Fragetechnik

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Als Fragetechnik wird umgangssprachlich der Einsatz von offenen und geschlossenen Fragen zur gezielten Gesprächsführung bezeichnet. Eine Frage sollte als solche sprachlich erkennbar sein. Hierbei stellt die Intonation (Betonung, Tonhöhe und -verlauf) das wichtigste Mittel dar.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ziel

Das Ziel der angewandten Fragetechnik ist es, ein Interview oder einen Dialog zu beginnen bzw. zu vertiefen und ggf. das Gegenüber dabei rhetorisch zu lenken. Durch die geschickte Auswahl der Frageform bestimmt der Fragesteller den Grad der Einflussnahme (mehr oder weniger direktive Kommunikation).

Eine Gesprächsführung, die sich zwar der Fragetechnik bedient, jedoch keinerlei Beeinflussung beabsichtigt, ist in der Marktforschung sowie im therapeutischen Bereich als nondirektive Gesprächsführung bekannt. Ihr Gegenteil ist die manipulative Fragetechnik im Verkaufsgespräch und in der Demagogie.

[Bearbeiten] Ebenen

Wichtig für den Prozess der Fragetechnik sind folgende Bereiche:

  • Reflexion
  • Sachposition
  • Interesse
  • Beziehung
  • Charakter
  • Antrieb

Die Klärung dieser Elemente steht im Mittelpunkt der Fragetechnik. Nach der These Wer fragt, der führt, versucht der Fragesteller sich Informationen zu beschaffen, indem er die verschiedenen Fragetechniken z.T. kombiniert und im Wechsel miteinander geschickt anwendet.

[Bearbeiten] Fragekategorien

Zu unterscheiden sind offene und geschlossene Fragen. Diese beiden Kategorien der Fragetechnik fassen alle in der deutschen Sprache möglichen Frageformen nach dem Grad ihrer Beeinflussung zusammen.

[Bearbeiten] Offene Fragen

Als offene (oder öffnende) Fragen werden solche Fragen bezeichnet, die dem Gegenüber eine freie Assoziation innerhalb seiner Antwort erlauben. Sie begrenzen den Gesprächspartner nicht, sondern fordern ihn auf, sich inhaltlich oder persönlich zu beteiligen. Die bisherige Meinung, dass offene Fragen so genannte "W"-Fragen sind, ist überholt. Auch W-Fragen können Entscheidungsfragen sein, deren Antworthorizont vorgegeben ist.

Beispiele:

  • „Wie alt sind Sie?“
  • „Wer hat aus dem Glas getrunken?“

Hierbei erhalten Dimensionen der offenen Gesprächsführung wie Empathie, Wertschätzung und Fokussieren eine herausragende Bedeutung für das Gelingen der Befragung.

[Bearbeiten] Geschlossene Fragen

[Bearbeiten] Entscheidungsfragen

Nach einer älteren Definition gelten als geschlossene Fragen nur Entscheidungsfragen, d. h. Fragen, auf die das Gegenüber entweder mit Ja oder Nein antworten kann.

Einige Beispiele für geschlossene Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden können:

  • Haben Sie heute schon etwas für den Abend geplant?
  • Sehen wir uns dann beim Empfang?
  • Darf ich Sie abholen?
  • Ist es Ihnen um 19 Uhr recht?
  • Ist Ihre Gattin ebenfalls dabei?

[Bearbeiten] Alternativfragen

Als Alternativfrage wird die Kombination mit von zwei (oder selten mehr) Wahlmöglichkeiten bezeichnet. Sie kann, muss aber nicht grammatisch vollständige Entscheidungsfragen verbinden; sinngemäß werden allerdings in jedem Fall Entscheidungsfragen kombiniert.

Eine Alternativfrage lässt dem Befragten nur die Möglichkeit, mit einer der angebotenen Möglichkeiten (aber nicht mit ja oder nein) zu antworten.

Verkürzte Formen:

  • Sollen wir mit dem Fahrrad oder mit dem Bus fahren?
    (steht für: Sollen wir mit dem Fahrrad fahren? Oder sollen wir mit dem Bus fahren? Antwort z. B.: mit dem Fahrrad / ersteres oder mit dem Bus / letzteres)
  • Möchten Sie ins Theater oder ins Konzert gehen?
    (steht für: Möchten Sie ins Theater gehen? Oder möchten Sie ins Konzert gehen? Antwort z. B.: ins Theater oder ins Konzert)

Verbindung zweier vollständiger Entscheidungsfragen:

  • Hast du nun Lust oder hast du keine?
    (Antwort z. B.: Ich habe Lust oder Ich habe keine (Lust))
  • Ist der letzte Film von Humphrey Bogart noch zu seinen Lebzeiten erschienen oder ist er erst später in die Kinos gekommen?
    (Antwort z. B.: zu seinen Lebzeiten/ Er ist zu noch zu seinen Lebzeiten erschienen oder erst später)

Wenn keine der Wahlmöglichkeiten zutrifft, wird die Frage umgangssprachlich oft mit weder noch beantwortet.

[Bearbeiten] Geschlossene W-Fragen

Bei den geschlossenen W-Fragen ist die Antwort ebenfalls impliziert und von vorne herein z. B. auf eine Ortsangabe, einen Namen, die Uhrzeit oder eine Mengenangabe beschränkt:

  • Wo (ist es passiert?)
  • Wer (hat es gesehen?)
  • Wann (ist es geschehen?)
  • Wieviele (Menschen sind betroffen?)

[Bearbeiten] Paraphrasierung

Eine etwas umfangreichere Form der geschlossenen Frage ist die so genannte Paraphrasierung, bei der die Botschaft verkürzt auf den affektiven Anteil (die emotionale Bedeutung) für eine kurze Bestätigung durch das Gegenüber gegengefragt wird.

Beispiel: Habe ich Sie richtig verstanden, dass es Ihnen vor allem darum geht, jetzt möglichst schnell wieder produzieren zu können und deswegen der Termin verschoben werden soll?

[Bearbeiten] Reflexion

Soll eher der kognitive Anteil der Aussage bestätigt werden, findet die so genannte Reflexion Anwendung, in welcher der Sachverhalt zur kurzen Bestätigung zurückgefragt wird.

Beispiel: Sie wollen also sagen, dass Ihnen die Gliederung meiner Facharbeit zu ungenau ist?

[Bearbeiten] Offene W-Fragen in der Praxis

Die Sechs W-Fragen sind für einen Journalisten die Fragen, deren Antwort den Beginn jeder guten Meldung in einer Zeitung oder den Nachrichten ausmachen soll und die auch die Grundlage jeder Recherche bilden.

In der logischen Reihenfolge ihrer Beantwortung lauten sie:

  • Was geschah?
  • Wer ist beteiligt?
  • Wo geschah es?
  • Wann geschah es?
  • Wie geschah es?
  • Warum geschah es?

Auch für die Unfallaufnahme von Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr sind Angaben über die durch geschlossene W-Fragen zu ermittelnden Sachverhalte von zentraler Bedeutung. Daher sollte jede Unfallmeldung zumindest die folgenden Fragen beantworten:

  • Wo geschah es?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzungen/Schäden liegen vor?
  • Warten auf Rückfragen!

Als erstes sollte immer der Ort genannt werden, damit auch dann Hilfe geschickt werden kann, wenn das Gespräch unterbrochen werden sollte.

Gut merken läßt sich auch der folgende Satz: Wer hat wann, wo wem geschadet, warum wurde wie, was getan?

[Bearbeiten] Frageformen

Fragen, die nach ihrem Ziel oder inneren Bezug benannt werden, lassen sich nicht abschließend kategorisieren. Neben einer Vielzahl von möglichen Fragezielen bestimmt auch die jeweilige Beliebtheit der einen oder anderen Form innerhalb der Rhetorik ihre Bekanntheit.

Einige sehr bekannte Frageformen sind (alphabetisch):

  • Abschlussfrage: Bestätigung des Kunden in Form einer Frage abverlangen.
Beispiel: Wann sollen wir denn liefern?
  • Alternativfrage: Durch die Vorgabe von zwei oder mehreren Alternativen wird Entscheidungsfreiraum suggeriert.
Beispiel: Wir haben hier die Farbpalette für diese Saison. Bevorzugen Sie rot, grün oder gelb?
  • Angriffsfrage: Durch den Inhalt (und möglicherweise die Betonung) der Frage soll der Gesprächspartner unter Druck gesetzt werden.
Beispiel: Wollen Sie sich etwa um dieses unangenehme Thema drücken?
  • Gegenfrage: Durch die Rückgabe einer Frage wird eine Konfrontation oder Präzisierung eingefordert.
Beispiel: Wie meinen Sie das?
  • Initialfrage: Zu Beginn eines Klärungs- oder Dialogprozesses wird eine Motivation hervorgerufen.
Beispiel: Welches ist der wichtigste Punkt für Sie heute?
  • Kontrollfrage: Zahlen, Daten, Fakten oder Ansichten werden reflektiert.
Beispiel: Habe ich Sie richtig verstanden, dass es nur noch um den Preis geht?
  • Meinungsfrage: Sie geht auf Wertvorstellungen und persönliche Vorannahmen des Gesprächspartners ein.
Beispiel: Wie stehen Sie zu der Angelegenheit?
  • Motivfrage: Diese Frageform soll den Antrieb des Gesprächspartners erkunden.
Beispiel: Welchen Sinn hat für Sie die Abschaffung der Begrenzung in diesem Fall?
  • Nutzwertfrage: Hier wird der sachliche Vorteil erfragt.
Beispiel: Wofür wollen Sie den LKW denn einsetzen?
  • Referenzfrage: Indem eine Bezugsperson oder -sache eingefordert wird, bedrängt man sein Gegenüber.
Beispiel: Woran orientieren Sie denn letztlich Ihr professionelles Handeln?
Beispiel: Wollen wir nicht alle, dass unsere Kinder gesund groß werden?
  • Skalierende Frage: Eine Frage, die eine allgemeine Aussage konkretisiert und vergleicht.
Aussage: "Mir geht es dreckig!"
Frage: "Auf einer Skala von 1 bis 10 - mit 10 als der maximalen Belastung - wie würden Sie sich einordnen?"
  • Stimulierungsfrage : Ein Lob oder die Ächtung eines gemeinsamen Gegners bezieht Emotionen in das Thema ein.
Beispiel: Wissen Sie denn nicht, dass diese Partei auch uns schon angegriffen hat?
  • Suggestivfrage: Mit Hilfe einer hypothetisch in Frage gestellten Vorgabe wird dem Gesprächspartner eine Antwort in den Mund gelegt.
Beispiel: Sicher haben Sie sich auch schon einen Urlaubstermin überlegt, oder?
  • Verdeckte Frage: Eine Frage, deren eigentliches (möglicherweise für den Befragten nicht erkennbares) Ziel über einen Umweg erreicht werden soll.
Beispiel: Haben Sie einen Parkplatz direkt vor dem Haus gefunden? (Eigentliches Ziel: Haben Sie einen Führerschein?)
  • Wunderfrage: Ein Frage aus der Systemischen Therapie (Systemisches Coaching), um unklare Wünsche des Klienten zu konkretisieren.
Beispiel: "Angenommen über Nacht wäre ein Wunder passiert und ihre Wünsche hätten sich erfüllt: Woran würden Sie dies erkennen?"

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Links

Weiterführend:

[Bearbeiten] Literatur

  • Richard Geml, Hermann Lauer: Das kleine Marketing-Lexikon. 3. Auflage, Düsseldorf 2004, ISBN 3-87881-183-7
  • Hanko Bommert / Ralf Kleyböcker / Andrea Voß-Frick: TV-Interviews im Urteil der Zuschauer 2002, Münster: LIT, ISBN 3-8258-6073-6
  • Hanko Bommert / Andrea Voß-Frick: Fakten und Images: Interviews im dualen System des deutschen Fernsehens 2005, Münster: LIT , ISBN 3-8258-8366-3
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