Oerlikon

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Dieser Artikel beschreibt den Stadtteil von Zürich, weitere Bedeutungen unter Oerlikon (Begriffsklärung).
Wappen von Oerlikon
Wappen von Zürich
Oerlikon
Quartier von Zürich
Karte von Oerlikon
Koordinaten 683460 / 25164047.4102818.544459443Koordinaten: 47° 24′ 37″ N, 8° 32′ 40″ O; CH1903: 683460 / 251640
Höhe 443 m
Fläche 2,67 km²
Einwohner 21'294 (31. Mrz. 2012)
Bevölkerungsdichte 7975 Einwohner/km²
BFS-Nr. 261-115
Postleitzahl 8050, 8057
Stadtkreis Kreis 11 seit 1934

Oerlikon ist ein Quartier der Stadt Zürich. Die ehemals selbständige Gemeinde Oerlikon wurde 1934 eingemeindet und bildet heute zusammen mit Affoltern und Seebach den Kreis 11. Der Kreis 11 ist mit 70 748 Personen (Stand 2013) der bevölkerungsreichste Kreis der Stadt Zürich.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

In Rot über einem abwärts gebogenen silbernen Hufeisen eine gestürzte silberne Pflugschar

Die Pflugschar deutet auf die frühere Zugehörigkeit zur Gemeinde Schwamendingen hin. Das Hufeisen symbolisiert die Bedeutung Oerlikons auf dem Handelsweg nach Zürich. Hier wurden die Pferde beschlagen vor dem Aufstieg zum Milchbuck.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Der Name Oerlikon geht auf den alemannischen Siedlungsgründer Orilo zurück. Oerlikon wurde erstmals im Jahre 946 (andere Quelle: 942) urkundlich als Orlinchowa erwähnt.

In der Neuzeit zählte der Ort etwas mehr als ein dutzend Häuser und war Teil der Gemeinde Schwamendingen. Dort besuchten die Einwohner von Oerlikon auch die Schule und Kirche. 1855 eröffnete die Nordostbahn (NOB) die Stammstrecke Romanshorn–Winterthur–Oerlikon, die 1856 bis nach Zürich verlängert wurde und den süddeutschen Raum mit Zürich verbindet. Dadurch wurde Oerlikon für Industrie und Gewerbe interessant, was Oerlikon ein sehr schnelles Wachstum verschaffte. 1872 löste sich Oerlikon von Schwamendingen und wurde zu einer eigenständigen Gemeinde. Die 1876 gegründete Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) liess sich nördlich der Bahnlinie nieder und prägte die Gemeinde massgeblich. 1897 wurde die private Strassenbahn Zürich–Oerlikon–Seebach (ZOS) gebaut. Zweiglinien führten auch nach Schwamendingen und Opfikon. Gebaut und massgeblich finanziert wurde die Tramlinie von der MFO.

Eingemeindung[Bearbeiten]

Oerlikon entwickelte sich unabhängig von Zürich, erst 1934 wurde Oerlikon – zusammen mit Seebach, Affoltern, Schwamendingen, Witikon, Höngg, Altstetten und Albisrieden – in Zürich eingemeindet.

Oerlikon, das in der Vergangenheit vor allem ein Industriegebiet war, ist heute einer der am schnellsten wachsenden Stadtteile Zürichs.

Oerlikon geriet in den Jahren 1932 (s. Eisenbahnunfall von Oerlikon), 1992 und 2003 aufgrund von Zugunglücken am Bahnhof Oerlikon in die Schlagzeilen. Der Unfall von 1992 machte die Belastung des Bahnknotens Oerlikon durch die S-Bahn Zürich deutlich und führte zur Beschaffung des Zugsicherungssystems ZUB 121 bei den Schweizerischen Bundesbahnen.

Ausserdem fielen am 18. Mai 1943 Bomben von britischen Fliegern auf Oerlikon.[1]

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Oerlikon auf einer Luftbildfotografie von Walter Mittelholzer, am unteren Bildrand der Bahnhof Oerlikon mit dem Gelände der MFO (vor 1920)
Ansicht über das Parkareal des MFO-Parks auf Oerlikon, links das Swissôtel, in der Bildmitte der Neumarkt, im Hintergrund der Zürichberg
Hotel Swissôtel

Südlich der Bahnlinie befindet sich das Zentrum von Oerlikon mit den Einkaufszentren Neumarkt und züri 11 shopping, dem markanten Hochhausgebäude des Hotels Swissôtel und dem Marktplatz.

Nördlich des Bahnhofs entsteht das neue Quartier Neu-Oerlikon (vormals Zentrum Zürich Nord). Im ehemaligen Industriequartier wird neuer Wohn- und Lebensraum geschaffen. Die sehr urban wirkende Architektur wird aufgelockert durch grosszügige Parkanlagen. In den letzten Jahren wurden vier neue, in der Fachwelt sehr angesehene Parks angelegt: Der Oerliker Park mit Aussichtsturm, gestaltet von den Landschaftsarchitekten Zulauf + Partner, der MFO-Park der Architekten Burckhardt und Partner, auf dem Areal der früheren Maschinenfabrik Oerlikon, der Wahlenpark[2] vom Künstler und Architekten Christopher T. Hunziker und Dipol und der Louis-Häfliger-Park. Der Gustav-Ammann-Park wurde bereits 1942 nach den Plänen des Gartenarchitekten Gustav Ammann als sogenannter Wohlfahrtsgarten der angelegt und ist auch nach über 50 Jahren eine beschauliche Oase der Ruhe. Auch wurde ein weiteres Einkaufszentrum; das Center Eleven gebaut. Dieses liegt sehr zentral im Quartier.

Entlang der Regensbergstrasse stehen mehrere teils monumentale Volksschulbauten (Gubel, Liguster, Halde), südlich davon befindet sich das weitläufige Gartenquartier Allenmoos mit Bauten aus dem gesamten 20. Jahrhundert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die 1876 gegründete Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) war das erste grosse Industrieunternehmen in Oerlikon. Sie wurde 1967 von Brown, Boveri & Cie übernommen, aus der 1988 die ABB entstand, deren Konzernsitz sich in Oerlikon befindet.

Aus der 1906 aus der MFO ausgelagerten Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon entstand der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle, der in den 1990er Jahren massiv umstrukturiert wurde. Aus dem Mischkonzern wurde unter Verkauf diverser Beteiligungen und Unternehmenszweige die Technologieholding Unaxis, die sich inzwischen OC Oerlikon Corporation nennt und deren Tochterunternehmen teilweise noch in Oerlikon und Seebach angesiedelt sind. Die Oerlikon Contraves AG, eine ehemalige Oerlikon-Bührle-Tochter ist weiterhin in Oerlikon ansässig, gleiches gilt für die Allreal Generalunternehmung AG, die ehemalige Oerlikon-Bührle Immobilien AG.

Auf dem ehemaligen MFO-Areal ist inzwischen unter anderem PricewaterhouseCoopers ansässig. Ein weiteres globales Unternehmen, dessen Schweizer Sitz sich in Oerlikon befindet ist Bombardier Transportation, deren weltweites Lokomotiven- und Traktionsentwicklungszentrum auf dem noch aktiven ABB-Areal (Toro 1) untergebracht ist.

In Oerlikon befinden sich unter anderem das Hallenstadion, die Offene Rennbahn Zürich-Oerlikon und das ehemalige Züspa-Messegelände, das seit 1998 im Messezentrum der Messe Zürich zusammengefasst ist.

Der Bahnhof Zürich Oerlikon ist ein wichtiger Knotenpunkt im Netz der S-Bahn Zürich und bietet auch Anschlüsse an den nationalen Fernverkehr. Er bildet ein Nadelöhr für den Zugsverkehr. Mit dem Bau des zweiten Durchgangsbahnhofes (Projekt Löwenstrasse) und dem Weinbergtunnel wurde dem zumindest teilweise Abhilfe geschaffen. Bis 2016 wird der Bahnhof massiv ausgebaut und erhält eine eigene Einkaufspassage. Gleich daneben entstehen zwei neue 80 Meter hohe Hochhäuser der SBB bis 2018, der Andreasturm und der Franklinturm.

Zudem wird Oerlikon von den Tramlinien 10, 11 und 14 der Verkehrsbetriebe Zürich, sowie einer Reihe von Buslinien erschlossen. Oerlikon ist auch der Ausgangspunkt der Glattalbahn der Verkehrsbetriebe Glattal.

Kirchgemeinden und Religionen[Bearbeiten]

Kapelle von Oerlikon 1842

Im Stadtteil Oerlikon sind folgende Kirchen und Religionsgemeinschaften anzutreffen:[3]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Oerlikon ist ein wichtiges Zentrum im Bildungsbereich. Im Quartier gibt es zwei Kantonsschulen, die Kantonsschule Oerlikon und die Kantonsschule Birch. Zudem lagert die Universität Zürich zunehmend einzelne Lehr- und Forschungseinrichtungen vom Zentrum nach Oerlikon aus. An der Universität Nord befinden sich die Institute für Informatik, Psychologie und Computerlinguistik. Auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs, im Cityport, findet sich das Institut für Politikwissenschaft.

In Oerlikon befindet sich auch das kantonale Zentrum für Berufsberatung.

Kultur[Bearbeiten]

Seit Dezember 2006 besteht nach einer eineinhalb jährigen Umgestaltung des ehemaligen Stadthof 11 das mit vielen Architekturpreisen ausgezeichnete Theater 11. Die neben der Messe Zürich und dem Hallenstadion gelegene Spielstätte verfügt über 1500 Sitzplätze.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • HR Giger (1944–2014), Künstler
  • Franz Hohler (* 1943), Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher, lebt in Oerlikon
  • Li Tobler (1948–1975), Schauspielerin, Modell und Galeristin

Literatur[Bearbeiten]

  • Armin Bollinger: Oerlikon. Geschichte einer Zürcher Gemeinde. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Quartierverein Oerlikon, Zürich 1983.
  • Hochbaudepartement der Stadt Zürich, Amt für Städtebau: Affoltern, Oerlikon, Schwamendingen, Seebach. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2003 (Baukultur in Zürich, Band I), ISBN 3-03823-034-0
  • Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Oerlikon. Zürich 2009 (Online)
  • Roland W. Scholz et al.: Zentrum Zürich Nord – Stadt im Aufbruch: Bausteine für eine nachhaltige Stadtentwicklung. (ETH-UNS Fallstudie 1996). VDF Hochschulverlag, Zürich 1997, ISBN 3-7281-2319-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oerlikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vor 60 Jahren fielen Bomben auf Zürich in: NZZ vom 4. März 2005
  2. stadt-zuerich.ch: Wahlenpark., Zugriff am 2. März 2011
  3. Vgl. zum Folgenden: Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. Zürich 2013, S.121-126
  4. Theater 11