Okklusionsebene

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Darstellung der Okklusionsebene, Spee´sche Kurve, Kompensationskurve und Winkelstellung, Angulation der Zähne zur Okklusionsebene nach G.–H. Schumacher. Die gerade Okklusionsebene ist eine künstliche Linie von den Frontzähnen zu den Molaren. Die Winkelangaben (+), (-) der Zahnachsen ergeben sich aus der Senkrechten auf die Okklusionsebene ( + oder – zu 90°).

Die Okklusionsebene (auch Kauebene oder Okklusalebene) beschreibt die räumliche Ebene, auf der sich die Zähne des Ober- und Unterkiefers treffen. Konstruiert wird sie durch die Verbindungslinien zwischen Inzisalpunkt (Berührungspunkt der Schneidekanten der Zähne 31 und 41) und dem distalen Höcker der Zähne 36 und 46[1] und verläuft in der Regel durch die Lippenschlusslinie. Sie ist parallel zur Bipupillarlinie (Verbindungslinie der beiden Pupillen) und etwa parallel zur Camperschen Ebene. Nach anderen Definitionen läuft sie durch den distalen Höcker der zweiten unteren Mahlzähne (Molaren).[2][3]

In der Kieferorthopädie wird die Okklusionsebene anders definiert. Hier wird sie als die Verbindungslinie zwischen zwei speziellen Punkten konstruiert:

  1. vPOcP: ein konstruierter Punkt, der durch die Halbierung der Strecke des Schneidezahnüberbisses definiert wird, also der Mittelpunkt der Verbindungslinie zwischen den Berührungspunkten der oberen und unteren mittleren Schneidezähne.
  2. hPOcP: der distalste Berührungspunkt der letzten in Okklusion stehenden Molaren[4].

Die Okklusionsebene dient der messtechnischen Orientierung für Winkelstellungen / Angulationen der oberen und unteren Zähne zu dieser Okklusionsebene sowie zur Darstellung der Winkelstellung der Okklusionsebene selber zu anderen Bezugslinien des Schädels.

Durch diese Bezugsebene sind Fehlstellungen (Angulationen) der Zähne und Fehlfunktionen der Zähne zueinander messtechnisch objektivierbar. Auch eine Veränderung der Winkelstellung der Okklusionsebene kann eine gravierende Fehlfunktion des Kauapparates darstellen. Die Okklusionsebene stellt einen groben Mittelwert der klinischen Okklusionskurve (Spee’sche Kurve, Kompensationskurve) dar, dem Verlauf der natürlichen Okklusionsebenen der einzelnen Zähne. Diese verlaufen in einer Kurve, welche besonders stark im Molarenbereich ausgeprägt und beim Menschen praktisch niemals identisch mit der idealisierten geraden Okklusionsebene ist.

Winkelbeziehungen der Bezugsebenen am Schädel zur Okklusalebene[5]
Bezugsebene Winkel Streuung
Scharnierachs-Orbitale-Ebene 12,87° 5,99°
Frankfurter Horizontale 5,59° 5,73°
Campersche Ebene -7,84° 5,57°

Quelle[Bearbeiten]

  • G. H. Schumacher: Die Funktionelle Anatomie des orofazialen Systems, Hüthig Verlag, Heidelberg 1985

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Slavicek, Rudolf: Die Funktionellen Determinanten des Kauorgans. Verlag zahnärztlich-medizinisches Schrifttum, München 1984, ISBN 3873940256, S. 70.
  2.  Lehmann, Klaus M., Elmar Hellwig: Zahnärztliche Propädeutik. 10. Auflage. Urban & Fischer bei Elsevier, 2005, ISBN 3-437-05391-4, S. 48.
  3. Terminologie & Nomenklatur der Arbeitsgemeinschaft für Funktionsdiagnostik und Therapie (AFDT) und der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde (DGzPW), V 2.0 vom 1. September 2005, abgerufen am 14. April 2013
  4.  Rakosi, Thomas: Atlas und Anleitung zur praktischen Fernröntgenanalyse. 2. neubearb. u. erw. Auflage. Hanser, München, Wien 1988, ISBN 3-446-14939-2, S. 51.
  5.  Slavicek, Rudolf: Die Funktionellen Determinanten des Kauorgans. Verlag zahnärztlich-medizinisches Schrifttum, München 1984, ISBN 3873940256, S. 72 ff..
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