1850 1900 1950 2000 2010
Einwohnerzahl 2598 3909 4277 5582 7454 8314

Politik[Bearbeiten]

Gemeinde Oberriet mit ihren Dörfern

Die Gemeinde Oberriet besteht aus den 5 Dörfern Oberriet, Montlingen, Kriessern, Eichenwies und Kobelwald (siehe auch oben). Jedes Dorf ist in einer Ortsgemeinde organisiert. Somit hat die Gemeinde Oberriet 5 Ortsgemeinden, könnte man denken. Aber sie hat 6. Denn als Überbleibsel des Reichshofs Kriessern blieb die Ortsgemeinde "Allgemeiner Hof Oberriet". Alle Bürger einer Ortsgemeinde der polit. Gemeinde Oberriet sind automatisch auch Hofbürger. Dies ist also wie eine Dachorganisation aller Ortsgemeinden.

Der Allgemeine Hof ist vor allem für die Forstwirtschaft der Ortsgemeinden zuständig und besitzt dafür auch einen eigenen Werkhof. Da Diepoldsau auch Wald hat, den der "Allgemeine Hof" pflegt, ist auch die Ortsgemeinde Diepoldsau Mitglied des Hofes. Der Hof hat somit 6 Ortsgemeinden bei sich, die politische Gemeinde Oberriet aber nur 5.

Geschichte[Bearbeiten]

Die historischen Wurzeln der Gemeinde beginnen vor über 3000 Jahren auf dem Montlingerbergli (Monticulus). Damals bot der Inselberg den aus dem Süden eingewanderten Ur-Rätern Schutz vor den Rheinüberflutungen. Diese prähistorische Siedlung gehört zur Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. Später wurden sie von den aus dem Norden nachrückenden Alemannen verdrängt. Diese brachten nebst vielen Sitten und Bräuchen Deutsch als Muttersprache in die Gegend von Oberriet. Noch heute erinnern die urchigen Dialekte im Rheintal an diese Vorfahren.

Burgruine 'Schloss Blatten'

Im 8. Jahrhundert entstand der königliche Reichshof Criesserrun. Durch den Bau eines Gotteshauses in Montlingen im 9. Jahrhundert bildeten sich zwei Zentren im Hof: Die weltliche Verwaltung in Kriessern und der kirchliche Mittelpunkt in Montlingen.

Der deutsche König schenkte 1229 den Hof dem Kloster St. Gallen und Abt Berchthold von Falkenstein liess zur Verteidigung des Besitzes die Burg Blatten erbauen. Der Wehrturm, die einzigen Überreste dieser Burg, ist heute das Wahrzeichen von Oberriet und grüsst von der vordersten Kuppe des Blattenberges alle Reisenden, die von der Autobahnausfahrt Oberriet oder vom Zoll her auf das Dorf zufahren. Bei der Bevölkerung ist die Burgruine als 'Schloss Blatten' bekannt.

Ruine der Höhlenburg Wichenstein

Eine weitere Burgruine, die Höhlenburg Wichenstein, ebenfalls ein Objekt auf der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung, befindet sich in einer Felswand am Semelenberg, unterhalb von Kobelwald.

Von 1490 bis 1798 war das ganze linksrheinische Gebiet des Rheins zwischen Bad Ragaz und Rheineck ein Untertanenland der Eidgenossen.

Mit der französischen Revolution im Jahre 1798 erhielten die schweizerischen Rheintaler von der eidgenössischen Tagsatzung die volle Unabhängigkeit. Doch nur für kurze Zeit gehörte der Hof zur Republik Rheintal. Für fünf Jahre zwängten ihn die französischen Besetzter zum Kanton Säntis, dessen Grenze gegen den Kanton Linth über den Blattenberg verlief. Aus dem freien Reichshof Kriessern entstand 1803 die politische Gemeinde Oberriet.

Innerhalb der Gemeindegrenzen entwickelten sich die fünf Dörfer und schliesslich erhielt auch jedes seine eigene Kirche. Wie überall im Rheintal war hier der Haupterwerbszweig die Landwirtschaft. Später gewannen die Stickereien immer grösserer Wichtigkeit. Zum Industriestandort entwickelte sich die Gemeinde erst langsam nach dem Zweiten Weltkrieg.[5]

In den Anfängen der modernen Gemeinde Oberriet (Anfangs 19. Jahrhundert) teilte sich die Kirche in verschiedene Ortskirchen und die Schule in verschiedene Ortsschulen. In den Jahren 2008 und 2009 wurden aber einige Schulen aus finanziellen Gründen wieder zusammengelegt und die katholischen Pfarreien schlossen sich im März 2009 aus personellen Gründen mit der Pfarrei Rüthi-Lienz zur Seelsorgeeinheit Blattenberg zusammen.

Archäologische Fundstellen[Bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet von Oberriet gibt es zwei bedeutende archäologische Fundstellen.

  • Die prähistorische Höhensiedlung auf dem Montlingerberg kann zwar besucht werden, aber es ist nicht sehr viel zu erkennen, da die Ausgrabungsstellen unter landwirtschaftlich genutztem Land liegen. Einzig ein Blick von der Zuschauerplattform beim einstigen Erdwall lassen das Ausmass der Anlage erahnen.
  • Die Fundstelle des 2011 entdeckten Abri Unterkobel befindet sich auf dem Gelände einer privaten Deponie und kann nicht besichtigt werden. Der nicht geborgene Teil der Ausgrabungsstätte wurde inzwischen wieder zugedeckt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Oberriet ist geprägt durch eine grosse Fläche für Land- und Forstwirtschaft. Dank der Rheinregulierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der gleichzeitig erfolgten Melioration konnte die Landwirtschaftliche Fläche in der Ebene besser genutzt werden. Es entstanden die sogenannten Siedlungen im Riet.

Neben diversen kleinen und mittleren Gewerbebetrieben gibt es drei grössere Industriestandorte auf dem Gebiet der politischen Gemeinde; nördlich von Montlingen (Letzau), nördlich von Eichenwies und östlich vom Dorf Oberriet. Diese drei Areale werden jeweils von einer grösseren Firma dominiert. In Oberriet Ost ist es der Stahl- und Kunststoffrohrproduzent Jansen AG, welcher mit ca. 700 Arbeitsplätzen auch klar der grösste Arbeitgeber der Gemeinde Oberriet ist. In der Eichenwieser Industrie sticht vor allem die Firma Rino Weder AG heraus, welche Fenster, Türen und Fassaden hergestellt, zum Teil aus Produkten der vorher genannten Jansen AG. Das Industriegebiet Letzau in Montlingen wird von Gebäuden der Bezema AG überragt, welche Zulieferer für Textilproduzenten ist. Unter anderen stellt der Betrieb Textilfarben her.

Verkehr[Bearbeiten]

Die zwischen Buchs SG und Altstätten liegende Gemeinde ist in Oberriet und in Kriessern an die Autobahn A13 angeschlossen. Zudem hat es in der Gemeinde 3 Grenzübergänge nach Österreich, nämlich je einen in Oberriet, Montlingen und Kriessern. Zudem hat es in Oberriet einen direkten Zubringer nach Appenzell bzw. Eggerstanden, die Waldstrasse. Diese wird jedoch hauptsächlich von Einheimischen befahren, da sie nicht so bekannt ist und auf Appenzeller Boden nur eine relativ schmale Kiesstrasse ist.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

Oberriet hat zwar einen Bahnhof, doch mangels Regios hielt seit nach der Jahrtausendwende bis Ende 2013 fast kein Zug mehr im Bahnhof. Dafür ist es durch eine Buslinie zwischen Altstätten und Buchs SG verbunden. Auf den Dezember 2013 fand ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Kanton St. Gallen statt, welcher vor allem eine Ring-S-Bahn um den ganzen Kanton beinhaltete. Der Bahnhof Oberriet wurde im Zuge dieser Angebotsverbesserung wieder reaktiviert und heute hält pro Stunde ein Zug in jede Richtung im Bahnhof. Die Buslinie über den Eichberg wurde eingestellt, dafür jene über Montlingen/Kriessern nach Kobelwald verlängert. Im Bereich des Bahnhof Oberriets entstand ein Bushof für 4 Busse, Oberriet wurde ein Umsteigepunkt Bahn/Bus. Zudem wird abgeklärt, ob von Oberriet aus eine Buslinie nach Feldkirch/Rankweil erstellt werden soll. Einige Eckpunkte des Bahnhofausbaus: Es wurde eine Unterführung auf die andere Seite der Geleise gebaut, dadurch sind auch die Sportanlagen im Bildstöckli schneller erreichbar. Zudem fand eine Überdachung der beiden Perrons und den Bushaltekanten statt. Der Güterschuppen wurde abgebrochen und es entstanden zahlreiche Velo- und Autoparkgelegenheiten (Ein Plan der damals geplanten Ausbauten ist im folgenden Link vorhanden).[6][7]

Sonstiges[Bearbeiten]

In den Jahren 2005 und 2006 wurde die Hauptstrasse von Oberriet, welche mitten durchs Dorf führt, komplett renoviert. Verschiedenste Arbeiten zum Auffrischen des Ortsbildes wurden im Zuge dieser Massnahme miterledigt. So wurden alle grossen Vorplätze mit Setzsteinen ausgelegt, moderne Buswartehäuschen sowie neue Strassenlampen wurden aufgestellt.

In älteren Ausgaben des Schulatlas der Schweiz wurde Oberriet als Beispiel eines typischen Strassendorfes gezeigt. Die Bauernhöfe und Gaststätten lagen an der Hauptstrasse mit den dazugehörigen Ländereien auf der Rückseite. Bis 1975 hatte Oberriet aber auch einen umschlossenen und repräsentativen Platz, den sogenannten Postplatz mit seinen klassizistischen Gebäuden wie das Gasthaus "Rössli", die Konkordia, die Post und einige weitere Wohnhäuser. Dieser Platz spielte bei den Strassenlinien von früher (u.a. Arlberg-Schweiz) eine wichtige Rolle beim Verlad von Gütern, bei Übernachtungen und bei Anlässen der Bevölkerung. Direkt hinter dem Postplatz befand sich die alte Gemeindekanzlei im heutigen "Rothus". Die Bedeutung des ehemaligen Postplatzes kommt darin zum Ausdruck, dass im 19. Jahrhundert der neue Bahnhof nicht in der Nähe der Kirche, sondern in der Nähe des Postplatzes angelegt wurde.

In der Gemeinde Oberriet befinden sich sehr viele Vereine[8] mit aktiven Vereinsmitgliedern. So hat es in der Gemeinde z.B. zwei NLA-Ringerclubs, einen Fussballverein, einen Pontonierfahrverein oder auch Jugendvereine (z.B. Jungwacht und Blauring). Eine Besonderheit ist, dass es in der Gemeinde auch 5 Turnvereine gibt. Einen davon in Montlingen und je 2 in Oberriet und Kriessern. In den Letzteren hat es je einen KTV und einen STV. Diese gehen aus den Parteiungen vor der Bundesgründung zurück, zum einen die Konservativen, zum anderen die Liberalen. Der KTV war der Turnverein der katholische-Konservativen und der STV (bzw. früher ETV) der Verein der Liberalen. Heute sind die Vereine aber für Alle offen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Konrad Sonderegger: Das Rheintal um 1900. 2, Appenzeller Verlag, Herisau 1990, ISBN 978-3-85882-266-6, S. 184.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberriet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Ortsgemeinde Allgemeiner Hof Oberriet: Geschichte der Alp Sämtis
  3. St. Galler Tagblat: Der Sutterhandel, 22. August 2008
  4. Website der Gemeinde Oberriet. Abgerufen am 26. Februar 2011.
  5. Politische Gemeinde Oberriet: Historisches
  6. Infoblatt SBB Bahnhof Oberriet 2013 (PDF-Daten; 84 kB)
  7. Plan Bahnhofgelände Oberriet 2013 (PDF-Datei; 3,49 MB)
  8. Vereinsverzeichnis der Gemeinde Oberriet