Okonek

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Okonek
Wappen von Okonek
Okonek (Polen)
Okonek
Okonek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Landkreis: Złotów
Gmina: Okonek
Fläche: 6,01 km²
Geographische Lage: 53° 32′ N, 16° 51′ O53.53333333333316.85Koordinaten: 53° 32′ 0″ N, 16° 51′ 0″ O
Einwohner: 3994
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 64-965
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 11: KołobrzegBytom
Schienenweg: PKP-Linie 405: Piła-Ustka
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 27 Ortschaften
15 Schulzenämter
Fläche: 325,88 km²
Einwohner: 8876
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031053
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Andrzej Jasiłek
Adresse: ul. Niepodległości 53
64-965 Okonek
Webpräsenz: www.okonek.pl

Okonek (deutsch Ratzebuhr) ist eine polnische Kleinstadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Złotowski der Wojewodschaft Großpolen.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Der an der Landesstraße 11 (droga krajowa 11) langgestreckte Ort mit Ausläufern nach Westen zum etwas abgelegenen Bahnhof liegt im äußersten Norden der Woiwodschaft Großpolen in Hinterpommern. Über die Fernstraße und die parallel verlaufende Bahnlinie sind die nächstgelegen größeren Städte Szczecinek (Neustettin) im Norden und Piła (Schneidemühl) im Süden zu erreichen. Durch den Ort fließt das kleine Flüsschen Zarne (poln. Czarna).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Herzog Barnim IX. von Pommern-Stettin erteilte im Jahre 1554 die Order, im äußersten Südosten seines Herrschaftsgebietes an der Grenze zu Polen ein ihm unterstelltes Amtsdorf anzusiedeln. Für das Jahr 1563 ist überliefert, dass ein Jakob Woyke das Schulzenamt innehatte. Die Marktgerechtigkeit für zwei Jahrmärkte erteilte 1592 der Pommernherzog Johann Friedrich. Fünf Jahre später wurde das Recht auf jährlich drei Märkte erweitert. 1628 hatte sich der Ort zu 45 Bauernhöfen, sechs Katen, zwei Mühlen und einer Schenke entwickelt. Bis auf zwei Höfe brannte alles während des polnisch-schwedischen Krieges 1658 ab. 1663 konnte die als Fachwerkbau errichtete neue Kirche geweiht werden.

Nachdem Pommern 1653 unter brandenburgische Herrschaft gekommen war, unterstand Ratzebuhr administrativ dem Neustettinschen Kreis. 1720 wurde in der Stadt eine damals so bezeichnete Akzisestation (später Finanzamt) eingerichtet. Um den Grenzort gegenüber Polen zu stärken, erhob der preußische König Friedrich II. Ratzebuhr 1754 zur Stadt nach lübischen Recht und veranlasste auswärtige Tuchmacher, sich dort niederzulassen. Während des Siebenjährigen Krieges zogen 1758 russische Truppen plündernd durch die Stadt. In den Jahren 1781 bis 1782 wurde im Rahmen des preußischen Trockenlegungsprogramms das westlich der Stadt gelegene Tiefe Bruch urbar gemacht.

Als nach dem Wiener Kongress 1815 wieder ein polnischer Staat entstanden war, der sogleich strenge Zollbestimmungen erließ, gerieten die Ratzebuhrer Tuchmacher so sehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass viele von ihnen nach Polen auswanderten. Erst mit dem 1878 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz konnte sich die Wirtschaft wieder erholen. Neben den noch bestehenden zwei Tuchfabriken (der Familien Adler und Saecker) siedelten sich zwei Sägewerke, eine Ziegelei und eine Möbelfabrik an. 1914 wurde eine Großversandgärtnerei gegründet, die später zu Europas größter Edelweißzüchterei expandierte.

Ratzebuhr gehörte zum Landkreis Neustettin im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee erobert und anschließend - wie ganz Hinterpommern - unter polnische Verwaltung gestellt. In der Nachkriegszeit wurde die einheimische deutsche Zivilbevölkerung aufgrund der sogenannten Bierut-Dekrete von den nach Kriegsende zugewanderten Polen aus Ratzebuhr vertrieben.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hermann Haken (1828–1916), deutscher Politiker, war seit 1857 Kreisrichter in Ratzebuhr

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Okonek gehören außer geschlossenen Ortschaften auch Streusiedlungen.

Geschlossene Ortschaften:

Name deutscher Name (bis 1945)
Borki Barken
Borucino Burzen
Brokęcino Bahrenbusch
Chwalimie Wallachsee
Ciosaniec Hasenfier
Drzewice Hohenholz
Glinki Mokre Naßglienke
Glinki Suche Trockenglienke
Lędyczek Landeck
Łomczewo Lümzow
Lotyń Lottin
Lubniczka Klein Hertzberg
Okonek Ratzebuhr
Pniewo Pinnow
Podgaje Flederborn
Węgorzewo Szczecineckie Vangerow

Verstreute Siedlungen: Anielin (Karolinenhof), Babi Dwór (Babylon), Brzozówka (Birkenhof), Ciosaniec-Bolkowo (Hasenfier), Czersk (Marienwalde), Kruszka (Kruschke), Lubnica (Groß Hertzberg), Lubnicki Młyn, Przybysław (Ewaldshof), Rydzynka (Krügershof), Skoki (Mückenmühle), Wojnówko.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 320–321 (Volltext)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 28. November 2014.