Offene Menge
In dem Teilgebiet Topologie der Mathematik ist eine offene Menge eine Menge mit einer genau definierten Eigenschaft (siehe unten). Anschaulich ist eine Menge offen, wenn ihre Elemente nur von Elementen dieser Menge umgeben sind, mit anderen Worten, wenn kein Element der Menge auf ihrem Rand liegt. Die Komplementärmenge einer offenen Menge nennt man abgeschlossene Menge. Diese Mengen sind dadurch charakterisiert, dass sie alle ihre Häufungspunkte enthalten.
Ein einfaches Beispiel einer offenen Menge ist das Intervall
in den reellen Zahlen. Jede reelle Zahl
mit der Eigenschaft
ist nur von Zahlen mit derselben Eigenschaft umgeben: Wähle als Umgebung die Menge
, dann sind das die Zahlen zwischen 0 und 1. Deshalb nennt man das Intervall
ein offenes Intervall. Dagegen ist das Intervall
nicht offen, denn „rechts“ vom Element 1 (größer als 1) ist kein Element des Intervalls
mehr.
Ob eine Menge offen ist oder nicht, hängt von dem Raum ab, in dem sie liegt. Die rationalen Zahlen
mit
bilden eine offene Menge in den rationalen Zahlen, aber nicht in den reellen Zahlen.
Zu beachten ist, dass es sowohl Mengen gibt, die weder abgeschlossen noch offen sind, wie etwa das Intervall
, als auch Mengen, die beides sind, wie die leere Menge. Solche Mengen, die gleichzeitig offen und abgeschlossen sind, werden als abgeschlossene offene Menge oder nach dem englischen Begriff als clopen set bezeichnet.
Die Unterscheidung offener und abgeschlossener Mengen lässt sich auch mit Hilfe des Randes einer Menge treffen. Gehört dieser vollständig zur Menge dazu, so ist sie abgeschlossen. Gehört der Rand vollständig zum Komplement der Menge, so ist die Menge offen.
Der Begriff der offenen Menge lässt sich auf verschiedenen Abstraktionsstufen definieren. Wir gehen hier vom anschaulichen euklidischen Raum über den metrischen Raum zum allgemeinsten Kontext, dem topologischen Raum.
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Euklidischer Raum [Bearbeiten]
Definition [Bearbeiten]
Ist
eine Teilmenge des
-dimensionalen euklidischen Raums
, dann nennt man
offen, falls gilt:
- Für jedes
aus
gibt es eine reelle Zahl
, sodass jeder Punkt
des
, dessen Abstand zu
kleiner ist als
, in
liegt.
Erläuterung [Bearbeiten]
Man beachte, dass
vom Punkt
abhängt, d.h., für verschiedene Punkte gibt es verschiedene
. Anschaulich ist die Menge der Punkte, deren Abstand von
kleiner ist als
, eine Kugel, und zwar nur das Innere ohne die Oberfläche. Man nennt sie deshalb auch eine offene Kugel. (Im
ist diese Kugel das Innere eines Kreises.) Diese Kugel ist die in der Einleitung angesprochene Umgebung von Punkten aus
.
Metrischer Raum [Bearbeiten]
Definition [Bearbeiten]
Sei
ein metrischer Raum und
eine Teilmenge von
. Man nennt
dann offen (bzgl. der von
induzierten Topologie), wenn gilt:
- Für jedes
aus
gibt es eine reelle Zahl
, so dass für jeden Punkt
aus
gilt: Aus
folgt, dass
in
liegt.
Auch hier hängt die Wahl von
von
ab. Die Aussage ist äquivalent zu folgender: Die oben beschriebene Teilmenge
heißt offen, wenn jeder ihrer Punkte ein innerer Punkt ist.
Offene Kugel [Bearbeiten]
In Analogie zum euklidischen Raum nennt man die Menge der Punkte
, deren Abstand
zu
kleiner als
ist, eine offene Kugel. Formal schreibt man
und nennt diese Menge die offene Kugel in
mit Mittelpunkt
und reellem Radius
.
Bei der offenen Kugel wird der Rand bzw. die Hülle der Kugel nicht mit einbezogen: Alle
der Grundmenge
, die zum Mittelpunkt
einen kleineren Abstand als den Radius
haben, gehören zur Kugel. (Beachte die im Artikel Normierter Raum gegebenen Beispiele, dass eine Kugel bezüglich einer Metrik nicht immer „kugelförmig“ bzw. „kreisförmig“ ist.)
Die Definition einer offenen Menge lässt sich nun so schreiben:
Sei
ein metrischer Raum. Dann heißt eine Teilmenge
von
offen, falls gilt:
Diese Definition ist eine Verallgemeinerung der Definition für euklidische Räume, denn jeder euklidische Raum ist ein metrischer Raum, und für euklidische Räume stimmen die Definitionen überein.
Beispiele [Bearbeiten]
Betrachtet man die reellen Zahlen
mit der üblichen euklidischen Metrik, so sind die folgenden Beispiele offene Mengen:
- Das oben genannte offene Intervall
, das sind alle Zahlen zwischen 0 und 1 ausschließlich. Dieses Intervall ist auch ein Beispiel für eine offene Kugel in
.
selbst ist offen.- Die leere Menge ist offen.
- Die Menge
der rationalen Zahlen ist offen in
, aber nicht offen in
. - Das Intervall
ist nicht offen in
, die Menge aller rationalen Zahlen
mit
ist dagegen offen in
.
Im
kann man sich offene Mengen vorstellen als Mengen, bei denen man den Rand weggelassen hat.
Eigenschaften [Bearbeiten]
Jede offene Kugel ist eine offene Menge. Der Beweis dazu wird veranschaulicht von nachfolgender Abbildung: Zum Punkt
der offenen Kugel
findet man ein
, nämlich
, so dass
ganz in
liegt. Analog sieht man an dieser Darstellung, dass jede abgeschlossene Kugel abgeschlossen ist.
Der Durchschnitt zweier offener Mengen ist wieder eine offene Menge. (Zum Beweis wählt man einen Punkt aus dem Durchschnitt; es gibt dann zwei Kugeln um den Punkt, von denen die kleinere in beiden Mengen, also im Durchschnitt, liegt.) Daraus kann man folgern, dass der Schnitt endlich vieler offener Mengen offen ist. Hingegen muss der Durchschnitt unendlich vieler offener Mengen nicht offen sein. Betrachtet man beispielsweise im
die Schnittmenge aller offenen Intervalle
, wobei
alle natürlichen Zahlen durchläuft, so ergibt sich die einelementige Menge
, die nicht offen ist:
![\bigcap_{a\in\N} \left(-\frac{1}{a}, \frac{1}{a}\right) = \left[\lim_{a\to\infty} -\frac{1}{a}, \lim_{a\to\infty} \frac{1}{a}\right] = [0,0] = \{0\}](http://upload.wikimedia.org/math/5/1/1/5111d13642f0575d70e8bac74cd87f48.png)
Die Vereinigung beliebig vieler (also auch unendlich vieler) offener Mengen ist offen. (Zum Beweis wählt man wieder einen Punkt aus der Vereinigung; es gibt dann eine Kugel um diesen Punkt, der in einer der vereinigten offenen Mengen, also auch in der Vereinigung, liegt.)
Topologischer Raum [Bearbeiten]
Die offenen Kugeln in metrischen Räumen sind die einfachsten Beispiele von Umgebungen in der Topologie. Um offene Mengen in einem noch allgemeineren Kontext zu definieren, muss man das Konzept der Kugel fallen lassen.
Bei der Definition eines topologischen Raumes
ist „Offenheit“ ein grundlegender Begriff, der nur durch seine Eigenschaften erklärt wird.
Definition [Bearbeiten]
Falls T eine Menge von Teilmengen von X mit den folgenden Eigenschaften ist:
Die leere Menge und die Grundmenge X sind Elemente von T
Jede Vereinigung von Elementen von T ist selbst Element von T
Der Schnitt endlich vieler Elemente von T ist Element von T,
so nennt man T eine Topologie auf X, und die Elemente von T heißen offene Mengen des topologischen Raums (X, T).
Diese Definition ist eine Verallgemeinerung der Definition für metrische Räume: Die Menge T aller offener Mengen eines metrischen Raums (X, d) ist eine Topologie, so dass (X, T) ein topologischer Raum ist.
Verwendung des Begriffs der offenen Menge [Bearbeiten]
Inneres [Bearbeiten]
Jede Teilmenge A eines topologischen (oder metrischen) Raumes X enthält eine (möglicherweise leere) offene Menge. Die größte offene Teilmenge von A nennt man das Innere von A; man erhält es zum Beispiel als Vereinigung aller offener Teilmengen von A. Beachte, dass die Teilmengen offen in X sein müssen, nicht nur offen in A. (A selbst ist stets offen in A.)
Stetigkeit [Bearbeiten]
Sind zwei topologische Räume X und Y gegeben, dann ist eine Abbildung
genau dann stetig, falls jedes Urbild einer offenen Teilmenge von Y offen in X ist. Anstatt zu fordern, dass das Urbild einer offenen Teilmenge offen ist, kann man fordern, dass das Urbild einer abgeschlossenen Teilmenge abgeschlossen ist. Das ist eine äquivalente Definition für die Stetigkeit.
Offene Abbildung [Bearbeiten]
Die Abbildung
heißt hingegen offene Abbildung, wenn das Bild jeder offenen Menge offen ist. Jedoch kann man hier im Gegensatz zur Stetigkeit das Wort offen nicht durch abgeschlossen ersetzen. Die Abbildung
mit
ist offen, bildet jedoch die abgeschlossene Menge
auf
ab. Mit Hilfe der offenen Abbildung kann man nun die Inversen einer bijektiven Abbildung auf Stetigkeit untersuchen. Denn eine bijektive Abbildung ist genau dann offen, wenn ihre inverse Abbildung stetig ist. Ein zentraler Satz aus der Funktionalanalysis über offene lineare Abbildungen ist der Satz von der offenen Abbildung.
Eine Abbildung heißt relativ offen, wenn sie eine offene Abbildung auf die Teilraumtopologie ihres Bildes ist.
Literatur [Bearbeiten]
- Boto von Querenburg: Mengentheoretische Topologie. 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-540-67790-9 (Springer-Lehrbuch).
, sodass jeder Punkt
folgt, dass 

der rationalen Zahlen ist offen in
ist nicht offen in
ist dagegen offen in 
Die leere Menge und die Grundmenge X sind Elemente von T
Jede Vereinigung von Elementen von T ist selbst Element von T
Der Schnitt endlich vieler Elemente von T ist Element von T,