Olaf Rose

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Olaf Rose (2011)

Olaf Volker Bernhard Rose[1] (* 1958 in Arnsberg) ist ein deutscher Historiker und Politiker (NPD), der vor allem als Autor und Vortragsredner im geschichtsrevisionistischen und rechtsextremen Spektrum in Erscheinung tritt. Er ist seit 1991 Vorstandsmitglied der Gesellschaft für freie Publizistik und arbeitet seit 2006 für die NPD. Von Mai 2008 bis März 2009 gehörte er deren Bundesvorstand an[2] und ist für seine Partei seit 2009 Mitglied des Stadtrats von Pirna. Am 5. März 2012 wurde Rose von der NPD für die Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2012 nominiert, bei der er drei Stimmen erhielt.

Leben[Bearbeiten]

Olaf Rose wurde 1958 in Arnsberg geboren. Nach seinem Zivildienst studierte er Geschichte und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum. Als Student und Jungakademiker gehörte Rose politisch zur Linken. Er veröffentlichte z. B. 1986 einen Artikel über die Sowjetunion in einem Sammelband der West-Berliner Elefanten Press, zu dem prominente linke Autoren wie Jürgen Kuczynski, Georg Fülberth, Stephan Hermlin u. a. beitrugen.[3] Im Anschluss an sein Studium arbeitete Rose von 1987 bis 1996 als Teilzeit-Archivar für die nordrhein-westfälische Stadt Herdecke.[4] Rose promovierte 1992 mit finanzieller Unterstützung der Clausewitz-Gesellschaft bei Frank Golczewski[5] an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg zum Dr. phil. Seine Dissertation war eine militärgeschichtliche Arbeit über Carl von Clausewitz und dessen Wirkungsgeschichte in Russland bzw. der Sowjetunion.[6] 1994 wurde er mit dem Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften ausgezeichnet.[7]

Seit 1991 gehört Rose dem Vorstand der rechtsextremen Kulturvereinigung Gesellschaft für Freie Publizistik an. Ab 1996 war Rose einige Jahre als Lektor für die Verlagsgruppe von Dietmar Munier tätig.[4] Außerdem gab er gemeinsam mit Alain de Benoist, Reinhold Oberlercher und Franz Schönhuber die Zeitschrift Opposition heraus und war Autor sowie Mitglied des Redaktionsbeirats der ebenfalls in der Verlagsgesellschaft Berg erscheinenden Zeitschrift Deutsche Geschichte.[8]

Von 2001 bis 2003 arbeitete Rose als ABM-Kraft bei der Ruhrgebiets-Stadt Herne.[8] Dort sollte er für die Stadt eine Dokumentation zum Thema „Zwangsarbeit und Kriegsgefangene in Herne und Wanne-Eickel zwischen 1940 und 1945“ erstellen, die nach Bekanntwerden – unter anderem durch Artikel der taz ruhr – von Roses politischen Aktivitäten und nachdem er in dieser Arbeit die Zahl der Zwangsarbeiter in der Region von 30.000 auf 9.000 „herunterrechnete“, jedoch nicht verwertet wurde.[9] Roses Vertrag bei der Stadt Herne wurde daraufhin nicht verlängert. Der Hauptausschuss des Rates der Stadt Herdecke, in der er Jahre zuvor tätig war, beschloss am 17. Juli 2003 begleitend und auf Antrag aus der Bürgerschaft, dass es seitens der Stadt zukünftig keine weitere Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Archivar geben werde.[4] 2006 stellte die sächsische NPD-Landtagsfraktion Rose als „parlamentarischen Berater“ ein.[10]

Im rechtsextremen Grabert-Verlag erschien sein gemeinsam mit Rolf Kosiek verfasstes Buch Der Große Wendig – Richtigstellung zur Zeitgeschichte, das laut Verfassungsschutz „in der rechtsextremistischen intellektuellen Szene auf rege Nachfrage“ stoße.[11] „So wurde ‚Der Große Wendig‘ in einer Rezension des rechtsextremistischen Theorieorgans Nation & Europa – Deutsche Monatshefte als ‚Meilenstein des Revisionismus‘ beworben.“[11] Bekannt wurde er besonders mit seinem 2004 veröffentlichten Film Geheimakte Heß und mit den Übersetzungen der Bücher des britischen Verschwörungstheoretikers Martin Allen.

Rose hält Vorträge u. a. bei der Gesellschaft für freie Publizistik, der HNG, der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft, im Collegium Humanum, beim 4. „Freiheitlichen Kongreß“ des Deutsche-Stimme-Verlags 2006, auf Einladung der Domus Marcel Lefebvre 2011 und bei zahlreichen anderen rechtsextremen oder revanchistischen Organisationen. Bei einer von der rechtsextremen Sudholt Versandbuchhandlung ausgerichteten Vortragsveranstaltung unter dem Thema: „Wollte Adolf Hitler den Krieg?“, die am 6. Mai 2006 in München stattfand, oblag Rose die Leitung der Podiumsdiskussion.[12] Seit August 2009 ist Rose für die NPD Mitglied des Stadtrats von Pirna. Im Jahr 2012 wurde er von seiner Partei, die mit drei Delegierten in der Bundesversammlung vertreten war, als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten benannt.[13] Rose erhielt bei der Wahl zum Bundespräsidenten drei von 1228 abgegebenen gültigen Stimmen.[14]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Martin Allen: Das Himmler-Komplott. Die geheimen Friedensverhandlungen des Reichsführers SS mit den Briten und die mysteriösen Umstände seines Todes 1945. Übersetzt von Olaf Rose. Druffel & Vowinckel, Stegen am Ammersee 2005, ISBN 3-8061-1175-8.
  • Martin Allen: Churchills Friedensfalle. Das Geheimnis des Heß-Fluges 1941. Übersetzt von Olaf Rose. Druffel & Vowinckel, Stegen am Ammersee 2003, ISBN 3-8061-1153-7.
  • Martin Allen: „Lieber Herr Hitler …“ 1939/1940. So wollte der Herzog von Windsor den Frieden retten. Übersetzt von Olaf Rose. Druffel & Vowinckel, Inning am Ammersee 2001, ISBN 3-8061-1143-X (Originaltitel: Hidden Agenda. How the Duke of Windsor Betrayed the Allies.).

Videos[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olaf Rose – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundestagswahl 2009: Direktbewerber des Wahlkreises 159 Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, Webseite des Statistischen Landesamtes Sachsens, abgerufen am 19. März 2012.
  2. Mit „nationalem Sozialismus“ an die „Westfront“, Report vom 25. Mai 2006 auf redok.de.
  3. (mit Gerhard Duda): „Wacht auf, Verdammte dieser Erde…“. Die Sowjetunion 1917 bis 1930. In: Irene Lusk (Hg.): Die wilden Zwanziger. Weimar und die Welt 1919–33. Berlin (West): Elefanten Press 1986, S. 92–99
  4. a b c Tomas Sager, Jan Spreuk: Das Aus für Dr. Rose. Ein „aufrichtiger, ehrlicher und intelligenter deutscher“ Historiker muss gehen, Lotta Nr. 13, Sommer 2003 (PDF; 42 kB).
  5. Olaf Rose: Carl von Clausewitz, R. Oldenbourg, S. viii.
  6. Roses Dissertation: Carl von Clausewitz: Wirkungsgeschichte seines Werkes in Russland und der Sowjetunion 1836–1991 (online)
  7. Wehrwissenschaft 18. Juni 2012 bei german-foreign-policy.com; abgerufen am 21. Juni 2012
  8. a b Kevin Londer: Zwischen Lokalgeschichte und der extremen Rechten. Der Herner Stadtarchivar Dr. Olaf Rose, in: Lotta Nr. 12, Frühjahr 2003 (PDF; 270 kB).
  9. Albrecht Kolthoff: Braunes Merchandising. Die TV-Sendung zur DVD zum Buch zur Nazi-Demo. In: Telepolis, Ausgabe vom 30. September 2004.
  10. redok.de: Geschichtsrevisionist wird NPD-Mitarbeiter, Report vom 6. Oktober 2006.
  11. a b Verfassungsschutzbericht 2006, S. 140 (PDF).
  12. Rechtsaußen-Verleger soll vor die Tür, Report vom 13. Januar 2008 auf redok.de.
  13. NPD stellt Historiker Rose als Kandidaten auf, Spiegel Online, 5. März 2012.
  14. MDR-Bericht: Bundesversammlung: Joachim Gauck ist neuer Bundespräsident, Mitteldeutscher Rundfunk, 18. März 2012.