Okriftel

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50.0515078.49942792Koordinaten: 50° 3′ 5″ N, 8° 29′ 58″ O

Okriftel
Wappen der früheren Gemeinde Okriftel
Höhe: 92 m ü. NN
Fläche: 4,06 km²
Einwohner: 7102 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 65795
Vorwahl: 06190
Mainfähre

Okriftel ist ein Stadtteil von Hattersheim am Main im Main-Taunus-Kreis in Hessen.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Okriftel ist auf einer Niederterrasse am rechten, nördlichen Flussufer des Mains gelegen. Der im Taunus entspringende Schwarzbach mündet am östlichen Rand der Ortsbebauung in den Main. Dieser Bach wurde in der Vergangenheit auch 'Okriftel' genannt und verlieh dem Ort seinen Namen. Der Ort entwickelte im Wesentlichen ein Netz von Ortsstraßen, die parallel und rechtwinklig zum Main verlaufen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Okriftel befindet sich südlich von Hattersheim und östlich des dritten Hattersheimer Stadtteils Eddersheim. Im Osten grenzt Okriftel an den Frankfurter Stadtteil Sindlingen. Ebenfalls östlich, aber auf der gegenüberliegenden Mainseite, liegt die Stadt Kelsterbach.

Geschichte[Bearbeiten]

3./4. Jahrhundert:

Vermutliche Entstehung des Ortes.

1103:

Älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Acruftele. Damals erhielt hier das Kloster St. Jakob bei Mainz ein Schiff und zwei Mühlen als Schenkung.

1560:

Die Reichsgrafen von Isenburg wurden ab 1560 die Landesherren in Okriftel, nachdem sie zuvor erheblichen Grundbesitz erworben hatten.

1803:

Okriftel ging an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Höchst.

1866/67:

Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Mainkreis und später dem Landkreis Höchst im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

1972

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schlossen sich am 1. Juli 1972 Hattersheim, Okriftel und Eddersheim durch einen Grenzänderungsvertrag freiwillig zur neuen Stadt Hattersheim (ab dem 1. Januar 1978 Hattersheim am Main) zusammen.[2] Die Eigenständigkeit gegenüber der Gesamtstadt beschränkt sich seitdem auf ein eigenes Ortsgericht.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war Okriftel landwirtschaftlich geprägt. Für die industrielle Entwicklung Okriftels war die Gründung einer Zellstoff- und Papierfabrik, der späteren Cellulosefabrik Phrix, im Jahr 1884 von entscheidender Bedeutung. Von 1885 (bzw. 1886) an wurde sie vom jüdischen Unternehmer Philipp Offenheimer (†1930) betrieben, dessen Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte und 1938 im Rahmen der Arisierung enteignet wurde[3]. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik an die Familie Offenheimer rückübertragen, aber kurze Zeit später an die Phrix-Werke AG verkauft. Im Jahr 1961 beschäftigte die Phrix um die 1000 Mitarbeiter in Okriftel, wurde dann aber 1970 stillgelegt, unter anderem weil die Erfüllung von Umweltauflagen zu hohe Investitionen erfordert hätte.[4] Die Phrix wurde jedoch nicht abgerissen, sondern blieb eine weitgehend ungenutzte Industrieruine.

Größere ortsansässige Industrie-Unternehmen sind heute die Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH (> 200 Mitarbeiter, Stand: 2008) oder die Hessische Bewehrungsstahl GmbH.

Viele Einwohner sind Berufspendler. Zu den wichtigsten Arbeitgebern gehören der Frankfurter Flughafen, Opel in Rüsselsheim oder die Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Hoechst AG im Industriepark Höchst.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Okriftel liegt an der Landesstraße L 3006, die von Eddersheim im Südwesten nach Frankfurt-Sindlingen im Nordosten führt. In Höhe des Ortskerns zweigt von dieser Straße die Landesstraße L 3011 als Mainstraße nach Norden ab in Richtung der Kernstadt Hattersheim.

In Okriftel gibt es eine Personenfähre über den Main, die nach Kelsterbach führt. Von Walldorf führt die Kreisstraße K 152 als Okrifteler Straße genau zur Fährrampe auf das Okriftel gegenüber liegende Mainufer zu. Allerdings musste diese Straße durch den Ausbau des Flughafens Frankfurt am Main und der Startbahn West erheblich umgebaut und umgeleitet werden.

Am Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

Bauwerke, Kultur und Sport[Bearbeiten]

ev. Kirche

In der Reformationszeit wurde um 1545 der lutherische und 1595 der reformierte Gottesdienst eingeführt.

Die evangelische Pfarrkirche wurde 1809 in klassizistischem Stil neu errichtet. Sie trägt einen Haubendachreiter. Dach- und Giebelflächen sind mit Schiefer verkleidet. Im Ortsteil steht außerdem die katholische Kirche St. Martinus Christ-König, die nach Plänen von Heinrich Horvatin und Carl Rummel errichtet wurde. Im Jahr 1953 erfolgte ihre Kirchweihe.[5] Des Weiteren besitzt der Ort ein Gebetszentrum der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Nördlich befindet sich das 1997 als Attraktion für den Regionalpark Rhein-Main eingeweihte Rosarium.

Alljährlich wird in Anlehnung an den Frankfurter Wäldchestag um Pfingsten das Okrifteler Wäldchesfest gefeiert.

Wichtige Sportvereine Okriftels sind der Turnverein 1886 Okriftel am Main e.V. sowie der Fußballverein FC Germania 1911 Okriftel e.V.

Im Westen des Ortes befindet sich der Baggersee, ein Teil des Landschaftsschutzgebietes Hessische Mainauen.

Im Norden, zwischen Okriftel und Hattersheim, verläuft die Wasserwerkschaussee zum im Jugendstil erbauten Wasserwerk.

In Okriftel endet auch der Schwarzbach-Planetenweg, der in Kriftel beginnt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Okriftel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtinformation Einwohnerstatistik HW + NW
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370 und 372.
  3. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis e. V. CJZ Main-Taunus, abgerufen am 2. Dezember 2011
  4. Cellulosefabrik Phrix, abgerufen am 1. Dezember 2011
  5. Darstellung zur Kirche St. Martinus Christ-König in Okriftel