Oh Mercy

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Oh Mercy
Studioalbum von Bob Dylan
Veröffentlichung 22. September 1989
Label Columbia Records
Format LP
Genre Rock
Anzahl der Titel 10
Laufzeit 37 min 54 s

Besetzung

  • Bob Dylan (git, p, voc)
  • Malcolm Burn (key, perc)
  • Rockin’ Dopsie (acc)
  • Willie Green (dr)
  • Tony Hall (b)
  • John Hart (sax)
  • Daryl Johnson (perc)
  • Larry Jolivet (b)
  • Daniel Lanois (git, steel-git, do, omn)
  • Cyril Neville (perc)
  • Alton Rubin Jr. (dr)
  • David Rubin Jr. (sb)
  • Mason Ruffner (git)
  • Brian Stoltz (git)
  • Paul Synegal (git)
Produktion Daniel Lanois
Studio März bis April 1989
Chronologie
Down in the Groove
(1988)
Oh Mercy Under the Red Sky
(1990)

Oh Mercy ist das 26. Studioalbum des US-amerikanischen Songwriters Bob Dylan. Erschienen im Jahr 1989, steht es chronologisch zwischen dem Vorgänger Down in the Groove (1988) und dem 1990 erschienenen Folgealbum Under the Red Sky. Verglichen mit anderen Dylan-Alben der 1980er kam Oh Mercy bei der Kritik gut weg. Eine Reihe Kritiker bewerteten das Album als beste Dylan-Platte des Jahrzehnts. Als herausragende Stücke gewertet wurden vor allem der Opener Political World sowie die düstere Ballade Man In the Long Black Coat.

Inhalte und Hintergründe[Bearbeiten]

Das Songmaterial zu Oh Mercy entstand nach einer strapaziösen Tournee durch Kanada, im Verlauf einer Erholungsphase, in der sich Bob Dylan nach Minnesota zurückzog. Zwischen November 1988 und März 1989 schrieb Dylan nicht nur die Stücke für das neue Album. Mit der Never Ending Tour plante er darüber hinaus das Konzept für seine zukünftigen Liveauftritte. Die Aufnahmen zu Oh Mercy fanden in New Orleans statt. Produzent war Daniel Lanois. Die Anzahl der beteiligten Gastmusiker – darunter Cyril Neville von der bekannten R&B-Formation Neville Brothers sowie Produzent Lanois – war mit rund einem Dutzend vergleichsweise gering.[1]

Das Songmaterial der neuen Platte stammte diesmal ausnahmslos von Dylan selbst. Musikalisch dominierte, im Unterschied zu den Vorgängerproduktionen, ein stark vom Blues beeinflusster, abgespeckter Singer-Songwriter-Sound, bei dem als Leitinstrumente Orgel und Piano stark im Vordergrund standen. Political World, der Opener der Platte, behandelte thematisch die Suche des Einzelnen nach Liebe in einer Welt, in der es letztlich nur um Macht und wirtschaftliche Interessen geht. Zweites Stück war Ring Them Bells, ein langsam gehaltenes Lied mit religiösem Inhalt. Disease of Conceit behandelte das Thema Religion auf moralische Weise. Laut Angaben Dylans war der Titel von dem Sexskandal um den Baptistenprediger Jimmy Swaggart inspiriert worden, der über den Kontakt mit einer Prostituierten gestrauchelt war. Most of the Time, ein im Stil von Lou Reeds Walk on the Wild Side vorgetragenes Stück, war – wie eine Reihe anderer Stücke Dylans in der Vergangenheit – ein Liebeslied über eine vergangene Beziehung. Das Bluessstück Everything Is Broken thematisierte ähnlich wie Political World eine kaputte Welt sowie zerbrochene Werte. Shooting Star, What Good Am I? sowie Where Teardrops Fall rückten moralische und existenzielle Fragen ebenfalls stark in den Vordergrund. Ein zweites Zugstück der Platte neben Political World war Man in the Long Black Coat: ein düsterer Song über einen Fremden im langen schwarzen Mantel, von dem die Protagonistin des Lieds sich magisch angezogen fühlt. Bildhaft gehalten war schließlich auch der Schlusstitel der Platte, What Was It You Wanted. Stark von der Gitarre bestimmt, stand er in der Tradition früher Dylan-Songs wie It Ain’t Me, Babe. Inhaltlich bekundete Dylan in ihm auf ein Neues Unverständnis angesichts des übersteigerten Interesses an seiner Person.[1]

Rezeption und Kritik[Bearbeiten]

Viele Kritiker bewerteten Oh Mercy als das mit Abstand beste Dylan-Album in den gesamten 1980ern. Positiv hervorgehoben beziehungsweise als glückliche Wahl gewertet wurde auch die Produktionsarbeit von Daniel Lanois. Das renommierte Musikmagazin Rolling Stone nahm Oh Mercy zum Anlass, den künstlerischen Stand Dylans mit dem der Rolling Stones zu vergleichen, die zeitgleich ebenfalls ein Album auf den Markt gebracht hatten (Steel Wheels).[2] Der Dylan-Autor Olaf Benzinger ordnete Oh Mercy mit folgendem Resümee in das Gesamtoeuvre des Sängers ein: „‚Oh Mercy‘ ist ein eindringliches Album mit Songs voller Intuition und einer nun wieder poetischen und kraftvollen Sprache. Das Hauptthema findet sich im Eröffnungssong ‚Political World‘: die Irrungen und Wirrungen, die der Einzelne in einer aus der Ordnung geratenen Welt erlebt. In seiner Mischung aus Liedern der Hoffnungslosigkeit und daneben des kleinen und ganz privaten Glücks zwischendrin zeigt sich ein Künstler, der seinen Platz in der Welt wieder gefunden hat, ohne diese Welt verdammen oder schönfärben zu müssen.“[3]

Outtakes und Coverversionen[Bearbeiten]

Wie bei anderen Dylan-Studioalben auch wurden mehrere Stücke der Aufnahmesessions auf der Platte nicht veröffentlicht. Dignity, ein bekannterer Dylan-Song, wurde auf dem Album Greatest Hits Vol. 3 (1994) erstveröffentlicht, Series of Dreams auf Bootleg Series Vol. 3 und God Knows, Born in Time sowie Dignity (als Klavierdemo) auf Bootleg Series Vol. 8. Einige Stücke des Oh-Mercy-Repertoires wurden auf anderen Dylan-Alben wiederveröffentlicht oder – teils von anderen Musikern – neu eingespielt. Man in the Long Black Coat war Teil des Soundtracks der TV-Serie Heroes. Most of the Time erfuhr zwei Neuversionen – einmal in Form eines Alternate Takes auf Bootleg Series Vol. 8 und einmal in der Version von Sophie Zelmani auf Masked and Anonymous, dem Soundtrack zu einem Film, in dem Bob Dylan die Hauptrolle spielte.

Wie die meisten Titel von Bob Dylan wurden auch die Stücke von Oh Mercy mehr oder weniger ausgiebig von anderen Künstlern gecovert. Den Plattenopener Political World coverten unter anderem die Bluegrass-Formation Carolina Chocolate Drops und der Dylan-Coverinterpret Michel Montecrossa. Montecrossa spielte auch eine Cover-Version von Man in the Long Black Coat ein. Das Stück wurde zum meist-fremdinterpretierten Titel der Platte mit Interpretationen unter anderem von der Artrock-Formation Emerson, Lake & Palmer, von Steve Hackett, Steve Gibbons, Joan Osborne, Mark Lanegan (Ex-Screaming Trees, auf dem Soundtrack-Album zu der Dylan-Filmbiografie I’m Not There), Barb Jungr und der deutschen Nu-Jazz-Formation Nighthawks. Ins Repertoire anderer Künstler gelangen auch weitere Songs von Oh Mercy. Ring Them Bells wurde unter anderem von Joe Cocker, Joan Baez, Steve Gibbons und Barb Jungr interpretiert, Most Of the Time von der Rockgruppe Status Quo und der Beatboxing-Formation Bauchklang, Everything Is Broken von dem Bluesmusiker Kenny Wayne Shepherd, von Bettye LaVette sowie Mr Hudson. What Was It You Wanted schließlich nahm der Country-Musiker Willie Nelson in sein Repertoire mit auf.[1][4]

Sonstiges[Bearbeiten]

Coverabbildung von Oh Mercy war ein Mural mit der expressionistisch simplifizierten Abbildung eines Mannes und einer Frau. Kursierenden Berichten zufolge fiel Dylan das an ein Garagentor in der 57sten Straße im Manhattaner Stadtviertel Hell’s Kitchen gesprühte Gemälde auf, als er mit dem Fahrrad ins Studio fuhr, um an dem finalen Mix für die anstehende Veröffentlichung von Oh Mercy zu arbeiten. Das Mural mit dem Titel Tanzendes Paar stammte von dem Graffiti-Künstler Trotsky. Berichten im Internet zufolge soll die Übernahme des Motivs auf das Cover von Oh Mercy zu einigen Folgeaufträgen für den Künstler geführt haben.[5][6]

Titelliste[Bearbeiten]

  1. Political World – 3:47
  2. Where Teardrops Fall – 2:32
  3. Everything Is Broken – 3:15
  4. Ring Them Bells – 3:00
  5. Man in the Long Black Coat – 4:32
  6. Most of the Time – 5:05
  7. What Good Am I? – 4:44
  8. Disease of Conceit – 3:43
  9. What Was It You Wanted? – 5:02
  10. Shooting Star – 3:14

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Olaf Benzinger: Bob Dylan. Die Geschichte seiner Musik. Aktualisierte Neuauflage, dtv, München 2006/2011, ISBN 978-3-423-34673-3; S. 225 ff.
  2. Bob Dylan: Oh Mercy, Anthony Decurtis, Rolling Stone, 21. September 1989
  3. Olaf Benzinger: Bob Dylan. Die Geschichte seiner Musik. Aktualisierte Neuauflage, dtv, München 2006/2011, ISBN 978-3-423-34673-3; S. 232-233
  4. laut Angaben im iTunes Store, abgefragt am 31. Dezember 2013
  5. New vinyl reissue of Bob Dylan's 'Oh Mercy,' and the story of the cover art, Harold Lepidus, examiner.com, 15. August 2011
  6. Original Study by Trotsky for Bob Dylan Lp Oh Mercy, Jim Linderman, chalktalkbooks, aufgerufen am 31. Dezember 2013

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]