Oedt (Grefrath)

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51.3258333333336.379722222222232Koordinaten: 51° 19′ 33″ N, 6° 22′ 47″ O

Oedt
Gemeinde Grefrath
Wappen der früheren Gemeinde Oedt
Höhe: 32 m ü. NN
Fläche: 10,8 km²
Einwohner: 4659 (31. Dez. 2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 47929
Vorwahl: 0 21 58
Karte

Oedt im Gebiet von Grefrath im Kreis Viersen


Die ehemals selbständige Gemeinde Oedt, heute ein Ortsteil der Gemeinde Grefrath, liegt am Niederrhein im Westen des Bundeslands Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Oedt, Hochstraße

Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit und der Eisenzeit sowie Funde aus der Römer- und Frankenzeit auf dem gesamten Areal der Altgemeinde Oedt lassen den Schluss zu, dass dieses bereits in einem frühen Stadium urbar gemacht und besiedelt wurde. Aus einer Sandgrube nördlich von Mülhausen sammelte Albert Steeger in den 1920er Jahren Funde, die von einer Siedlung und einem fränkischen Gräberfeld des 7. Jahrhunderts zeugen.[1][2]

Mitte des 10. Jahrhunderts gelangte das Land in den Besitz des Erzbistums Köln und erhielt damit erkennbar erstmals einen Landesherrn. 973 schenkte Erzbischof Gero von Köln das Oedter Land der Benediktinerabtei Gladbach.

1170 wird Oedt erstmals als „Hude“ erwähnt. In einer Schenkungsurkunde des Abtes Robert von Gladbach heißt es u.a.: „apud Hude in ecclesia Nostra“, d.h. „in unserer Kirche zu Oedt“. Die Ortsbezeichnung Hude wandelte sich durch die Jahrhunderte über Ude, Uda, Uede, Oyde, Uedde, Oidt, Oed zum heutigen Oedt.

Um 1300 erbaute Dietrich Luf III. von Kleve, Graf von Hülchrath und Herr von Kervenheim und Oedt, das Wahrzeichen des Ortes, von dem heute nur noch einer der Rundtürme (wiederaufgebaut) steht: die Burg Uda. Die Burg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört, aber immer wieder teilweise aufgebaut. 1757 erfolgte die endgültige Zerstörung der Burganlage durch französische Truppen. Einzig der heute noch stehende runde Hauptturm blieb erhalten.

1794 kam Oedt, wie das gesamte Rheinland, unter französische Herrschaft, gehörte zum Rur-Departement und bildete eine eigenständige Mairie im Kanton Kempen, Arrondissement de Crévelt.[3] Vier Jahre später wurde die Honschaft Unterbroich vom Amt Oedt abgetrennt und unter dem Namen Clörath nach Neersen, heute Stadt Willich, eingemeindet. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam Oedt zum Königreich Preußen.

Im Rahmen der Kommunalen Neuordnung wurde am 1. Januar 1970 der Ortsteil Hagen abgetrennt und in die Stadt Viersen eingegliedert. Die Restgemeinde Oedt verlor die Selbstständigkeit und wurde ein Ortsteil der Gemeinde Grefrath.[4]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Oedt war zweigeteilt, mit einer weißen und einer gelben Fläche. In der oberen weißen Fläche ist der Erzbischof von Köln dargestellt, auf seiner Brust das schwarze kurkölnische Kreuz. Im unteren Teil wird der Abt von Gladbach dargestellt. Die Ortsteile Oedt und Mülhausen gehörten lange Zeit zum Erzbistum Köln, die Niers markierte damals den Grenzverlauf.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum Oedt wird seit 1989 vom Heimatverein Oedt betrieben.

Kirche in Oedt

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswert ist

  • die Ruine der Burg Uda (erbaut um 1300)
  • die weiße Girmes-Villa, die auch das Heimatmuseum beherbergt und heute als Rathaus genutzt wird
  • das Girmes-Landhaus (erbaut 1904)
  • die Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk

Weitere interessante Bauwerke sind unter anderem die katholischen Pfarrkirchen.

  • Die Vituskirche in Oedt ist recht groß und wurde in der Zeit von 1901 bis 1903 im neugotischen Stil erbaut. Der Kirchturm wurde aus Geldmangel erst 1910-12 angebaut.
  • Ebenfalls einen Besuch wert ist die Heinrichskirche in Mülhausen mit einer Bronzeskulptur auf dem Vorplatz, die einen Müller mit seinem Esel darstellt.

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die nächstgelegenen Städte sind Krefeld (ca. 20 km östlich), Mönchengladbach (ca. 20 km südlich), sowie die niederländische Stadt Venlo.

Durch die verkehrsgünstige Lage in der Nähe des Ruhrgebiets und die Autobahnen A 40 und A 61 erreicht man schnell die Großstädte Duisburg und Düsseldorf, jeweils ca. 40 km nord- bzw. südöstlich. Ebenfalls in der näheren Umgebung befindet sich Köln, ca. 70 km südöstlich von Oedt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wirtschaftsgeschichte[Bearbeiten]

Seit dem 17. Jahrhundert ist das Weberhandwerk in Oedt bezeugt. Im Jahre 1850 wurde die Firma Peter Mertes als Blaufärberei und Berufskleiderfabrik gegründet. Johannes Girmes gründete am 10. November 1879 die Firma Johannes Girmes & Co., Oedt. Seine Brüder August und Dietrich wurden später Teilhaber dieser Gesellschaft. Als 1899 die Elektrische Beleuchtung in Oedt eingeführt wurde, ließ die Firma Girmes auf eigene Kosten das Oedter Krankenhaus an die Beleuchtung anschließen. Die beiden Textilwerke prägten das Ortsbild, bildeten für viele Jahrzehnte den dominierenden Teil des Wirtschaftslebens und damit der Ortsgeschichte.

Wirtschaft heute[Bearbeiten]

Von der einst blühenden Textilwirtschaft ist in Oedt nicht mehr viel übrig geblieben. Nach dem Konkurs der Girmes Textilfabrik und dem Verkauf an eine französische Firma sind die Textilmaschinen in Oedt demontiert und abtransportiert worden. Die teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäude (die von der Firma P. H. Schmitz & Cie. um 1900 errichtet wurden), u.a. der Wasserturm Grefrath stehen größtenteils leer.

Das Oedter Straßenbild ist von leerstehenden Geschäftslokalen geprägt. Wo vom 19. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre fleißig verkauft wurde, findet sich heute deutlich weniger Einzelhandel.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Kindergärten[Bearbeiten]

Es gibt in Oedt zwei Kindergärten, einen in konfessioneller Trägerschaft und eine integrative Kindertagesstätte des DRK.

Grundschulen[Bearbeiten]

In Oedt gibt es eine Gemeinschaftsgrundschule, die als offene Ganztagsschule geführt wird. Zum Schulzentrum in Oedt gehört eine Sporthalle. Das Lehrschwimmbecken wurde 2007 durch Ratsbeschluss geschlossen.

Weiterführende Schulen[Bearbeiten]

Im Bereich der weiterführenden Schulen gibt es vor Ort das Gymnasium „Liebfrauenschule Mülhausen“ in teilweise konfessioneller Trägerschaft mit rund 1300 Schülern.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Als Ort für Veranstaltungen wurde im Jahr 1975 die Albert-Mooren-Halle in Oedt fertiggestellt.

Als Möglichkeit zur Freizeitgestaltung hat Oedt einen Sportplatz, eine Tennisanlage mit sechs Plätzen, einige Bolzplätze und eine Skateranlage zu bieten. Die Niers bietet Gelegenheit zum Bootfahren und Kanu-Wandern.

Oedt verfügt über ein umfangreiches Vereinsangebot. Neben vielen aktiven Sportvereinen (Fußball, Leichtathletik, Tennis, Schwimmen, Kegeln, Kanuwandern, Hundesport, Schießsport usw.) gibt es eine Reihe von Kulturvereinen, wie Musikverein, Chöre, Schützenbruderschaften, Heimatverein usw.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Dietrich Girmes (1862-1939), Fabrikant
  • Johann Fruhen (1859-1956), selbst. Groß- und Einzelhandelskaufmann
  • Heinrich Inderelst (†), Ratsherr (SPD)
  • Theodor Küppers (1888-1964), Direktor der Fa. Girmes AG
  • Wilhelm Tekath (†), Bürgermeister der Gemeinde Oedt (1948-1966)

weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Albert Steeger: Frankenfund in Gellep (Gelduba). Die Heimat 12, 1933, 9-15 Abb. 2.
  2. Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-1247-4, S. 331-332.
  3. Kreis Viersen [Hrsg.]: Heimatbuch des Landkreises Kempen, S. 35, Düsseldorf 1929, unveränd. Nachdr. Krefeld 2004.
  4.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oedt (Grefrath) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien