Oder-Havel-Kanal

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Oder-Havel-Kanal rund zwei Kilometer östlich von Eberswalde, Ragöser Damm, Blickrichtung Osten
Eberswalder Sicherheitstor/Wassertor

Der Oder-Havel-Kanal (OHK) im Bundesland Brandenburg ist eine Teilstrecke der Bundeswasserstraße Havel-Oder-Wasserstraße (HOW)[1] und verbindet die Havel südlich Oranienburg mit der Oderhaltung der HOW bei Niederfinow mit einer Länge von 54 Kilometer.[2] Zuständig für die Verwaltung ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde.

Der OHK verläuft durch den Lehnitzsee, folgt im Wesentlichen dem Zuge des früheren Malzer Kanals und ersetzt den Finowkanal mit seinen vielen Schleusen. Von Lehnitz bis Niederfinow bildet er die Scheitelhaltung der HOW. Für die Wasserversorgung der Scheitelhaltung werden die natürlichen Ressourcen der Einzugsgebiete der Havel und der Werbelliner Gewässer genutzt. Der Zufluss von der oberen Havel wird über die Müritz-Havel-Wasserstraße aus dem Eldegebiet (Mecklenburgische Oberseen) verstärkt.

In Betrieb genommen wurde die Teilstrecke mit der Eröffnung des Großschiffahrtweges BerlinStettin von Plötzensee/Spandau bis Hohensaaten an der Oder am 17. Juni 1914 durch Kaiser Wilhelm II., der dieser Wasserstraßenverbindung den Namen Hohenzollernkanal gab.[3] Zeitweise wurde der Kanal auch Großschiffahrtskanal oder Großschiffahrtsweg genannt.

Nach 1945 wurde der Name Hohenzollernkanal vom Nieder Neuendorfer See bei Hennigsdorf bis Hohensaaten durch die Bezeichnung Oder-Havel-Kanal ersetzt (während der in Berlin (West) gelegene Abschnitt die amtliche Bezeichnung Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erhielt). Das Bundeswasserstraßengesetz in der Fassung von 1998 folgte der Festlegung nach DIN 4054 im September 1977, staugeregelte Flussstrecken nicht mehr als „kanalisiert“ oder als „Kanal“ zu bezeichnen.[4] Deshalb hat die staugeregelte Havelstrecke (wie ab der Spreemündung) vom Nieder Neuendorfer See bis zur Einmündung der Alten Oranienburger Havel bei Hohen Neuendorf die Bezeichnung Spandauer Havel (wie vor 1914) und die Strecke bis zur Einmündung des oberen Teils der Oranienburger Havel südlich Oranienburg die Bezeichnung Oranienburger Havel; die staugeregelte Strecke Niederfinow–Hohensaaten hat die Bezeichnung Oderberger Gewässer (wie vor 1914).

Der Kanal weist folgende technischen Besonderheiten auf: Von der gut 47 Kilometer langen Scheitelhaltung bestehen über 25 Kilometer als Dichtungsstrecke, wo der Kanalwasserspiegel höher als das umgebende Gelände liegt. Zur Begrenzung von Schäden im Umland bei einem Dammbruch sind am Pechteich und bei Eberswalde Sicherheitstore (Wassertore) eingebaut. Ein drittes Sicherheitstor bei Lichterfelde (Schorfheide) wurde beim Neubau der Lichterfelder Straßenbrücke ersatzlos entfernt. Bei Eberswalde führte eine 1910 erbaute wasserführende Kanalbrücke über die Eisenbahnlinie Berlin–Stettin. Im Rahmen der Kanalerweiterung wurde die Kanalbrücke 2007 abgerissen und durch ein Tunnelbauwerk etwa 250 Meter weiter nördlich ersetzt. Der bis zu 28 Meter hohe Ragöser Damm (lange Zeit der weltweit höchste Kanaldamm, auch heute noch einer der höchsten) überquert das Ragöser Fließ mit Hilfe eines Durchlasses. Eine Meisterleistung ist das 1927–1934 errichtete Schiffshebewerk Niederfinow mit einer Fallhöhe von 36 Metern (zur Bauzeit der weltweit größte Höhenunterschied an einer Fallstufe für die Schifffahrt). Es ersetzte 1934 die noch bis 1972 betriebsbereit vorgehaltene Schleusentreppe Niederfinow. Zurzeit wird ein neues Schiffshebewerk nördlich des bestehenden errichtet.

Ende 2010 wurde die Eisenbahnbrücke der Heidekrautbahn über den Oder-Havel-Kanal im stillgelegten Streckenabschnitt bei Kreuzbruch um 50 Zentimeter angehoben, um die Durchfahrtshöhe für die Schifffahrt zu verbessern. Dadurch können Frachtschiffe bei ihrer Fahrt westwärts zwei Lagen Container verlasten. Dies bedeutet bei dem größten zugelassenen Schiffstyp eine Zuladung von 96 zusätzlichen Containern.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • H.-J. Uhlemann: Berlin und die Märkischen Wasserstraßen. DSV-Verlag, Hamburg 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oder-Havel-Kanal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verzeichnis E, Lfd.Nr. 21 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. Festschrift zur Eröffnung des Großschiffahrtweges Berlin–Stettin 1914
  4. Verzeichnis D, Lfd.Nr. 21 der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  5. Zeitschrift Wassersport, Ausgabe 3/2011

52.85972214.006667Koordinaten: 52° 51′ 35″ N, 14° 0′ 24″ O