Octavio Paz

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Octavio Paz

Octavio Paz Lozano Hören?/i(* 31. März 1914 in Mixcoac, heute Mexiko-Stadt; † 20. April 1998 ebendort) war ein mexikanischer Schriftsteller und Diplomat. Er erhielt 1990 den Nobelpreis für Literatur.

Leben[Bearbeiten]

Octavio Paz wurde 1914 während der mexikanischen Revolution in Mexico City als Sohn eines Anwalts und Enkel eines Romanciers geboren und starb 1998 auch dort. Paz war Diplomat, engagierter Intellektueller und Schriftsteller. Er studierte in Mexiko Jura und Literaturwissenschaften, lebte mehrfach im Ausland, und gründete zwei einflussreiche Zeitschriften: Plural und Vuelta. 1943 reiste er mit einem Stipendium der Guggenheim Stiftung durch die USA, bevor er nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den diplomatischen Dienst eintrat. In den 1950er Jahren führte sein Beruf als Botschafter ihn zunächst nach Japan und dann nach Indien. Er befasste sich zu dieser Zeit intensiv mit taoistischen und buddhistischen Schriften. Bis 1962 war er in Frankreich tätig, wo er unter anderem mit Pablo Neruda zusammenarbeitete. In dieser Zeit entstand Das Labyrinth der Einsamkeit, eine Erforschung der mexikanischen und lateinamerikanischen Identität. Ein surrealistischer Einfluss auf sein Werk ergab sich unter anderem durch die Zusammenarbeit mit André Breton und Benjamin Péret. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte Paz auf der Seite der Republikaner. Aus Protest gegen das Massaker von Tlatelolco, ein Massaker an Studenten, das sich im Jahr 1968 in Mexico City ereignete, trat er von seinem Posten als mexikanischer Botschafter in Indien zurück. Hatte Paz sich während des spanischen Bürgerkriegs noch mit den linken Republikanern solidarisiert, prangerte er nun in seinen Zeitschriften die Menschenrechtsverletzungen der Sowjet-Kommunisten an und wurde daraufhin von der lateinamerikanischen Linken heftig kritisiert. 1982 eröffnete Paz in West-Berlin das Festival Horizonte Festival der Weltkulturen (Nr.2, 1982), gemeinsam mit dem damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker. Paz wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, zum Beispiel mit dem Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft (1977), dem Premio Cervantes (1981), dem Neustadt International Prize for Literature,, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels[1] (1984) und dem Nobelpreis für Literatur (1990).

Werk[Bearbeiten]

Als Neunzehnjähriger veröffentlichte Paz seinen ersten Lyrikband, Luna Silvestre. 1950 erschien mit El laberinto de la soledad (''Das Labyrinth der Einsamkeit'') seine erste und zugleich bekannteste Prosaveröffentlichung. Der Essayband verkaufte sich allein in Mexiko über eine Million Mal und zählt neben Juan Rulfos Roman ''Pedro Páramo'' bis heute zu den erfolgreichsten mexikanischen Publikationen. Es folgten 1956 El arco y la lira und 1974 El mono gramático. 1990 bekam Paz den Literaturnobelpreis allerdings nicht vorrangig für seine Essayistik verliehen, sondern für Lyrikbände wie Piedra de Sol (Sonnenstein, 1957), ein Werk, das hinsichtlich seiner Wirkung auf die lateinamerikanische Literatur mit der Wirkung von T. S. Eliots The waste land auf die englischsprachige Literatur verglichen wird, Blanco (Weiß) aus den 60er Jahren und Pasado en claro (Von der Kladde zur Klarheit) aus den 70er Jahren. Diese drei genannten Werke sind unter dem Titel Die großen Gedichte auch auf Deutsch erschienen. Außerdem: Libertad bajo palabra (1960) und Salamandra (1962).

Werke[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

  • 1933 - Luna Silvestre
  • 1936 - ¡No pasarán!
  • 1937 - Raíz del hombre
  • 1937 - Bajo tu clara sombra y otros poemas sobre España
  • 1942 - A la orilla del mundo
  • 1951 - Adler oder Sonne? (orig. ¿Aguila o sol?)
  • 1957 - Piedra de sol
  • 1958 - Freiheit auf Ehrenwort (orig. Libertad bajo palabra)
  • 1962 - Salamandra
  • 1969 - Ladera Este
  • 1976 - Vuelta
  • 1987 - In mir der Baum (orig. Árbol Adentro)
  • 1998 - Das fünfarmige Delta (orig. Delta de cinco brazos)

Prosa[Bearbeiten]

  • 1950 - Das Labyrinth der Einsamkeit (orig. El laberinto de la soledad)
  • 1956 - Der Bogen und die Leier (orig. El arco y la lira); übersetzt von Rudolf Wittkopf. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-518-04523-7.
  • 1957 - Las peras del olmo
  • 1965 - Cuadrivio
  • 1966 - Puertas al Campo
  • 1967 - Corriente Alterna
  • 1967 - Claude Levi-Strauss o el nuevo festín de Esopo
  • 1968 - Marcel Duchamp o el castillo de la Pureza
  • 1969 - Verbindungen - Trennungen (orig. Conjunciones y Disyunciones)
  • 1969 - Postdata (Fortsetzung von: Das Labyrinth der Einsamkeit)
  • 1973 - El signo y el Garabato
  • 1973 - Nackte Erscheinung (orig. Apariencia desnuda) (Erweiterte Edition von: Marcel Duchamp ...)
  • 1974 - Die andere Zeit der Dichtung (orig. Los Hijos del Limo)
  • 1974 - Der sprachgelehrte Affe (orig. El mono gramático)
  • 1979 - Der menschenfreundliche Menschenfresser (orig. El Ogro Filantrópico)
  • 1979 - In-mediaciones
  • 1982 - Sor Juana Ines de la Cruz oder die Fallstricke des Glaubens. (orig. Sor Juana Ines de la Cruz o las trampas de la fe)
  • 1983 - Tiempo Nublado
  • 1983 - Sombras de Obras
  • 1984 - Hombres en su Siglo
  • 1990 - Pequeña Crónica de Grandes Días
  • 1990 - Die andere Stimme (orig. La Otra Voz)
  • 1991 - Convergencias
  • 1992 - Al Paso
  • 1993 - Die doppelte Flamme. Liebe und Erotik (orig. La Llama Doble)
  • 1994 - Itinerarium (orig. Itinerario) (Autobiographie)
  • 1995 - Im Lichte Indiens (orig. Vislumbres de la India)

Die Jahreszahlen orientieren sich an der Entstehungszeit bzw. Herausgabejahr der Originalausgaben

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Alberto Ruy-Sánchez: Octavio Paz, Leben und Werk. Eine Einführung. Suhrkamp Verlag, 1990, Frankfurt. Taschenbuch 1984, ISBN 3-518-38394-9
  • Peter Sinnemann: Der Einfluß des Buddhismus auf Octavio Paz’ Kritik der okzidentalen Kultur der Moderne. In: Iberoamericana. Lateinamerika. Spanien. Portugal. 20. Jahrgang, 1996, Nr. 2 (62), S. 62–87
  • Sinnemann, Peter. Octavio Paz: Vislumbres de la India. Un diálogo con la condición humana. Barcelona 1995. In: Iberoamericana. Lateinamerika. Spanien. Portugal. 20. Jahrgang, 1996, Nr. 2 (62), S. 88–90

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Octavio Paz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Octavio Paz – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – 1984 Octavio Paz (Memento vom 16. Oktober 2013 im Internet Archive).