Oleh Ljaschko

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Oleh Ljaschko 2014
Kyrillisch (Ukrainisch)
Олег Валерійович Ляшко
Transl.: Oleh Valerijovyč Ljaško
Transkr.: Oleh Walerijowytsch Ljaschko

Oleh Walerijowytsch Ljaschko (ukrainisch Олег Валерійович Ляшко; * 3. Dezember 1972 in Tschernihiw, Ukrainische SSR) ist ein ukrainischer Politiker, Mitglied der Werchowna Rada[1] und ehemaliger Journalist.[2] Er ist Vorsitzender der Radikalen Partei Oleh Ljaschkos.

Wahlergebnisse bei der Präsidentschaftswahl 2014 für Ljaschko nach Oblast

Leben[Bearbeiten]

Ljaschko wurde am 3. Dezember 1972 in Tschernihiw geboren, wuchs jedoch im Dorf Lysyne (Лизине) nahe Bilokurakyne im Osten der Ukraine auf. 1998 studierte er an der Nationalen Pädagogischen Universität in Charkiw. Ljaschko war in mehrere Skandale verwickelt, so in einen Skandal um eine angebliche Homosexualität im Jahr 2010.[3] Er ist verheiratet und hat eine Tochter.[4]

Politische Aktivität[Bearbeiten]

Ljaschko wurde bei den Parlamentswahlen 2006 erstmals in die Rada gewählt und bei den Wahlen 2007 wiedergewählt, er kandidierte jeweils auf der Liste des Blok Juliji Tymoschenko. 2010 wurde er aus der Vaterlands-Partei wegen Zusammenarbeit mit der Partei der Regionen ausgeschlossen. Seit 2011 ist er Vorsitzender der Radikalen Partei. Bei der Parlamentswahl 2012 konnte Ljaschko in seinem Wahlkreis in der Oblast Tschernihiw ein Direktmandat erreichen und erhielt so erneut einen Sitz in der Werchowna Rada.[5]

Bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine am 25. Mai 2014 trat er als Kandidat für das Amt des Präsidenten an und erhielt 8,33 % der Stimmen. Damit erreichte er hinter Petro Poroschenko und Julija Tymoschenko das drittbeste Ergebnis. [6] In seiner Heimatoblast Tschernihiw erhielt er sogar 16,59 % der abgegebenen Stimmen.[7]

Während der Krise in der Ukraine 2014 vertrat Ljaschko Positionen, die als nationalistisch[8] bzw. als populistisch bewertet wurden. Auch fiel er mit zum Teil militanten Forderungen und Aktionen auf. So war Ljaschko im März 2014 an der Verhaftung eines prorussischen Politikers in Luhansk beteiligt,[9] verwies im Juni 2014 unter Anwendung von körperlicher Gewalt ein Fernsehteam des russischen Fernsehens aus dem ukrainischen Parlament[10] und bekannte sich zum Sturm eines Verwaltungsgebäudes in Tores in der Oblast Donezk, bei dem zwei Menschen getötet und ein weiterer verletzt worden waren.[11] Im Mai 2014 bekannte sich Ljaschko auf seiner Website zur Festnahme und zu einem Verhör des prorussischen Aktivisten Igor Kakidzianow.[12] Laut einem Bericht von Amnesty International beweisen Videoaufnahmen eine direkte Beteiligung Ljaschkos und einer Gruppe bewaffneter Männer an der Misshandlung des bereits verletzten Kakidzianow und einem weiteren Mann in der Nähe des Flugplatzes Mariupol am 7. Mai 2014. [13] Anfang August 2014 warf Amnesty International Ljaschko vor, eine Kampagne der Gewalt, Einschüchterung und Entführung zu führen und auf diese Art die Normen des Völkerrechts zu verletzen.[14] Der ukrainische Politologe Anton Schechowzow bezeichnete Ljaschko als „Populisten ohne Ideologie“. Seine Partei profitiere davon, dass in der ukrainischen Gesellschaft der Gedanke weit verbreitet sei, die Regierung tue nicht genug gegen die russische Aggression.[15] Das Protokoll von Minsk wurde von Ljaschko im September 2014 als „verschleierte Form einer Kapitulation Poroschenkos“ vor Putin bezeichnet.[16]

Ljaschko ist Mitbegründer der freiwilligen ukrainischen Kampfverbände Bataillon Asow und Bataillon Schachtar.[17]

Ljaschko wurde bei der Parlamentswahl in der Ukraine am 26. Oktober 2014 mit seiner Radikalen Partei fünftstärkste Kraft in der Werchowna Rada.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oleh Ljaschko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielles Portal der Werchowna Rada (ukrainisch); zuletzt abgerufen am 28. Mai 2014
  2. Biographie auf politrada.com (russisch); zuletzt abgerufen am 28. Mai 2014
  3. Homosexuellen– Skandal auf rus.newsru.ua vom 8. Oktober 2010, abgerufen am 25. Oktober 2014
  4. Ehefrau Lyashko: Witz über seine Orientierung ist nicht lustig; auf tabloid.pravda vom 3. Mai 2013, abgerufen am 25. Oktober 2014
  5. Ukrainischer Rechtspopulist- Ein „einfacher Kerl“ vom Lande, Artikel in der taz vom 25. September 2014
  6. Zentrale Wahlkommission der Ukraine – Abstimmungsergebnisse der Präsidentschaftswahl 2014; zuletzt abgerufen am 27. Mai 2014 (ukrainisch)
  7. Zentrale Wahlkommission der Ukraine – Abstimmungsergebnisse Ljaschko bei Präsidentschaftswahl 2014; zuletzt abgerufen am 28. Mai 2014 (ukrainisch)
  8. Artikel in der Kyiv Post vom 22. Mai 2014, abgerufen am 12. Juli 2014
  9. Webseite segodnaya.ua vom 10. März 2014
  10. Beitrag des Senders 5 Kanal auf der Webseite ukrstream.tv
  11. Militia backed by presidential candidate Lyashko takes credit for assassination of Russian-backed separatist, Kyiv Post vom 23. Mai 2014
  12. Webseite von Ljaschko, Eintrag vom 7. Mai 2014
  13.  [1]
  14. Impunity reigns for abductions and ill-treatment by pro-Kyiv vigilantes in eastern Ukraine, Webseite von Amnesty International vom 6. August 2014
  15. Interview mit A. Schechowzow in Der Standard vom 23. August 2014
  16. Ostukraine: Kein Krieg, kein Frieden Artikel in der Badischen Zeitung vom 15. September 2014
  17. Webseite von Ljaschko, 8. Juli 2014
  18. Zentrale Wahlkommission der Ukraine – Außerordentliche Wahlen der Volksdeputierten der Ukraine am 26. Oktober 2014, abgerufen am 28. Oktober 2014