Octavia E. Butler

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Octavia E. Butler, 2005

Octavia Estelle Butler (* 22. Juni 1947 in Pasadena, Kalifornien; † 24. Februar 2006 in Lake Forest Park, Seattle) war eine US-amerikanische Science-Fiction-Autorin. Sie war eine der wenigen schwarzen Schriftstellerinnen des Science-Fiction-Genres und die erste, die größere Bekanntheit erreichte. Ihr Werk behandelt häufig feministische und rassenproblematische Themen, so sind ihre Protagonisten oft Teil einer Minderheit.

Leben[Bearbeiten]

Octavia E. Butler war die Tochter von Laurice and Octavia M. (Guy) Butler und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater war ein Schuhputzer und starb, als sie noch sehr jung war; ihre Mutter war ein schlechtbezahltes Dienstmädchen. Während ihrer Schulzeit wurde bei ihr eine Leseschwäche diagnostiziert. Sie besuchte dennoch von 1965 bis 1968 das Pasadena City College und ab 1969 die California State University in Los Angeles und die University of California in Los Angeles. Dort besuchte sie weiterführende Kurse, bei denen einer von Theodore Sturgeon geleitet wurde. Als sie beim Open-Door-Programm der Writers Guild of America einige Sitcom-Manuskripte einreichte, riet ihr der Seminarleiter Harlan Ellison, es stattdessen ernsthaft mit Kurzgeschichten und Romanen zu versuchen. Das tat sie. Ellison überredete sie auch, am Clarion Science Fiction Writers Workshop teilzunehmen, wo sie Samuel R. Delany traf und ihre ersten Geschichten schrieb, die verkauft und veröffentlicht wurden. Danach schlug sich Octavia Butler mit Gelegenheitsjobs durch, schrieb weiter und schaffte es schließlich mit Ellisons Hilfe, ihren ersten Roman bei Doubleday unterzubringen.

1976 wurde sie der breiten Öffentlichkeit bekannt, als sie den Roman Patternmaster veröffentlichte, Auftakt des Patternmaster-Zyklus'. Er schildert die Entstehung telepathisch begabter Menschen und behandelt dabei auch Rassen- und Geschlechterfragen. Es folgten vier weitere Romane aus diesem Zyklus, ehe Octavia E. Butler mit Kindred 1979 ein Buch veröffentlichte, das kaum noch etwas mit SF zu tun hatte und sehr erfolgreich war. Ohne die Zeitreise irgendwie technisch oder wissenschaftlich zu erklären, beschreibt sie darin, wie eine junge schwarze Frau immer wieder in die Vergangenheit ihrer Vorfahren hineingerissen wird, einschließlich eines weißen Sklavenhändlers. Dieser Kunstgriff, Gegenwart und Geschichte in einer Person zu konzentrieren, brachte dem Buch ein großes Publikum und Octavia E. Butler den ökonomischen Erfolg, um fortan vom Schreiben leben zu können.

In den 1980er Jahren gewann sie mit der Erzählung Bloodchild 1985 die vier wichtigsten SF-Preise zugleich, nachdem sie bereits ein Jahr zuvor den Hugo Award erhalten hatte. Danach veröffentlichte sie ihre Xenogenesis-Trilogie (später unter dem Titel Lilith's Brood zusammengefasst). Darin geht es um die Rettung der Menschheit nach einem verheerenden Krieg; die Überlebenden treffen auf eine Alien-Rasse, die ein drittes Geschlecht besitzt, welches nicht nur die anderen beiden Geschlechter mental miteinander verknüpfen, sondern sie auch genetisch verändern kann.

Die 1990er Jahre über arbeitete Octavia E. Butler an ihrer Parable-Trilogie, von der sie nur die ersten beiden Bände fertigstellen und veröffentlichen konnte. Sie schildert darin eine Dystopie, in der eine neue Religion namens "Earthseed" die stete Veränderung aller Dinge predigt. Gesundheitliche Probleme und eine Schreibblockade hinderten sie daran, den dritten Band zu vollenden. Der zweite Band Parable of the Talents gewann 1999 den Nebula Award.

1995 wurde sie mit dem Genius Award des MacArthur Fellows Program ausgezeichnet, der mit 295.000 Dollar dotiert war. Erst 2005 veröffentlichte sie ihren nächsten und letzten Roman Fledgling, einen Vampir-Roman mit einigen SF-Elementen.

Bis 1999 lebte sie im Süden Kaliforniens, zog aber nach dem Tod ihrer Mutter nach Seattle. In ihren letzten Lebensjahren war sie gesundheitlich angeschlagen: sie litt unter Bluthochdruck und hatte Herzprobleme. Am 24. Februar 2006 stürzte sie auf dem Kopfsteinpflaster vor ihrem Haus und zog sich eine Kopfverletzung zu. Sie starb noch am selben Tag.

Werk[Bearbeiten]

Musternisten (Patternist)[Bearbeiten]

Die Zuordnung der Romane Butlers zu diesem Zyklus gibt es in den unterschiedlichsten Varianten – die Angaben schwanken dabei zwischen 3 und 6 Romanen. 2007 ist allerdings ein Sammelband erschienen, der die vier Romane Patternmaster, Mind of My Mind, Wild Seed und Clay's Ark enthält. Die thematisch weniger zu diesen vier passenden Romane Survivor und Kindred werden deshalb weiter unten als Einzelwerke aufgeführt.

  • Vol. 1: Patternmaster, 1976
Band 1: Als der Seelenmeister starb, Bastei-Lübbe, 1982, ISBN 3-404-24037-5
  • Vol. 2: Mind of My Mind, 1977
Band 2: Der Seelenplan, Bastei-Lübbe, 1983, ISBN 3-404-24039-1
  • Vol. 3: Wild Seed, 1980
Band 3: Wilde Saat, Bastei-Lübbe, 1984, ISBN 3-404-24060-X
  • Vol. 4: Clay's Ark, 1984
  • Vol. 1-4: Seed to Harvest, 2007 (Sammelband)

"Survivor", 1978 "Alanna", Bastei-Lübbe, 1984, ISBN 3-404-24052-9

Dieses Buch ist Teil der Patternist-Saga und reiht sich zeitlich ein nach "Clay's Ark" und vor "Patternmaster". Dieses Buch ist nicht Teil des Sammelbandes, da Octavia Butler die weitere Veröffentlichung nach wenigen Auflagen einstellte.

Xenogenesis[Bearbeiten]

  • Vol. 1: Dawn, 1987
Band 1: Dämmerung, Heyne, 1991, ISBN 3-453-04478-9
  • Vol. 2: Adulthood Rites, 1988
Band 2: Rituale, Heyne, 1991, ISBN 3-453-04479-7
  • Vol. 3: Imago, 1989
Band 3: Imago, Heyne, 1991, ISBN 3-453-04480-0
  • Vol. 1-3: Xenogenesis, 1989 (Sammelband)
Band 1-3: Die Genhändler, Heyne, 1999, ISBN 3-453-14897-5
  • Vol. 1-3: Lilith's Brood, 2000 (Sammelband, unter neuem Namen)

Parabel (Parable)[Bearbeiten]

  • Vol. 1: The Parable of the Sower, 1993
Band 1: Die Parabel vom Sämann, Heyne, 1999, ISBN 3-453-14896-7
  • Vol. 2: The Parable of the Talents, 1998

Einzelromane[Bearbeiten]

  • Survivor, 1978
Alanna, Bastei-Lübbe, 1984, ISBN 3-404-24052-9
  • Kindred, 1979
Vom gleichen Blut, Bastei-Lübbe, 1983, ISBN 3-404-24042-1
  • Fledgling, 2005

Kurzgeschichtensammlung[Bearbeiten]

  • Bloodchild and Other Stories, 1995
  • „Speech Sounds“, 1983 ('„Der süße Klang des Wortes“')
  • „Bloodchild“, 1984 ('„Blutsbrut“', auch: '„Blutsbande“')
  • „Crossover“, 1971
  • „The Evening and the Morning and the Night“, 1987 ('„Der Abend, der Morgen und die Nacht“')
  • „Near of Kin“, 1979 ('„Nahe Verwandte“')
  • „Positive Obsession“, 1995 (Essay)
  • „Furor Scribendi“, 1993 (Essay)

Sonstige Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • „Amnesty“, 2003
  • „The Book of Martha“, 2003

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Hugo Award
    • 1984 für die beste Kurzgeschichte Speech Sounds
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
  • Nebula Award
    • 1984 für die beste Erzählung Bloodchild
    • 1999 für den besten Roman Parable of the Talents
  • Locus Award
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
  • Science Fiction Chronicle Award
    • 1985 für die beste Erzählung Bloodchild
    • 1988 für die beste Erzählung The Evening and the Morning and the Night

Interviews[Bearbeiten]

  • Larry McCaffery, Jim McMenamim: Ein Gespräch mit Octavia E. Butler. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 7, 1992. Heyne Science Fiction & Fantasy 4850, Heyne, München 1992, S. 632–659 (übersetzt von Irene Bonhorst, das Interview fand 1988 statt). (Auszug bei Feministische phantastisch-utopische Literatur)
  • Stephen W. Potts: „We Keep Playing the Same Record“: A Conversation with Octavia E. Butler. Science Fiction Studies 23, 3, Qusgabe 70, 1996. (Online verfügbar bei Science Fiction Studies)
  • Mike McGonigal: Indexed Octavia Butler. Interview. Index Magazine 1998.(Online verfügbar bei Index Magazine)
  • Anonym: Octavia Butler: Persistence. Locus Magazine, Juni 2000. (Auszug online verfügbar bei Locus Online)
  • Usch Kiausch: Schreiben ist ein Akt der Hoffnung. Ein Gespräch mit Octavia E. Butler. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2001. München 2001, ISBN 3-453-17944-7, S. 449–459.
  • John C. Snyder: Interview: Octavia E. Butler. Scifidimensions, Juni 2004.(Online verfügbar bei Scifidimensions)

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Kempen: Eine Lektion in Misanthropie. Über Octavia Butlers „schwarze“ SF. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1993. Heyne, München, ISBN 3-453-06202-7, S. 387–403.
  • Bernd Kronsbein: Octavia E. Butler. Nekrolog. In: Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 2007. Heyne, München 2007, ISBN 978-3-453-52261-9, S. 386–392.

Weblinks[Bearbeiten]