Olaf Dinné

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olaf Dinné (2005)

Olaf Dinné (* 16. Dezember 1935) ist ein ehemaliger bremischer Politiker und war einer der ersten vier Abgeordneten einer grünen Partei in einem deutschen Landesparlament.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten]

Dinné war nach dem Studium der Architektur an der TU Berlin als freier Architekt tätig. 1959 kam er nach Bremen und ließ sich zunächst in der Altstadt, im Schnoorviertel, nieder.[1] 1964 übernahm Dinné mit einem Kollektiv das Lokal Lila Eule in Bremen. Dieses Lokal wurde als ein Jazz-Lokal mit politischem Anspruch betrieben. Dinné holte am 27. November 1967 persönlich Rudi Dutschke aus Berlin ab, der in der Lila Eule noch am selben Abend eine Rede hielt. Im Laufe der Unruhen um 1968 wurde es Ausgangs- und Treffpunkt der bremischen Außerparlamentarischen Opposition. Insbesondere die Bremer Straßenbahnunruhen 1968 wurden hier vorbereitet.

Politik[Bearbeiten]

Bürgerinitiative gegen die Mozarttrasse[Bearbeiten]

Als außerparlamentarischer Politiker wurde Dinné als Mitglied des SPD-Ortsvereins Altstadt (OVA) besonders bekannt im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die sogenannte Mozarttrasse, die nach den Plänen des Senats und der SPD-Fraktion der Bremischen Bürgerschaft als Umgehungsstraße das Viertel durchschneiden sollte.

In den 1960er Jahren begannen in Bremen verkehrspolitische Planungen zum Bau eines „Tangentenvierecks“, dessen östlicher Teil eine etwa 120 Meter breite Schneise entlang der Mozartstraße mit Anschlüssen zum Rembertikreisel auf der einen Seite und zu einer neuen Brücke in die Neustadt auf der anderen Seite werden sollte – die Mozarttrasse. Durch diese Planungen sollte die bremische Innenstadt weitgehend von Verkehr freigehalten und dem erwarteten steigenden Verkehrsaufkommen Tribut gezollt werden. Entlang der Tangenten war eine Hochbebauung mit bis zu 28 Stockwerken vorgesehen.

Diese ersten Überlegungen wurden im November 1971 durch den Senat der Freien Hansestadt Bremen in einem Sanierungskonzept Ostertorviertel konkretisiert. Der Ortsverein Altstadt der SPD konnte die sofortige Umsetzung nur verhindern, weil er zeitgleich ein Alternativkonzept vorlegen konnte.

Der anschließende Kampf um die Mozarttrasse dauerte mehrere Jahre. Für die Trasse stritt der sozialdemokratische Bremer Senat der Freien Hansestadt Bremen mit Unterstützung der SPD-Fraktion und der Neuen Heimat als geplantem Bauträger, gegen die Trasse vor allem der SPD-Ortsverein Altstadt. Zum Gebiet des Ortsvereins gehörten damals sowohl die Altstadt als auch das Ostertorviertel. Bereits 1969 hatte der Ortsverein Altstadt in einer großen Befragung die Bevölkerung zu dringenden Problemen des Ortsteils befragt. Die Ergebnisse waren für die Fragesteller eher überraschend. Von großer Bedeutung waren eher regionale Themen wie die durch den Senat geplante Flächensanierung des Ortsteils, welche von den Bewohnern des Ostertorviertels mit über 95 % abgelehnt wurde. Ein großer Rückhalt in der Bevölkerung gegen die Mozarttrasse war gesichert.

Als Ergebnis aus dieser Befragung änderte der Ortsverein Altstadt seine politische Arbeit. Er konzentrierte sich stärker auf Fragen der Kommunalpolitik und gründete den parteiunabhängigen Arbeitskreis Ostertorsanierung im Ortsverein Altstadt der Bremer SPD.

Über diesen Arbeitskreis und damit verbunden über die Einbindung völlig unterschiedlicher Bürger aus dem Ortsteil, regelmäßige Publikationen des Ortsvereins Altstadt und eine sachorientierte Zusammenarbeit aller Parteien im Beirat Mitte wurde der Protest organisiert. Nach Jahren der Diskussion kam es am 4. November 1973 zu einer SPD-Fraktionssondersitzung, die fast den gesamten Tag dauerte und in welcher nur der Punkt Mozarttrasse behandelt wurde. In dieser Sitzung gab es eine Mehrheit von 26 zu 24 Stimmen für das Projekt Mozarttrasse. Dieses knappe Ergebnis führte zu weiteren Diskussionen innerhalb der SPD-Führungsriege; der Beschluss wurde am nächsten Tag zurückgenommen. Die mit einer eigenen Mehrheit in der Bremischen Bürgerschaft ausgestattete SPD-Fraktion stimmte einstimmig bei 11 Enthaltungen gegen die Mozarttrasse und rettete damit eines der heute schönsten und beliebtesten Wohnquartiere Bremens.

Seitens der Bremer SPD-Führung wurde nach dem Ende der Mozarttrasse, um in Zukunft einen massiven Widerstand der aufmüpfigen Basis und besonders des Ortsvereins Altstadt zu unterbinden, der bis dahin einheitliche SPD-Unterbezirk Bremen-Stadt in zwei Unterbezirke (West und Ost) aufgeteilt. Durch die Trennung des Unterbezirks kam es auch zu einer Aufteilung des Ortsvereins Altstadt, der aus den Bereichen Altstadt und Ostertor bestand. Im Bereich des Ostertors wohnten die meisten Aktiven des Ortsvereins und dieser Teil trägt deshalb noch heute den Namen Altstadt. Der Bereich der eigentlichen Altstadt gehört seitdem zum neu gegründeten SPD-Ortsverein Innenstadt.

Am 16. Januar 2009, rund 40 Jahre nach diesen Ereignissen, erhielt der Arbeitskreis Ostertorsanierung die Bremer Auszeichnung für Baukultur. Mit diesem Preis ehrten der Bremer Bausenator und das Bremer Zentrum für Baukultur (BZB) Menschen, „die sich durch ihr Engamement für das historische Stadtbild, für die städtebauliche und baukünstlerische Entwicklung und für die Vermittlung baukünstlerischer Werte -insbesondere in Bremen- verdient gemacht haben“. Mit Dinné gehören zu den Ausgezeichneten die folgenden Mitglieder des Arbeitskreises: Dieter Decker, Hanna Ehmcke, Hans-Jürgen Kahrs, Ursel Kerstein, Thomas Kerstein, Wolfgang Linder, Uwe Martin, Karsten Schwerdtfeger, Gert Settje, Hans-Martin Sixt, Ulrike Schellpeper und Herbert Wulfekuhl.[2]

Grünenpolitiker[Bearbeiten]

Die Mitarbeit in der Anti-Atomkraftbewegung, weitere negative Erfahrungen mit der SPD usw. führten 1978 zum Austritt von Dinné und weiterer Mitstreiter aus der SPD und zur Gründung der Bremer Grünen Liste (BGL) um Dinné. Über die Anzahl der Mitstreiter, die mit ihm zusammen die SPD verlassen haben, gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben. Es muss sich aber wohl um eine Gruppe von 15 bis 25 Personen gehandelt haben. Olaf Dinné selbst sprach in einem Interview mit dem Journalisten Johannes Kühner von 18 Austritten. Er folgte auch Einladungen anderer grüner Gruppierungen in Deutschland wie der Grüne Liste Umweltschutz in Niedersachsen zu Podiumsdiskussionen.

1979 gelang es der BGL bei der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft 5,1 % der Stimmen in der Stadt Bremen zu erreichen und als erste grüne Partei in einem Landesparlament vertreten zu sein. Einer der vier Abgeordneten der BGL in der Bürgerschaft war Dinné. Politisch vertrat er seinerzeit einen strikt anti-kapitalistischen Kurs und versuchte seiner ehemaligen Partei nachzuweisen, dass diese die Interessen der kleinen Leute verraten habe.

Auf dem Gründungsparteitag der Grünen im März 1980 sprach sich Dinné deutlich gegen die Doppelmitgliedschaft in den Grünen und anderen Parteien und Gruppierungen aus. Er begründete dies offen mit der wahlstrategischen Überlegung, dass eine Abgrenzung zu den Kommunisten notwendig sei, damit nicht der Eindruck entstünde, die neue Partei sei kommunistisch unterwandert. Hierfür wurde er besonders von linken Mitgliedern kritisiert.[3]

Neben der BGL bildete sich in der Folge der Gründung der bundesweiten Partei „Die Grünen“ auch in Bremen ein Landesverband neben der BGL. Es kam zu Auseinandersetzungen innerhalb der BGL. 1982 trat der BGL-Abgeordnete Peter Willers aus der Abgeordnetengemeinschaft und der BGL aus und bei den Grünen ein. Bei der Bürgerschaftswahl am 26. September 1983 traten in Bremen drei grüne Gruppierungen an: Die Grünen, die BGL um Dinné und die Betrieblich-Alternative Liste. Nur die Grünen konnten mit 5,4 % der Stimmen in die Bürgerschaft einziehen.

Dinné ist außerparlamentarisch, im Rahmen von Bürgerinitiativen, weiterhin politisch aktiv.[4] Das gilt für den Kampf gegen Atomanlagen, aber auch für eine bürgerfreundliche Stadtplanung und die Kritik an einer rücksichtslosen Verkehrsplanung ("Wahnsinn wütet weiter").

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • 15 Jahre SPD in Bremen, dann Grün. Ein Beitrag zur bremischen Geschichte jüngerer Vergangenheit. Klartext-Verlag, Bremen 1979
  • mit Hans-Werner Lüdke (Hrsg.): Die Grünen. Personen, Projekte, Programme. Seewald, Stuttgart 1980, ISBN 3-512-00603-5
  • Das grüne Manifest. Robinson, Frankfurt 1985, ISBN 3-88592-006-9
  • mit Jochen Grünewaldt & Peter Kuckuk (Hrsg.): 1968. Anno dunnemals in Bremen. WMIT Druck-und-Verlags-GmbH, Bremen 1998, ISBN 3-929542-10-2
  • mit Konstanze Radziwill (Hrsg.): Trude Rosner-Kasowski. Ausstellungskatalog. WMIT Druck-und-Verlags-GmbH, Bremen, 2002, ISBN 3-929542-22-6

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.digitales-heimatmuseum.de/node/256
  2. 2. Bremer Auszeichnung für Baukultur, Text auf der Webseite des Bremer Zentrum für Baukultur
  3. Die Rote Fahne: Zur Gründung der Grünen Partei; KPD-Mitglieder zum Beschluß über das Verbot der Doppelmitgliedschaft. 28. Januar 1980; reproduziert in trend onlinezeitung. 01/05
  4. Interview im Weserkurier abgerufen am 13. März 2011