Objekt (Grammatik)

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Ein Objekt (Satzergänzung) bezeichnet in der Grammatik eine Ergänzung, die vom Prädikat gefordert wird und diesem näher steht als das Subjekt. Neben den Kategorien Substantiv bzw. Pronomen können auch durch Präpositionen eingeführte Einheiten (Präpositionalphrasen) als Objekt dienen, oder auch satzwertige Einheiten wie Infinitive mit zu oder durch die Konjunktionen "dass / ob" eingeführte Gliedsätze.

Genitivobjekt[Bearbeiten]

Das Genitivobjekt antwortet auf die Frage „Wessen?“. Es ist im Deutschen eher selten und meist nur in gehobener Sprache anzutreffen. In Österreich, Süddeutschland und der Schweiz fehlt es beispielsweise in der Umgangssprache komplett:

Beispiele

  • Ich gedenke [ihrer].
  • Er beschuldigt mich [des Diebstahls].
  • Wir bedürfen [deiner Hilfe].
  • Du erbarmst dich [meiner].

Dagegen ist im Satz „Ich gehe durch die Straßen [der Stadt]“ der Satzteil [der Stadt] ein Attribut, da es sich auf das Adverbiale „durch die Straßen“ bezieht und das Substantiv „Straßen“ näher erklärt. In ähnlicher Weise werden auch andere Formen, wie z. B. genitivus subjectivus und genitivus objectivus voneinander unterschieden, sind jedoch manchmal nicht klar voneinander abgrenzbar. Beispiel: Der Ausdruck „Das Lob des Freundes“ kann sowohl a) subjektivisch verstanden werden (der Freund lobt) als auch b) objektivisch auf die Frage nach der Zielperson eines von außen kommenden Lobes (Man lobt den Freund.).[1]

Erläuterung: An diesem Beispiel wird klar, dass der Genitiv im Falle der objektivischen Form sinngemäß eine Akkusativbedeutung einnimmt („Man lobt den Freund.“). Im Falle der attributiven bzw. subjektivischen Verwendung sind Gegenstand und Attribut als zusammengehörig zu denken („Straßen der Stadt“), vgl.a. lat. genus = Volksstamm, Familie, Haus, Gattung, Klasse (als Begriffe der Zugehörigkeit). Bei der objektivischen Form des Genitivs ist jedoch die Trennung von Gegenstand und Genitiv-Objekt deutlicher spürbar. Wählt man als Beispiel nicht „das Lob des Freundes“, sondern „den Prozess des Sokrates“, so wird diese Trennung noch eindeutiger (Prozess gegen Sokrates). Hier ist auch die sinngemäße „Akkusativbedeutung“ noch klarer ersichtlich (lat. accusare = anklagen; lat. objectum = das Entgegengeworfene). Siehe auch: → Subjekt-Objekt-Spaltung, → Akkusativ mit Infinitiv.

Dativobjekt (indirektes Objekt)[Bearbeiten]

Das Dativobjekt antwortet auf die Frage „wem?“. Bestimmte Verben erfordern das Dativobjekt. Das Dativobjekt bezeichnet im Unterschied zum Akkusativobjekt das sogenannte indirekte Objekt der Handlung (siehe unten). Häufig steht es in einem erklärenden Bezug zur Handlung, macht also deutlich, warum das Subjekt die Handlung (am Akkusativobjekt) vollzieht. Auch wenn es ohne Akkusativobjekt steht, wird ausgedrückt, dass es nicht unmittelbar unter der Einwirkung des Subjektes steht.

Beispiele

  • Ich schreibe [dir] einen Brief. Frage: „Wem“ schreibe ich einen Brief?
  • Ich glaube [dir], dass es so war. Frage: „Wem“ glaube ich?

Akkusativobjekt (direktes Objekt)[Bearbeiten]

Das Akkusativobjekt antwortet auf die Frage „wen oder was?“. Bestimmte (transitive) Verben erfordern das Akkusativobjekt. Das Akkusativobjekt bezeichnet im Allgemeinen den Gegenstand oder die Person (Institution, Personengruppe), der die Handlung, die durch das Verb zum Ausdruck kommt, unmittelbar erleidet bzw. echter Handlungsgegenstand ist.

Beispiele

  • Ich liebe [dich].
  • Ich glaube dir [das] nicht.
  • Er gibt mir [das Buch].
  • Ich gebe dem Haus [einen neuen Anstrich].

Man unterscheidet zwischen innerem und äußerem Akkusativobjekt: Das innere ist dabei dasjenige, welches durch die Handlung erst entsteht, das äußere existiert unabhängig von der Handlung.

Beispiele

  • Ich schreibe [den Brief].
  • Ich streiche [die Wand] (mit Farbe) an.

Wenn es die Aussageabsicht erfordert, können Dativobjekt und Akkusativobjekt dabei, wie in den Beispielen gezeigt, nebeneinander stehen.

Präpositionalobjekt[Bearbeiten]

Das Präpositionalobjekt antwortet auf eine Frage, die eine Präposition enthält. Diese Präposition ist immer eine spezielle, mit dem Verb verbundene. So kann man mit „auf wen?“ oder „worauf?“ erfragen, auf wen jemand wartet. Das Verb warten verlangt beispielsweise ein Präpositionalobjekt mit auf. Beispiel: Ich warte [auf] den Zug (Frage: Worauf warte ich? Auf den Zug).

Hinweis: Die Präposition wird beim Verb mitgelernt: „auf etwas warten“.

Unterschied zwischen Präpositionalobjekt und Adverbialbestimmung[Bearbeiten]

Oft wird das Präpositionalobjekt mit einer adverbialen Bestimmung verwechselt: Die Sätze „Ich warte auf dem Bahnsteig“ oder „Ich warte in der Bahnhofshalle“ enthalten jeweils eine adverbiale Bestimmung des Ortes, nicht aber ein Präpositionalobjekt. Man kann damit argumentieren, dass die Frage hier nämlich „wo?“ und nicht „worauf?“ lautet.

Eine bessere, allerdings auch etwas kompliziertere Probe besteht darin, zu überprüfen, ob oder in welchen Grenzen die vom Verb abhängige Präposition (frei) wählbar ist. Liegt ein Präpositionalobjekt vor, so ist die Präposition so stark vom Bezugsverb abhängig, dass man sie nicht oder nur in wenigen Fällen gegen eine andere austauschen kann, wobei die Semantik des Satzes aufrechterhalten werden soll:

Beispiele

  • Sie wartet [auf Klaus]. („auf“ ist nicht austauschbar, vgl. *aus, von Klaus)
  • Sie berichtet [über ihren Urlaub]. („über“ nur gegen „von“ austauschbar)

Im zweiten Beispielsatz ist erkennbar, dass ein Austausch möglich ist, allerdings nur gegen eine bedeutungsgleiche Präposition. Ganz anders verhält es sich bei einer adverbialen Bestimmung: Hier sind die Präpositionen austauschbar, und zwar ist es stets möglich, die vorhandene Präposition durch eine mit einer anderen Bedeutung auszutauschen:

Beispiel

  • Ich warte [in der Bahnhofshalle]. („in“ kann man austauschen: auf, vor, unter, hinter)

Dieses Verfahren ist exakter als das erst genannte, da die häufig überbewertete „Frageprobe“ nicht immer einwandfrei funktioniert. Als Beispiel hierfür sei der Satz „Es riecht hier [nach Essig].“ angeführt:

  • [Wonach] riecht es? nach Essig
  • [Wie] riecht es hier? nach Essig

Erst die zweite Probe stellt heraus, dass es sich bei der Phrase um ein Präpositionalobjekt handelt, da die Präposition nicht frei gewählt werden kann.

Direktes und indirektes Objekt[Bearbeiten]

Der Begriff "indirektes Objekt" ist in der deutschen Grammatik im wesentlichen deckungsgleich mit dem Begriff "Dativobjekt".[2] Mit dem Begriff "direktes Objekt" werden Objekte zusammengefasst, die entweder den Akkusativ tragen oder als Objekt-Gliedsätze gar keine Kasusmarkierung haben.[3]

Objekte im Englischen[Bearbeiten]

Im Englischen wird bei der Klassifizierung von Objekten grundsätzlich anders vorgegangen als im Deutschen. Als Ursache hierfür ist vor allem das Fehlen typischer Kasusendungen zu sehen. Daher kennt das Englische nur drei Typen von Objekten: das direkte (direct), das indirekte (indirect) und das präpositionale (prepositional) Objekt. Ist nur ein einziges Objekt in einem Satz vorhanden, so ist dieses Objekt automatisch ein direktes Objekt. Bei zwei Objekten ist immer der „Empfänger“ (recipient) einer Handlung das indirekte Objekt, das andere Objekt (patient) wird zum direkten Objekt erklärt. Beispiele:

  • (1) I gave her (recipient, indirektes Objekt) the apple (patient, direktes Objekt).
  • (2) I asked my mother (recipient) a question (patient).

Ein Objekt, welches mit Hilfe einer Präposition eingeführt wird, wird insgesamt als Präpositionalobjekt (prepositional object) bezeichnet. Die Präposition wird hierbei durch das Verb bedingt.

Beispiele:

  • (1) They robbed him (direktes Objekt) of his ring (präpositionales Objekt).
  • (2) I protected him (direktes Objekt) from falling (präpositionales Objekt).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Hinze: Deutsche Schulgrammatik. Ernst Klett-Verlag, Stuttgart 51956, § 121, Seite 124
  2. DUDEN. Die Grammatik. 8. Aufl. 2009, S. 817
  3. DUDEN. Die Grammatik. 8. Aufl. 2009, S. 814

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Objekt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen