Olga Neuwirth

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Olga Neuwirth (* 4. August 1968 in Graz) ist eine österreichische Komponistin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Olga Neuwirth ist die Tochter des Pianisten Harry Neuwirth. Sie wuchs in Schwanberg auf, ihre Schulausbildung erhielt sie in Deutschlandsberg.[1] Ihre ursprünglichen Pläne, Trompete zu studieren, musste sie nach einem Unfall mit Kieferverletzung aufgeben.[2] Beim 2. Jugendmusikfest Deutschlandsberg 1985 arbeitete sie mit Hans Werner Henze an „Robert, der Teufel“. Diese Kommunaloper in zwei Akten, nach einem Libretto von Elfriede Jelinek (nach einem weststeirischen Märchen), wurde am 27. Oktober 1985 in der Koralmhalle Deutschlandsberg uraufgeführt.

1986 studierte sie in San Francisco am Conservatory of Music und am Art College, Malerei und Film. In Wien setzte Olga Neuwirth ihre Studien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie am Elektroakustischen Institut fort. Wesentliche Anregungen erhielt sie durch die Begegnungen mit Adriana Hölszky, Tristan Murail und Luigi Nono. 1991 wurde Olga Neuwirth mit Mini-Opern nach Texten von Elfriede Jelinek international bekannt.

Neuwirth gehört zur musikalischen Avantgarde und sieht sich angeregt und inspiriert von der mit ihr befreundeten Schriftstellerin Elfriede Jelinek. So beschreibt sie selber ihre Musik als „Katastrophenmusik“, welche einen grundlegenden Pessimismus zum Ausdruck bringt, in dem dennoch nicht Verzweiflung herrscht, sondern die vorherrschende Empörung Kraft gibt für künstlerische Projekte. Aufgrund dieser Einstellung und der auf Harmonie weitgehend verzichtenden Umsetzung ihrer musikalischen Werke gilt Neuwirth als Enfant terrible der klassischen Musikszene Österreichs. Die Klangmuster ihrer Musik ähneln verschlungenen Labyrinthen und ändern sich ständig.

1999 wurde bei den Wiener Festwochen das Musiktheater Bählamms Fest uraufgeführt. 2000 war sie Composer-in-Residence beim Koninklijk Filharmonisch Orkest van Vlaanderen in Antwerpen, 2002 (mit Pierre Boulez) bei den Luzerner Festwochen. Ihr für Pierre Boulez und das London Symphony Orchestra geschriebenes Werk Clinamen/Nodus war nach der Londoner Uraufführung 2000 auf einer weltweiten Tournee zu hören. 2002 war sie composer-in-residence bei den Luzerner Festwochen. 2003 erfolgte in Graz die Uraufführung des Musiktheaters Lost Highway. Bei den Salzburger Festspiele 2006 wurde ihr Trompetenkonzert von den Wiener Philharmonikern uraufgeführt.

Olga Neuwirth nahm 2007 an der documenta 12 teil. 2008 fand die englische Erstaufführung von Lost Highway an der English National Opera statt.[3]

Das Auftragswerk The Outcast wurde 2012 von Michael Simon am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt, allerdings nicht im Sinne der Komponistin und ihrer Librettisten Anna Mitgutsch und Barry Gifford.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kompositionen (Auswahl)[Bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten]

  • Kloing! and A songplay in 9 fits. Hommage à Klaus Nomi (2011) Ein musiktheatralischer Abend zusammengestellt und inszeniert von Olga Neuwirth
  • THE OUTCAST – Homage to Herman Melville (2009-2011) Musicstallation-theater mit Video
  • American Lulu (2006-2011) Neuinterpretation von Alban Bergs Oper Lulu
  • Lost Highway (2002-2003)
  • Bählamms Fest (1997/98) Musiktheater in 13 Bildern nach Leonora Carrington; Libretto nach der Übersetzung von Heribert Becker von Elfriede Jelinek

Orchesterwerke[Bearbeiten]

  • Masaot/Cloacks without Hands (2013) für Orchester
  • … miramondo multiplo … (2006)für Trompete und Orchester
  • anaptyxis (2000) für Orchester
  • Clinamen / Nodus (1999) für Orchester
  • Photophorus (1997) für zwei E-Gitarren und Orchester
  • Sans soleil (1994) Zerrspiegel für zwei Ondes Martenot, Orchester und Live-Elektronik

Ensemblewerke[Bearbeiten]

  • Ishmaela's White World (2012) Eine Fußnote für Sopran, kleines Ensemble und Zuspielklängen
  • Hommage à Klaus Nomi (2009) Fassung für Kammerorchester
  • Construction in space (2000) für 4 Solisten, 4 Ensemblegruppen und Live-Elektronik
  • The Long Rain – a video opera with surround-screens (1999/2000) für 4 Solisten, 4 Ensemblegruppen und Live-Elektronik nach einer Erzählung von Ray Bradbury
  • Elfi und Andi (1997) für Sprecher, E-Gitarre, Kontrabass, Bassklarinette, Saxophon und 2 CD-Zuspielungen. Text: Elfriede Jelinek

Kammermusik[Bearbeiten]

  • voluta / sospeso (1999) für Bassetthorn, Klarinette, Violine, Violoncello, Schlagzeug und Klavier
  • ...ad auras... in memoriam H. (1999) für zwei Violinen und Holztrommel ad lib.
  • settori (1999) 2. Streichquartett
  • Ondate II (1998) für zwei Bassklarinetten
  • Akroate Hadal (1995) 1.Streichquartett

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wochenzeitschrift „Weststeirische Rundschau“ vom 5. Februar 2010, 83. Jahrgang Nummer 5, S. 1.
  2. a b Staatspreis an Olga Neuwirth. auf Ö1, abgerufen am 28. Jänner 2010.
  3. a b Olga Neuwirth erhält Großen Österreichischen Staatspreis 2010. Auf: Austrian Presse Agentur APA. 28. Jänner 2010, Channel: Kultur. Aussender: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Wien.
  4. Komponistin Olga Neuwirth erhält großen österreichischen Staatspreis. In: Der Standard. 28. Jänner 2010.
  5. derStandard.at - Deutscher Musikpreis geht an Olga Neuwirth APA-Meldung vom 16. Dezember 2009, abgerufen am 18. Dezember 2014.