Oeno

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Oeno
NASA-Bild von Oeno
NASA-Bild von Oeno
Gewässer Pazifischer Ozean
Archipel Pitcairninseln
Geographische Lage 23° 56′ S, 130° 44′ W-23.927222222222-130.73972222222Koordinaten: 23° 56′ S, 130° 44′ W
Karte von Oeno
Anzahl der Inseln 2
Hauptinsel Oeno Island
Länge 3,8 km
Breite 3,8 km
Landfläche 1,5 km²
Lagunenfläche 8 km²
Gesamtfläche 15 km²
Einwohner (unbewohnt)
Karte von Oeno
Karte von Oeno

Oeno (englisch Oeno Island, alter Name: Martha Island oder Martha’s Island) ist ein Atoll im südöstlichen Pazifischen Ozean bei 23° 55’ Süd und 130° 44’ West. Die unbewohnte Insel liegt im äußersten Westen des Pitcairn-Archipels, rund 150 km nordnordwestlich der Hauptinsel Pitcairn.

Geographie[Bearbeiten]

Lage von Oeno innerhalb der Pitcairninseln

Inmitten eines nahezu kreisrunden Korallenriffes liegt die etwa 2,5 mal 0,5 km große Hauptinsel Oeno in einer flachen, nicht mehr als 5 m tiefen Lagune. Von den zahlreichen Rifffelsen und Sandbänken mit denen die Lagune gesprenkelt ist, ragt nur noch das kleine Sandy Island als niedriger Sandhügel über die Meeresoberfläche hinaus. Die Lagune hat lediglich zwei seichte und schmale Strömungskanäle zum offenen Meer. Die Gesamtfläche des Atolls beträgt 15 km².[1]

Flora[Bearbeiten]

Die Flora von Oeno ist, obwohl reicher als auf der zum selben Archipel gehörenden Insel Ducie, relativ artenarm. Bei den Untersuchungen der Sir Peter Scott Commemorative Expedition in den Jahren 1991-92 wurden lediglich 16 Arten festgestellt.[2]

Die häufigste Pflanze ist das Samtblatt (Heliotropium foertherianum; Synonyme: Argusia argentea und Tournefortia argentea). Es bildet in den inneren Bereichen der Insel lichte Wälder mit 7 bis 9 m hohen Büschen. Der Wald ist durchsetzt mit Pandanus und wird eingerahmt von niedrig wachsenden Surinana maritima-Büschen. Im nördlichen Bereich von Oeno dominiert die – vermutlich von den Pitcairnern angepflanzte – Kokospalme.

An der Südwestspitze findet sich eine dichte Ansammlung von Pisonia Grandis und Bidens hendersonensis in der Variation oenoensis, ein lokaler Endemit, durchsetzt mit Solanum viride und Asplenium nidus.[3]

Fauna[Bearbeiten]

Murphysturmvogel

Vögel[Bearbeiten]

Oeno ist – wie Henderson und Ducie auch – ein wichtiges Rückzugs- und Brutgebiet für zahlreiche Seevögel, wie beispielsweise des Murphysturmvogels (Pterodroma ultima), der Rußseeschwalbe (Sterna fuscata) oder der Noddiseeschwalbe (Anous minutus). Auf der Insel gibt es eine bedeutende Kolonie von Fregattvögeln (Fregata minor). Die Vögel nisten in den hohen Argusia-Büschen im Inselinnern. Manche Pitcairner nehmen bei ihren gelegentlichen Besuchen Fregattvogelküken mit und ziehen sie handzahm auf. Fregattvögel nisten auf Pitcairn nicht.[4]

Landfauna[Bearbeiten]

Die Landfauna ist, wie bei anderen Koralleninseln auch, sehr artenarm und beschränkt sich auf wenige Spezies von Schnecken, Insekten und Eidechsen.

Meeresfauna[Bearbeiten]

Die reichhaltigsten maritimen Lebensgemeinschaften gibt es an der Außenseite des Saumriffes. Bemerkenswert ist die Vielzahl von Mörder- oder Riesenmuscheln (Tridacna maxima). Die Lagune ist überwiegend mit Sandboden bedeckt und daher vergleichsweise artenarm. Lebensgemeinschaften haben sich insbesondere unter den überhängenden Rifffelsen, die in der gesamten Lagune verteilt sind, angesiedelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bisher wurden keine Hinweise für eine dauerhafte polynesische Besiedlung auf Oeno gefunden. Sie dürfte wegen der geringen Größe und der Artenarmut der Insel unwahrscheinlich sein.[5] Zumindest die zeitweilige Anwesenheit früher polynesischer Besucher ist jedoch belegt. 1858 fanden die Schiffbrüchigen der Wild Wave die Stein-Klinge einer Dexel aus Basalt, die von der 500 km entfernten Insel Mangareva stammt.[6] Der Fund - heute im Bernice P. Bishop Museum in Honolulu - bestätigt die frühen Kontakte zwischen Pitcairn und den Gambierinseln.

Für Europa entdeckt wurde die Insel wahrscheinlich 1819 von Kapitän James Henderson, der im Auftrag der British East India Company mit dem Handelsschiff Hercules die Südsee befuhr. Er nannte sie „Martha´s Island“. Ihren heutigen Namen erhielt sie von dem amerikanischen Walfänger Oeno, dessen Kapitän George B. Worth sie am 26. Januar 1824 aufsuchte.

Am 23. Dezember 1825 erreichte Frederick William Beechey mit der HMS. Blossom Oeno. Leutnant Belcher, ein Fähnrich und einige Matrosen ruderten mit einem Beiboot um die Insel, um Lotungen für eine Kartierung vorzunehmen. Als sie eine Landung versuchten, schlug das Boot in der heftigen Brandung um. Die Seeleute retteten sich auf das Riff, doch ein Schiffsjunge ertrank. Mit einem Floß und einer zum Ufer gespannten Leine konnten die Überlebenden geborgen werden. Beechey verzichtete auf einen weiteren Landungsversuch und segelte davon. [7]

Zahlreiche Segelschiffe wurden Opfer des scharfkantigen Korallenriffs, darunter der Dreimaster Khandeish aus Liverpool am 25. September 1875. Das Schiff, unter dem Kommando von Kapitän Skelly, havarierte um 22.00 Uhr, die Mannschaftsmitglieder konnten sich aber vollzählig in drei Beiboote retten und nach Pitcairn segeln. Sie kamen am 28. September sicher dort an und blieben 51 Tage als Gäste der Insulaner, bis sie von der Emmerdale nach San Francisco gebracht wurden.[8]

Weitere Havaristen waren die amerikanische Bark Oregon am 23. August 1883[9], und das mit Weizen beladene britische Handelsschiff Bowdon am 26. April 1893.[10]

Die dramatischste Geschichte ist die des amerikanischen Klippers Wild Wave unter Kapitän Josiah Knowles, der 1858 auf Oeno strandete. Das Segelschiff war mit einer wertvollen Ladung, u. a. Goldmünzen im Wert von 18.000 US-Dollar, unterwegs von San Francisco über Valparaíso zur amerikanischen Ostküste. An Bord befand sich auch ein Sarg mit der Leiche von Thomas Knowles, dem Bruder des Kapitäns, der nach Cape Cod gebracht werden sollte, um dort beerdigt zu werden. Am 5. März 1858, kurz nach Mitternacht, kollidierte der Klipper mit dem Korallenriff von Oeno und lief innerhalb weniger Minuten voll Wasser. Die 30 Mannschaftsmitglieder und 10 Passagiere konnten sich mit einigen lebensnotwendigen Dingen auf Oeno retten. Auch die Leiche von Thomas Knowles brachte man auf die Insel und begrub sie. Als die Schiffbrüchigen feststellten, dass sie auf einem unbewohnten Eiland abseits jeglicher Schifffahrtslinien gestrandet waren, segelte Kapitän Knowles mit sechs Besatzungsmitgliedern in einem kleinen, offenen Beiboot nach Pitcairn. Bei der Landung wurde ihr Boot durch die Brandung zerschmettert. Sie konnten sich zwar auf die Insel retten, mussten aber feststellen, dass Pitcairn entvölkert war. Die Einwohner hatte man zwei Jahre zuvor nach Norfolk ausgesiedelt. Die Schiffbrüchigen bauten aus vorhandenem Material ein neues Boot und brannten einige der verlassenen Hütten nieder, um Beschlagteile und Nägel zu erhalten. Das Segel flickten sie aus zurückgelassenen Stoffteilen zusammen. Am 23. Juli verließ Kapitän Knowles mit drei Männern Pitcairn, die anderen blieben zurück. Sie erreichten am 4. August die über 2.000 km entfernte, zu den Marquesas gehörende Insel Nuku Hiva. Dort erhielten sie Hilfe von dem zufällig anwesenden US-Kriegsschiff Vandalia, das die restlichen Schiffbrüchigen auf Pitcairn und Oeno (einer war inzwischen gestorben) rettete und nach Tahiti brachte. Ein Grabstein, den Joasiah Knowles für seinen Bruder bei einem erneuten Besuch der Insel vierzehn Jahre später aufstellte, sowie einige Wrackteile der Wild Wave sind heute noch zu sehen.[11]

Auf Weisung von Robert Teesdale Simons, dem britischen Konsul von Tahiti und Deputy Commissioner für den Westpazifik von 1894 bis 1908, segelte der Kutter Pitcairn der Adventisten unter dem Kommando von Kapitän G.F. Jones von der Insel Pitcairn nach Oeno, Henderson und Ducie. Am 10. Juli 1902 hinterließ die Besatzung auf Oeno eine Plakette, mit der Aufschrift: „Diese Insel ist eine Kolonie von Pitcairn und Eigentum der britischen Regierung.“[12]

Der britische Anspruch auf Oeno wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erneuert, als der zum Pazifikgeschwader gehörende neuseeländische leichte Kreuzer HMNZS Leander die Inseln Oeno, Ducie und Henderson aufsuchte. Kapitän James William Rivett-Carnac hisste am 6. August 1937 den Union Jack und hinterlegte eine Plakette, die Oeno als Eigentum seiner Majestät König Georg IV. bezeichnete.

Einmal im Jahr steuern die Pitcairner mit ihren beiden offenen Aluminiumbooten die ansonsten unbewohnte Insel an, um dort einige Erholungstage mit Baden und Fischen zu verbringen, da es auf Pitcairn selbst keinen Sandstrand gibt. Die Einwohner von Pitcairn haben auf der Hauptinsel einige offene, palmblattgedeckte Hütten zum Kochen und Wohnen errichtet.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oeno Atoll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. J. Florence et al.: Flora of the Pitcairn Islands: a review, in Biological Journal of the Linnean Society, Volume 56, London 1995, S. 97-100
  3. Dieter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands, New York 1998, S. 441
  4. L. Brooke: The modern avifauna of the Pitcairn Islands in Biological Journal of the Linnean Society, Volume 56, London 1995, S. 205
  5. Marshall I. Weisler: Henderson Island prehistory: colonization and extinction on a remote Polynesian island, in Biological Journal of the Linnean Society, Volume 56, London 1995, S. 384/85
  6. K. P. Emory: Stone Implements of Pitcairn Island in Journal of the Polynesian Society, Band 6, Auckland 1928
  7. Frederick William Beechey: Narrative of a Voyage to the Pacific and Beering´s Strait, to Co-operate With the Polar Expeditions Performed in His Majesty´s Ship Blossom Under the Command of Captain F. W. Beechey R.N. in the Years 1825, 1826, 1827, 1828, London 1831, S. 138-139
  8. Herbert Ford: Pitcairn Port of Call, Angwin (Cal) 1996
  9. Rosalind Amelia Young: Mutiny of the Bounty and story of Pitcairn Island, 1790-1894, Portland (Oregon) s.a., S. 224 ff.
  10. Board of Trade, Wreck Report for 'Bowdon', Liverpool 1893
  11. Josiah Nickerson Knowles: Crusoes of Pitcairn Island - The shipwreck diary of Captain Josiah N. Knowles, master of the California clipper, Wild Wave, 1858, Los Angeles 1957
  12. James S. Wallace: The 'Pitcairn' Ship and Her Six Voyages, Berrien Springs (MI), 1972