Ohrwurm
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Ohrwurm ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Musikstück oder einen Teil eines Musikstückes, das so eingängig ist, dass man es im Hören unwillkürlich mitsummt, oder das einem über einen längeren Zeitraum nicht aus dem Sinn geht[1]. Für den Begriff gibt es noch andere umgangssprachliche Umschreibungen, wie beispielsweise
- "Die Melodie geht mir nicht mehr aus dem Kopf."
Der Begriff soll bildlich ausdrücken, dass die Musik wie ein Wurm in den Gehörgang hineinkriecht und dort bleibt. Dieser Begriff wurde als Lehnwort earworm ins Englische übernommen.
James Kellaris, Professor an der Universität von Cincinnati, wies in seinen Studien nach, dass Menschen unterschiedliche Anfälligkeiten für das Ohrwurmphänomen besitzen, dass aber nahezu jeder einmal im Laufe der Zeit mit einem Ohrwurm zu tun hatte. Auch seien Frauen und Musiker eher dafür anfällig als andere [2].
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[Bearbeiten] Ursachen
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Die Eingängigkeit von Ohrwürmern ergibt sich häufig aus der Verwendung bestimmter musikalischer Klischees und einfacher Melodiefolgen (siehe auch Hookline). Neuere Überlegungen, die beispielsweise das Zipfsche Gesetz berücksichtigen, zeigen, dass es eine neurologische Grundlage zu geben scheint, aufgrund derer bestimmte Melodien eingängig sind:
Eine Art Melodietonleiter, die ähnlich zu der Akkordtonleiter durch Reproduktion vortrainierter und einfach zu aktivierender Neuronenfeuermuster bestimmt ist.
In diesem Sinne lässt sich die Tonleiter als Gitter von je um einen Frequenzfaktor 3 verschobenen Grundton interpretieren, das oktavenweise in den hörbaren Bereich zurückverschoben wurde. Bezüglich dieses Gitters benötigt ein Akkord, dessen Grundton um eine Oktave vom Nächsten abweicht, nur eine Nervenzelle zur Identifikation (eine Terz benötigt zwei Nervenzellen, eine Quinte vier, usw.).
Je mehr Nervenzellen zur Akkordidentifikation benötigt werden, desto „schräger“ klingt er, wenn keine dementsprechende Gewöhnung notwendig ist.
Trainingseffekte dieser Art sind in der Musik weit verbreitet.
Ein ähnlicher Mechanismus scheint bezüglich der Wiedererkennung von Melodien vorzuliegen, die besonders eingängig sind.
Besonders erfolgreiche Komponisten derartiger Ohrwürmer zeigen ein offensichtliches Einfühlungsvermögen in die weiträumig verbreiteten Melodienwiedererkennungsmuster, was die „Klischeehaftigkeit“ ihrer Werke bedingt.
Neuere Arbeiten, wie zum Beispiel die des Neurologen Vilayanur Ramachandran, zeigen, dass vermutlich 30 Prozent der Kommandonervenbahnen aus sogenannten Spiegelneuronen bestehen, die es erfolgreichen Komponisten ermöglichen, die Eingängigkeit ihrer Werke zu planen.
[Bearbeiten] Ohrwurm als Krankheit - musikalische Halluzinose bzw. Epilepsie
Ein einigen Fällen geht die Intensität und Häufigkeit der Wahrnehmung von Melodien über das normale Vorstellungsvermögen von Melodien bzw. einen sogenannten „Ohrwurm“ hinaus, so dass ein krankheitswertiges Symptom vorliegt. Manchmal gibt es einen Zusammenhang mit einer manifesten Epilepsie oder Hirnschädigung. Häufiger entwickelt sich das Phänomen aber spontan, meist bei älteren Menschen mit einer Hörminderung, ohne dass eine psychiatrische Erkrankung vorhanden ist. Die Symptomatik lässt sich sowohl im Sinne einer Deprivation (spontanes Ergänzen eines fehlenden Einganges an Reizen durch das Gehirn bei Schwerhörigkeit) als auch durch eine Überfunktion des auditiven Kortex erklären. Letzteres und das initial gute Ansprechen auf Antiepileptika sind der Grund, weshalb für die Symptomatik häufig die Bezeichnung musikalische Epilepsie gewählt wird, im Gegensatz zur musikogenen Epilepsie, bei der epileptische Anfälle durch das Hören real vorhandener Musik ausgelöst werden. Trotzdem wird das Phänomen meist noch als musikalische Halluzinose aufgeführt. Eine Antiepileptikatherapie lindert nur vorübergehend die Symptome, während gleichzeitig bei den Betroffenen Gewöhnungseffekt und Spontanbesserung einsetzen. Neuroleptika scheinen keine positiven Effekte zu haben.
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ vgl.: Duden 23. Auflage
- ↑ http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/3221499.stm
Zitat aus dem Interview:"But certainly some people are more susceptible than others. Women tend to be more susceptible than men, and musicians are more susceptible to them than non-musicians."
[Bearbeiten] Literatur
- Engmann, Birk; Reuter, Mike: Melodiewahrnehmung ohne äußeren Reiz. Halluzination oder Epilepsie? Nervenheilkunde 2009 28 4: 217-221.
- Sacks, Oliver: Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn. Rowohlt. Reinbeck. 2008.
- Manfred Spitzer: Musik im Kopf: Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk, Schattauer, 2002. ISBN 3-7945-2427-6
[Bearbeiten] Weblinks
- Dem Ohrwurm auf die Schliche gekommen (PDF-Datei; 103 kB)
- The Guardian - Vadim Prokhorov über das Ohrwurmphänomen (engl.)
- Die Zeit über das Phämomen

