Oberstleutnant

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oberstleutnant
DH261-Oberstleutnant.png LD B 52 Oberstleutnant.svg

Dienstgradabzeichen am Dienstanzug

Dienstgradgruppe Stabsoffiziere
NATO-Rangcode OF-4
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Oberstleutnant
Dienstgrad Marine Fregattenkapitän
Abkürzung (in Listen) Oberstlt (OTL)
Besoldungsgruppe A14/15 nach BBesO

Oberstleutnant, früher auch: Obristlieutenant, ist ein militärischer Dienstgrad. In der NATO hat der Oberstleutnant den Rangcode OF-4. Die französische Bezeichnung lautet Lieutenant-colonel, die englische Lieutenant Colonel, die spanische Teniente Coronel, die russische Podpolkownik.

Historisches[Bearbeiten]

Der Name leitet sich ab von Oberst, vielfach auch Obrist, einem sehr alten Dienstgrad, und Leutnant, französisch lieutenant (Stellvertreter); der Oberstleutnant war also ursprünglich der Vertreter des Regimentskommandeurs, der den Rang eines Obristen hatte.

Deutschland[Bearbeiten]

Bundeswehr[Bearbeiten]

Der Oberstleutnant (Abk.: Oberstlt / in Listen: OTL) ist der sechsthöchste Offizierdienstgrad eines Soldaten der Bundeswehr beim Heer und bei der Luftwaffe. Der äquivalente Dienstgrad bei der Marine lautet Fregattenkapitän. Im Sanitätsdienst der Bundeswehr sind der Oberfeldarzt/Flottillenarzt, Oberfeldapotheker/Flottillenapotheker, Oberfeldveterinär ranggleich.

Offiziere in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Soldaten der Mannschaftsdienstgrade, Unteroffizieren ohne Portepee, Unteroffizieren mit Portepee, Leutnanten und Hauptleuten Befehle erteilen.

Der Oberstleutnant ist der zweithöchste Dienstgrad in der Verwendungsgruppe der Stabsoffiziere. Das Gehalt richtet sich nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) A14 bzw. A15 (vergleichbar einem Oberregierungsrat bzw. Regierungsdirektor). Die derzeit von der Personalführung der Bundeswehr zugesicherte Besoldungsgruppe für Stabsoffiziere ist A14. Mit A15 werden zum Beispiel Dezernatsleiter in einer höheren Kommandobehörde besoldet. Der Dienstgrad Oberstleutnant ist frühestens nach zwölf Jahren Dienstzeit als Offizier (ab Beförderung zum Leutnant) erreichbar; bei besonderen Verwendungen bereits nach sechs Jahren. Als besondere Altersgrenze für Oberstleutnante wurde die Vollendung des 61. Lebensjahres festgesetzt (§45 (2) Nr. 2 SG). Die Altersgrenzen wurden mit dem Dienstrechtsneuordnungsgesetz[1] zum 1. Juli 2009 neu bestimmt. § 96 SG enthält deshalb eine Übergangsvorschrift, nach der die früheren Altersgrenzen bisVorlage:Zukunft/In 5 Jahren 2023 stufenweise angehoben werden.

Der Oberstleutnant trägt als Dienstrangzeichen silbernes Eichenlaub mit zwei silbernen Sternen.

Besonderheiten des Dienstgrades[Bearbeiten]

Der Oberstleutnant wird zumeist in verschiedensten Stabsoffizierverwendungen auf allen höheren Führungsebenen (Brigade, Division, Korps, Amt, Ministerium oder in internationalen Stäben und Hauptquartieren) eingesetzt. Daneben werden sie standardmäßig als Bataillonskommandeure oder stellvertretende Regimentskommandeure eingesetzt. Außerdem findet er Verwendungen als Hörsaalleiter oder Inspektionschef an Schulen der Bundeswehr.

Bundesgrenzschutz[Bearbeiten]

Im Bundesgrenzschutz (BGS) fand die Bezeichnung bis zum Jahr 1976 Verwendung, wurde dann im Zuge der „Demilitarisierung des BGS“ durch „Polizeioberrat“ und „Polizeidirektor“ ersetzt.

Nationale Volksarmee der DDR[Bearbeiten]

Oberstleutnant / Fregattenkapitän
GDR Army OF4 Oberstleutnant.gif
Mot-Schützen
GDR Navy OF4 Fregattenkapitaen.gif
Volksmarine
Distinktionsabzeichen 1956-1990

Analog zur Bundeswehr bezeichnete der Dienstgrad des Oberstleutnants (hier OSL) in der NVA von 1956 bis 1990 den zweithöchsten Offiziersrang der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Sein maritimes Pendant war ebenfalls der Fregattenkapitän der Volksmarine. Dieser Dienstgrad wurde in der Regel nur an Berufsoffiziere verliehen. Seine Verwendung entsprach in etwa der in der Bundeswehr. Das Dienstgradabzeichen bestand aus geflochtenen Schnüren, auf denen zwei Sterne angebracht waren.

Dienstgrad
niedriger:
Major

Flag of NVA (East Germany).svg
Oberstleutnant
(Fregattenkapitän)
höher:
Oberst
Siehe auch

Dienstgrade der Nationalen Volksarmee, Offizierkorps

Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

In Reichsheer, Reichswehr und Wehrmacht war der Oberstleutnant der zweithöchste Offiziersrang der Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere. Im NS-Ranggefüge entsprach dieser Dienstgrad dem Fregattenkapitän der Kriegsmarine beziehungsweise dem SS-Obersturmbannführer oder SA-Obersturmbannführer.

OTL Heer, Panzertruppe
Kragen- spiegel Heer
Tarnanzug Heer
           
Luftwaffe Oberstleutnant/ Oberstleutnant (Ing)
Kragenspiegel Luftwaffe
Fluganzug Luftwaffe

Andere Länder[Bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten]

OTL Frankreich

Frankreich kennt im Vergleich zum Oberstleutnant den Rang eines Lieutenant-colonel.

Der Lieutenant-colonel steht über dem Commandant (Major) und unter dem Colonel (Oberst).

Österreich[Bearbeiten]

Im österreichischen Bundesheer ist der zwischen Major und Oberst stehende Oberstleutnant ebenfalls der sechsthöchste Offiziersdienstgrad.

Außerdem wird die Verwendungsbezeichnung Oberstleutnant für Leitende Beamte (E1) der Exekutive in Österreich, dazu gehören Bundespolizei und Justizwache, verwendet. Da es sich bei den genannten Wachkörpern um zivile Körperschaften handelt, die lediglich nach militärischem Muster organisiert sind, handelt es sich jedoch nicht um „Polizeioffiziere“, sondern sie führen lediglich Offiziersränge als Verwendungsbezeichnung. Im Übrigen ist ein direkter Vergleich mit den Dienstgraden des Bundesheeres nicht möglich, da in der Bundespolizei Aufgaben, die im militärischen Bereich einem niedrigrangigen Offizier zukommen, von hochrangigen dienstführenden Beamten (E 2a), also Angehörigen der mittleren Laufbahnebene, wahrzunehmen sind.

Schweiz[Bearbeiten]

Rangschlaufe Oberst­leutnant

In der Schweizer Armee steht der Oberstleutnant ebenfalls zwischen Major und Oberst und ist (in Friedenszeiten) der fünfthöchste Offiziersdienstgrad. Neben dem Grad Oberstleutnant gibt es den gleichrangigen Grad Oberstleutnant im Generalstab.

In Auslandseinsätzen wird er als Lieutenant Colonel bezeichnet (LTC/Lt Col). NATO-Code: OF-4.

Der Oberstleutnant führt als Kommandant ein Bataillon, eine Abteilung oder ein Geschwader. Als Stabsoffizier ist er für ein Fachgebiet im Brigadestab zuständig.

Ein Oberstleutnant im Generalstab (Oberstlt i Gst) führt im Brigadestab die Führungsgrundgebiete 2 (Nachrichten), 3 (Operation), 5 (Planung).

USA[Bearbeiten]

Die United States Army, die US Air Force und das US Marine Corps kennen den Dienstgrad eines Lieutenant Colonel. In der Hierarchie steht dieser über dem Major und unter dem Colonel. Die US-Soldstufe ist O-5, der NATO-Rangcode jedoch OF-4.

Ein Lieutenant Colonel führt operativ ein Bataillon oder eine Staffel mit zwei bis sechs Kompanien und damit 300–1.000 Soldaten.

Marine Corps, Army und Air Force Rangabzeichen US LTC/ OTL
Schulterstreifen
Dienstgrad
niedriger:
Major

Flag of the United States (Pantone).svg
Lieutenant colonel (US)
höher:
Colonel

Vatikanstadt[Bearbeiten]

Die Schweizergarde kennt den Rang des Oberstleutnant durch ihre enge Verbundenheit zur Schweizer Armee ebenfalls.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Im britischen Heer lautet der Dienstgrad „Lieutenant Colonel“, in der britischen Luftwaffe der entsprechende Dienstgrad „Wing Commander“, in der britischen Marine „Commander“.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Oberstleutnant – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesetz zur Neuordnung und Modernisierung des Bundesdienstrechts, DNeuGVorlage:§§/Wartung/buzer